Hi,
nun, nachdem ich direkt angesprochen wurde, möchte ich natürlich auch antworten. Ich werde dein Posting sogar als Einheit betrachten…
Ich habe das Ursprungs-Posting zerlegt, weil auch dieses eine erkennbare Gliederung hatte (1., 2., 3.) und man auf diese Art und Weise nach meinem persönlichen Empfinden am besten auf aufgeworfene Fragen eingehen kann. Und nachdem sogar eine explizite Bitte um Lieferung exakter Daten gestellt wurde, habe ich eine der besten Datenquellen der Republik, das Stat. Bundesamt, bemüht.
Natürlich gibt es viele Vorbehalte gegenüber Statistiken; sie mögen auch ihre Berechtigung haben. Immerhin beschäftige ich mich von Berufs wegen mit solchen und weiß durchaus um die Möglichkeiten. Dem Interessierten sei hier das unterhaltsame und lehrreiche Buch von Walter Krämer: So lügt man mit Statistik empfohlen. Den guten Churchill sollte man hier aber besser außen vor lassen, denn dieses Zitat stammt leider aus einer ganz anderen Quelle: Dem Reichspropagandaministerium. Für den Interessierten hier eine meiner Lieblingsquellen:
http://www.zeit.de/2002/18/Wissen/200218_stimmts_chu…
Und trotzdem, selbst wenn es dir oberlehrerhaft erscheint, amtliche Quellen einzubeziehen: nur weil jemand etwas persönlich so empfindet, muss es noch lange nicht richtig sein. Da lohnt ein Blick auf „amtliche“ Zahlen und die Block, Bleistift und Taschenrechner ab und an. Da du laut deiner Vika selbst als Controller arbeitest, müsstest du die Bedeutung und Auswertung von Zahlenmaterial eigentlich kennen.
Jetzt fällt mir gerade auf, dass ich ein Problem bekomme. Auch du gliederst ja deinen Text und stellst Einzelthesen auf, auf die man eigentlich einzeln eingehen müsste. So - habe ich zumindest mal gelernt - sähe guter Diskussionsstil aus.
Ich würde gerne einmal wissen, wo die Verbitterung herkommt. Elfenbeinturm. Selbstbedienungsladen. Kommt seinen originären Verpflichtungen nicht nach. Tu dir selbst den Gefallen und beschäftige dich mal mit der beim BfF sehr detailliert zu bekommenden Ausgabenaufstellung der BRD. Frag dich selbst als Controller, ob du in deinem Unternehmen alle Budgetwünsche erfüllen kannst. Ich - als Controller - muss mir auch oft sagen lassen, dass wir fernab jeglicher Realität wären und unsere Ratio-Maßnahmen den Untergang des Abendlandes herbeiführen würden. Nun, bislang haben sie es nicht getan…
Wir reden heute über Sparmaßnahmen, weil wir - die Bürger - uns jahrzehntelang an diesem Staat und an den Sozialversicherungsträgern bereichert haben, wo wir nur konnten. Wir reden darüber, weil Steuerhinterziehung bei uns Volkssport ist. Wir reden darüber, weil viele Leistungen des Staates bei uns derart selbstverständlich sind, dass jeder Versuch einer Änderung zu Massenprotesten führt. Bildung, insbesondere höhere solche, gibt es eben in vielen anderen Ländern nicht umsonst (und erstaunlicherweise ist dort das Bildungsniveau eher nicht schlechter als bei uns - siehe PISA).
Aber was soll’s. Wie du ja mehr oder weniger deutlich gemacht hast, möchtest du nicht wirklich über Sachthemen diskutieren, sondern Meinungen kundtun. Das sei dir unbelassen.
Meine Meinung zu deinem und auch zu diversen anderen Postings ist, dass ich persönlich es schön finden würde, wenn manche Leuten weniger meinen würden, sondern sich mehr mit den Realitäten auch ihres eigenen Lebens beschäftigen würden.
Ich fände es schön, wenn Thesen und Behauptungen anhand einer nachprüf- und -vollziehbaren Grundlage gestellt würden. Ich fände es schön, wenn Zitate auch auf ihren tatsächlichen Ursprung zurückverfolgt würden, da sie häufig sinnverdrehend gebraucht werden.
Es wäre schön, wenn Menschen, die sich ständig darüber beschweren, dass ihnen der Staat keinen Cent mehr zum Leben lässt, sich mal ernsthaft mit ihrer Einnahmen- und Ausgabensituation beschäftigen würden. Es ist oft verblüffend, wie sehr sich da manche Leute verschätzen. Es ist für mich ebenfalls verblüffend, dass die Menschheit gerne bereit ist, viel Geld dafür auszugeben, die eigene Gesundheit zu ruinieren. Für die Kosten, die daraus entstehen, sollten aber möglichst andere bezahlen…
Es wäre schön, wenn sich auf der Unternehmerseite mal herumsprechen würde, dass die bedingungslose Hörigkeit an den Shareholder Value letztlich ein Weg in die wirtschaftliche Sackgasse eines Unternehmens und Staates ist, und man sich mal mit dem Konzept des Stakeholder Value vertraut machen würde.
Es wäre schön, wenn „die Bürger“, die die Bürgerferne der Politiker beklagen und ach so gerne mehr politisches Mitspracherecht hätten, ihre Hintern wenigstens so weit bewegen würden, dass sie ihre bestehenden politischen Rechte ausüben würden.
Es wäre schön, wenn diejenigen, die ständig auf „die da oben“ , seinen es „böse Politiker“ oder „böse Bosse“, schimpfen, mal versuchen würden, etwas an ihrer Situation zu ändern. Werdet aktiv. Bildet euch weiter. Zeigt Einsatz. Mischt euch ein. Aber am Stammtisch bierseeligen Schwachsinn zu verzapfen ist halt soviel einfacher.
Ach, und eine letzte Meinung will ich auch noch loswerden. Irgendwie finde ich es schon merkwürdig, wenn man sich einerseits darüber aufregt, dass es den Arbeitslosen zu gut geht (und dass die nebenher noch schwarz arbeiten), andererseits aber die Maßnahmen, die das regulieren könnten, ablehnt. Könntet ihr euch mal entscheiden, was ihr eigentlich wollt?
Gruß
Feanor