Überbrückungsgeld/Ich-AG

Liebe Experten,

mein Mann hat sich im letzten Jahr selbstständig gemacht und dafür ein halbes Jahr lang Überbrückungsgeld vom Arbeitsamt bezogen. Im März läuft das Überbrückungsgeld aus; ihm steht noch ein Monat Arbeitslosengeld zu.

Leider läuft die Firma meines Mannes noch so schleppend, dass er (wenn sich die Lage nicht noch dramatisch verbessert) wohl kaum in der Lage sein wird, ab April seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die Frage ist nun: Wie geht es weiter? Vom Arbeitsamt hat er nur die Auskunft erhalten, dass er sich wieder arbeitlos melden soll und dass er als Selbstständiger nicht die Förderung für die Ich-AG bekommen würde.

Uns interessiert nun, ob er - wenn er sich arbeitslos meldet und Arbeitslosenhilfe bekommt - eventuell nach wenigen Monaten (und im Rahmen der Vorgaben vom Arbeitsamt mit stark zurückgefahrenem Firmembetrieb) doch eine Ich-AG etablieren und somit wieder voll selbstständig sein kann.

Es kann doch nicht sein, dass das Arbeitsamt Leute, die noch nach der alten Regelung den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt haben und nach gerade mal sechs Monaten noch nicht kostendeckend arbeiten, gegenüber denen benachteiligt, die erst jetzt eine Existenz gegründet haben, oder?

Mein Mann kann weder Kredite aufnehmen noch will er seine Firma schließen. Was kann er tun?

Gibt es irgendwelche Stellen, wo man sich beraten lassen kann?

Liebe Grüße & danke!
Sylvia

Hallo,

hier könnt ihr euch schonmal über die ICh-Ag informieren:

http://www.akademie.de/business/tipps_tricks/gruendu…

Interessant für deinen Mann sind m.E. folgende Passagen:

Es gibt es einen Rechtsanspruch auf den Existenzgründungszuschuss. (Nicht so beim Überbrückungsgeld: Aufgrund der Kann-Bestimmung im Paragrafen 57 SGB III müssen Anträge am Ende des Haushaltsjahres vielfach allein aufgrund der chronisch knappen Arbeitsamtskasse abgelehnt werden.)

Beantragt wird der Existenzgründungszuschuss beim örtlichen Arbeitsamt. Übrigens: Wer bei Gründung seiner Ich-AG noch Anspruch auf Arbeitslosengeld bzw. -hilfe hat, behält diese Rechte bis zu vier bzw. drei Jahre danach. (Geregelt ist das in den Erlöschens-Vorschriften des SGB III für das Arbeitslosengeld bzw. die Arbeitslosenhilfe). Sollte ein Gründungsvorhaben in diesem Zeitraum scheitern, lebt die Zahlung von Lohnersatzleistungen wieder auf.

----Zitat Ende----

Allerdings weiß ich nicht, ob er einen Anspruch auf direkte Folgehilfe hat. Vielleicht, wenn er sich wieder arbeitslos meldet und dann…

Da würde ich zunächst mal bei der Kostenstelle im AA fragen, ob er da automatisch rausfällt aus dieser Regelung, weil er bereits Ansprüche geltend gemacht hat über das Überbrückungsgeld.

Die ICh-AG Hilfe liegt auf jedenfall deutlich unter dem Überbrückungsgeld. Käme dein mann denn überhaupt damit hin?

Viel Glück!

Barbara

Hallo Barbara,

Herzlichen Dank für Deine Antwort und die guten Tipps!

Die ICh-AG Hilfe liegt auf jedenfall deutlich unter dem
Überbrückungsgeld. Käme dein mann denn überhaupt damit hin?

Na ja, vielleicht gerade so. Aber die Arbeitslosenhilfe wäre auch nicht viel höher; sie hätte nur den Vorteil, dass er sie unbegrenzt erhalten kann, während bei der Ich-AG ja nach drei Jahren Schluss ist.

Liebe Grüße,
Sylvia

Hallo Sylvia,

es ist ja auch die Frage, was er zur Zeit macht und ob er damit rechnet, dass das nochmal auf eigenen Füßen stehen kann. Denn seine momentanen Verdienste müsste er ja beim AA als Arbeitsloser angeben und die werden bei der Ahilfe dann verrechnet. Wenn er sich so wenig Chancen ausrechnet, dass das je richtig laufen wird, ist umsatteln aber vielleicht die bessere Alternative? (Weiterbildung, Umschulung, Versuch, doch wieder eine Festanstellung zu bekommen etc.). ich weiß natürlich viel zu wenig, um da qualifiziert was sagen zu können, sorry:smile:

viele GRüße,

Barbara

Leider läuft die Firma meines Mannes noch so schleppend, dass
er kaum in der Lage sein wird, ab April seinen Lebensunterhalt :zu bestreiten.

Hallo Sylvia,

die paar Monate Überbrückungsgeld reichen i. d. R. weder zeitlich noch der Höhe nach, um eine Existenzgründung auf sichere Füße zu stellen. Hier zeigt sich der erste Mangel im Geschäftsplan. Gibt es einen Geschäftsplan? Falls nicht, wird es jetzt höchste Zeit! Der Geschäftsplan ist in erster Linie nicht für die Augen Dritter bestimmt. Egal wie bitter die Wahrheiten sind, der Plan muß so realistisch wie irgend möglich sein.

Zum Geschäftsplan gehört neben der Finanzplanung eine Vorstellung von der Zielgruppe. Es reicht wirklich nicht, wenn man glaubt, seine Zielgruppe zu kennen. Man muß es zu Papier bringen! Du wirst erstaunt sein, wieviel Klarheit dabei entsteht. Die unausgesprochenen „wird-schon-gutgehen-Lücken“ werden dabei offenkundig. Wenn man die Zielgruppe kennt, braucht man eine Idee, wie man die Zielgruppe anspricht/erreicht, man braucht also ein Vertriebskonzept. Das hat Rückwirkungen auf den Finanzplan, denn Vertrieb kostet Geld und seien es nur Telefonate oder Briefmarken. Einfach abwarten, auf Bekannte und ehemalige Arbeitskollegen hoffen, kann man jedenfalls nicht. Jeder, vom Schuster bis zum Unternehmensberater, braucht ein Vertriebskonzept.

Wenn Du vor dem Hintergrund des bisher schleppenden Geschäftsverlaufs (eine wertvolle Erfahrung!) zu einem realistischen Geschäftsplan mit Finanzierungsbedarf, Zielgruppenbestimmung und Vertriebskonzept kommst, wird klarer, ob und wie die ganze Idee weiter verfolgbar ist.

Manche Leute erstellen Geschäftspläne (schlimmer noch: Lassen erstellen), um an das Überbrückungsgeld zu kommen. Entsprechend illusorischer Schwachsinn steht da denn auch drin. Wenn sich jetzt eine Geldquelle auftäte, die wieder begrenzte Zeit einen monatlichen Zuschuß bietet, würde dieses Geld vermutlich sinnlos verbraten und die Zeit vergeudet, wenn man der Sache einfach ihren Lauf ließe und abwartet, ob sich das Geschäft verbessert. Es verbessert sich nicht! Jedenfalls nicht von alleine und nicht durch Abwarten. Man braucht also eine Marschrichtung, einen realistisch gangbaren Weg. Die erste Sorge muß deshalb sein, dieses Konzept in Gestalt eines Geschäftsplans zu erstellen. Erst dann weiß man, wieviel Geld gebraucht wird und ob ein paar Monate weiterer bescheidener Zuwendungen überhaupt etwas bewirken.

Der Geschäftsplan vor dem Hintergrund der ersten Erfahrungen kann ergeben, daß das bisherige Produkt- oder Dienstleistungsangebot am Markt vorbei orientiert war. Dann muß man am Angebot etwas ändern oder eine geeignetere Zielgruppe wählen oder eine geeignetere Vertriebsmethode.

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wenn Du Angaben zum Geschäftszweck und zur Zielgruppe machst, können hier durchaus Anregungen kommen. Wenn Angebot, Zielgruppe und Vertriebsmethode stimmen, hat man in einer Keinfirma mit ein oder zwei Alleinunterhaltern eher das Problem, die viele Arbeit kaum bewältigen zu können.

Gerade die Beschränkung auf eine bestimmte Zielgruppe begreifen viele Gründer nicht. Dafür ein paar Beispiele: Vor einem Penny-Markt lagen gestern Handzettel zum Mitnehmen. Da bot jemand Webdesign an und versuchte natürlich, sich zu profilieren. Das tat der Verfasser mit einem Kauderwelsch, das nur jemand versteht, der ganz gewiß in der Lage ist, seine Webseite selbst zu gestalten. Außerdem trifft man bei Penny einen breiten Bevölkerungsschnitt an, aber gewiß nicht vorzugsweise die Leute, die nennenswertes Geld für eine Webgestaltung bezahlen. Bei der Handzettelaktion stimmte also nichts, weder die Zielgruppenauswahl noch deren Ansprache.

Ein anderes Beispiel: ES gibt viele arbeitslose Bauhandwerker. Einige machen sich selbständig und bieten förmlich alles an, Innenausbau, Fenstermontage… und klagen über Auftragsmangel. Auf dem Sektor habe ich selbst vor ein paar Jahren die Probe aufs Exempel gemacht. Beschränkung nur auf Trocknung feuchter Keller. Eine einzige Zettelaktion an Haushalte mit Tagespost, die zum Glück (weil ich mit dem Falten und Bündeln der Zettel nicht nachkam) nur regional eng begrenzt lief und nicht wie vorgesehen im ganzen Landkreis und dann im ganzen Bundesland), ließ das Telefon ununterbrochen klingeln. Ich fuhr von Auftraggeber zu Auftraggeber. Nach wenigen Tagen wäre ein Dutzend Baufirmen für die absehbare Zukunft mit Aufträgen vollgestopft und ich hätte meine eigene Firma schließen müssen, weil dafür keine Zeit mehr blieb. Deshalb verkaufte ich die Idee, nach der inzwischen eine ganze Franchisekette bundesweit arbeitet. Würde diese Kette alles an Bauarbeiten anbieten, wäre sie augenblicklich kaputt. Das Ding brummt durch die enge Beschränkung auf eine klar umrissene Zielgruppe und deren gezielte Ansprache.

Gruß
Wolfgang