…Deine eigene Existenz zu retten.
Hallo Carsten,
noch einmal zu den fehlenden Aufträgen: Daß kein Geld für Anzeigen vorhanden ist, war gewiß vor Aufnahme der Selbständigkeit bekannt!? Außerdem finde ich merkwürdig, daß zum Bezug von Überbrückungsgeld die gutachterliche Stellungnahme einer „sachkundigen Stelle“ Voraussetzung ist, daß diese die Nachhaltigkeit der Gründungsidee zu prüfen hat und dazu gehört als zentraler Punkt eine Idee, wie man an die Kunden kommt. Offenkundig gab es an dieser Stelle allseits eine Fehleinschätzung. Willst Du deshalb die doch eigentlich wunderbare Perspektive der eigenen Existenz wirklich an den Nagel hängen? Aufträge kommen nur selten von alleine. Wenn das wirklich Dein Problem ist, brauchst Du keinen Nebenjob, dann brauchst Du ein funktionierendes Vertriebskonzept!
Anzeigen? Das ist in den meisten Bereichen die mit heftigen Streuverlusten und teure Methode von gestern. Als Selbständiger weiß ich, wovon ich rede. Als Ingenieur fing ich vor 20 Jahren an und hatte von Vertrieb keine Ahnung, genau genommen sogar Angst davor. So war ich auf Vertriebsleute (selbständige Handelsvertreter) angewiesen, auf Zufälle und auf Inserate. Ich gab ein Vermögen für Inserate aus. Die Handelsvertreter erwiesen sich aus vielen Gründen, die hier den Rahmen sprengen, als nicht optimal.
Stets empfand ich eine Sperre, selbst den Erstkontakt zum potentiellen Kunden zu knüpfen. Irgendwann mußte ich es, weil einfach keine Arbeit da war und ich 14 Angestellte (inkl. Soz.-Abgaben 70.000 DM pro Monat) und 10.000 DM monatliche Raumkosten an der Backe hatte. Sogar ich (neben mir kann gerne eine Bombe einschlagen) schlafe dabei schlecht. Das nur zur Vorgeschichte. Jetzt überspringe ich ein paar Stufen und einige Anfangsschwierigkeiten, gleich das Ergebnis, das ausschließlich auf eigener Erfahrung beruht:
- Bringe Dein Angebot, die Art Deiner Dienstleistung in verständlichen knappen Worten zu Papier.
- Bringe zu Papier, wer Deine potentiellen Kunden sind.
(Wenn Du diese Punkte nur liest und sodann im Kopf abhakst, funktioniert die Methode nicht. Du MUSST es für Dich selbst SCHRIFTLICH machen. Du wirst erstaunt sein, wieviel Feilerei und Feinarbeit dabei heraus kommt.
- Du kennst also Deine Dienstleistung und Du kennst also Deine Kunden. Jetzt beantworte bitte folgende Frage: Weshalb sprichst Du Deine Kunden nicht direkt an?
Weshalb wartest Du auf eine Kette geradezu unglaublicher Zufälle, die auch noch alle gleichzeitig eintreten müssen, daß nämlich ein potentieller Kunde ausgerechnet die Zeitschrift liest, in der Du inserierst, daß ihm außerdem Dein Inserat auffällt und er zudem begreift, daß Du es bist, der seine Wünsche erfüllt und der Kunde nicht viel zu träge ist, Dich anzurufen?!? Das Eintreten dieser Zufälle ist so unwahrscheinlich, daß Rückläufer auf Inserate zum seltenen Ereignis werden. Normalfall ist, daß ein Inserat in einer Zeitschrift mit Auflage 20.000 ein halbes Dutzend Rückläufer bringt (aber noch längst keine Aufträge!). Da kann man von Wirkungsgrad nicht mehr reden, das ist pure Geldvernichtung.
Wenn Du Dir die Fragen 1) und 2) beantwortest, Dich ans Telefon setzt und akquirierst, hast Du innerhalb eines Tages mehr Interessenten, als Du bedienen kannst, hast Du innerhalb weniger Tage das Haus gestrichen voll mit Aufträgen! Mit Ausnahme von Telefonkosten zum Nulltarif und garantiert! Einzige Voraussetzung nach Beantwortung der gestellten Fragen: Du mußt die Sache üben! Das erste Telefonat darf also nicht gleich mit dem Top-Kunden geführt werden. Taste Dich mit hoch gehängter Frust-Schwelle, aber mit wachen Sinnen an die Sache heran. Ach ja, Telefonieren muß man auch können, also deutlich sprechen, kein Fach-Kauderwelsch, insbesondere aber Zuhören, dabei Informationen wie ein Schwamm aufsaugen (Namen und Daten mitschreiben) und hinterher Manöverkritik mit Dir selbst veranstalten.
Wenn Deine Leistung nicht gar zu exotisch ist (Planung nur von Hochhäusern ab 100 Stockwerken und nur in der Wüste), ist das keine-Aufträge-und-Sommerloch-Argument einfach ein -Verzeihung - Sch***-Argument. Eine Ein-Mann-Butze bekommt man immer und überall mit Aufträgen randvoll. Und von den Möglichkeiten des Internets war noch nicht einmal die Rede!
Jetzt weißt Du immer noch nicht, wie sich die Sache mit dem Nebenjob verhält, aber ich finde, daß es Energieeinsatz an der falschen Stelle ist, für einen 325-Euro-Job auch nur den Wecker zu stellen.
Gruß
Wolfgang