Überbrückungsgeld vom Arbeitsamt und 325-Euro-Job

Ich bin seit dem 1.5. quasi selbständig und erhalte bis zum 31.10. Überbrückungsgeld vom Arbeitsamt.

Da im Moment Sommerloch ist und ich keine Aufträge habe, möchte ich mir quasi was dazu verdienen.

Mir ist u.a., dass ich keinen Job auf Lohnsteuerkarte annehmen darf, denn dann ist das Überbrückungsgeld futsch.

Aber:

Wie sieht es mit einem 325-Euro-Job aus? Darf ich den denn machen?

Als ich noch arbeitslos gemeldet war, ging das übrigens (halt mit den Einschränkungen des Freibetrages von 165 Euro).

Die Freistellungsbescheinigung vom Finanzamt würde ich ja kriegen, da ich dieses Jahr noch nicht auf Lohnsteuerkarte gearbeitet habe.

Wie sieht die Lage für mich aus?

Gruß aus Gallien

Euer Asterix

Ich bin seit dem 1.5. quasi selbständig und erhalte bis zum
31.10. Überbrückungsgeld vom Arbeitsamt.

Da im Moment Sommerloch ist und ich keine Aufträge habe,
möchte ich mir quasi was dazu verdienen.

Hallo Carsten,

zur Berechnung anderweitig unselbständig verdienter Beträge kann ich Dir nichts sagen.

Aber: Eine Existenzgründung ist mit sehr viel Arbeit verbunden. Zeit für Nebenjobs kann da unmöglich sein.

Du beziehst Überbrückungsgeld. Damit ist der Kühlschrank gefüllt und die Sozialversicherung bezahlt. Nun bezeichnest Du Dich selbst als „quasi selbständig“, sprichst von Sommerloch und fehlenden Aufträgen. Das hört sich sehr halbherzig an. Dabei kannst Du das Ende des Überbrückungsgeldes schon deutlich sehen! Wäre es nicht sinnvoller, jetzt 16 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche in die Auftragsbeschaffung zu stecken, statt irgendwo herum zu jobben?

Um leben zu können, mußt Du mindestens 3000 € am Monatsende übrig haben, aber nicht für ein Zehntel des Betrages die Zeit vergeuden.

Gruß
Wolfgang

Wäre es nicht sinnvoller, jetzt 16 Stunden am

Tag und 7 Tage die Woche in die Auftragsbeschaffung zu
stecken, statt irgendwo herum zu jobben?

Ich habe leider keine Aufträge und nicht das Geld, viele, viele Anzeigen zu schalten. Und einen Kredit - ich bräuchte ca. 10000 Euro - bekomme ich als Ex-Arbeitsloser nicht, da keine Sicherheiten vorhanden.
Also brauche ich die Kohle nebenher.

Ich muss also wissen, ob ich die 325 Euro legal nebenher verdienen darf oder nicht.

Gruß Carsten

Hallo Carsten,

Wolfgang hat Recht, du solltest Dich um Aufträge kümmern. Dies geht weniger mitm Anzeigen als mit Klinken putzen. Schau Dir die Firmen aus deiner Umgebung an, was sie brauchen könnten:
-eine Datensicherung
-eine Webseite
-eine Erneuerung der Webseite
-Mitarbeiterschulung

Dann nimm ein Anschreiben und schaff es bei dem Inhaber persönlcih vorbei und red mit ihm kurz drüber. Gerade in kleineren Städten/Dörfern ist dieser Weg besser als ein anonymes Fax.

Tschuess Marco.

…Deine eigene Existenz zu retten.

Hallo Carsten,

noch einmal zu den fehlenden Aufträgen: Daß kein Geld für Anzeigen vorhanden ist, war gewiß vor Aufnahme der Selbständigkeit bekannt!? Außerdem finde ich merkwürdig, daß zum Bezug von Überbrückungsgeld die gutachterliche Stellungnahme einer „sachkundigen Stelle“ Voraussetzung ist, daß diese die Nachhaltigkeit der Gründungsidee zu prüfen hat und dazu gehört als zentraler Punkt eine Idee, wie man an die Kunden kommt. Offenkundig gab es an dieser Stelle allseits eine Fehleinschätzung. Willst Du deshalb die doch eigentlich wunderbare Perspektive der eigenen Existenz wirklich an den Nagel hängen? Aufträge kommen nur selten von alleine. Wenn das wirklich Dein Problem ist, brauchst Du keinen Nebenjob, dann brauchst Du ein funktionierendes Vertriebskonzept!

Anzeigen? Das ist in den meisten Bereichen die mit heftigen Streuverlusten und teure Methode von gestern. Als Selbständiger weiß ich, wovon ich rede. Als Ingenieur fing ich vor 20 Jahren an und hatte von Vertrieb keine Ahnung, genau genommen sogar Angst davor. So war ich auf Vertriebsleute (selbständige Handelsvertreter) angewiesen, auf Zufälle und auf Inserate. Ich gab ein Vermögen für Inserate aus. Die Handelsvertreter erwiesen sich aus vielen Gründen, die hier den Rahmen sprengen, als nicht optimal.

Stets empfand ich eine Sperre, selbst den Erstkontakt zum potentiellen Kunden zu knüpfen. Irgendwann mußte ich es, weil einfach keine Arbeit da war und ich 14 Angestellte (inkl. Soz.-Abgaben 70.000 DM pro Monat) und 10.000 DM monatliche Raumkosten an der Backe hatte. Sogar ich (neben mir kann gerne eine Bombe einschlagen) schlafe dabei schlecht. Das nur zur Vorgeschichte. Jetzt überspringe ich ein paar Stufen und einige Anfangsschwierigkeiten, gleich das Ergebnis, das ausschließlich auf eigener Erfahrung beruht:

  1. Bringe Dein Angebot, die Art Deiner Dienstleistung in verständlichen knappen Worten zu Papier.
  2. Bringe zu Papier, wer Deine potentiellen Kunden sind.

(Wenn Du diese Punkte nur liest und sodann im Kopf abhakst, funktioniert die Methode nicht. Du MUSST es für Dich selbst SCHRIFTLICH machen. Du wirst erstaunt sein, wieviel Feilerei und Feinarbeit dabei heraus kommt.

  1. Du kennst also Deine Dienstleistung und Du kennst also Deine Kunden. Jetzt beantworte bitte folgende Frage: Weshalb sprichst Du Deine Kunden nicht direkt an?

Weshalb wartest Du auf eine Kette geradezu unglaublicher Zufälle, die auch noch alle gleichzeitig eintreten müssen, daß nämlich ein potentieller Kunde ausgerechnet die Zeitschrift liest, in der Du inserierst, daß ihm außerdem Dein Inserat auffällt und er zudem begreift, daß Du es bist, der seine Wünsche erfüllt und der Kunde nicht viel zu träge ist, Dich anzurufen?!? Das Eintreten dieser Zufälle ist so unwahrscheinlich, daß Rückläufer auf Inserate zum seltenen Ereignis werden. Normalfall ist, daß ein Inserat in einer Zeitschrift mit Auflage 20.000 ein halbes Dutzend Rückläufer bringt (aber noch längst keine Aufträge!). Da kann man von Wirkungsgrad nicht mehr reden, das ist pure Geldvernichtung.

Wenn Du Dir die Fragen 1) und 2) beantwortest, Dich ans Telefon setzt und akquirierst, hast Du innerhalb eines Tages mehr Interessenten, als Du bedienen kannst, hast Du innerhalb weniger Tage das Haus gestrichen voll mit Aufträgen! Mit Ausnahme von Telefonkosten zum Nulltarif und garantiert! Einzige Voraussetzung nach Beantwortung der gestellten Fragen: Du mußt die Sache üben! Das erste Telefonat darf also nicht gleich mit dem Top-Kunden geführt werden. Taste Dich mit hoch gehängter Frust-Schwelle, aber mit wachen Sinnen an die Sache heran. Ach ja, Telefonieren muß man auch können, also deutlich sprechen, kein Fach-Kauderwelsch, insbesondere aber Zuhören, dabei Informationen wie ein Schwamm aufsaugen (Namen und Daten mitschreiben) und hinterher Manöverkritik mit Dir selbst veranstalten.

Wenn Deine Leistung nicht gar zu exotisch ist (Planung nur von Hochhäusern ab 100 Stockwerken und nur in der Wüste), ist das keine-Aufträge-und-Sommerloch-Argument einfach ein -Verzeihung - Sch***-Argument. Eine Ein-Mann-Butze bekommt man immer und überall mit Aufträgen randvoll. Und von den Möglichkeiten des Internets war noch nicht einmal die Rede!

Jetzt weißt Du immer noch nicht, wie sich die Sache mit dem Nebenjob verhält, aber ich finde, daß es Energieeinsatz an der falschen Stelle ist, für einen 325-Euro-Job auch nur den Wecker zu stellen.

Gruß
Wolfgang