Ich bin Ralph aus Köln und möchte ab Oktober 2002 selbständig
als Kurier/Grafik-Design arbeiten. Diese Kombination hört sich
vielleicht seltsam an, aber ich glaube, dass ich dadurch zwei
Fliegen mit einer Klappe schlage. Durch die Tätigkeit als
Kurier (Subunternehmer) kommt
a)sofort etwas Geld in Haus
b)lerne ich viele Firmen kennen und kann schon erste Kontakte
für Gestalltungsaufgaben machen
Hallo Ralph,
mir scheint bei der ins Auge gefaßten Methode der Kundenakquisition für Gestaltungsaufträge ein Trugschluß vorzuliegen. Du trittst zunächst als Kurier auf. Damit halte ich es i. d. R. für ausgeschlossen, daß Du vom gleichen Kunden oder Empfänger einen Design-Auftrag bekommst.
Überhaupt hast Du Dir zwei Problembereiche ausgesucht. Der Kurierbereich ist überall regional knochenhart umkämpft. Dann auch noch als Subunternehmer. Nach meiner Einschätzung ist das kein guter Start. Vergiß das Subunternehmertum. Akquiriere Deine Kunden selbst. Damit Du nicht ausschließlich über den Preis kommen mußt, brauchst Du das Spezialangebot. Das kann von unmöglichen Einsatzzeiten (versuche mal, morgens um 4 einen Kurier zu bekommen) bis zu schwierigen, empfindlichen oder besonders wertvollen Gütern gehen.
Grafik-Design: Als man noch mit Repro-Kamera, Leuchttisch und Abdecktusche arbeitete, als man zum Setzen von 3 Textzeilen noch einen Spezialbetrieb brauchte, als die Schriftkassette für einen Drucker noch ein Vermögen kostete, als man noch unbedingt eine Mittelformat-Kamera nebst Dunkelkammer brauchte, als sich um das Grafik-Gewerbe noch eine riesige Branche rankte, ließ sich ganz auskömmlich davon leben. Diese Zeit ging aber Ende der 80er/Anfang der 90er endgültig zu Ende. Es gab einen von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt gewaltigen Wandel, der vielen hunderttausend Menschen den Arbeitsplatz kostete und das Ende für tausende von Betrieben brachte. Die gesamte Druckbranche wurde vollständig umgekrempelt und mit ihr alle Vorstufen des Entwurfs und des Designs. In jeder Druckerei steht heute ein Mac, wo kleinere Dinge selbst gemacht werden. Übrig geblieben sind ganz wenige Firmen, die sich hoch spezialisiert haben und zumeist eine abenteuerliche Mischung aus Drucktechnik und Fotografie für spezielle Industriekunden bieten. Vorbei auch die Zeiten, als man mit einem Leuchttisch ausgestattet vom Entwurf von Visitenkarten und Briefpapier leben konnte. Es ist ein ganz schwieriges Gewerbe geworden, wo Du ohne Spezialisierung chancenlos bist und in der Kluft des Motorrad-Kuriers nicht einmal den Fuß in die Tür zu den richtigen Leuten bekommst.
Mein Rat: Nutze Deine in der Vergangenheit erworbenen Kenntnisse. Du verstehst etwas von Schmuck. Kombiniere diese Fähigkeiten mit Grafik-Design. Da bist Du prädestiniert, diese Dinge mit den Mitteln des Grafik-Designers zu gestalten oder wiederzugeben. Du hast vor allen Dingen die Mittel, diesen Kundenkreis zu akquirieren, weil Du die Sprache der Leute in diesem Metier sprichst. Das ist mehr als die halbe Miete für erfolgreichen Vertrieb.
Mit anderen Worten: Erstelle ein neues Konzept für Deine Selbständigkeit, erstelle einen komplett neuen Geschäftsplan und beschränke Dich auf genau ein Gebiet.
Gruß
Wolfgang