Hallo ihr Weisen
Bisher habe ich „übernächtig“ als Adjektiv empfunden und gebraucht, wie z.B. auch mächtig etc.
Jetzt lese ich dafür häufig das Partizip Perfekt „übernächtigt“.
In meinen Ohren tönt das falsch; Frage:
Gibt es das Wort „übernächtigt“, und - falls ja- bedeutet es dasselbe?
Wer kann mich updaten (!!) ?
Erich
Hallo Erich,
ich kenne eigentlich nur „übernächtigt“ und es heißt eben „müde, kaputt, zu oft Nachtschicht gehabt und/oder durchgesoffen“.
Gruß!
Horst
Hallo
„übernächtig“ – ein weiteres nettes Beispiel,
wie sich ein Wort, das man einmal falsch gehört
(oder falsch vorgesprochen bekommen) hat,
einprägt und fortan als richtig empfunden wird.
Dagegen hat die richtige Schreib- oder
Sprechweise (übernächtigt) wenig Chancen.
Oder wirst du dem Richtspruch der «Weisen im
Forum» trauen und folgen?
Freundliche Grüsse
Rolf
Guten Morgen,
spontan hätte ich ähnlich geantwortet wie meine Vorredner und wollte Belege dafür anführen - aber siehe da:
übernächtig /Adj./ durch zuwenig Schlaf übermüdet: er sah bleich und ü. aus; ihre ü. Augen glänzten fiebrig; ein Trupp blasser übernächtiger Soldatengesichter Zuckmayer Bauer 124;
Übernächtigkeit, die; -, -en /Pl. ungebräuchl./
http://www.dwds.de/?woerterbuch=1&qu=%C3%BCbern%C3%A…
übernạ̈chtigt /part. Adj./ s. übernächtig
http://www.dwds.de/?woerterbuch=1&qu=%C3%BCbern%C3%A…
- über|näch|tig (bes. österr., schweiz.): übernächtigt.
http://www.duden-suche.de/suche/trefferliste.php
Wobei laut meinem gedruckten Duden bei " über|näch|tig" ü betont wird, bei " übernächtigt" das ä.
Wieder was dazugelernt
gargas
Servus Erich,
zur Illustration dafür, dass das Adjektiv übernächtig nicht „falsch“ für das passive Partizip übernächtigt, sondern eine eigene Bildung nach eigenen Regeln ist, zwei Analoge, beide auch eher aus dem oberdeutschen Sprachraum:
„heurig“ als „zu diesem Jahr gehörig, aus diesem Jahr stammend“
„ferndig“ als „zu einem weit zurückliegenden Tag gehörig, aus dem letzten Jahr stammend“.
Und auf diese Weise „übernächtig“ = „zum Vortag gehörig, ohne diese Nacht geschlafen zu haben“
Schöne Grüße
MM
Hallo,
dass das Adjektiv übernächtig nicht
„falsch“ für das passive Partizip übernächtigt, sondern eine
eigene Bildung nach eigenen Regeln ist,
Und auf diese Weise „übernächtig“ = „zum Vortag gehörig, ohne
diese Nacht geschlafen zu haben“
belegt auch bei Grimm http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…
ÜBERNÄCHTIG , adj. u. adv. … mhd. übernehtec
[…]
2…c) … unausgeschlafen, verschwärmt, durch eine durchwachte nacht erschöpft …
und
http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…
Gruß
Kreszenz
Servus Kreszenz,
damit:
mhd. übernehtec
haben wir den Kasus beim Wickel, und können auch das heutige Verbreitungsgebiet erklären. Schönen Dank für den Beleg!
Sei gegrüßt
MM
in dem Fall: ein Eigentor
Oder wirst du dem Richtspruch der «Weisen im
Forum» trauen und folgen?
Das tu ich jetzt selber …
Freundliche Grüsse
Rolf
Vielen Dank
…für die unerwartet vielen Antworten. Am meisten kann ich anfangen mit den Hinweisen von Gargas. Offenbar ist mein bevorzugtes „übernächtig“ ein Indiz für meine eher südliche Herkunft. Immerhin habe ich auch gelernt, dass die Variante mit dem Partizip auch richtig ist.
Erich
‚übernächtigt‘ und ‚übernächtig‘
Guten Tag, Erich
Ich bin immer noch ‚übernächtigt‘, weil ich mich wegen meiner Gäste aus
Österreich erst um zwei Uhr in der Früh habe aufs Ohr legen können.
Diese sehen ebenfalls noch kaum aus den Augen, sind aber nur
‚übernächtig‘.
Freundlich grüsst
Rolf