Hallo Blubb,
in einigen Aussagen kann ich dem Vorposter (MGB) zustimmen. Insbesondere dahingehend, dass eine Anwwort aus dem Forum heraus sicherlich nicht genau das treffen wird, was Du hören wolltest. Es ist in der Tat bei nur teilweiser Information nicht seriös möglich.
Möchte aber noch folgendes dazu sagen:
mein Mann und ich stehen vor der Entscheidung, ob wir das seit
4 Generationen im Familienbetrieb stehende
Einzelhandelsunternehmen übernehmen sollen.
Das ist zunächst einmal schon eine wichtige und gehaltvolle Aussage. Sie macht deutlich, dass es sich nicht „um irgendein Geschäft“ handelt, sondern um ein Geschäftsmodell, welches „angekommen“ ist. Darauf aufbauend muss man ganz anders planen, wie etwa für den Fall eines noch jüngeren, weniger etablierten Unternehmens. Es macht also durchaus Sinn, sich umfassend zu informieren.
Wie bei so vielen, waren die letzten Jahre recht schlecht, und
viel von der Substanz wurde abgebaut. Doch das Unternehmen hat
einen guten Ruf, eine lange Tradition, einen festen
Kundenstamm, eine gute Geschäftslage … also vieles, was
dafür spricht.
Kann man davon ausgehen, dass es sich um ein Geschäft etwa in einer Einkaufstraße handelt und das bestimmte Markenprodukte dort vertrieben werden ? Außerdem wäre die Anzahl der Mitarbeiter noch interessant.
Wenn ich nun versuche die Blanz zu lesen, um daraus zu
erfahren, ob die wirtschaftliche Lage langfristig eine
Übernahme sinnvoll macht, dann kann ich die Zahlen einfach
nicht interpretieren, weil mir das entsprechende Fachwissen
fehlt.
Diese Aussage ist im Grunde genommen nicht (ganz) korrekt. Éine Bilanz zeigt ja jeweils nur die sich darstellenden wirtschaftlichen Sachverhalte zu einem bestimmten Stichtag in der Vergangenheit. Man sollte daher nicht meinen, aus vergangenen Zahlen das zukünftige Geschehen ableiten zu können.
Hierzu bedarf es wie bereits erwähnt weiterführender Prognosen, die aufgrund von Bilanzen anzustellen wären.
Allerdings und hier setzt nun meine Kritik an dem ersten Beitrag von MGB an, muss man überlegen, ob so ein mitunter aufwendiges Verfahren überhaupt erforderlich ist. Zwar hat er das betriebswirtschaftliche Instrumentarium erwähnt, dennoch muss dieses nicht immer gleich zur Anwendung kommen.
Natürlich planen wir auch Gespräche mit der IHK und dem
Steuerberater. Doch würde ich mich sehr freuen, wenn mir
erfahrene Leute vielleicht doch schon Hinweise oder Gedanken
geben könnten, wie ich herausfinden kann, ob die finanzielle
Lage überhaupt an eine Übernahme denken lässt.
Die finanzielle Lage des Unternehmens meinst Du ? Das kommt darauf an, wie genau man prüfen will bzw. wie man zum Risiko steht. Will also heißen: Wie weit könntet ihr auf die zur Übernahme benötigten Mittel im Fall der Fälle auch verzichten.
Sollte das Geschäft Euer Erwerbseinkommen ausschließlich generieren, muss man natürlich schon genauer prüfen.
Spielt die Höhe der Bilanzsumme eine Rolle?
Nein, im Grunde nicht. Die Bilanzsumme zeigt letztlich nur, welche Summe an finanziellen Mittel im Unternehmen wo gebunden sind und wo sie herkommen.
Einfaches Beispiel:
Zwei Unternehmen A und B. Beide sind Kurriere. Jedes Unternehmen hat jeweils einen PKW in der Bilanz stehen. Unternehmen A einen Porsche, Unternehmen B einen VW Polo. Kein Fremdkapital. Dann ist die Bilanzsumme bei A wesentlich höher, dennoch kann B die gleichen Umsätze erwirtschaften, wenn nicht gerade für Schnelligkeit (Unt. A mit dem Porsche) ein Bonus gezahlt wird.
Oder ist schon
ausreichend, dass bisher kaum Fremdkapital benötigt wurde?
Das ist für die Verhandlung mit Banken über neues Kapital ein gewichtiger Punkt.
Aber auch für den Betreiber bzw. Euch als Interessenten an einem solchen Geschäft ist das eine wichtige Information. Sie besagt ja nichts anderes, dass das Unternehmen weitgehend unabhängig wirtschaften kann und die erforderlichen finanziellen Mittel selbst erwirtschaften kann. Man spricht hier vom Innenfinanzierungspotential.
Sind die Umsatzzahlen oder der Gewinn aussagekräftiger?
Ja, solche Kennzahlen haben allgemein einen höheren Aussagegehalt. Insbesondere der Umsatz (gerade auf der vergangenen Jahre) wird oftmals herangezogen, wenn es darum geht, einen Kaufpreis für solche Unternehmensübergänge festzustellen.
Allgemein gilt, dass der Umsatz am besten zeigt, wie gut man mit dem Kerngeschäft gewirtschaftet hat, also wie gut sich die Produkte die man anbietet, verkauft haben.
Der GEwinn hingegen wird von mehreren Einflussgrößen die nicht notwendig auf die „ursprüngliche Geschäftstätigkeit“ zurückzuführen, mit beeinflusst. Steuern sind da z.B. ein Punkt. Aber auch Fremdkapitaldienste oder besondere Vorkommnisse.
Wie kann ich ausrechnen welchen Gewinn (oder eben Umsatz) ich
bis in ein paar Jahren auf jeden Fall haben sollte, um davon
leben zu können?
Also vorsichtig, Umsatz ist NICHT GLEICH Gewinn !
Das wird unter dem Stichwort „break-even-Analyse“ geführt. Ist aber hier aufgrund der vorhandenen Daten nicht möglich. Man könnte aber eine Art „Szenario Analyse“ durchführen und einen guten, einen normalen und einen schlechten Verlauf für die Zukunft annehmen und dann hat man eine Bandbreite in der man mit allem mehr oder weniger rechnen kann bzw. muss.
Bisher arbeite ich nur als 400€-Kraft in der Firma. Um mehr
bewirken zu können, würde ich gerne mehr einsteigen, bräuchte
dann aber auch einen höheren Lohn. Verkraftet die Firma das?
Nun, das sollte sie. Weil Deine Arbeitsleistung ja auch nicht umsonst ist. Anderswo würdest DU ja auch Geld sehen wollen. Richtig ist aber auch, dass gerade im Falle der jüngeren Selbständigkeit oftmals Abstriche gemacht werden sollten, „um den Motor nicht beim Starten abzuwürgen“.
Kann man das überhaupt an den bisherigen Zahlen festmachen?
Ja schon, also wie gesagt, man müsste verschiede Prognosen anstellen, wobei die IHK hierzu für die jeweilige Branche auch Informationen und Erfahrungswerte (statistisches Material) bereitstellt.
Gibt es unterschiedliche Wege mein Gehalt als mitarbeitende
Ehefrau zu gestalten, damit es sowohl steuerlich, aus Sicht
des Unternehmes und für mich persönlich zufriedenstellend
wäre?
Ja, absolut. Hier ist aber u.U. größte Vorsicht geboten. Das Finanzamt ist bei solchen Sachen sehr vorsichtig (wenn der Mann die eigene Frau beschäftigt).
Besonders aufpassen muss man in diesem Zusammenhang wenn es sich um eine Kapitalgesellschaft handelt (etwa GmbH), da hier bei nicht sachgerechter Vertragsgestaltung eine verdeckte Gewinnausschüttung angenommen werden könnte.
Zweifelsohne besteht hier jedoch steuerliches Optimierungspotential, da so ein Gehalt die steuerliche Bemessungsgrundlage mindert. Es gibt aber Unterschiede zw. Personen- und Kapitalgesellschaften.
Wieviel Entnahmen z.B. für die Gesellschafter-„Entlohnung“
verkraftet das Unternehmen?
Kann man so per se nicht sagen. Erfahrungsgemäß sollte man aber nicht mehr herausnehmen, als gut tut. Will also heißen, man sollte immer genug im Unternehmen belassen, um auch auf unvorhergesehen Ereignisse angemessen reagieren zu können.
In der Kostenrechnung für die zu verkaufenden Produkte wird dazu oftmals der sog. kalk. Unternehmerlohn angesetzt. Das ist ein Gehalt, was man für die vergleichbare Tätigkeit in einem gleichen aber eben fremden Unternehmen ansetzen würde. Das muss in die Verkaufspreise mit rein.
Da es um das Ausscheiden eines Gesellschafters geht und mein
Mann dafür Gesellschafter werden würde (übrigens bisher eine
OHG), wieviel Abfindung/Auszahlung an den scheidenden
Gesellschafter verkraftet das Unternehmen pro Monat/Jahr? Kann
man das aus den vorhandenen Zahlen berechnen???
Ja, würde wie gesagt - je nach Größe der OHG - entweder über das Multiple-Verfahren geschehen oder aber eine fundiertere Unternehmensbewertung auf den Plan rufen.
Bei ersterem geht man wie gesagt hin und nimmt z.B. den Durchschnittsumsatz der letzten Jahre und multipliziert diesen dann mit einem bestimmten Faktor. Z.B. 5.
Das würde bedeuten, dass man die letzten 5 Jahresumsätze auf Durchschnittsbasis bezahlen muss, um das Unternehmen zu erhalten. Da gibt es recht viele Varianten und auch hier stellen die IHK Daten bereit. Außerdem wäre auch ein Steuerberater für so etwas die richtige Ansprechperson.
Ich bin zwar für Kurse in Buchführung und Kosten- und
Leistungsrechnung angemeldet, doch möchte ich schon jetzt
möglichst viel konkret für die Übernahme-Frage in Erfahrung
bringen und verstehen lernen.
Das ist auch richtig so. Sicherlich werdet ihr es ohne fremde Hilfe nicht schaffen. Aber es ist mindestens genauso falsch anzunehmen, dass man selber wegen der fremden Hilfe weniger wissen müsse.
Die Kurse sind auf jeden Fall wichtig, damit Du das grundlegende Verständnis bekommst und bei Deinen Gesprächspartnern (Steuerberater, Rechtsanwälte, Finanzamt) mitreden und vor allem folgen kannst.
Ob ihr euch dauerhaft externe Hilfe z.B. in Form eines betriebswirtschaftlichen Beraters holt, hängt nicht zuletzt auch von der Unternehmensgröße und den künftigen Zielen ab.
VG
TraderS