Übernahme eines Familienunternehmens Einzelhandel

Hallo zusammen,
mein Mann und ich stehen vor der Entscheidung, ob wir das seit 4 Generationen im Familienbetrieb stehende Einzelhandelsunternehmen übernehmen sollen.

Wie bei so vielen, waren die letzten Jahre recht schlecht, und viel von der Substanz wurde abgebaut. Doch das Unternehmen hat einen guten Ruf, eine lange Tradition, einen festen Kundenstamm, eine gute Geschäftslage … also vieles, was dafür spricht.

Wie in so vielen Familienbetrieben wurde zwar immer geackert, doch das kaufmännische stand nie im Vordergrund. Mein Mann ist der Fachmann, ich bin dabei mich ins kaufmännische einzuarbeiten. Durch verschiedene Umstände kommt die Frage der Übernahme, die wir in 3-4 Jahren geplant hatten, nun schon in diesem Jahr!

Wenn ich nun versuche die Blanz zu lesen, um daraus zu erfahren, ob die wirtschaftliche Lage langfristig eine Übernahme sinnvoll macht, dann kann ich die Zahlen einfach nicht interpretieren, weil mir das entsprechende Fachwissen fehlt.

Natürlich planen wir auch Gespräche mit der IHK und dem Steuerberater. Doch würde ich mich sehr freuen, wenn mir erfahrene Leute vielleicht doch schon Hinweise oder Gedanken geben könnten, wie ich herausfinden kann, ob die finanzielle Lage überhaupt an eine Übernahme denken lässt.

Spielt die Höhe der Bilanzsumme eine Rolle? Oder ist schon ausreichend, dass bisher kaum Fremdkapital benötigt wurde?
Sind die Umsatzzahlen oder der Gewinn aussagekräftiger?
Wie kann ich ausrechnen welchen Gewinn (oder eben Umsatz) ich bis in ein paar Jahren auf jeden Fall haben sollte, um davon leben zu können?
Bisher arbeite ich nur als 400€-Kraft in der Firma. Um mehr bewirken zu können, würde ich gerne mehr einsteigen, bräuchte dann aber auch einen höheren Lohn. Verkraftet die Firma das? Kann man das überhaupt an den bisherigen Zahlen festmachen?
Gibt es unterschiedliche Wege mein Gehalt als mitarbeitende Ehefrau zu gestalten, damit es sowohl steuerlich, aus Sicht des Unternehmes und für mich persönlich zufriedenstellend wäre?
Wieviel Entnahmen z.B. für die Gesellschafter-„Entlohnung“ verkraftet das Unternehmen?
Da es um das Ausscheiden eines Gesellschafters geht und mein Mann dafür Gesellschafter werden würde (übrigens bisher eine OHG), wieviel Abfindung/Auszahlung an den scheidenden Gesellschafter verkraftet das Unternehmen pro Monat/Jahr? Kann man das aus den vorhandenen Zahlen berechnen???

Ihr seht viele Fragen und ich weiß zur Zeit nicht, wie ich mich dem nähern soll!
Ich bin zwar für Kurse in Buchführung und Kosten- und Leistungsrechnung angemeldet, doch möchte ich schon jetzt möglichst viel konkret für die Übernahme-Frage in Erfahrung bringen und verstehen lernen.

Bin daher für alle Tipps dankbar!!
Herzlichen Dank
Blubb

Eine vernünftige Antwort ist problematisch!
Hallo …

es ist schon ein wenig problematisch hier eine vernünftige Antwort auf die Vielzahl der Fragen zu geben!

Ganz diffus erweckt die Fragestellung den Eindruck, dass Sie zwischen der Entscheidung hin- und herpendeln, einerseits der Tradition folgen zu wollen oder zu müssen, auch wenn es nicht sooo gut läuft und andererseits wirtschaftlich abwägen zu wollen, ob sich eine Übernahme mittel- bis langfristig lohnt, wobei momentan m.E. noch der erste Aspekt überwiegt.

Wir können Ihnen hier eine Vielzahl an Kennzahlen und deren Bedeutung erklären, da wir die Jahresabschlüsse selbst aber nicht kennen, sagt dies nichts über eventuelle stille Reserven aus, die ja vorhanden sein könnten und sich aus der Bilanzpolitik der vergangenen Jahre vielleicht ergeben haben.

Von der Vorgehensweise her könnte man in einem ersten Schritt zunächst in einer Stärken/Schwächen, Chancen/Risiken Analyse die Potenziale ermitteln, die das Unternehmen in den kommenden Jahren voraussichtlich haben wird.

Im zweiten Schritt könnte man die Entwicklung der vergangenen drei Jahre analysieren, z.B. im Hinblick auf sich geänderte Kunden- oder Margenstrukturen, Kapitalentwicklung, Investionsentwicklung (Investitionsstau?) usw.

Im dritten Schritt könnte man in einer 5-Jahres-Planung die Voraussetzungen berechnen, die für eine Fortführung des Unternehmens erforderlich sind (Umsatz-, Kosten-, Investitions-, Ergebnis- Liquiditätsplanung) unter dem Aspekt, dass zu dem Gewinn ein zu zusätzliches Delta zur Zahlung des Kaufpreises mit erwirtschaftet werden muss.

Sie werden dies allerdings alleine nicht schaffen, denn das Thema ist sehr komplex, sodass Sie hier professionellen Rat benötigen… einen Buchhaltungskurs „mal eben“ zu besuchen, reicht da leider nicht!

Viel Erfolg!

MfG
MGB-Consulting

Hallo Blubb,

in einigen Aussagen kann ich dem Vorposter (MGB) zustimmen. Insbesondere dahingehend, dass eine Anwwort aus dem Forum heraus sicherlich nicht genau das treffen wird, was Du hören wolltest. Es ist in der Tat bei nur teilweiser Information nicht seriös möglich.
Möchte aber noch folgendes dazu sagen:

mein Mann und ich stehen vor der Entscheidung, ob wir das seit
4 Generationen im Familienbetrieb stehende
Einzelhandelsunternehmen übernehmen sollen.

Das ist zunächst einmal schon eine wichtige und gehaltvolle Aussage. Sie macht deutlich, dass es sich nicht „um irgendein Geschäft“ handelt, sondern um ein Geschäftsmodell, welches „angekommen“ ist. Darauf aufbauend muss man ganz anders planen, wie etwa für den Fall eines noch jüngeren, weniger etablierten Unternehmens. Es macht also durchaus Sinn, sich umfassend zu informieren.

Wie bei so vielen, waren die letzten Jahre recht schlecht, und
viel von der Substanz wurde abgebaut. Doch das Unternehmen hat
einen guten Ruf, eine lange Tradition, einen festen
Kundenstamm, eine gute Geschäftslage … also vieles, was
dafür spricht.

Kann man davon ausgehen, dass es sich um ein Geschäft etwa in einer Einkaufstraße handelt und das bestimmte Markenprodukte dort vertrieben werden ? Außerdem wäre die Anzahl der Mitarbeiter noch interessant.

Wenn ich nun versuche die Blanz zu lesen, um daraus zu
erfahren, ob die wirtschaftliche Lage langfristig eine
Übernahme sinnvoll macht, dann kann ich die Zahlen einfach
nicht interpretieren, weil mir das entsprechende Fachwissen
fehlt.

Diese Aussage ist im Grunde genommen nicht (ganz) korrekt. Éine Bilanz zeigt ja jeweils nur die sich darstellenden wirtschaftlichen Sachverhalte zu einem bestimmten Stichtag in der Vergangenheit. Man sollte daher nicht meinen, aus vergangenen Zahlen das zukünftige Geschehen ableiten zu können.
Hierzu bedarf es wie bereits erwähnt weiterführender Prognosen, die aufgrund von Bilanzen anzustellen wären.

Allerdings und hier setzt nun meine Kritik an dem ersten Beitrag von MGB an, muss man überlegen, ob so ein mitunter aufwendiges Verfahren überhaupt erforderlich ist. Zwar hat er das betriebswirtschaftliche Instrumentarium erwähnt, dennoch muss dieses nicht immer gleich zur Anwendung kommen.

Natürlich planen wir auch Gespräche mit der IHK und dem
Steuerberater. Doch würde ich mich sehr freuen, wenn mir
erfahrene Leute vielleicht doch schon Hinweise oder Gedanken
geben könnten, wie ich herausfinden kann, ob die finanzielle
Lage überhaupt an eine Übernahme denken lässt.

Die finanzielle Lage des Unternehmens meinst Du ? Das kommt darauf an, wie genau man prüfen will bzw. wie man zum Risiko steht. Will also heißen: Wie weit könntet ihr auf die zur Übernahme benötigten Mittel im Fall der Fälle auch verzichten.
Sollte das Geschäft Euer Erwerbseinkommen ausschließlich generieren, muss man natürlich schon genauer prüfen.

Spielt die Höhe der Bilanzsumme eine Rolle?

Nein, im Grunde nicht. Die Bilanzsumme zeigt letztlich nur, welche Summe an finanziellen Mittel im Unternehmen wo gebunden sind und wo sie herkommen.

Einfaches Beispiel:

Zwei Unternehmen A und B. Beide sind Kurriere. Jedes Unternehmen hat jeweils einen PKW in der Bilanz stehen. Unternehmen A einen Porsche, Unternehmen B einen VW Polo. Kein Fremdkapital. Dann ist die Bilanzsumme bei A wesentlich höher, dennoch kann B die gleichen Umsätze erwirtschaften, wenn nicht gerade für Schnelligkeit (Unt. A mit dem Porsche) ein Bonus gezahlt wird.

Oder ist schon
ausreichend, dass bisher kaum Fremdkapital benötigt wurde?

Das ist für die Verhandlung mit Banken über neues Kapital ein gewichtiger Punkt.
Aber auch für den Betreiber bzw. Euch als Interessenten an einem solchen Geschäft ist das eine wichtige Information. Sie besagt ja nichts anderes, dass das Unternehmen weitgehend unabhängig wirtschaften kann und die erforderlichen finanziellen Mittel selbst erwirtschaften kann. Man spricht hier vom Innenfinanzierungspotential.

Sind die Umsatzzahlen oder der Gewinn aussagekräftiger?

Ja, solche Kennzahlen haben allgemein einen höheren Aussagegehalt. Insbesondere der Umsatz (gerade auf der vergangenen Jahre) wird oftmals herangezogen, wenn es darum geht, einen Kaufpreis für solche Unternehmensübergänge festzustellen.
Allgemein gilt, dass der Umsatz am besten zeigt, wie gut man mit dem Kerngeschäft gewirtschaftet hat, also wie gut sich die Produkte die man anbietet, verkauft haben.
Der GEwinn hingegen wird von mehreren Einflussgrößen die nicht notwendig auf die „ursprüngliche Geschäftstätigkeit“ zurückzuführen, mit beeinflusst. Steuern sind da z.B. ein Punkt. Aber auch Fremdkapitaldienste oder besondere Vorkommnisse.

Wie kann ich ausrechnen welchen Gewinn (oder eben Umsatz) ich
bis in ein paar Jahren auf jeden Fall haben sollte, um davon
leben zu können?

Also vorsichtig, Umsatz ist NICHT GLEICH Gewinn !

Das wird unter dem Stichwort „break-even-Analyse“ geführt. Ist aber hier aufgrund der vorhandenen Daten nicht möglich. Man könnte aber eine Art „Szenario Analyse“ durchführen und einen guten, einen normalen und einen schlechten Verlauf für die Zukunft annehmen und dann hat man eine Bandbreite in der man mit allem mehr oder weniger rechnen kann bzw. muss.

Bisher arbeite ich nur als 400€-Kraft in der Firma. Um mehr
bewirken zu können, würde ich gerne mehr einsteigen, bräuchte
dann aber auch einen höheren Lohn. Verkraftet die Firma das?

Nun, das sollte sie. Weil Deine Arbeitsleistung ja auch nicht umsonst ist. Anderswo würdest DU ja auch Geld sehen wollen. Richtig ist aber auch, dass gerade im Falle der jüngeren Selbständigkeit oftmals Abstriche gemacht werden sollten, „um den Motor nicht beim Starten abzuwürgen“.

Kann man das überhaupt an den bisherigen Zahlen festmachen?

Ja schon, also wie gesagt, man müsste verschiede Prognosen anstellen, wobei die IHK hierzu für die jeweilige Branche auch Informationen und Erfahrungswerte (statistisches Material) bereitstellt.

Gibt es unterschiedliche Wege mein Gehalt als mitarbeitende
Ehefrau zu gestalten, damit es sowohl steuerlich, aus Sicht
des Unternehmes und für mich persönlich zufriedenstellend
wäre?

Ja, absolut. Hier ist aber u.U. größte Vorsicht geboten. Das Finanzamt ist bei solchen Sachen sehr vorsichtig (wenn der Mann die eigene Frau beschäftigt).
Besonders aufpassen muss man in diesem Zusammenhang wenn es sich um eine Kapitalgesellschaft handelt (etwa GmbH), da hier bei nicht sachgerechter Vertragsgestaltung eine verdeckte Gewinnausschüttung angenommen werden könnte.
Zweifelsohne besteht hier jedoch steuerliches Optimierungspotential, da so ein Gehalt die steuerliche Bemessungsgrundlage mindert. Es gibt aber Unterschiede zw. Personen- und Kapitalgesellschaften.

Wieviel Entnahmen z.B. für die Gesellschafter-„Entlohnung“
verkraftet das Unternehmen?

Kann man so per se nicht sagen. Erfahrungsgemäß sollte man aber nicht mehr herausnehmen, als gut tut. Will also heißen, man sollte immer genug im Unternehmen belassen, um auch auf unvorhergesehen Ereignisse angemessen reagieren zu können.
In der Kostenrechnung für die zu verkaufenden Produkte wird dazu oftmals der sog. kalk. Unternehmerlohn angesetzt. Das ist ein Gehalt, was man für die vergleichbare Tätigkeit in einem gleichen aber eben fremden Unternehmen ansetzen würde. Das muss in die Verkaufspreise mit rein.

Da es um das Ausscheiden eines Gesellschafters geht und mein
Mann dafür Gesellschafter werden würde (übrigens bisher eine
OHG), wieviel Abfindung/Auszahlung an den scheidenden
Gesellschafter verkraftet das Unternehmen pro Monat/Jahr? Kann
man das aus den vorhandenen Zahlen berechnen???

Ja, würde wie gesagt - je nach Größe der OHG - entweder über das Multiple-Verfahren geschehen oder aber eine fundiertere Unternehmensbewertung auf den Plan rufen.

Bei ersterem geht man wie gesagt hin und nimmt z.B. den Durchschnittsumsatz der letzten Jahre und multipliziert diesen dann mit einem bestimmten Faktor. Z.B. 5.

Das würde bedeuten, dass man die letzten 5 Jahresumsätze auf Durchschnittsbasis bezahlen muss, um das Unternehmen zu erhalten. Da gibt es recht viele Varianten und auch hier stellen die IHK Daten bereit. Außerdem wäre auch ein Steuerberater für so etwas die richtige Ansprechperson.

Ich bin zwar für Kurse in Buchführung und Kosten- und
Leistungsrechnung angemeldet, doch möchte ich schon jetzt
möglichst viel konkret für die Übernahme-Frage in Erfahrung
bringen und verstehen lernen.

Das ist auch richtig so. Sicherlich werdet ihr es ohne fremde Hilfe nicht schaffen. Aber es ist mindestens genauso falsch anzunehmen, dass man selber wegen der fremden Hilfe weniger wissen müsse.

Die Kurse sind auf jeden Fall wichtig, damit Du das grundlegende Verständnis bekommst und bei Deinen Gesprächspartnern (Steuerberater, Rechtsanwälte, Finanzamt) mitreden und vor allem folgen kannst.

Ob ihr euch dauerhaft externe Hilfe z.B. in Form eines betriebswirtschaftlichen Beraters holt, hängt nicht zuletzt auch von der Unternehmensgröße und den künftigen Zielen ab.

VG
TraderS

Nachtrag

Diese Aussage ist im Grunde genommen nicht (ganz) korrekt.
Éine Bilanz zeigt ja jeweils nur die sich darstellenden
wirtschaftlichen Sachverhalte zu einem bestimmten Stichtag in
der Vergangenheit. Man sollte daher nicht meinen, aus
vergangenen Zahlen das zukünftige Geschehen ableiten zu
können.

Also ableiten kann man schon (eben über Prognose) aber man darf eben nicht annehmen, dass sich die Zahlen der Vergangenheit auch in der Zukunft einstellen werden.

Sind die Umsatzzahlen oder der Gewinn aussagekräftiger?

Allgemein gilt, dass der Umsatz am besten zeigt, wie gut man
mit dem Kerngeschäft gewirtschaftet hat, also wie gut sich die
Produkte die man anbietet, verkauft haben.

Also Umsatz ist ja: Menge x Preis

Ich meinte damit, dass man diese Zahl alleine gesehen schon als einen recht guten Indikator ansehen kann.
Ebenso wichtig ist in diesem Zusammenhang aber dann auch das Betriebsergebnis, also was hat man letztlich nur durch den Verkauf der Produkte verdient. War etwas missverständlich formuliert.

VG
TraderS

OT-Erfahrung mit Familienunternehmen
Hallo Blubb,

ich habe ein sehr gut gehendes Familienunternehmen mit Hauptgeschäft + 2 Filialen erlebt.

Mit der Zeit wurde Werbung unterlassen (wer wirbt hats nötig) = Fehler.
Die Produkte wurden auf das zurück gefahren, was „immer läuft“ = kaum Neukunden
Zu dieser Zeit konnten noch fleißig Gewinnsteuern bezahlt werden.
2 Jahre später schlugen die Sparmaßnahmen durch:
Die Kunden blieben aus, Neukunden kamen nur noch spärlich. 2 Filialen wurden geschlossen und es tauchten 2 neue Mitbewerber auf, die sich genau in den „unbeachteten Produktgruppen“ stark machten.

Auch das war noch kein Grund zu besserem Angebot und Werbung (haben wir nicht nötig, uns kennt doch schließlich jeder).
2 weitere Jahre später war der Gang zur Bank schon übnlich wegen Krediten und erneut 2 Jahre später wurde diese Firm für ein Appel und n Ei aufgekauft.

Kleine Fehler in der Vergangenheit, die immer als unwichtig erschienen sind, haben sich zu einem großen Schadn summiert, der zur Pleite führte.
Der letzte Besitzer wurde dann 3 Monate als Filialleiter ebschäftigt und dann unter (nachweislich) fadenscheiniger Bergündung gekündigt. Er fährt heute Taxi.

Mir sind alle Geschäftsdaten dieser Firma bekannt und ich kann dehalb beurteilen, dass der Fehler nicht in einem allgemeinen Umschwung des Kaufverhaltens bestand. Jahre später habe ich diesen übernommenen Betrieb (= mein ehemaliger Ausbildungsbetrieb) als Filialleiter selbst geführt.

Aus dieser Erfahrung heraus, würde ich mir den Verlauf der letzten 5 Jahre ansehen. Schauen, wo die Gelder investiert wurden (unverkäuflicher Warenbestand?) und sowohl den Umsatzverlauf als auch den G+V-Bereich kritisch betrachten.

Wenn die Wippe erst einmal bergab zeigt, gibt es einen Point of no Return… wenn dieser übrschritten ist, hat der ehemals „wohlklingende Namen“ keinen wirtschaftlichen Wert mehr und ist eher eine Altlast.
Und für Altlasten will man natürlich nicht mehr zahlen.

Unverkäufliche Ladenhüter sollten auch nicht in die Wertermittlung einfließen. Statistisch ist ja ok. Doch Statistik verkauft sich im Handel recht zäh :wink:

Zeigen alle Werte stetig nach unten, so muss man „sehr fleißig ackern“.

Das sollte nur zeigen:
Informiere dich rechtzeitig, wie der Laden wirklich läuft. Achte auf deinen Kundenstamm und dessen Wünsche. Wenn der Kundenstamm überaltert ist und nicht nachwächst oder seine Wünsche nicht erfüllt werden… werden dir diese Kunde langfristig fehlen.
Werden die richtigen Waren angeboten ? Frisst die Lagerhaltung unnötiger Artikel das Kapital auf ? Wird überhaupt noch regelmäßig eingekauft, oder geht es alles schon von der Substanz ?

Diese Infos bekommst du nur, solange du dort einfach „normal“ mitarbeitest.
Aus Abschlüassen und Buchführungsdaten wirst du alles herauslesen können… aber das dauert länger als einfache Beobachtung und spiegelt nicht unbedingt die Realität.

Abschließend deine VK gelesen.
Hui. Wenn in der Firma Ladenhüter sind, ist es ja eine extreme Kapitalbindung. Guuuut aufpassen- oder Bewertung nur nach gewicht :wink:

Gruß
BJ

Hallo
zunächst einmal lieben Dank für die Antwort!

Ganz diffus erweckt die Fragestellung den Eindruck, dass Sie
zwischen der Entscheidung hin- und herpendeln, einerseits der
Tradition folgen zu wollen oder zu müssen, auch wenn es nicht
sooo gut läuft und andererseits wirtschaftlich abwägen zu
wollen, ob sich eine Übernahme mittel- bis langfristig lohnt,
wobei momentan m.E. noch der erste Aspekt überwiegt.

Ja, das wurde so ganz richtig erkannt!

Wir können Ihnen hier eine Vielzahl an Kennzahlen und deren
Bedeutung erklären, da wir die Jahresabschlüsse selbst aber
nicht kennen, sagt dies nichts über eventuelle stille Reserven
aus, die ja vorhanden sein könnten und sich aus der
Bilanzpolitik der vergangenen Jahre vielleicht ergeben haben.

Was sind stille Reserven? Stehen diese auch in der Bilanz?

Von der Vorgehensweise her könnte man in einem ersten Schritt
zunächst in einer Stärken/Schwächen, Chancen/Risiken Analyse
die Potenziale ermitteln, die das Unternehmen in den kommenden
Jahren voraussichtlich haben wird.

Im zweiten Schritt könnte man die Entwicklung der vergangenen
drei Jahre analysieren, z.B. im Hinblick auf sich geänderte
Kunden- oder Margenstrukturen, Kapitalentwicklung,
Investionsentwicklung (Investitionsstau?) usw.

Im dritten Schritt könnte man in einer 5-Jahres-Planung die
Voraussetzungen berechnen, die für eine Fortführung des
Unternehmens erforderlich sind (Umsatz-, Kosten-,
Investitions-, Ergebnis- Liquiditätsplanung) unter dem Aspekt,
dass zu dem Gewinn ein zu zusätzliches Delta zur Zahlung des
Kaufpreises mit erwirtschaftet werden muss.

Welche Angaben werden neben den Bilanzen der vergangenen Jahr für diese Analysen und Planungen benötigt?
Und was kosten sie? Ich vermute, dass diese Frage nicht so einfach zu beantworten ist (Vergleich „Was kostet ein Auto?“) - also vielleicht genauer: Welche Angaben braucht man und mir sagen zu können, was diese Analysen kosten?

Sie werden dies allerdings alleine nicht schaffen, denn das
Thema ist sehr komplex, sodass Sie hier professionellen Rat
benötigen… einen Buchhaltungskurs „mal eben“ zu besuchen,
reicht da leider nicht!

Da stimme ich Ihnen zu! Daher versuche ich mich grundlegend einzuarbeiten, mir Fachwissen nach und nach aufzubauen und herauszubekommen was, wie, abwägen, etc.

Ganz herzlichen Dank auf jeden Fall für die Unterstützung und für´s Zeit nehmen!

Blubb

Hallo TraderS,
herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort, die durch die ganz andere Sichtweise als die des ersten Antworters auch sehr interessant war!

Gerne würde ich an ein paar Stellen nachhaken:

Das ist zunächst einmal schon eine wichtige und gehaltvolle
Aussage. Sie macht deutlich, dass es sich nicht „um irgendein
Geschäft“ handelt, sondern um ein Geschäftsmodell, welches
„angekommen“ ist. Darauf aufbauend muss man ganz anders
planen, wie etwa für den Fall eines noch jüngeren, weniger
etablierten Unternehmens. Es macht also durchaus Sinn, sich
umfassend zu informieren.

Der überwiegende Teil der Literatur und des Internets legt - auch trotz anderer Überschriften - den Schwerpunkt auf Neugründungen oder den (Ver-)Kauf von Unternehmen.
Ich frage mich aber, ob das Unternehmen in unserem Fall tatsächlich gekauft wird: Ich habe den Steuerberater so verstanden, dass einer der beiden bisherigen Gesellschafter aufhört, sein Kapital aber mit einem Darlehensvertrag und niedriger Verzinsung in der Firma belässt. Mein Mann soll dann neuer Gesellschafter werden und sich über den Gewinn nach und nach seine Beteiligung erwirtschaften. Der Darlehensvertrag soll ebenfalls vom Gewinn nach und nach getilgt werden.
So klingt das für mich nach einem recht fairen Start (Vorteil des guten Familienverhältnisses, auch wenn dies sonst eher die Sachen schwieriger macht…)
Ist dies dann ein Kauf? Muss man dann den Wert des Unternehmens bewerten? Der Steuerberater meinte, dass der Wert des Unternehmens in etwa den Einlagen der bisherigen beiden Gesellschafter entspricht.
??? *Zweifel*

Kann man davon ausgehen, dass es sich um ein Geschäft etwa in
einer Einkaufstraße handelt und das bestimmte Markenprodukte
dort vertrieben werden ? Außerdem wäre die Anzahl der
Mitarbeiter noch interessant.

Jawohl: in einer Einkaufsstraße und Markenprodukte. Bisheriges Personal: 3 Vollzeitkräfte und zwei 400€-Kräfte (alle 5 Familie, wobei eine 400€-Kraft fast vollzeit mitarbeitet), außerdem noch 2 50%-Kräfte.

Wie weit könntet ihr auf die zur

Übernahme benötigten Mittel im Fall der Fälle auch verzichten.

Was ist damit gemeint?

Sollte das Geschäft Euer Erwerbseinkommen ausschließlich
generieren, muss man natürlich schon genauer prüfen.

Da mein Mann und ich zukünftig vermutlich beide voll in der Firma sein sollten - ja, dass Erwerbseinkommen müsste eigentlich unseren Lebensunterhalt voll decken. Ich könnte zwar noch in meinem bisherigen Beruf Teilzeit weiterarbeiten - doch hier muss ich den richtigen Mittelweg zwischen „sicheres Einkommen“ und „ausreichend Zeit für die Firma aufbringen können“ finden, so dass es vermutlich auf einen kleinen Sockelbetrag als gesicherter „externer“ Lohn herauslaufen wird.

Das wird unter dem Stichwort „break-even-Analyse“ geführt. Ist
aber hier aufgrund der vorhandenen Daten nicht möglich.

Welche Daten sind hierfür notwendig? Ist dies „nur“ eine Formel in die ich selbst Zahlen einsetzen kann oder muss man so etwas machen lassen?

Man

könnte aber eine Art „Szenario Analyse“ durchführen und einen
guten, einen normalen und einen schlechten Verlauf für die
Zukunft annehmen und dann hat man eine Bandbreite in der man
mit allem mehr oder weniger rechnen kann bzw. muss.
´

Das klingt auch interessant, daher die Frage: Welche Daten sind hierzu notwendig? Wer macht das (also sollte man jemand branchenspezifisches suchen oder macht das der eigene Steuerberater?) Und was wird so etwas kosten?

Ja schon, also wie gesagt, man müsste verschiede Prognosen
anstellen, wobei die IHK hierzu für die jeweilige Branche auch
Informationen und Erfahrungswerte (statistisches Material)
bereitstellt.

Kann man solches Material einfach anfordern?

Besonders aufpassen muss man in diesem Zusammenhang wenn es
sich um eine Kapitalgesellschaft handelt (etwa GmbH), da hier
bei nicht sachgerechter Vertragsgestaltung eine verdeckte
Gewinnausschüttung angenommen werden könnte.
Zweifelsohne besteht hier jedoch steuerliches
Optimierungspotential, da so ein Gehalt die steuerliche
Bemessungsgrundlage mindert. Es gibt aber Unterschiede zw.
Personen- und Kapitalgesellschaften.

Ich habe mich schon ein bisschen mit den Unterschieden beschäftigt, doch wo liegt er beim Lohn?

Will also heißen,
man sollte immer genug im Unternehmen belassen, um auch auf
unvorhergesehen Ereignisse angemessen reagieren zu können.

Heißt das, das es schon ausreichend ist, wenn meine Rücklagen in der erfoderlichen Höhe vorhanden sind?

Ob ihr euch dauerhaft externe Hilfe z.B. in Form eines
betriebswirtschaftlichen Beraters holt, hängt nicht zuletzt
auch von der Unternehmensgröße und den künftigen Zielen ab.

Wie du gesehen hast, ist das Unternehmen sehr klein (außer Familie nur 2 50%-Kräfte)… wie viel betriebswirtschaftliche Prüfung (mit entsprechenden Kosten) sind trotzdem zwingend notwendig??? Ich merke schon beim Schreiben, dass diese Frage kaum zu beantworten ist, doch schanke ich zwischen dem was ich immer wieder lese und dem Wissen, dass die Firma eben finanziell nicht gut dasteht und wir wirklich abwägen müssen, ob und wofür Geld wirklich ausgegeben werden muss!

Daher auch die Frage, ab welchen „Bilanzahlen“ ich selbst schon erkennen, ob das Unternehmen eigentlich schon so schlecht da steht, dass sich nicht mal diese Ausgaben lohnen…
Dieser sehr negativen Sichtweise steht aber wieder gegenüber, dass in unseren Augen auch sehr viel Potential da ist, dass mit Geschick, Tatkraft und auch einer Prise „Glück“ doch eine Chance haben müsset

Herzlichen Dank für deine Antworten TraderS - würde mich sehr freuen noch mal von dir zu hören!

Blubb

Hallo Big John,
in vielem was du schreibst erkenne ich unseren Betrieb wieder :frowning: Werbung ist nur teuer (Seniorchef); Produkte versuchen wir entsprechend zu gestalten, hier Bedarf es aber weiterer Anstrengung; (Neu-)Kundengewinnung und - bindung sollte dringend mehr gemacht werden, doch bisher staut sich soviel Arbeit, und es sind wenig Hände. Ich möchte gerne voll einsteigen, doch werde ich meinen bisherigen Beruf erst aufgeben, wenn die Entscheidung die gefallen ist, dass wir die Firma übernehmen wollen und können.

Ich bin genau an dem Punkt an dem ich versuche zu erkennen, ob der Point of no return schon erreicht ist, oder ob die Firma noch Chancen hat auf Kurs zu kommen.

Doch wie erkenne ich das???

Aus dieser Erfahrung heraus, würde ich mir den Verlauf der
letzten 5 Jahre ansehen. Schauen, wo die Gelder investiert
wurden (unverkäuflicher Warenbestand?) und sowohl den
Umsatzverlauf als auch den G+V-Bereich kritisch betrachten.

In den letzten 5 Jahren meines Erachtens nur in sehr wenigen Bereichen und dort nur im Rahmen der geringen Möglichkeiten (aber immer ohne Fremdkapital!) investiert.

Ich denke, dass kaum Warenbestände da sind, die ich als unverkäuflich betrachten würde. Doch das ist ein „Bacuhgefühl“ - reicht das?

Umsatzverlauf und G+V möchte ich gerne kritisch betrachten: Was muss ich anschauen? Worauf achten?? Gibt es „Grenzwerte“?
Oder anders gefragt: Gibt es ein kleines, verständliches Buch, dass mir nicht die Buchhaltung etc erklärt, sondern wie ich das für meie Fragen lesen muss?
Ich konnte bisher nichts passendes finden!

Zeigen alle Werte stetig nach unten, so muss man „sehr fleißig
ackern“.

Das wird auf jeden Fall in den nächsten Jahren so sein, der Wille dazu ist auch da!

Informiere dich rechtzeitig, wie der Laden wirklich läuft.
Achte auf deinen Kundenstamm und dessen Wünsche. Wenn der
Kundenstamm überaltert ist und nicht nachwächst oder seine
Wünsche nicht erfüllt werden… werden dir diese Kunde
langfristig fehlen.
Werden die richtigen Waren angeboten ? Frisst die Lagerhaltung
unnötiger Artikel das Kapital auf ? Wird überhaupt noch
regelmäßig eingekauft, oder geht es alles schon von der
Substanz ?

Der Kundenstamm ist seit vielen Jahren, trotz rückläufiger Umsätze konstant; ich denke auch, dass die Überalterung sich in Grenzen hält. Hier müssen wir aber mehr am „Nachwuchs“ arbeiten.
Die Frage nach den richtigen Waren ist schon schwieriger; es wird noch sehr regelmäßig eingekauft.

Abschließend deine VK gelesen.

Sorry, komme gerade nicht drauf, was du mit VK meinst?

Herzlichen Dank auch dir BJ - freue mich sehr auf weitere Gedanken und Hilfen!

Blubb

Eine vernünftige Antwort ist problematisch!
Hallo …

-1- Stille Reserven
Basis eines jeden Jahresabschlusses sind die Vorschriften, die sich aus Handels- und Steuerrecht ergeben. Hierbei gibt es verschiedene Wahlrechte, hinsichtlich der Bewertung von Vermögen und Schulden in der Bilanz. Dadurch hat man in gewissem Maße Einfluss auf den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens, man nennt dies auch Bilanzpolitik. Natürlich kann man anhand der Aufzeichnungen nachvollziehen, wie die einzelnen Positionen ermittelt wurden, die Frage ist jedoch vielmehr, ob Sie dies können und da tendiere ich eher zu einem „Nein“.

-2- Welche Angaben werden neben den Bilanzen der vergangenen Jahr für diese Analysen und Planungen benötigt?
Man benötigt zu Beginn die Jahresabschlüsse der vergangenen drei Jahre, ein Jahresabschluss besteht aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang und Lagebericht, wenn es die beiden letzteren Bestandteile von der Unternehmensgröße her überhaupt gibt. Hieraus kann man die Entwicklung ableiten wie z.B. Umsatz, Gewinn, Vermögen, Kapitalstruktur, (Bewegungsbilanz [Mittelherkunft und Mittelverwendung]) usw. man kann hieraus jedoch noch keine unterjährigen Schlussfolgerungen ziehen. Hierzu benötigt man dann die monatlichen BWA’s aus denen man dann z.B. ersehen kann, ob monatliche Umsatzschwankungen (Saisongeschäft) vorhanden sind, die eine besondere Kapitaldecke (höherer Kontokorrent) erforderlich machen würden oder ob sich die Zahlungsziele unterjährig vielleicht ändern und kann darauf basierend die Basis für eine vernünftige Liquiditätsplanung schaffen. Hieraus ergeben sich Fragen für die Planung, die Ihnen jeder Berater dann individuell zusammenstellen und zur Beantwortung zusenden würde.

-3- Was kosten sie?
Ich kenne den Umsatz des Unternehmens im Moment noch nicht genau, aus der Schilderung heraus würde ich vermuten, dass er sich so ungefähr an der +/- Mio-Grenze bewegt. Es dreht sich um eine Unternehmensanalyse mit rückwärtiger Ist-Betrachtung und zukünftiger Soll-Planung mit Umsatz-, sonstiger Kosten-, Personalkosten, Ergebnis-, Investitions-, Liquiditäts- und Finanzplanung. Der zeitliche Aufwand liegt bei ca 3-4 Tagen, dafür würde jeder Berater zwischen 2.700 und 3.600€ nehmen, je nachdem, wie hoch er seinen Tagessatz ansetzt.

Denken Sie daran, die Beratung durch einen vernünftiger Berater wird vom Bundesamt für Wirtschaft oder vom RKW anteilig subventioniert. Die Beratung durch einen Steuerberater wird im Regelfall nicht subventioniert, weil nur die Beratungen hauptberuflicher Berater subventioniert werden, die zu mehr als 50% ihrer Tätigkeit mit der Beratung zubringen.

Wenn Sie mit dem Gedanken einer Unternehmensübernahme spielen, dann handelt es sich um eine Existenzgründungsberatung, hierbei werden die Kosten der Beratung z.B. vom Bundesamt für Wirtschaft mit 50% der Beratungskosten (max. 1.500€) anteilig subventioniert.

Viel Erfolg!

MfG
MGB-Consulting