Übernommene Schrift [eilt!]

Hallo,
Ich schreibe zurzeit an einer Hausarbeit über das Thema „Bedrohte Schriftsysteme“ und bräuchte dringendst einen kleinen Rat.
Die Frage ist mir schon fast peinlich:

Ich habe die verschiedenen Ursachen für die Bedrohung von Schriftsystemen angegeben und sie mit Beispielen versehen. Nur fallen mir für den Punkt • Auswanderung des Volkes selbst und Adaption an das im Zielgebiet ansässige Schriftsystem keine Beispielsprachen ein.
Jemandem anders vielleicht? Bitte nachdenken, ich steh’ total auf’m Schlauch. :S

Danke,

  • André

… Adaption an das im Zielgebiet ansässige Schriftsystem

Als die Sowjets das mongolische Brudervolk heroisch vom Klassenfeind
befreit hatten, wurde die Mongolische Schrift verbannt und dem Volk
das kyrillische Alphabet geschenkt.
Auch die Kosaken schrieben ab den 20er Jahren mit russischen
Buchstaben.
Auch die Georgier und Armenier erkannten, dass Kyrillisch viel
schöber war, als deren Alphabet, dass nur unnötig Mühe machte, es zu
lesen.
Viele Orientalische Völker übernahmen die arabische Schrift: z.B.
Iran. Hier sollte man mal nachsdehen, ob die früher ein anderes
Alphabet benutzt haben.
Gruß, Alexander

Auch hallo.

Allzuviele Völkerwanderungen gab es ja nicht. Von daher hätte ich die Einwanderer ins römische Reich (Goten, Germanen,…) oder die Juden nach der Eroberung Israels durch die Araber vorzuschlagen. Das vereinfachte Chinesisch bedarf wohl keiner Erwähnung :wink:
Oder Namibia mit deutscher Amtssprache vielleicht ?

HTH
mfg M.L.

Ich habe die verschiedenen Ursachen für die Bedrohung von
Schriftsystemen angegeben und sie mit Beispielen versehen. Nur
fallen mir für den Punkt • Auswanderung des Volkes selbst
und Adaption an das im Zielgebiet ansässige Schriftsystem

keine Beispielsprachen ein.
Jemandem anders vielleicht? Bitte nachdenken, ich steh’ total
auf’m Schlauch. :S

Danke,

  • André

Ah, danke. Sind tatsächlich gute Beispiele. Mongolisch hab ich allerdings schon an anderer Stelle bei dem Beispiel Mongolisch-Kyrillisch. Aber die Mongolen sind ja nicht wirklich in den „Sowjetraum“ eingewandert. Die waren ja einfach da, und dann wurden bei ihnen die ganzen Alphabete eins nach dem anderen eingeführt.
Armenisch und Georgisch genauso - die sind ja nicht eingewandert. Und außerdem zählt das Argument, dass deren eigene Schrift so schwer zu schreiben/lesen sei, nicht. Schließlich schreiben die ja heute noch in ihrem Alphabet (was eigentlich mindestens so leicht wie Kyrillisch zu lesen ist).

Grüße,

  • André

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Auch hallo.

Allzuviele Völkerwanderungen gab es ja nicht. Von daher hätte
ich die Einwanderer ins römische Reich (Goten, Germanen,…)
oder die Juden nach der Eroberung Israels durch die Araber
vorzuschlagen. Das vereinfachte Chinesisch bedarf wohl keiner
Erwähnung :wink:
Oder Namibia mit deutscher Amtssprache vielleicht ?

Danke! :smile:
An die Goten hab ich noch nicht gedacht, ich glaube, das muss ich mal recherchieren. Sind die Goten ins Römische Reich eingewandert, oder hat das Römische Reich sich nach äh… Gotland (nee, wie nennt man das?) ausgebreitet?
Dem vereinfachten Chinesisch hab ich in meinem Aufsatz einen ganzen Abschnitt gewidmet - da gab’s viel zu erzählen. *g*

Wenn sich bis heute Abend nix besseres anbietet, nehm ich Gotisch…

  • André

Hallo André!
Wenn ich Deine Ausgangssituation richtig verstanden habe, sind die bisher gebrachten Beispiele mit Kyrillisch und Arabisch genau genommen nicht haltbar – mal abgesehen davon, daß Georgisch und Armenisch nie in kyrillischen Buchstaben geschrieben wurden. Denn die Sprachen, die jeweils die arabische und/oder kyrillische Schrift übernommen haben, haben das aufgrund einer ideologischen/religiösen Einwirkung von außen getan, ohne allerdings selbst im geographischen Sinne zu wandern. Wenn Du „Wandern“ jedoch im übertragenen Sinne als eine Art von ideologischem Opportunismus verstehst, wären Sprachen wie das Azeri zu nennen, die sich im Zuge der Islamisierung mit arabischen Buchstaben schrieben, im Zuge der Sowjetisierung mit kyrillischen und im Zuge der Europäisierung mit lateinischen. Ein ähnliches Beispiel wäre Atatürks Reform von 1928, die die „orientalische“ arabische gegen die „europäische“ lateinische Schrift eingetauscht hat.
Ich glaube, allgemein hat das „geographische Wandern“ wenig mit dem Aussterben von Schriftsystemen zu tun. Vielmehr sind es Auswirkungen von außen, die solches Aussterben verursachen, z.B. Kolonialisierung/Missionierung, die die meist die „primitiven“ lokalen Schriftsysteme durch das „perfekte“ lateinische Alphabet ersetzten.
Gruß,
Stefan

Ja, das hast du sehr richtig erkannt. Türkisch & Azerbaidschani habe ich auch als Beispiele an einer anderen Stelle genommen, genau wie die Sprachen der ehemaligen Sowjetunion, wie Kasachisch und Co., die jeweils mal in arabischer, lateinischer und kyrillischer und teilweise auch wieder in lateinischer Schrift geschrieben wurden und werden.
Du müsstest jetzt meine ganze Arbeit kennen, oder wenigstens die ganze Tabelle mit den Gründen fürs Aussterben oder Ändern einer Schrift, aber das führt auch zu weit, jetzt. Das Wandern eines Volkes ist natürlich kein direkter Grund, aber ich fand’s naheliegend…
Ich werde vielleicht „Gotisch“ als Beispiel nehmen oder es einfach weglassen… mal schauen…

  • André

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi,

mir fiel was am Rande ein: Irisch (‚gälisch‘) wurde in einer anderen, an die lateinische Schrift angelehnte, Schrift geschrieben.

Weniger Buchstaben, mehr Variation durch zB Punkte auf den Buchstaben, die dann eine Kombination von zwei Buchstaben ergeben.

Heute wird halt auch irisch im klassischen lateinischen Alphabet geschrieben.

Gruss, Isabel