Hallo Andreas,
ein Wort vorneweg:
ganz ehrlich - wenn ich kein Native Speaker bin werde ich
jedweden Text (ob geschrieben oder gesprochen) mir immer für
mich „vorab/simultan" übersetzen
Das mag durchaus auf Dich persönlich zutreffen, ist aber dadurch nicht zwangsläufig die Regel für alle Nichtmuttersprachler. Ich lese/höre z.B. Französisch oder Englisch „natürlich“, ohne es in irgendeiner Form zu übersetzen, und verarbeite es in meinem Kopf so, als ob es Deutsch wäre. Aber das nur am Rande.
Jetzt hätte ich Dir dreierlei zu bieten: eine Bestätigung von Mitzischs Aussage, eine Frage und einen Vorschlag.
Zunächst die Bestätigung von Mitzischs Aussage, die Du vermutlich nicht gerne hören wirst: Ich kann mich nach zig Jahren Sprachkursen in Schule, Uni, VHS und Sprachschulen und der ein oder anderen Sprachprüfung Mitzisch nur anschließen: Übersetzungen (zumal in die Fremdsprache) sind keine adäquate Art, um das Sprachniveau zu ermitteln. Ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Wenn ich nach meinen Klausurergebnissen in den einfachsten D-F-Übersetzungskursen gehe, dürfte mein Sprachniveau allerhöchstens irgendwo bei B1 liegen. Andererseits habe ich schon mehr als eine wissenschaftliche Arbeit auf Französisch geschrieben und eine C1-Prüfung mit 1 bestanden. Da sich zwischen diesen beiden Ereignissen meine Sprachkenntnisse nicht fundamental verbessert haben, kann es nur bedeuten, dass Übersetzungen in die Fremdsprache bestenfalls ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Sprachkenntnisse geben können. Ganz nebenbei waren bei mir Übersetzungen außerhalb der expliziten Übersetzungskurse nie Teil irgendeiner Sprachprüfung, da sie eben keines der allgemeingültigen Kriterien (Leseverstehen, Hörverstehen, schriftlicher Ausdruck, mündlicher Ausdruck) adäquat bewerten können.
Nun die Frage, die Du vermutlich genauso ungerne hören wirst. Ohne Dich angreifen zu wollen: Aber wenn Dein Englischniveau „nur“ bei B1 liegt, wie willst Du objektiv beurteilen können, ob jemand anders B2 oder C1 hat? Denn die „absolut korrekte“ Übersetzung, die Du Dir gerne als Maßstab zur Bewertung hernehmen möchtest, kann es nicht geben. Gib einen Text an zehn gleichermaßen qualifizierte Übersetzer und Du wirst mit 99,9-prozentiger Wahrscheinlichkeit zehn verschiedene Übersetzungen bekommen. Wenn Du selbst diese oder jene Formulierung nicht kennst, wie willst Du dann beurteilen können, ob sie richtig ist? Das Problem hatte mein Chef mit mir im Praktikum: Er musste mehr als einmal einen Brief wegen „komischen Englischs“ an mich zum Neuschreiben zurückgehen lassen, bevor er mir gestanden hat, dass er diesen oder jenen Ausdruck einfach nicht kannte (obwohl dieser vollkommen richtig, aber eben höheres Niveau war).
Und schlussendlich mein Vorschlag: An nahezu allen Unis kann man Englisch lernen; dort sollte es also unterschiedlichste Tests bzw. Prüfungsaufgaben geben, um das Niveau des Studenten feststellen zu können. Wirtschaftsenglisch gibt es auch an vielen Unis. Warum kontaktierst Du nicht einfach das Englischlektorat der nächsten Uni und fragst dort mal nach? Je nachdem, wie aufwendig Dein Auftrag ist, könnten die Dir evtl. mit Materialien und gegen ein paar Euro vielleicht sogar mit kleinen Prüfungen/Bewertungen behilflich sein. Damit wäre wohl allen Beteiligten am besten gedient.
Gruß,
Stefan