Hallo,
meine Frau hat seit ein paar Wochen wie sich nun herausstellt eine Depression ; ehrlichgesagt kann ich überhaupt nicht damit umgehen. ich versuche zwar immer wieder, sie morlaisch zu unterstützen, ihr gut zuzureden usw. doch letztendlich bin ich total überfordert. Mir raubt das unendlich viel Energie. Hat jemand dazu irgendwelche Tipps= Ist es besser sich zurückzuziehen? Muss man auch kritisch mit dem depressiven Partner umgehen?
Das tollste wäre du gehst zu einer Selbshilfegruppe für Partner von depressiv Erkrankten.
Ich denke da kann man sich gut austauschen.
Mein Mann wird das auch bald machen.
Ich weiß ja nun nicht wie sich die Depression bei ihr äußert. Welche „Symptome“ sie zeigt.Was genau dich belastet?
Das ist sehr unterschiedlich wie man dann damit umgehen sollte.
Hallo Stefan,
ich kann mir gut vorstellen, dass die momentane Situation eine ziemliche Belastung für dich darstellt. Als ich vor 5 Jahren depressiv war, war dies sehr schwer für meinen Partner. Allerdings ist es auch eine große Chance für eine Beziehung, eine solch schwere Zeit gemeinsam durchzustehen. Heute bin ich froh, diese Monate der Depression erlebt zu haben, denn ich habe sehr viel über mich selbst und über den Umgang mit mir gelernt und weiß das Leben heute viel mehr zu schätzen als davor.
Versuch für deine Frau da zu sein, sie braucht dich, auch wenn Sie sich das vielleicht im Moment nicht eingestehen kann. Aber achte unbedingt auch auf dich, also dass du dir Gutes tust und nicht nur an sie denkst. Je nach Schwere der Depression solltet ihr euch auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen, wobei es sehr große Unterschiede bei Psychologen gibt. Die „Chemie“ zwischen Patient und Therapeut muss stimmen, sonst bringt das gar nichts.
Ein Buch, was mir sehr geholfen hat, war „Wege aus der Depression“ von Kaufmann-Mall und Mall. Darin sind gute Ratschläge enthalten, wie man sich quasi „am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht“. Du hast ja gefragt, ob man mit dem depressiven Partner auch kritisch sein darf. Mitten in der Depression sind Vorwürfe auf keinen Fall angebracht, die verstärken nur die Schuldgefühle, die im Allgemeinen ein Hauptsymptom dieser Krankheit sind. Wenn sie allerdings wieder einigermaßen psychisch stabil ist, solltet ihr auf jeden Fall kritisch hinterfragen, was Ursache und Auslöser der Depression sein könnten.
Ich wünsche euch alles Gute und hoffe, dass es deiner Frau bald wieder besser geht.
Viele Grüße,
Silvia
Hallo stefan,
meine frau leidet seit 17 jahren immer wieder an mehr oder weniger starken depressiven schüben. Ich kann deine überforderung gut verstehen, mir geht es oft ähnlich.
Wichtg erscheint mir, dass deine frau sich von einem profi (psychiater oder psychtherapeuten) behandeln
lässt und auch die verordneten medikamente nimmt. Leider dauert es oft drei bis vier wochen bis diese medikanete wirkung zeigen.
Gott sei dank, die heutigen mittel haben fast keine bis wenige nebenwirkungen.
Aber nun zu dir, wenn du deiner partenrin beistehen willst, dann brauchst du viel kraft, deshalb musst auch du trachten für dich eine „kraftquelle“ zu finden und immer wenn es möglich ist dort zu „tanken“.
Depressive menschen sind oft sehr abweisend oder sogar aggressiv, das verunsichert einem als partner sehr, besonders dann, wenn man viel liebe und verständnis aufgebracht hat. Mir hilft dann, dass ich sie in diesen situationen (für mich) als nicht zurechnungsfähig erkläre, sie nicht ernst nehme und dadurch dann auch weniger verletzt bin. Zugegeben, auch das kostet kraft und energie. Vielleicht ist das eine Form des sich zurückziehens?
Ich bin mir nicht sicher was du mit „kritisch mit dem partner umgehen“ meinst. Sicher ist, das man mit sätzen wie, „reiß dich zusammen, es ist ja ohnehin nicht so schlimm“ oder „andere schaffen das ja auch, denen geht es noch viel schlechter“, oder „es ist undankbar, traurig und niedergeschlagen zu sein, du hast ja alles was du brauchst, es geht uns gut“. Depressive menschen sind außer stande die positiven seiten des lebens zu erkennen, das ist ein wesentlicher teil ihrer krankheit.
Ein wesentliche aspekt dieser krankheit ist auch die gefahr des sebstmordes. Ich spreche das so direkt an, weil man es auch bei dem depressiven ansprechen soll, denn depressionen gehen immer mit suizidgedanken einher. Manchmal werden sie ausgesprochen, manchmal halt nicht.
Wichtig! Darüber sprechen.
So stefan, normalerweis bin ich kein vielschreiber, aber ich kann genau fühlen wie es dir geht, darum habe ich versucht einige punkte die mir wichtig erscheinen anzusprechen. Ich hoffe du kannst einige ratschläge brauchen und vorallem, das es deiner frau bald wieder besser geht.
LG Karl
PS Falls du weiteren gedankenaustausch möchtest, kannst du mich direkt unter meiner privaten mailadresse erreichen
[email protected]
Kritisch solltest du auf jeden Fall mit ihr umgehen, denn meiner Ansicht nach besteht die Gefahr, dass Depressive dazu neigen, sich selbst zu bemitleiden. Das wäre der Sache ja nicht wirklich förderlich. Sind denn Ursachen der Depression bekannt?
Hallo zurück,
so in ein paar Sätzen ist die Frage schwer zu beantworten, aber…
Je nach Grad der Depression und je nach Dauer, kann sie auch eine Belastung der Partnerschaft sein.
Am allerwichtigsten ist es, dass Sie sich über die Krankheit informieren. Was passiert da eigentlich und welche Auswirkungen hat sie auf das Gedankengut eines Menschen etc. Ein richtiger Umgang ist sehr wichtig, da wohlgemeinte Hilfe sonst genau das Gegenteil bewirken kann. Bspw. ein gutes Zureden kann als nicht ernst genommen aufgefasst werden. Versuche den Depressiven durch besondere Unternehmungen aufzumuntern, kann den Erkrankten schnell überfordern u.a. wenn er das Gefühl hat, trotz energiemangels und negativer Stimmung „gut drauf“ sein zu müssen. Ich würde Ihnen wirklich empfehlen, sich über die Krankheit gut zu informieren, das wird Ihnen helfen sich in vielen Situationen richtig zu verhalten und ihrer Partnerin signalisieren Sie damit ein ersthaftes Interesse. Buchbeispiele: Wenn die Seele weint, Depressionen überwinden oder Wenn das Leben zur Last wird. Ich wünsche Ihnen beiden viel Kraft diese schwere Phase zu meistern. Wenn Sie weitere Fragen haben, melden Sie sich gern wieder!
Freundlichst Anita H.
Hallo Stefan,
als Angehöriger einer psychisch kranken Person hast du
es nicht leicht. Zum Einem kann dein Verhalten eine
Stütze sein, zum Anderen kann es den Anlass bieten,
dass deine Partnerin dich für ihre Situation verantwortlich
macht.
Es gibt einen bundesweiten Verband von Angehörigen, die
in vielen Orten auch Selbsthilfe-Gruppen anbieten. Hier
ein Link zur Bundesseite
http://www.psychiatrie.de/familienselbsthilfe/
Wichtig ist für dich zu verstehen, was Depression ist. Lies
darüber, soviel wie du kannst. Du Ratgeber für Angehörige
füllen mittlerweile ganze Regale. Bei der Depression
werden immer ursächliche Gefühle unterdrückt. Meist
handelt es sich dabei um Wut, die nicht rechtzeitig
ausgelebt wurde, bzw. die dauerhaft unterdrückt wurde.
Das heißt, so bald erste Anzeichen für einen depressiven
Schub aufkommen, gilt es herauszufinden, welches
unterdrückte Gefühl dahinter steckt. Depressive haben
meist unglaubliche Angst sich mit der Trauer, der Leere
oder der Unruhe, die sie empfinden, auseinander
zusetzen. Woher kommt diese Trauer/Leere/Unruhe? Die
Schübe werden häufig durch sogenannte Trigger
ausgelöst. Der Prozess des Herausfindens, welcher
Trigger, den depressiven Schub auslöst oder welches
Gefühl und deren Ursache dahintersteckt, ist ein sehr
langwieriger, den der/die Betroffene auch nicht allein
meistern kann.
Ist deine Partnerin in therapeutischer Behandlung? Wenn
nicht, sollte sie sich dringend darum kümmern. Wenn es
ganz schlimm (Suizid-Versuche) ist, sollte sie sogar in
eine Klinik gehen.
Als Angehöriger brauchst viel Geduld und
Durchhaltevermögen und am besten auch Unterstützung,
beispielsweise durch Freunde oder eben eine
Selbsthilfe-Gruppe.
Wie sollst du dich verhalten? Rede mit ihr darüber,
versuche mit ihr die tatsächlichen Gefühle, die
dahinterstecken herauszufinden. Sobald die
Auseinandersetzung mit diesen ursprünglichen Gefühlen
stattfindet, werden die Schübe seltener (verschwinden
teilweise sogar ganz) und sie werden insgesamt auch
schwächer und kürzer.
Vergiß nicht: Depression ist eine unheilbare,
schlimmstenfalls tödliche Krankheit, die unbedingt
behandelt werden muss. Aber sobald der
Auseinansetzungsprozess stattfindet werden die
Symptome weniger und schwächer. Der Depressive lernt
mit seiner Krankheit zu leben und vorallem depressive
Schübe auszuhalten.
Verhalten in Notfall: Grundgedanke ist Ablenkung. D. h.
deine Partnerin muss raus aus der Situation, in der sie
sich gerade befindet. Am besten wirkt ein Spaziergang.
Durch die Bewegung wird zusätzlich überschüssiges
Cortisol, welches die Depression chemisch auslöst,
abgebaut. Weinen hilft auch Cortisol über die Tränen
auszuscheiden. Ermutige sie traurig zu sein und zu
weinen: „Kotz dich auch! Schluck die Trauer nicht runter!“
Auch ein Film oder Musik kann ablenken. Was genau hilft,
liegt an deiner Partnerin. Du musst konsequent daran
bleiben, vielleicht auch ein wenig autoritär durchgreifen,
wenn sich deine Partnerin nicht auskotzen oder ablenken
lassen will. Der Hintergedanke dabei sollte sein: „Ich weiß,
dass es dir schlecht geht! Aber wenn du dich ablenkst
oder auskotzt, dann geht es dir besser, vertrau mir!“ Sollte
sie sogar Suizid-Versuche unternehmen, dann hilft nur der
direkte Weg ins Krankenhaus. Wie gesagt, du muss
konsequent dranbleiben, denn sie wird sich dagegen
wehren: „Es hat ja alles keinen Sinn!“
So, falls du noch Fragen hast, melde dich!
Alles Gute und viel Kraft!
Cindy
hallo stefan
kann verstehen das du überfordert bist.depressionen sind eine scheiß krankheit sagen sogar die therapeuten.
man sieht sie nicht äußerlich aber sie ist da.
würde eine psychotherapie vorschlagen, der dich auch mit einbezieht.
du machst es schon sehr gut sie zu unterstützen und auf sie eingehst,deine partnerin kommt sich dadurch verstanden vor.
für dich empfehle ich das du dich mit freunden wo du vertrauen hast zu treffen und über euer problem dich austauscht.das gibt dir wieder mehr energie.
deine partnerin muß unbedingt zum psychiater der tabletten verschreibt und eine psychotherapie anstreben.
dabei hat der patient das gefühl verstanden zu werden und das es nicht an einem selber liegt.
ich weiß ja nicht ob ihr gerade ein kind bekommen habt.
da ist einfach eine wochenbettdepression da.
versteh deine partnerin das ist alles was du machen kannst.
liebe grüße
Hallo Stefan
Depression,Niedergeschlagenheit
Da geht so viel verloren.Man fängt etwas an und sieht dann bald keinen Sinn mehr,man scheint ihn zu vergessen.Er wird verschüttet unter der Niedergeschlagenheit.
Die Umwelt deutet das als mangelnde Ausdauer, Ernsthaftigkeit.
Nachher kommt das Aufwachen.Man sieht dann die Fehler,was man falsch gemacht hat,wie man sich falsch verhalten hat.
Das gigt dann wieder Depressionen, und so weiter.
Daher ein stetiger Abstieg,ein stetiges Bergab,ein Abrutschen.
Die Wirkung auf die Familie ist noch viel schlimmer,
als auf sich selber.
Das habe ich vor einigen Jahren in einem lichten Moment
geschrieben und gibt Dir vielleicht einen Einblick,was eine depressive Person erlebt.
Du frägst nach Hilfe,Abhilfe.
Zeige deiner Frau irgendein Ziel.Vielleicht treibt sie Sport,vielleicht vielleicht kocht sie gerne,bringe sie dazu,etwas zu tun,was sie eigentlich gerne macht.
Das fällt mir als erstes ein.
Medikamente finde ich nicht gut.Außer vielleicht eine Kur mit Johanniskraut oder Vitamin E.
Aber die beste Hilfe kommt immer noch vom Umfeld,von
der Familie,den Freunden.
Ganz weg bekommt man das wahrscheinlich nie,aber jeder fällt mal in ein Loch.
Je nach Alter kann das auch mit Wechseljahren zusammenhängen.
Ich äußere mich hier nur als jemand,der selber auch
depressiv ist.Erfolgselebnisse,seien sie auch noch so
klein,bringen oft eine Besserung.
Das ist,was mir so spontan einfällt.
Ich werde versuchen,Dir zu helfen,Du kannst mir immer schreiben.
Freundliche Grüße
Werner
Servus WErner,
danke für Deine Tipps. Für mich ist da alles unglaublich schwer zu verstehen und nachzuvollziehen. Der Auslöser war, dass meine Frau seit Monaten Probleme mit der Leiste bzw Blase hatte, von einem Doktor zum anderen springen musste, ohne dass die Ärzte h dabei eine eindeutige Diagnose stellen konnten. Für mich stellt sich die Frage: was war zuerst da die Henne oder das Ei. du weisst worauf ich hinaus will. Vielleicht waren diese „Leistenprobleme“ eine psychosomatische Folge vorhandener psychischer Probleme . Da bin ich halt kein Fachmann um das zu beurteilen. Ich hoffe nur dass ich die Kraft aufbringe, sie zu unterstützen, da ich ehrlichgesagt selber schon berufsbedingt im orangen Bereich bin
Was war bei Dir der Auslöser?
Über einen Gedankenaustausch würde ich mich freuen
[email protected]
Hallo Stefan!
Der Umgang mit einem depressiven Angehörigen ist außergewöhnlich belastend. Man hält das alleine nicht lange aus. Daher mein Rat: besuche eine Betroffenengruppe, um dich mit anderen auszutauschen. Adressen hat sicher der behandelnde Arzt deiner Frau. Glaube ja nicht, du könntest ihr mit gut gemeinten Ratschlägen helfen. Da braucht es absolute Fachleute mit medikamentöser Unterstützung. Du sollst für sie da sein, die notwendigen Dinge erledigen und alle Außenbelastung von ihr fernhalten. Man ist in dieser Krankheit einfach nicht belastbar, manchmal ist schon Zähneputzen eine schier unmögliche Anstrengung.
Vielleicht überlegst du eine stationäre Aufnahme deiner Frau für die Akutphase. Die Heilungschancen stehen gut, aber man muss die Sache mit Dampf angehen.
Alles Gute!
Hallo,Stefan,
ich habe von 1973 bis 1979 in Frankreich gearbeitet und dort auch geheiratet. Ab 1978 habe ich Migräneanfälle,die erst seit ca.einem Jahr schwächer geworden sind - dank auch besserer Medikamente und einer Selbsthilfegruppe.1979 bin ich nach Deutschland zurückgekommen,mußte mich aber nach einem guten Jahr von meinem Arbeitgeber trennen,da wir uns nicht verstanden haben.Das war das erste mal in 20 Jahren Berufslebenund ich bekam so starke Depressionen,daß ich schon körperlich zeitweise gelähmt war.Durch professionelle Hilfe hat sich das bald gebessert.Ich war zu ehrgeizig und habe dann gelernt,machbare Ziele zu setztn und dann ist die Depression wieder schwächer geworden.Mitauslöser war sicher das völlig andere Umfeld von einer französischen zu einer amerikanisch geführten Firma.Ich war dann bis vor sechs Jahren, bis zu meinem 59.Lebensjahr bei einer deutschen Firma tätig.Dann wurde ich aus Altersgründen "freigestellt"und habe mich dann als einzigen Ausweg selbständig gemacht.Das war zwar finanziell,zumindest vorläufig ein finanzieller Abstieg.Dazu kam die Krebserkrankung unseres älteren Sohnes mit 27 Jahren.(Er arbeitet wieder) Und dann noch die psychische Erkrankung des jüngeren Sohnes,bei dem es nach neun Jahren im Moment um einiges besser aussieht.Ich selber habe eine Umstellungsosteomie bekommen und habe auch seit drei Jahren ein neues Hüftgelenk.Eigentlich alles Auslöser für erneute Depression.Habe das alles bis jetzt relativ gut überstanden durch Kontakte zu Mitsportlern(Langstreckenläufer)zu Freunden und Bekannten,vor allem in Frankreich.(Wir haben eine halbe Stunde Fahrzeit bis ins Elsaß.Dort kann man sich unbeschwerter und offener über seine Probleme gegenseitig austauschen,finde ich.Wichtig ist,meine ich ein Ziel oder auch mehrere zu haben,sich mit etwas zu beschäftigen.Bei mir war es etwas Gartenarbeit,Theater - und Kinobesuche mit anschließender Diskussion,Beschäftigung mit Literatur und nicht zuletzt der Beruf.Müßiggang ist aller Laster Anfang.
Das wars mal für heute.Ich weiß nicht,ob Du Dir meine Antwort so vorgestellt hast.Falls nicht,bin ich gerne bereit,auf andere Art Auskunft zu geben.
Freundliche Grüße
Werner