Hi MiND,
der Umgang mit Depressiven ist vor allem auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst, denn die Depression anderer kann einen selbst auch ganz schön niederschlagen. Man schwankt zwischen Mitleid, Hilflosigkeit und auch Wut; da ist es nicht immer einfach, ein gutes Gegnüber zu sein. Einen Ratschlag zu geben, was man denn tun könne, bringt einen zunächst mal aus der Hilflosigkeit raus, kann aber auch Distanz schaffen.
Sicher kann bei einer Depression ein Psychologe möglicherweise helfen, es gibt aber auch medikamentöse Hilfe, um erstmal aus der Krise rauszukommen, die eine Therapie ja auch verhindern kann. Dazu wäre der Ansprechpartner Hausarzt oder Neurologe/Psychiater.
Selbstverletzung muss kein Zeichen für Depression sein, da kann auch ein ganz anderes massives Problem dahinter stehen (z.B. eine dissoziative oder eine Persönlichkeits-Störung). Da ohne Hilfe wieder raus zu kommen, ist sicher schwierig.
Was Psychologen in solchen Fällen machen, komt sehr auf den jeweiligen Hintergrund sowohl des Psychologen als auch des Klienten an. Es muss nicht die bekannte Analyse „auf der Couch“ sein, wo man sein ganzes Leben aufrollt. Da gibt’s eine große Bandbreite von z.T. auch kurzen und sehr wirkungsvollen Interventionen, die einem zunächst mal helfen, den Alltag wieder zu bewältigen.
Suizidäußerungen lassen einen immer erst mal erschrecken und aufmerken. Das ist auch gut so. Es macht aber auch ängstlich und wieder hilflos. Man will was tun und kann nicht, und retten schon gar nicht. Hilfreich in der akuten Krise kann sein, den Suizidalen wieder mit sich selbst in Kontakt zu bringen. Z.B. durch ein gutes Gespräch, wo man ein wirkliches Gegnüber ist und offen auch die eigenen Gefühle dazu anspricht.
Ein sehr gutes Buch zum Umgang mit Depressiven, suizidgefährdeten und anderen psychiatrischen Erkrankungen ist:
Dörner, Plog, Teller und Wendt: Irren ist menschlich, Psychiatrie Verlag
Viele Grüße
Ulla
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