Umgang mit depressiven Menschen

Hallo,

ich habe in letzter Zeit mehr Menschen getroffen, die depressiv sein. Soweitgehend, dass er sich morgens umbringen könnte, weil er absolut keine Lust hat. Ein anderer Fall ist, dass sich eine selbst Verletzungen zufügt, z.B. mit Nadeln.
Ich habe ihnen geraten einen professionellen Psychologen aufzusuchen, aber was wird der dann machen?
Es ist eben so, dass „man“ nicht gerade zum Psychologen gehen will…

Habt ihr hilfreiche Tipps?

THX
MiND

Hi,

mit Tipps und Ratschlägen kommst Du nicht weit. Sei einfach für Deine Freunde da, lasse sie wissen, dass sie immer zu Dir kommen können und hör ihnen zu, wenn sie reden wollen - vorausgesetzt, das alles willst und kannst Du! Wenn Du sie unterstützen möchtest, mach Dich schlau über Depressionen, es gibt viele nützliche Tipps für die sog. „Angehörigen“, wie sie mit ihren Freunden/Verwandten, die depressiv sind, reden können, ohne Druck auszuüben. Es ist ein ziemlicher Drahtseilakt, den Du vor Dir hast, wenn Du es durchziehen willst. Ich wünsch Dir viel Glück. Kannst mir auch gern ne Email schicken, wenn Du mehr wissen magst.

Grüße
Natascha

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Hallo Mind

Hallo,
ich habe in letzter Zeit mehr Menschen getroffen, die
depressiv sein.

Vielleicht achtest du nur mehr darauf, was sich in deiner Umgebung abspielt.

Soweitgehend, dass er sich morgens umbringen
könnte, weil er absolut keine Lust hat.

DAS ist ein absolutes Alarmsignal!
Aber ich glaube, dass du, auch als Freund, hier keine große Hilfe mehr bist.

Ein anderer Fall ist,
dass sich eine selbst Verletzungen zufügt, z.B. mit Nadeln.

das kann die Vorstufe des o. g. sein.

Ich habe ihnen geraten einen professionellen Psychologen
aufzusuchen, aber was wird der dann machen?

Das kommt drauf an, wie „schwer“ das Problem ist.
Wenn jemand schon Suizid angedroht hat, dann wirds brenzlich.
Ob da noch eine „normale“ Psychotherapie reicht, bezweifle ich.

Es ist eben so, dass „man“ nicht gerade zum Psychologen gehen
will…

Die meisten verwechselt die Begriffe.
Ein Psychologe ist mehr wie ein Freund/Tagebuch,
bei dem man sich ausweinen kann und der Hilfe zur Selbsthilfe gibt.
Man lernt z. B. die Dinge aus ner andern Perspektive zu sehen.

Habt ihr hilfreiche Tipps?

kommt wirklich auf die Schwere an.
Manchmal hilft ein offenes Wort eines Freundes,
aber es gibt auch Fälle, in denen ich einen Arzt informieren würde,
damit die betreffende Person in eine Fachklinik eingewiesen wird
(um einen Suizid zu vermeiden).
Nix machen kannst du, leider, wenn sich die betroffene Person nicht
professionell helfen lassen will.

THX

Gruß

MiND

Daggi

Hi MiND,

der Umgang mit Depressiven ist vor allem auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst, denn die Depression anderer kann einen selbst auch ganz schön niederschlagen. Man schwankt zwischen Mitleid, Hilflosigkeit und auch Wut; da ist es nicht immer einfach, ein gutes Gegnüber zu sein. Einen Ratschlag zu geben, was man denn tun könne, bringt einen zunächst mal aus der Hilflosigkeit raus, kann aber auch Distanz schaffen.

Sicher kann bei einer Depression ein Psychologe möglicherweise helfen, es gibt aber auch medikamentöse Hilfe, um erstmal aus der Krise rauszukommen, die eine Therapie ja auch verhindern kann. Dazu wäre der Ansprechpartner Hausarzt oder Neurologe/Psychiater.

Selbstverletzung muss kein Zeichen für Depression sein, da kann auch ein ganz anderes massives Problem dahinter stehen (z.B. eine dissoziative oder eine Persönlichkeits-Störung). Da ohne Hilfe wieder raus zu kommen, ist sicher schwierig.

Was Psychologen in solchen Fällen machen, komt sehr auf den jeweiligen Hintergrund sowohl des Psychologen als auch des Klienten an. Es muss nicht die bekannte Analyse „auf der Couch“ sein, wo man sein ganzes Leben aufrollt. Da gibt’s eine große Bandbreite von z.T. auch kurzen und sehr wirkungsvollen Interventionen, die einem zunächst mal helfen, den Alltag wieder zu bewältigen.

Suizidäußerungen lassen einen immer erst mal erschrecken und aufmerken. Das ist auch gut so. Es macht aber auch ängstlich und wieder hilflos. Man will was tun und kann nicht, und retten schon gar nicht. Hilfreich in der akuten Krise kann sein, den Suizidalen wieder mit sich selbst in Kontakt zu bringen. Z.B. durch ein gutes Gespräch, wo man ein wirkliches Gegnüber ist und offen auch die eigenen Gefühle dazu anspricht.

Ein sehr gutes Buch zum Umgang mit Depressiven, suizidgefährdeten und anderen psychiatrischen Erkrankungen ist:
Dörner, Plog, Teller und Wendt: Irren ist menschlich, Psychiatrie Verlag

Viele Grüße
Ulla

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Hallo Mind!
Ich bin keine „fachfrau“. Meiner Meinung nach ist Dein Rat, einen Psychologen aufzusuchen, vollkommen richtig.
Ob Deine Bekannten den Rat annehmen, das müssen letztendlich sie entscheiden. Hinschleifen kannst Du sie nicht. Das hört sich jetzt vielleicht hart an, mein ich aber nicht so.
Ich denk, es ist wichtig, wenn Du ein „offenes Ohr“ hast und Dich interessierst. Trotzdem darfst Du Deine eigenen Grenzen nicht vergessen. Du kannst Deinen Bekannten den Schritt sich Hilfe zu suchen nicht abnehmen. Aber in die Richtung schubsen … das kann man schon :wink:
Für SVV gibt es schon ein paar Tipps, wie z. B. statt Nadel Eiswürfel, manchmal hilft auch ein Gespräch …
Mit meiner Tochter war ich auf ihren Wunsch bei einem Psychologen, weil sie unter Depressionen litt. (Hatte allerdings andere Gründe) Der nette Psychologe litt selbst unter Depressionen und gab ihr eine Liste, wie man sich „ablenken“ kann. wie z. B. nicht im Bett liegen bleiben sondern aufstehen und etwas tun. Nicht fernsehen schauen sondern malen, schreiben, aufräumen …
Aber wie Du leicht erkennen kannst, sind das alles Dinge, die Du nicht für Deine Bekannten erledigen kannst. Sie müssen aus dieser Situation heraus wollen und aktiv mitarbeiten.
Klar, hört sich an wie „leicht gesagt“ … aber ich bin halt auch nicht vom Fach :wink:
Liebe Grüße
usch