Umgang mit Gefühlen

Hallo,

ich habe folgende Frage an Euch : (ich hoffe, ihr könnt mir helfen)

Es geht hauptsächlich um Gefühle! Im Umgang mit meinen Gefühlen habe ich ein Problem. Ich kann manchmal nicht definieren, ob es mir gut oder schlecht geht (oder was ich überhaupt fühle oder will). Ich weiß nicht, ob das jemand nachvollziehen kann?!? Wie kann ich den Zugang zu meinen Gefühlen wieder finden?

Es kann auch daher kommen, dass im Elternhaus wenig über Gefühle gesprochen wurde und somit tue ich mir sehr schwer auch in der Gesellschaft mich über meine Gefühle zu unterhalten. Es bringt mich sehr durcheinander, da ich selbst mit meinen Gefühlen nicht umgehen kann.

Vielen Dank für Antwort!
Anne

Hallo,

Hallo Anne,

Es geht hauptsächlich um Gefühle! Im Umgang mit meinen
Gefühlen habe ich ein Problem. Ich kann manchmal nicht
definieren, ob es mir gut oder schlecht geht (oder was ich
überhaupt fühle oder will).

Vielleicht solltest du dir nicht so viel Zwang damit antun, dass definieren zu müssen. So viel ich beurteilen kann, weiss keiner Mensch zu jeder Zeit, was er füllt oder was er will. Vieles in unserem Leben ist Routine, wir handeln oft automatisch, ohne viel nachzudenken oder viel zu fühlen. In Extremsituationen kommen natürlich die Gefühle wieder ans Licht, sei es Verliebtheit, Hass, Trauer, Glück, und die spürst du dann mit Sicherheit. Also ich würde wirklich nicht so viel nachdenken und in sich hineinhorchen, denn es kann zu einem Teufelskreis führen: du hälst für einen Moment inne und fragst dich, was du fühlst, was du willst - und weisst es nicht, daran verzweifelst du und wiederholst das Ganze noch ein Mal. Irgendwann besteht dein Leben aus lauter „in-sich-hineinhorchen-Momente“, sodass du dann nicht mehr imstande bist, die Reize von aussen wahrzunehmen. Und diese Reize sind gerade das, was in uns Gefühle hervorruft.

Wie kann ich den Zugang zu meinen
Gefühlen wieder finden?

Indem du dich „gehen lässt“ und dich vor allem nicht für dich selbst schämst, egal, was du gerade empfindest. Du solltest ehrlich zu dir selbst sein.

Es kann auch daher kommen, dass im Elternhaus wenig über
Gefühle gesprochen wurde

Das wird oft behauptet: es könnte am Elternhaus liegen. Im gewissen Sinne stimmt das oft auch. Nur sehe ich solche Art von Argumentation als eine Bequemlichkeit. Irgendwann werden wir alle erwachsen und müssen für uns selbst aufkommen. Die gescheiterten Versuche der sozialen, geschäftlichen, persönlichen Kontakte werden dabei oft aufs Elternhaus geschoben, wobei es nicht einmal versucht wird, an seiner eigenen Persönlichkeit weiter zu arbeiten und sie zu entwickeln.

auch in der Gesellschaft mich über meine Gefühle zu
unterhalten.

Warum denkst du, dass du in der Gesellschaft deine Gefühle offenbaren musst? Das ist grundsätzlich nicht zwingend notwendig, sich über seine Gefühle zu unterhalten. Die Unfähigkeit dazu könnte aber daran liegen, dass du, wie ich oben vermutet habe, dich für deine Gefühle schämst und dich vor der Reaktion anderer fürchtest. Das macht verklemmt. Irgendwo habe ich ein Tipp dazu gelesen: regst du dich über etwas auf - sag es ohne wenn und aber, laut und deutlich. Freust du dich - sag es ebenfalls. Und so weiter. Du wirst sehen, es funktioniert!

Eine „Gefühlstaubheit“ kann aber ein Zeichen der Übermüdung sein, der sog. „Burning-out-Syndrom“, ebenfalls tritt diese Taubheit bei Depressionen auf. In diesen und ähnlichen Fällen ist es ratsam, das Hauptproblem zu lösen, sei es unter psychologischer Anleitung oder egal wie.

Vielen Dank für Antwort!

In Hoffnung, geholfen zu haben

Anne

hei frank,

du sprichst mir aus der seele:smile:inzwischen weiss ich aber fast immer, wie’s mir geht. das schlimmste ist die frage „what do you like“… sei es an menschen oder sonst irgendwas. ich weiss es einfach nicht!! und bin damit total ueberfordert. manche brechen bei der antwort „dont know“ in gelaechter aus (gut fuer mich), andere reagieren mit unverstaendnis und schuetteln den kopf… sorry ich kann dich nix dafuer man!

saus

Hallo Frank!

Es geht hauptsächlich um Gefühle! Im Umgang mit meinen
Gefühlen habe ich ein Problem. Ich kann manchmal nicht
definieren, ob es mir gut oder schlecht geht (oder was ich
überhaupt fühle oder will). Ich weiß nicht, ob das jemand
nachvollziehen kann?!?

Ja, das kann ich, sogar sehr gut, denn das ging mir früher genauso.

Wie kann ich den Zugang zu meinen
Gefühlen wieder finden?

Bei mir hat geholfen: Nachdenken, mit Freunden reden, Tagebuch schreiben, Dinge tun, Dinge erleben, mich dabei erleben, viel Psychologisches lesen und drüber nachdenken, das Leben leben, über Gedanken und (auch abwesende) Gefühle mit Freunden reden, Psychotherapie …

Es kann auch daher kommen, dass im Elternhaus wenig über
Gefühle gesprochen wurde und somit tue ich mir sehr schwer
auch in der Gesellschaft mich über meine Gefühle zu
unterhalten. Es bringt mich sehr durcheinander, da ich selbst
mit meinen Gefühlen nicht umgehen kann.

Das wird! :smile: Aber es wird auch dauern und du wirst dich wahrscheinlich dafür auch etwas anstrengen müssen. Aber es haben schon so viele geschafft, warum sollte es ausgerechnet bei dir nicht funktionieren? :wink:

Außerdem: Deine Gefühle sind da, nur leider hast du wohl sozusagen die Verbindung zu ihnen gekappt. Diese Verbindung kann man auch wieder herstellen.
So etwas hat meistens irgendwann im Leben Sinn gemacht und dir geholfen, war wahrscheinlich eine Art Schutzmechanismus. Nur inzwischen bist du älter geworden, dein Leben hat sich geändert und dieser Mechanismus zwickt wie ein zu klein gewordener Anzug aus einem früheren Leben. Er passt nicht mehr, sein Zweck hat sich erfüllt, er kann (muss) abgelegt werden. Das macht der Anzug nur nicht von alleine, da musst du nachhelfen.

Hilfreich dabei ist meiner Erfahrung nach alles, wobei man sich selbst körperlich und psychisch erlebt: Vom Hobby, das man genießt und in dem man aufgeht, über Sport, Yoga, am Fluss rumsitzen, lange Gespräche, tanzen, Atemübungen, Tagebuch schreiben usw. usf. bis hin zur Psychotherapie.

Was für dich diese Kriterien des Lebens und sich Erlebens erfüllt, kann dir leider kein anderer sagen. Aber: Versuch macht kluch! :smile:

Grüße
Christiane

Hi Anne,

in Deiner Frage stekt m. E. schon der Ansatz zur Antwort: Du hast „Gefühle zeigen/haben/erkennen“ nicht gelernt (in Deiner Familie).

Allein die Tasache, dass Du Dir dessen bewusst bist und hier dazu fragst, zeigt, dass Du auf dem (richtigen) Weg bist, es zu lernen. Am leichtesten fällt mir der Umgang mit und das Erkennen und Zeigen meiner Gefühle bei meiner Partnerin oder bei guten Freunden (von denen es wahrlich nicht viele gibt!). Über den Zugang zu eigenen Gefühlen „im geschützten Umfeld“ sürfte es mit der zeit auch gelingen, in anderen Situationen in sich hinein zu horchen.

Ich wünsche Dir für Deinen Weg alles Gute.

wenn man das nicht gelernt hat in der kindheit - vielmehr sogar aberzogen bekam - denn grundlegend war es ja mal da das jedes gefühl seinen raum hat - ersetzt man diese gefühle durch anderes.

ich selbst habe das auch gehabt - aber nur bezüglich bestimmter gefühle - trauer und angst - diese richtung.
wobei ich nicht verhelen will dass die auswirkungen nat. manigfaltig waren in meinem leben.

ich habe keine ahnung ob man das selbst regulieren kann - es hängt davon ab. aber ich habe es nicht allein gemacht - der weg wäre mir zu lang gewesen und es kamen aktuelle ereignisse erschwerend hinzu. ich habe deshalb einst eine thera gemacht und kann sagen, das es eine verdammt gute entscheidung war.

kleines beispiel: ich konnte über jedes elend auf der welt weinen - auch im tv (wobei ich das auch erst spät konnte, vorher war nichtmal da ein zugang) aber wenn ich von mir selbst etwas erzählt habe was evtl wirklich schrecklich war, hatte ich null gefühl dazu -
der vorschlag meiner thera mir im geiste ein haus zu bauen und es einzurichten nach meinen bedürfnissen mit eltern, die so sind wie ich sie haben will klappte nicht - ich kam mir bekloppt vor dabei.

aber ich hatte einen kleinen jungen in meiner umgebung zu dem ich eine starke innere bindung hatte und so habe ich mir ihn als eselsbrücke genommen - ich habe mir also vorgestellt nicht mir ist „das“ passiert sondern ihm - und nach und nach setzten sich da gefühle für mich über mich frei…(langer weg aber)

eine der auswirkungen keine gefühle oder nur eingeschränkt für sich zu haben waren auch, dass ich meine grenzen nicht erkannt hatte und nicht wirklich fürsorglich mit mir umgegangen war - eher hart.
heute fällt es mir leichter - sogar bei kleinigkeiten - habe ich mirgäne verdränge ich das nicht mehr um zu funktionieren - ich muss nicht mehr funktionieren - statt dessen überlege ich mir was ich nun brauche - was das innere kind in mir braucht - und gebe mir das - und siehe da - die anspannung verliert sich und wenn das kleine kind „satt“ ist bin ich wieder fit… wohlgemerkt mache ich mir dennoch gedanken wenn es soweit kam - wieso es dazu kam.

ich will auch nicht behaupten dass ich heute perfekt bin - aber das ist auch nicht das ziel - und so ab und an ist es ohnehin normal wenn man um sich selbst zu schützen dieses muster wiederholt.

denn was du da beschreibst ist „nichts anderes“ als eine schutzfunktion.

wenn man gelernt hat, auf die eigenen gefühle kein recht zu haben und/oder diese unangemessen sind, fehl am platze etc - wird man ersatz suchen - dein körper z.b könnte einer sein, der auf alles sehr stark reagiert - bei mir ist das so… das kannst du dir zu nutze machen wenn du aufmerksam hinschaust.

im übrigen gibts auch menschen die lachen wenn sie voller scham sind, oder angst haben oder traurig sind… es gibt also viele arten die eigenen gefühle zu verdecken.

bei mir lief das in sachen ohnmacht über wut…

abschliessend kann ich nur sagen das es eine echte bereicherung ist, einen besseren zugang zu meinen bereichen zu haben bei denen es mal nicht so war. die mühe und die arbeit und auch oft die verzweiflung haben sich sehr gelohnt. - evtl. motiviert dich das ja:wink:

übrigens - die „gefühlswracks“ - meine eltern meine ich nun*g - haben sich auch verändert nachdem ich mich anders verhalten habe - zwar sind es nun keine menschen, die ihre gefühle in den vordergrund stellen aber es ist einfacher geworden im umgang und der zugang ist auch für sie leichter - hab sie wohl ein wenig mittherapiert*g
ne, die bereitschaft ist wohl gewachsen mit meiner veränderung…
aber ab und an bleiben hardcorefälle natürlich - und wenn ich da dann mal ins alte muster verfalle weil ichs nimmer hinkrieg ärgere ich mich heute nimmer - hab ich lange getan während der thera weil eben nicht geklappt hat immer…

in diesem sinne.

LG

nina