Durchsetzungsspiele
Liebe doityourself,
deine Analyse der Situation ist ja ganz treffsicher und ausgezeichnet.
danke für das Blümchen *wassergeb*
Aber ist das, was du der UP vorschlägst, wirklich alles, was es da zu sagen gibt?
Natürlich nicht. Daß diese Replik im Jargon der D/s-Sprache eine extreme Überzeichnung des Szenariums ist, also im Grunde eine Karikatur (wenn auch nicht polemisch gemeint), da bin ich einigermaßen sicher, wird dem UP nicht entgehen. Aber eine Überzeichnung macht oft den Hintergrund einer zwischenmenschlichen Interaktion sichtbar. Denn daß in so einer Situation etwas „unter die Haut“ geht, sich also der kognitiven Verhaltenskontrolle (zunächsteinmal) entzieht, ist ja jedem klar. Und ich kann mir niemanden vorstellen, der nicht ähnliches schon hier und da erlebt hat. Mich selbst eingeschlossen.
Es gibt nun mal Menschen, die, egal wo sie auftreten, sofort die Dominanzschiene zu fahren imstande sind. Man kann es - mit kräftigem Stirnrunzeln gesagt - eine „natürliche Begabung“ nennen. Wobei es hier mal egal ist, woher sie diese Fähigkeit alias Neigung tatsächlich herhaben.
Und umgekehrt gibt es viele Menschen, die nicht die dazu komplementäre Fitness von Hause aus mitbringen, auf solche Dominanzattituden auch spontan (= sehr schnell ehe es zu spät ist) zu reagieren. Und ferner gibt es viele, die auf die Idee eines reflexartigen Kontras gar nicht erst kommen und erst zu spät merken, daß ihre Nachgiebigkeit vom Gegenüber längst ausgenutzt wird.
Soetwas eingebettet zusätzlich in einer hierarchischen Struktur bringt natürlich zusätzliche Komplikationen - womit wir dann bei solchen Sachen wie Mobbing und Bossing wären.
Ok. Letzteres ist im Szenarium des UP ja nicht vorhanden. Und offenbar merkte er ja auch relativ schnell, daß da etwas sich bereits eingespielt hat, was ihm seine Handlungssouveränität anknabbert. Sicher (soll heißen: erfahrungsgemäß) spielt dabei noch einiges eine Rolle, was sich in der Vorgeschichte zwischen ihm und den beiden Damen abgespielt hat, so, daß diese aktuelle Sitauation überhaupt erst eine Entwicklungschance hatte. Das aber entzieht sich unserer Beobachtung und der UP tippt das ja auch kaum an.
Bei der Frage, was kann er tun, wäre die erste Überlegung in der Richtung, die in der Absicht meiner Überzeichnung enthalten war: Die Selbstbeobachtung „Was genau ist es, was mir an der Situation unangenehm ist. Und warum ist es mir unangenehm.“
Denn das naheliegende Ratschlaggeben der Art „Tu doch mal dies“, „Frag doch mal jenes“ ist (ebenso erfahrungsgemäß) bestenfalls für ein paar Gesprächsmomente hilfreich, danach setzt sich die Szene, wie sie längst eingefahren ist, fort.
Denn hier treffen zwei/drei Persönlichkeiten aufeinander, nicht bloß zwei/drei Verhaltensmuster. Und selbst wenn es bloß Verhaltensmuster wären, dann sind sie angelernt - bei den beteiligten individuell UND in der Vorgschichte aller miteinander. Und so gelerntes verlernt man nicht mit einer einzelnen Äußerung hier und da.
Wenn der massive Impuls da wäre, im Sinne von „Sowas laß ich mir nicht bieten!“, dann wäre er in die Situation gar nicht erst geraten.
Also: Das erste ist, daß er den, auch affektgeladenen, Impuls entwickeln müßte, das Verhalten der anderen in die Schranken zu weisen. Die überzeichnete Form davon lautet „Ich verbitte mir das!“. Aber das ist wörtlich selten möglich, wie hier ja sicher auch nicht, weil es die Beziehungstruktur massiv irritiert. Und der UP scheint mir nach seiner Weise der Darstellung, dazu auch nicht der Typ zu sein. Er ist nun mal nicht der Dominanztypus.
Was dann anliegt, ist das, was ich ganz am Schluß schrieb. Das war nämlich der Zweck des Ganzen:
Studiere genauestens (Text, Tonfall, Mimik usw.), wie Frau A das macht, dich (und Frau B) dahin zu kriegen, wo sie will
Denn dominierende Personen haben immer eine ganz bestimmte Kontur in den drei erwähnten Kategorien. Und die kann man studieren: Was genau sagt, macht die Person, so daß die anderen sich fügen? Bzw. was macht sie, so daß es ihr gelingt, daß die anderen nachgeben.
Hier z.B., läge an, genau den Wortlaut zu beobachten, mit dem sie es schafft, seine Führungsübernahme „zu boykottieren“. Mit welchen Äußerungen werden Kompromisse abgelehnt. Und diese Formen sind individuell - und erfordern eine individuelle Replik. Aber diese Replik muß gelernt werden, und sie hängt von der Art des „Angriffs“ ab.
Der Ausdruck „Angriff“ ist hier insofern berechtigt, als ja die Souveränität des anderen untegraben wird. Er ist aber erst dadurch möglich, daß der andere sich durch seine Eigenart überhaupt angreifbar macht. Eine Person vom Dominanztyp ist insofern ja nicht angreifbar.
Um konkret zu werden: Ich meine den Unterschied von
„Nein, wir machen das so!“ und
„Findest du nicht, wir sollten das so machen?“
Oder:
„Mach du mal dies und das!“ und
„Wie wäre es, wenn du mal dies und das machtest?“
Wo hier der Dominante, Unnachgiebige spricht und sich durchsetzen wird , und wo der „Umgängliche“, Nachgebensbereite spricht, der sich aber gegen den Dominanten auf keinen Fall durchsetzen wird, ist sicher unmittelbar deutlich.
Und wenn dann noch der zugehörige Sound und die rigorose Mimik dazukommt …
Das ist ähnlich wie beim SchachspieL Es reicht nicht, den je einzelnen Zug zu überlegen, sondern man muß den „Stil“ des anderen studieren. Und - man darf keine Angst davor haben, das zu tun, was man landläufig „Manipulation“ nennt, und was in Wirklichkeit Strategie ist.
Und nach Strategie hat der UP ja gefragt. Um ihm tatsächlich also helfen zu können, müßten wir Genaueres über den „Stil“ der dominanten Dame wissen.
Und - über seinen"Stil", beim Durchsetzungsspiel zu verlieren.
Gruß
Metapher