Umgekehrtes Problem mit 'Fuß'-Kommando

Wir haben das entgegengesetzte Problem mit dem „Bei-Fuß-Gehen“ und
beim Laufen überhaupt.

Unsere Hündin (Foxterrier) drängt nicht nach vorne, sondern sie bleibt stets hinter uns zurück. Mit oder ohne Leine.

Locken mit Bällen, Stöckchen oder Leckerlis helfen nur sekundenlang.
Drehen wir dagegen um und gehen den Weg zurück, gehts plötzlich schneller und vor uns her.

Am schlimmsten ist es dort, wo sie sich auskennt oder weiß, in welcher Richtung unser Auto steht. Da ist sie kaum zum Laufen zu bewegen. Eben schnell das Nötigste erledigen und dann wieder umdrehen in Richtung Haus oder Auto.

In ihr fremden Gegenden läuft sie stundenlang mit uns. Jedoch auch da an der Leine stets ein Stück hinter uns. Es ist schon oft passiert, dass sie dann das Halsband quer überm Kopf hatte oder gar rausrutschte.

Danke für Eure Antworten

hallo kasl,

na, da habt ihr´s ja noch gut - unser max wechselt nach lust und laune :smile:

folgende gedanken gehen mir dabei durch den kopf:

  1. hunde laufen gerne „hinterher“. wenn man sich mutter-welpen-rudel anschaut, dann kann man das wunderschön beobachten. auch bei dokus aus dem wolf- oder wildhundbereich - hier traben die vierpfoten auch oft hintereinander. „leitwolf“ oder mutiges tier immer voraus.

  2. hinterher laufen gibt sicherheit. denn wer vorne läuft, den trifft´s als erstes. das ist kein gefühl von „feigheit“, sondern von gut gezogener „unterordnung“

  3. hund läuft beim zurückgehen voraus - nun, vielleicht ahnt die fellnase, daß es heimwärts geht? obwohl wir uns oft genug fragen, woher die „bestie“ das immer „weiß“, „ahnt“ unser max genau, wann´s heimwärts oder rückwärts geht - und fängt dann das spurten an.

  4. bei bekanntem gelände „lockerer“ als bei unbekanntem… nun, das geht uns menschleins doch ebenso, oder?

ich persönlich würde das problem nicht als problem sehen. ich wär oft recht froh, liefe max brav hinter mir, als stürmisch nach vorne zu jagen.

saludos, borito

Hallo Kasl!

Unsere Hündin (Foxterrier) drängt nicht nach vorne, sondern
sie bleibt stets hinter uns zurück. Mit oder ohne Leine.

Macht unser Parson-Foxterrier-Mix bei Kommando „Fuß“ auch, allerdings nur ohne Leine. Er ist dann mit Kopf/Schulter nicht auf Kniehöhe, sondern leicht hinter mir. Da er sonst ausgezeichnet hört und keine Probleme macht, haben wir ihm diese kleine Marotte durchgehen lassen.

Locken mit Bällen, Stöckchen oder Leckerlis helfen nur
sekundenlang.

Locken mit Bällen und Stöcken bei „Fußkommando“? Er soll doch nicht spielen, sondern bei Fuß gehen. Oder habe ich Dich falsch verstanden? Das Problem bei einem Hund der permanent hinter Dir geht: Du siehst nicht wenn er einen Haufen macht (: und Du siehst nicht so genau, was er gerade so treibt.

Drehen wir dagegen um und gehen den Weg zurück, gehts
plötzlich schneller und vor uns her.

Komisch, bei uns ist es anders herum, wenns nach Hause geht oder zum Auto wird er immer langsamer *g*. Ist Dein Foxl ein Stubenhocker?

Am schlimmsten ist es dort, wo sie sich auskennt oder weiß, in
welcher Richtung unser Auto steht. Da ist sie kaum zum Laufen
zu bewegen. Eben schnell das Nötigste erledigen und dann
wieder umdrehen in Richtung Haus oder Auto.

Das wird ja immer mysteriöser! Aber wer kann schon in das Köpfchen eines Foxls schauen…

In ihr fremden Gegenden läuft sie stundenlang mit uns. Jedoch
auch da an der Leine stets ein Stück hinter uns. Es ist schon
oft passiert, dass sie dann das Halsband quer überm Kopf hatte
oder gar rausrutschte.

Ist sie mal auf einem Spaziergang von einem anderen Hund angegriffen worden oder hat sich nachhaltig vor irgendetwas zu Tode erschreckt? Vielleicht mag sie deswegen nicht mehr raus und „schiebt“ euch erst einmal vor? Unser Hund hat z.B. Angst vor blauen Klempnerjacken, selbst wenn Herrchen mal so etwas als Arbeitsjacke anzieht, weicht er vor ihm zurück.

Ist sie ansonsten (ohne Leine) lustig und entspannt auf euren Ausflügen? Ist sie eher mutig oder ein kleiner Angsthase? Seid ihr Erstbesitzer und habt ihr Sie als Welpen bekommen? Vielleicht gibt es da eine Erklärung.

LG Inge

kurzer nachtrag…
hallo,

hab noch einen kurzen nachtrag:

unser „alter“ dackel war auch so ein freak des „schnell-wieder-heim-laufens“. eigenartigerweise immer nur dann, wenn er „zu nah“ an der heimatstatt (haus, auto) war oder er merkte, wenn es wieder heimwärts ging.
die zweite variante war für uns nachvollziehbar, die erste allerdings bis zum „ende“ nicht. unser dackel war kein „schisser“, sondern eher einer, der sich auf alles stürzte, was größer war als er und auf vier pfoten lief. und das war ne ganze menge…
die einzige „lösung“, die wir letztendlich parat hatten, war, ihn solange an der leine hinter uns her zu führen, bis er weit genug von allem, was nach „heim“ aussah und roch, entfernt war. ab dann waren gassi-gänge bis zu dauern von 3-4 stunden vollkommen unproblematisch möglich - nix mehr mit „hinterherdackeln“ :smile:
kommt also deiner beschreibung sehr nahe.

wir haben das schlußendlich akzeptiert - hunde im allgemeinen und dackel im besonderen sollen auch ruhig ihre macken haben und ausleben dürfen, solange man sich ohne weiteres damit arrangieren kann. wir haben letztendlich den „gesunden mix“ gewählt: ein oder zweimal am tag „kurzläufer“, mindestens einmal am tag „entführung aus der heimstatt“. hat viele jahre gut geklappt.

mag sein, daß euer foxl nicht so gerne läuft, wenn das gemütliche, warme und kuschlige heim winkt. es soll auch menschen geben, die sich ähnlich verhalten :smile:

ich denke, eine allgemeintherapeutische lösung gibt´s da nicht. wenn nicht gerade ein besonderer grund (z.b. hund wurde vor haustüre von anderem „köter“ verbellt oder verbissen), dann mag´s an der eigenart des wuffs liegen. und da hilft dann meist nur: akzeptieren.

saludos, borito

Es ist schon ein Problem. Es ist stets ein Geziehe, ein Überreden,
ein stehen bleiben, damit der Hund wieder aufrückt, Halsband zurecht rücken und dann zwei Meter weiter.

Es wäre mir schon lieber, sie würde nicht immer langsamer, ich hätte unsere Hündin im Blick und sie liefe wenn auch nicht vorweg so doch wenigstens einen „Höflichkeitsschritt“ hinter uns und wäre nicht meterlang zurück.

Ich kann unmöglich jeden Tag mit ihr in eine andere Gegend fahren, die
sie noch nicht kennt.

Ansonsten ist sie -wie alle Foxies- lustig, intelligent, verspielt und gehorcht gut. Beim Kennenlernen von anderen Hunden braucht sie ihre Zeit, um warmzuwerden, hält sich erst zurück und nach einer kleinen Weile kommt sie aus ihrer Deckung und ist neugierig.

Durch dieses Problem mit dem Spazierengehen bekommen wir sie auch nicht genügend ausgepowert. Toben und Spielen in der Wohnung fordern zwar uns, aber weniger sie.

hallo kasl,

okay, da muß ich leider passen. was mich „irritiert“, ist, daß euer wastl die möglichkeit hat, meterlang hinter euch zu laufen - auch mit leine??? dann würde ich ganz schnell mal die kurzvariante einführen, und zwar so, daß vierpfote nahezu parallel zum bein läuft. am anfang unangenehm, für beide, aber das gibt sich i.a. mit der zeit.
ansonsten, wenn ich deinen nachtrag so lese, beschleicht mich das gefühl, daß da tatsächlich mal was vorgefallen sein kann. ein hund, der dauerhaft nicht gerne rausgeht… ist mir noch ncht untergekommen.
da bleiben mir nur zwei „ideen“: kurze leine, und wastl immer locken, motivieren, animieren. sieht zwar blöd aus und ist anstrengend am anfang, aber offensichtlich soll der hund etwas tun (nämlich parallel laufen oder überhaupt laufen), was er aus unbekannten gründen nicht mag/will. also anreize in mengen bieten, loben, positiv verstärken.
versteh mich bitte nicht falsch, ich will hier nicht besserwisserisch auflaufen - ist halt das einzige, was mir erstmal einfiele.
ansonsten: der berühmte gang zum noch berühmteren trainer. gute trainer können solche probleme oft in wenigen stunden lösen (bei unserer fellnase war´s die „ich-steige-keine-treppen-rauf-und-runter-nummer“ - und wer will schon dauerhaft 35kg ins 2.og tragen?

viel glück und grüße, borito

Danke Euch allen,

es ist allerdings einiges vorgefallen. Wir bekamen Sie im Alter von zwei Jahren. Bis dahin lebte sie bei einem Züchter allein in einer engen ehemaligen Pferdebox, wenig Licht, nur auf Stroh, abgemagert. Als sie zu uns kam, war sie wie von einem anderen Stern gefallen. Sie kannte weder Bordsteine, Treppen noch Gras. Sie konnte nirgendwo draufspringen und auch nicht spielen (Sachen festhalten, zerren hinterherlaufen). Sie wog nur knapp die Hälfte dessen, was sie heute
wiegt (Idealgewicht :wink:.
Am ersten Tag hielt sie so lange ein, bis wir auf die Idee kamen, mit ihr auf ein Stoppelfeld zu gehen (Stroh!) und mit dem vertrauten Geruch in der Nase klappte es dann auch.

Damit sie Sozialkontakte bekam, gingen wir in eine Hundeschule (Junghunde). Dei Trainerin dort war so super talentiert, dass sie in der zweiten Stunde auf die Idee kam, ich sollte mit unserer Hündin
unangeleint durch einen Kreis der anderen Hunde, benfalls alle nicht
angeleint, mitten hindurch gehen.
Für alle 12 anderen (größeren) Hunde war das die Mordsgaudi, alle
hetzten unsere Hündin (nicht böse aber sie hat vor Angst nur noch
geschrien. Es dauerte beinahe 10 Minuten bis alle Hunde wieder einge-
fangen waren.
Bis dahin war sie freudig neugierig auf fremde Hunde zugelaufen. Aber
danach wars aus damit. Heute braucht sie einige Minuten, wenn wir auf
einen anderen Hund treffen, um sich dem zu nähern.

Zum meterlangen hintenhergehen: Wenn man bei der Flexileine nicht
aufpasst,ieht sich die bei ihrem Widerstand natürlich immer länger.

Kurze (normale) Leine haben wir schon mal probiert. Da sie jedoch
blockiert und ständig umkehren will, war das nicht die Lösung

Trotz der unglücklichen ersten Lebensjahre ist sie bei uns zu einem richtig tollen lebendigen Hund geworden. - in der Wohnung, im eigenen Garten und da, wo sie sich nicht auskennt.
Wir sind sehr stolz auf sie - aber es wäre einfach schön, normal gemeinsam spazieren zu gehen ohne dieses Theater dabei.

Hallo,

ich würde dir auf alle Fälle statt dem Halsband ein gutes Geschirr empfehlen.
Der Setter meiner Freundin ist vor vielen Jahren in ein Auto gelaufen, da er es geschafft hat seinen Kopf aus dem Halsband zu ziehen.

Hast du denn mal untersuchen lassen ob der Hund gesundheitlich fit ist? Unsere will auch Morgens nicht laufen, wir können nicht ausschließen, dass es an den Herzmedi liegt. Allerdings hat sich auch einen gut gelungenen Sturkopf.

Ansonsten finde ich es nicht schlimm, wenn der Hund nicht perfekt Fuss läuft, allerdings finde ich es nervig, wenn man den Hund zu allem bitten muss. Unsere will wie gesagt teilweise auch nicht, wenn wir aber ihren „Todpunkt“ überwunden haben, dann wieselt sie voraus. Vor allem, wenn sie vorher noch einen schmucken Rüden gesehen hat … Die Oma ist kastriert und 12 Jahre alt, aber bei einem schmucken Rüden kommt ihre Jugend wieder hervor.

Vielleicht würde eurem Hund auch ein Gassipartner mehr Spass machen und mehr Sicherheit bieten?

Grüße Ute

Hallo,

was passiert denn ohne Leine? Wenn ihr einfach geht und euch nicht weiter um den Hund kümmert, was macht er dann?

Schöne Grüße,
Jule

Wo sie sich auskennt, bleibt sie stehen, wenn sie ihre „Geschäfte“ erledigt hat. Da können wir hunderte von Metern einfach weitergehen, Hund bleibt stehen.
Drehen wir uns dann um, nimmt sie das zum Anlass ebenfalls sofort umzudrehen und ab geht’s in Richtung Heimat.
Auf Befehl bleibt sie dann natürlich stehen und es geht von vorne los: rufen, locken, zwei Meter weiter laufen, stehen bleiben …

Kasl

Hallo Kasl,

das klingt mir doch sehr nach gelerntem Verhalten. Das Grundproblem ist sicher ihre Unsicherheit. Und leider habt ihr wohl nicht nur einen unsicheren Hund zu euch geholt, sondern auch einen, der nicht positiv auf Menschen sozialisiert wurde. Die Konsequenz daraus ist, dass er Menschen nicht vertraut bzw. sie nicht als Bindungspartner akzeptiert. Dass es dem Hund egal ist, wenn ihr weggeht bedeutet, dass ihr ihm egal seid. Er erwartet keine Sicherheit von euch, sondern bestenfalls Futter.

Das ist nicht eure Schuld, sondern das Problem der Aufzucht. Ihr müsst nun irgendwie mit den Folgen leben. Fehlt die positive Prägung und Sozialisation auf den Menschen, ist diese nie wieder nachzuholen oder auszugleichen. Leute, die eine bestimmte Sorte von ehemaligen Straßenhunden zu sich holen, haben oft das gleiche Problem.

Wovon ich zudem ausgehe ist, dass der Hund inzwischen gelernt hat, wie so ein Spaziergang aussieht. In jedem Fall gehört eine Menge „Getue“ in Form von Locken und Rufen dazu. Ein unsicherer Hund wird dadurch aber nicht motiviert, sondern zusätzlich verunsichert.

In meinen Augen gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Ihr lasst es wie es ist.Letzten Endes könnte man ja mit dem Verhalten leben.
  2. Ihr verändert euer Verhalten komplett und lasst aus Unsicherheit Führung werden. Dazu braucht ihr ein Brustgeschirr, damit ihr dem Hund nicht am Hals rumzerrt und damit er nicht rausschlüpfen kann. Des weiteren braucht ihr eine normale Leine, keine Flexi. Und dann geht ihr einfach los, egal, was der Hund macht. Das wird bedeuten, dass ihr den Hund vermutlich eine ganze Zeit lang mehr oder weniger hinter euch herschleifen werdet. Sie hat lange Zeit gelernt, dass hinter euch bleiben das Richtige ist.

Während der Aktion sprecht ihr nicht mit ihr und schaut sie auch nicht an. Ihr geht einfach solange, bis sie sich entschließt, euch freiwiliig zu folgen. In dem Moment, wo sie ihren Widerstand aufgibt und an lockerer Leine an eurer Seite trabt, kriegt sie ein kurzes, freundliches Lob und - wenn sie es nimmt - ein Leckerchen. Dieses taucht erst im Moment des Lobens auf, der Hund wird keinesfalls mit Futter gelockt.

Wenn ihr das konsequent macht, wird der Widerstand jedesmal kürzer dauern. Der Hund wird nach und nach lernen, dass er anders laufen soll. Eure Sicherheit wird ihm Sicherheit geben.

Unabhängig davon lohnt es sich sicher, mit dem Hund viel auf Nähe zu spielen. Also keine weggeworfenen Bälle, sondern Spiele, die mit euch und in engem (Körper-)Kontakt zu euch stattfinden. Auch wenn die fehlende Bindungsbereitschaft nicht ersetzt werden kann, kann dennoch Vertrauen zu euch aufgebaut werden.

Schöne Grüße,
Jule