Hallo,
ich hoffe mal, ich bin hier richtig, denn meine Frage ist eigentlich eine „wirtschaftliche“:
Also, wir hatten in Deutschland ja im November 1923 die Umstellung von Reichs- auf Rentenmark. Nun stellt sich mir die Fragen, wie man von heute auf morgen die Währung „wechseln“ kann, wenn die vorhergehende Währung von eine Hyperinflation (Anbei, ab wann ist denn eine Inflation ein Hyperinflation?) betroffen ist. Mit was deckt man denn soplch eine neue Währung und wie läuft das auf den internat. Markt ab?
Bin kein Wirschaftsexperte, deswegen bitte einfach erklären…
Danke!!!
Hallo,
also echt gedeckt war die neue Währung gar nicht. Man nahm als Hilfskonstruktion eine Deckung über Grund und Boden und dessen Erträge an (daher Rentenmark - der Ertrag des Bodens ist ja die Grundrente). Aber letztlich war das eine mehr oder weniger psycholigische Sache, um das Vertrauen in die neue Währung zu stärken.
Es bracht ja auch nicht zwingend eine Deckung - das heutige Währungssystem der Welt funktioniert ja auch ohne eine solche ganz gut. Letztlich sind immer die Wirtschaftskraft und die Währungspolitik eines Landes entscheident für den Wert der Währung.
International und tauschmäßig gab es überhaupt keine Probleme.
Praktisch war die reichsmak doch durch die Hyperinflation absolut wertlos geworden. Die Entwertung lief doch so schnell, daß es gar keine Reserven in Markwährung geben konnte, weil die spätestens nach ein paar Wochen absolut wertlos war. Das ganze Wirtschaftzsleben in Deutschland funktionierte doch nur noch, weil täglich die Preise in Dollar zum Tagenskurs umgerechnet und angepaßt wurden, eine Rechnungslegung und Kreditgewährung auf Reichsmarkbasis gab es gar nicht mehr.
Allenfalls bilanztechnisch hatte die Umrechnung noch einen Sinn - und da erfolgte sie einfach zu einem festgelegten astronomisch hohem Kurs.
Nach wahrlich langem Suchen: Die Umrechung lief 1 Billion zu 1 .
Das war schlichtweg irrwitzig - die erst wenige Wochen alten Geldscheine über 10 Milliarden und so taugten wirklich nur noch dazu, die Wände zu bekleben.
Gernot Geyer
Hallo.
Gernot hat ja schon die Geschichte mit dem Grund und Boden erklärt.
Vereinfacht gesagt: Eine Währung ist Gutschein über einen Anteil am Sozialprodukt. Der Währungsgeber Staat garantiert für die Einlösung; i.e. der 10 €-Schein, den ich gerade in der Hand halte, verpflichtet die (in diesem Falle europäische) Zentralbank, dem Inhaber einen Gegenwert von 10 € auszuhändigen.
Und dieser Gegenwert ist entweder gegeben, dann kann ich für 10 € etwas kaufen, oder auch nicht, dann kriege ich entsprechend weniger, bzw. so gut wie nix. Exakt Letzteres war in den frühen Zwanzigern der Fall, wegen der irrsinnig hohen Reparationen (= Zahlungen aus dem Staatsvermögen ohne Gegenleitung!) und anderer Dinge. Während also das tatsächlich vorhandene Vermögen schrumpfte, wuchs die Geldmenge gewaltig. Verdoppelt man nun die Geldmenge und halbiert das zugrundeliegende Vermögen, ist das Geld nur noch ein Viertel wert, bzw. die Preise der Güter steigen auf das Vierfache.
Mit was deckt man denn soplch eine neue Währung
Genau vor dieser Frage standen die Erfinder der Rentenmark. Eine Währung kann man substanziell abdecken; üblich ist hier Edelmetall, sprich Gold. Von Letzterem war aber in der Weimarer Republik (in staatlichem Eigentum) nicht genug vorhanden, um auch nur einer Maus den hohlen Zahl zu füllen; Golddeckung konnte man also schlicht vergessen.
Was noch da war und auch die Bedingung erfüllte, nicht beliebig produzier-, kopier- oder imitierbar zu sein, war eben der Grund und Boden. Man „deckte“ also die Rentenmark mit dem (fiktiven) Marktwert der in staatlichem Besitz befindlichen Fläche. Die Rentenmark war quasi eine Grundschuld auf Staatsterritorium. Man vermied es natürlich, auf die Banknoten zu schreiben „Zahlen Sie gegen diesen Lappen 2 Quadratcentimeter Sandstrand“ 
Hoffe, zur Beseitigung etwaiger Klarheiten beigetragen zu haben …
Gruß Eillicht zu Vensre
Ergänzung
Hallo,
es ist ja grundsätzlich schwierig mit dem Gegenwert.
Anfanmgs nahm man als Geld etwas, was knapp war und gut zu handhaben war. So war im pazifischen Raum Muschelgeld im Umlauf, woanders waren es die Federn irgendwelcher seltener Vögel.
Völker, die Viehzucht trieben, hatten damit ein gewisses Problem. Zwar ist auch heute noch in Afrika vielerorts die größe einer Rinderherde der Ausdruck von Reichtum - aber das bezahlen macht sich doch dabei schlecht, vor allem, wenn es um Kleingeld geht. Abgesehen davon ist es auch etwas unhandlich, wenn zum Beispiel der Bauer vom Stellmacher in der Stadt einen neuen Leiterwagen kauft - was soll der Stellmacher mitten in der Stadt mit einer Herde Kühe?
Also nahm man in Europa dann Edelmetall - also Gold und Silber. Das war knapp, die Gewinnung aufwendig, somit war ein stabiler Gegenwert gegeben.
Es gab ja sehr lange Silber- und Goldmünzen im Umlauf, in Deutschland bis zum 1. Weltkrieg. Aber gelegendlich wurde das Edelmetall knapp - das führte zur Erfindung der Banknote. Auf alten Scheinen steht ja der Text: „Zwanzig Mark zahlt die Reichsbankhauptkasse gegen diese Banknote dem Einlieferer“. Das war nichts anderes als das Versprechen, die Banknote in entsprechende Edelmetallmünzen zu tauschen, quasi den Geldwert der Banknote in Gold auszuzahlen.
In Deutschland war mit dem ersten Weltkrieg Schöluß damit. Auch wenn noch die Banknoten der Inflationszeit den Aufdruck trugen, so war doch eine Pflicht zur Einwechslung nicht mehr gesetzlich gegeben.
Natürlich spukte damals in den Köpfen der Menschen noch der Gedanke an die gute alte goldgedeckte Mark. Und deshalb erfand man dafür die Deckung mit dem Grund und Boden. Ein Stück Feld war für die Mehrheit der Bevölkerung ein fester Wert gedanklich, daher bot sich das an.
Eine echte Deckung mit gesetzlicher Umtauschpflicht gab es für die Währung in deutschland nie wieder. Andere Länder hielten daran noch einige Zeit fest - die USA wohl bis Anfang der 70er Jahre. Aber die damalige Erdölkrise und die damit verbundenen Währungsturbolenzen führten dann wohl auch dort zum Abgehen von der Golddeckung.
Gernot Geyer