(Un)Sinn der Vorkontierung

Hallo Zusammen,

anläßlich einer Anfrage, bin ich mal wieder auf ein Thema gestoßen, daß ich vor vielen Jahren (1995) mal geklärt hatte - frage mich ob ich da noch up to date bin:

Da die Begriffe Kontierung / Vorkontierung nicht so eindeutig sind, vorab der Hinweis: Wir reden hier über die manuelle Angabe des Buchungssatzes auf dem Beleg?

Da ich redundante Arbeiten hasse, hatte ich mich mit allen Kollegen und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft angelegt. Alle waren zwar der festen Überzeugung, daß eine ordentliche Vorkontierung zu den „Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung“ gehört, keiner konnte das aber substantiiert begründen. Hauptargument war, daß auch aus dem Beleg erkennbar sein müßte, wie dieser gebucht wurde.

Mein Gegenargument: Die Vorkontierung hilft hier nur bedingt, da ja nicht gewährleistet ist, daß die Eingabe in die EDV auch tatsächlich so erfolgte. Will ich also sicher erkennen, wie ein Beleg gebucht wurde, kann ich das nur über das Journal. Moderne IT-Systeme bieten hier Möglichkeiten, sich z.B. alle Buchungen zu einem Beleg anzeigen zu lassen. Durch eine systematische Gliederung der Belege und einen zusätzlichen Ausdruck des Journals sortiert nach Belegnummern ist zudem jederzeit auch ohne EDV der Zugriff auf diese Informationen gewährleitet. Die Vorkontierung ist daher nur unnötiger Bürokratismus (Anm.: Diese Aussage gilt nur für erfahrene Buchhalter, bei Anfängern macht es aus didaktischen Gründen schon Sinn, vorkontieren zu lassen.)

Am Ende schloss sich auch der WP meiner Auffassung an, und erteilte meinen Abschlüssen den uneingeschränkten Bestätigungsvermerkt - auch ohne Vorkontierung der Belege.

Wie gesagt, ist ne halbe Generation her - noch aktuell?

Gruss Conrad

hallo,

ist ein interessanter ansatz, den du hier verfolgst.

ich glaube, dass die vorkontierung vor allem in der heutigen zeit recht wichtig ist, weil:

  • die buchhaltung agiert meist sehr getrennt vom rest des unternehmens. so wäre es schwer für eine buchhalterin zu erkennen ob auf einem beleg nun waren oder zb geschäftsausstattung gekauft wurde. durch die vorkontierung durch eine/n sekretär/in ist dies leichter zu bewerkstelligen. dies gilt auch für die überprüfung der richtigkeit der rechnung/des belegs.
  • (so jetzt kommt ein turbokapitalistisches argument) der/die sekretär/in ist höchstwahrscheinlich billiger als der/die buchhalterin und zur überprüfung der rechnung muß man sie durchlesen. damit das nicht die buchhalterin machen muß wird es von der/dem sekretär erledigt.
  • vier-augen-prinzip: so geht ein beleg mindestens an zwei personen vorbei und ein ‚einschummeln‘ von belegen ist somit schwerer möglich.

natürlich, wenn die vorkontierung und die verbuchung dieselbe person macht ist das oben erwähnte hinfällig. da wäre ein einfacher vermerk der buchungsnummer auf dem beleg auch vollkommend ausreichend.

lg

Vorkontierung rechtlich nicht verbindlich
Hi !

Das notieren der genutzten Konten auf den Rechnungen ist in Deutschland nirgends gesetzlich (oder per allgemeiner Verordnung) gereglt. Es ist daher kein MUSS.

Wie bereits geschrieben wurde, kann es aber in einzelnen Fällen (große Organistaionen, Auszubildende, Aufteilungsbuchungen …) durchaus sinnvoll sein, diese Vorkontierung auf dem Beleg anzubringen.

BARUL76

Danke!

Das Argument mit dem „4-Augenprinzip“ kann ich nachvollziehen.

Bei den anderen beiden würde ich eine schlechte IT-Ausstattung / Organisation unterstellen. Besser wäre es, der Sekretärin gleich eine Eingabmaske zur Verfügung zu stellen in der sie - ohne Buchhaltungskenntnisse - die Zuordnung zu Personenkonto, Kostenarten, oder -stellen vornehmen kann. Die Buchhaltung bräuchte diesen Stapel dann nur noch kontrollieren / verproben und kann sie in die Fibu laufen lassen.

Schönheitsfehler: Da die Buchhaltung so viel weniger Arbeit hat, kann man die Hälfte der Buchhalter entlassen - SIGH. Okay, vergessen wir diese extra-turbo-kapitalistischen Ideen direkt wieder. Also ich plädiere für manuelle Vorkontierung und handschriftliche Verbuchung in manuellen Systemen sowie Saldierung per … wie heißen nochmal diese Dinger mit den 10 * 10 Kugeln? So können wir gleich ein halbes Dutzend Buchhalter und Gehilfen mehr beschäftigen …

Nein, ich mache mich nicht lustig, ich leide wirklich darunter …

Gruß Conrad