Unabhängige Finanzdienstleister

Hallo,

aus aktuellem Anlass habe ich mich über unabhängige Finanzdienstleister informiert. Die Idee die dahinter steht jemanden zu haben der kompetent ist und nicht nur die eigenen Produkte verkaufen will hört sich ja eigentlich schon recht gut an. Wenn man dann aber mal etwas im Internet surft findet man allerdings viele Negativbeispiele die besagen, dass angeblich unabhängige Finanzdienstleister gar nicht so unabhängig sind.

Wie sind euere Erfahrungen mir unabhängigen Finanzdienstleister?
Ist es möglich mit einem gesunden Misstrauen vielleicht doch von Finanzdienstleistern zu profitieren?
Gibt es einen wirklich unabhängigen? Welchen?

Gruß Markus

Wie sind euere Erfahrungen mir unabhängigen
Finanzdienstleister?
Ist es möglich mit einem gesunden Misstrauen vielleicht doch
von Finanzdienstleistern zu profitieren?
Gibt es einen wirklich unabhängigen? Welchen?

Gruß Markus

Edel sein der Mensch, hilfreich und gut!
Im Ernst: warum sollte ein „unabhängiger“ Finanzdienstleister besser sein als jeder sonstige Vermittler ? Je mehr jemand mit Schlagworten wie „Unabhängigkeit, Kompetenz etc.“ wirbt, um so mehr Skepsis ist m.E. angebracht. Informiere Dich über Wirtschaftszeitschriften, Finanztest etc. und Du wirst auf gute Anbieter treffen.
Meistens werden diese Anbieter dann allerdings nicht von „unabhängigen“ vermittelt. Frag dann lieber direkt bei diesen Anbietern oder bei guten Maklern.

Guß Joerg Koenig

Hallo Markus,

ich habe beruflich gelegendlich mit dem Thema unabhängige Berater zu tun. Es gibt sehr gute und qualifizierte unabhängige Berater! Nach meiner subjektiven Erfahrung sind die meisten Berater aber „berufsfremd“ und häufig ziemlich unqualifiziert. Ich habe mit mehr als einem solcher unabhängigen Berater gesprochen. Die Skala reicht von völlig unqualifiziert über bescheidenes Halbwissen bis hin zur Kriminaliät. (ich kenne aber auch einen, der absolut seriös ist)

Ausserdem, was ist daran schlimm, die eigenen Produkte zu verkaufen?
Meiner Meinung nach ist die Beratung sowieso bedeutend wichtiger als das Produkt. Und das Risiko, das Du bei einem unabhänigen Berater eine schlechte Beratung bekommst,ist verdammt hoch.

Beste Grüsse

Roland

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Hallo Markus,
vielleicht habe ich noch einen Tip für dich. Versuche doch mal
für dich zu definieren, was du möchtest. Was erwartest du an Beratung?
bei welchen Versicherungen brauchst du Hilfe? Ist es die Altersvorsorge mit all ihren Förderung? kfz Versicherung? andere
Versicherungen? welche Fragen hast du? je klarer und präziser
da an die Sache herangehst, umso besser. Wenn du nun genau weißt, was du willst, kannst du dich vorabinformieren. Z.b. hier im Versicherungsforum. Mit diesen Vorinformationen kannst du nun einen Versicherungsfachmann in deiner Nähe um detailierte Angebote bitten. Du wirst dann, weil du eben nicht mehr diesen Vertrauensbonus brauchst, da vorinformiert, sehr schnell merken, ob der Berater was „taugt“. Übrigens, in den heutigen Zeiten mit Internet, gibt es Versicherungsfachleute, die neben qualifierter
Beratung, Superservice auch günstige Prämien bieten und eher an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind. Ich denke, so wirst du sehr schnell die Spreu vom Weizen trennen können.
Gruß martin

Guten Tag Markus,
ungewöhnlich und interessant, Ihre Fragen.
Der Begriff „unabhängiger Finanzdienstleister“ ist nach meiner Ansicht
ein Widerspruch in sich. Denn jeder Finanzdienstleister wird für die
erfolgreiche Vermittlung von Verträgen bezahlt. Ob man das
Gehalt, Provision, Prämie oder Courtage nennt, ist unerheblich.
Das Geld, welches fließt, kommt von der Gesellschaft, mit der der Kunde den Vertrag schließt. Dass es die die ersten Beiträge des
Kunden sind (ein Monatsbeitrag bis zu mehreren Jahresbeiträgen), die
dafür verwendet werden, hat in Deutschland bisher kaum jemand begriffen. Geschweige denn die damit einhergehenden Folgen für die
Spareffekte bei entsprechenden Verträgen.

Ist es nun gerechtfertigt, den Vermittler als unabhängig zu bezeichnen, nur weil er vielleicht nicht im Dienst nur einer Gesellschaft steht, sondern für mehrere Gesellschaften arbeitet?
Die Antwort finden Sie selbst.
Es mag mithin eine gewisse Unabhängigkeit bezüglich der Anbieter
und deren Produkte geben - nicht aber eine Unabhängigkeit vom
gezahlten Vermittlungsentgelt.

Fest steht, dass ein Vermittler für seine Arbeit ein Entgelt bekommen muss, sonst kann er nicht existieren.

Wer bei der Suche nach Vorsorgeverträgen, die dem Grunde und der
Ausgestaltung nach sachgerecht sind, nicht allein zurechtkommt
und einen fachlich versierten Vermittler braucht, der ihm die
Dinge erklären kann, der bezahlt eben für den Vermittlerdienst.
Und dabei ist es nach meiner Erfahrung ziemlich gleich, ob sein
Vermittler für einen Anbieter arbeitet oder unter mehreren
Anbietern auswählen kann. Ich habe wiederholt gesehen, dass
sog. unabhängige Vermittler ohne mit der Wimper zu zucken,
hochpreisige Produkte mit Vorrang vermitteln, bei denen die
Vermittlungsentgelte besonders hoch ausfallen.
Eine fachlich fundierte Begründung für die jeweilige Empfehlung
lässt sich so gut wie immer formulieren, so dass dem sog. unabhängigen Vermittler kaum ein Vorwurf zu machen ist.

Ich meine, dass derjenige, der solch kluge Fragen wie Sie stellt,
über mehr als nur gesundes Misstrauen verfügt und deswegen am
besten beraten ist, das Umfeld für das gewünschte Produkt selbst
zu beackern. Anbieterwahl, Produktwahl, Tarifvergleich,
Ausgestaltung mit Feinheiten und Vertragsabschluss gelingen dann
auch direkt und online und in der Tat - durch den besten unabhängigen Vermittler der Welt - den kundigen Kunden.

Gruß
Günther

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Wie sind euere Erfahrungen mir unabhängigen
Finanzdienstleister?
Gruß Markus

Hallo Markus,
Die Skala reicht von völlig
unqualifiziert über bescheidenes Halbwissen bis hin zur
Kriminaliät. (ich kenne aber auch einen, der absolut seriös
ist)

Nur einen? Findest du das nicht ein bisschen hart?

Ausserdem, was ist daran schlimm, die eigenen Produkte zu
verkaufen?
Meiner Meinung nach ist die Beratung sowieso bedeutend
wichtiger als das Produkt.

Aua! Das klingt in meinen Ohren aber ziemlich gewagt. Wenn jemand nett ist, ein super Fachwissen im Kopf und auch sonst ein klasse Typ ist, darf er ruhig den letzten Müll verkaufen???

Und das Risiko, das Du bei einem
unabhänigen Berater eine schlechte Beratung bekommst,ist
verdammt hoch.

Bitte etwas zurückhaltender: Das Risiko, im Finanzdienstleistungsbereich eine schlechte Beratung zu bekommen, ist bei Ausschließlichkeitsvermittlern ebenso hoch wie bei Mehrfachagenten, Maklern, FDLern und Banken!

Frank Wilke
Ich erlaube mir als anscheinend einer von 2 ausgebildeten Finanzdienstleistern in Deutschland (den anderen kennt Roland ja persönlich) mal dieses Urteil.

Guten Tag Markus,
ungewöhnlich und interessant, Ihre Fragen.
Der Begriff „unabhängiger Finanzdienstleister“ ist nach meiner
Ansicht ein Widerspruch in sich. Denn jeder Finanzdienstleister
wird für die erfolgreiche Vermittlung von Verträgen bezahlt.
Ob man das Gehalt, Provision, Prämie oder Courtage nennt, ist
unerheblich.

Bis hierher kann ich noch kein Problem erkennen. Jemand erledigt eine Arbeit, bekommt dafür Geld. Ich kenne aus meinem Angestelltenverhältnis Fälle, in denen Leute Gehalt bekommen, OHNE eine Arbeit abzuliefern. Darüber regen sich erstaunlicherweise wenige auf.

Das Geld, welches fließt, kommt von der Gesellschaft, mit der
der Kunde den Vertrag schließt. Dass es die die ersten
Beiträge des Kunden sind (ein Monatsbeitrag bis zu mehreren
Jahresbeiträgen),

Mehrere Jahresbeiträge? Jipeeee - welche Gesellschaft zahlt das?? Warum kenn ich die nicht?

dafür verwendet werden, hat in Deutschland bisher kaum jemand
begriffen. Geschweige denn die damit einhergehenden Folgen für
die Spareffekte bei entsprechenden Verträgen.

Für Risikoversicherungen gibt’s übrigens auch Geld - hier wird nur kein Geld gespart! Ebenso für Bu-Versicherungen, Unfall, etc.

Die Antwort finden Sie selbst.
Es mag mithin eine gewisse Unabhängigkeit bezüglich der
Anbieter und deren Produkte geben - nicht aber eine
Unabhängigkeit vom gezahlten Vermittlungsentgelt.
Fest steht, dass ein Vermittler für seine Arbeit ein Entgelt
bekommen muss, sonst kann er nicht existieren.

Danke für diesen Nachsatz! Wenn ich kein Geld mehr zum Leben bräuchte, würde ich auch nicht mehr arbeiten? Was Sie wie viele in Deutschland im Hinterkopf haben, ist doch in etwas folgender Gedankengang: Da sitzt jemand, und den bezahle ich indirekt, wenn ich hier was unterschreibe.
Bei aller Nächstenliebe - es ist zum einen eine Dienstleistung, und bis auf Ehrenämter wird JEDER für eine Dienstleistung bezahlt.
Sie bezahlen für den Platz in einem Parkhaus, für die liebevolle Verkäuferin, die Ihnen die Brötchen in die Tüte packt, für den Herrn an der Zapfsäule, … das ist normal!! Die Zeiten, in denen Speere gegen Mammutfleisch getauscht wurden, sind seit ein paar Jahren vorbei…

Und dabei ist es nach meiner Erfahrung ziemlich gleich, ob
sein
Vermittler für einen Anbieter arbeitet oder unter mehreren
Anbietern auswählen kann. Ich habe wiederholt gesehen, dass
sog. unabhängige Vermittler ohne mit der Wimper zu zucken,
hochpreisige Produkte mit Vorrang vermitteln, bei denen die
Vermittlungsentgelte besonders hoch ausfallen.

Bekommt denn der Vermittler, der NUR für diese Gesellschaft arbeitet, weniger Geld?

zu beackern. Anbieterwahl, Produktwahl, Tarifvergleich,
Ausgestaltung mit Feinheiten und Vertragsabschluss gelingen
dann auch direkt und online und in der Tat - durch den besten
unabhängigen Vermittler der Welt - den kundigen Kunden.

Ihr Zutrauen in allen Ehren. Das Problem in der Branche ist leider noch immer, dass zu viele Leute neben ihrem erlernten Job „abends auf Versicherungen machen“. Wenn ich könnte, würde ich das sofort abstellen! Man muss sich mal vorstellen, dass ich nach abends nach meinem Vermittler und Anlageberaterjob „noch ein bisschen auf Elektroninstallateur“ mache.
Zum Glück sieht man hier das Unglück sehr schnell, bei Versicherungen und Geldanlagen oft erst JAhre später.

Aber: Wenn ein Kunde in dem Moment, wo er eine Absicherung braucht, die Versicherungsbedingungen nimmt und selber sucht und entscheidet, unterstelle ich, dass sich dieser in den meisten Fällen auf dem „oblatendünnen Eis des halben dreiviertelwissens“ bewegt.

Ein verzweifelter
Frank Wilke

Wie sind euere Erfahrungen mir unabhängigen
Finanzdienstleister?
Gruß Markus

Hallo Markus,
Die Skala reicht von völlig
unqualifiziert über bescheidenes Halbwissen bis hin zur
Kriminaliät. (ich kenne aber auch einen, der absolut seriös
ist)

Nur einen? Findest du das nicht ein bisschen hart?

Es ist nicht meine Hauptaufgabe, mich mit freien Vermittlern zu beschäftigen. Wenn meine Erfahrungen aber so sind, dann sind sie halt so.

Ausserdem, was ist daran schlimm, die eigenen Produkte zu
verkaufen?
Meiner Meinung nach ist die Beratung sowieso bedeutend
wichtiger als das Produkt.

Aua! Das klingt in meinen Ohren aber ziemlich gewagt. Wenn
jemand nett ist, ein super Fachwissen im Kopf und auch sonst
ein klasse Typ ist, darf er ruhig den letzten Müll
verkaufen???

Nein, nein, nein! Aber ich denke, Du hast mich hier bewusst missverstanden. :smile: Die Produkte im Finanzdiestleistungssektor sind zum grossen Teil ziemlich homogen. Ob ich z.B einen Aktienfonds der Deutschen Bank kaufe oder einen der Sparkasse ist letzendlich nicht so entscheidend wie die die Entscheidung, überhaupt einen Aktienfonds zu kaufen. Und die Unterschiede einer Baufi bei der Volksbank oder bei der Dresdner sind auch sicher nicht dramatisch.
Ich bin halt ein Verfechter einer qualifizierten Beratung und das schliesst für mich ein, das dem Kunden kein Müll verkauft wird.

Und das Risiko, das Du bei einem
unabhänigen Berater eine schlechte Beratung bekommst,ist
verdammt hoch.

Bitte etwas zurückhaltender: Das Risiko, im
Finanzdienstleistungsbereich eine schlechte Beratung zu
bekommen, ist bei Ausschließlichkeitsvermittlern ebenso hoch
wie bei Mehrfachagenten, Maklern, FDLern und Banken!

Das deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen.

Frank Wilke
Ich erlaube mir als anscheinend einer von 2 ausgebildeten
Finanzdienstleistern in Deutschland (den anderen kennt Roland
ja persönlich) mal dieses Urteil.

Die Frage bezog sich nicht auf ausgebildete sondern auf freie Vermittler. Es ist auch nicht meine Absicht, Deine Qualifikation in Frage zu stellen. Im Gegenteil, aus Deinen Antworten sehe ich, das Du von der Materie Ahnung hast. Deine Antworten sind qualifiziert und seriös. Gleichwohl treibt sich in unserer Branche eine Menge Gelichter herum!

Beste Grüsse aus dem Süden

Roland

(der kein Hasser von freien Vermittlern ist, der sich aber jahrelang beruflich mit der Qualifikation von Mitarbeitern im Finanzdienstleistungssektor sowohl intern als auch extern beschäftigt hat, der sich auch mit der rechtlichen Seite auseinander gesetzt hat und der sich einbildet, einen Marktüberblick zu haben der es ihm erlaubt, qualifiziert mitzudiskutieren.

Aua! Das klingt in meinen Ohren aber ziemlich gewagt. Wenn
jemand nett ist, ein super Fachwissen im Kopf und auch sonst
ein klasse Typ ist, darf er ruhig den letzten Müll
verkaufen???

Nein, nein, nein! Aber ich denke, Du hast mich hier bewusst
missverstanden. :smile:

Bingo!

Ich bin halt ein Verfechter einer qualifizierten Beratung und
das schliesst für mich ein, das dem Kunden kein Müll verkauft
wird.

Vollkommmend einverstanden!

Das Risiko, im Finanzdienstleistungsbereich eine schlechte
Beratung zu bekommen, ist bei Ausschließlichkeitsvermittlern
ebenso hoch wie bei Mehrfachagenten, Maklern, FDLern und Banken!

Das deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen.

Das bestärkt mich nur in meiner Sorge, dass sich im „freien“ Markt überdurchschnittliche viele Scharlatane tummeln, die es den wirklich engagierten und ehrlichen Personen umso schwerer machen.

Die Frage bezog sich nicht auf ausgebildete sondern auf freie
Vermittler. Es ist auch nicht meine Absicht, Deine
Qualifikation in Frage zu stellen.

[…Lobeshymne entfernt…]

Beste Grüsse aus dem Süden

Roland

Danke für deine Ausführungen, ich habe (wie du sehr wohl erkannt hast) bewusst übertrieben, um noch ein paar Ergänzungen zu bekommen. Leider habe ich auch schon zwei Finanzdienstleister durch, in denen nicht nur Mitarbeiter verbrannt werden. Wirklich traurig…
Dicken Gruß aus Osnabrück

Frank Wilke

Hallo Markus,

aus meiner Sicht sollte zuerst einmal der Begriff „unabhängig“ geklärt bzw. definiert werden, welche Abhängigkeiten bestehen.

Am wichtigsten dürften folgende sein:

  1. Abhängigkeit bei der Auswahl des Produkts
    (z.B. Versicherung, Bausparvertrag, Investmentfonds, Immobilie usw.)

  2. Abhängigkeit bei der Auswahl des Produktanbierters
    (z.B.: Soll der europäische Aktienfonds von der DWS, Deka, Union oder von Fidelity, Nordea usw. sein?)

Wenn wir uns einmal die klassischen Vertriebswege der Finanzbranche anschauen, dann wäre da zuerst mal der klassische Bankangestellte. Er hat wie die meisten Arbeitnehmer klare Vorgaben, wann er wo zu sein hat. Darüber hinaus wird ihm vorgegeben, welche Produkte er in welcher Menge zu vertreiben hat und er darf sich dabei ausschließlich der von seinem Arbeitgeber vorgegebenen Produktpalette bedienen. Dieser Mensch ist wohl am weitesten von der angesprochenen Unabhängigkeit entfernt.

In der Versicherungsbranche hat der Handelsvertreter nach § 84 HGB eine lange Tradition(zur Vereinfachung nachfolgend 84er genannt). Er ist in Sachen Arbeitszeit und -volumen nicht Weisungsgebunden und hat erst einmal die freie Auswahl unter den Produkten seines Vertragspartners (also der Versicherungsgesellschaft,) arbeitet für diese aber i.d.R. in Ausschließlichkeit, darf also nur deren Produkte vermittlen. Allerdings macht ein bedeutender Anteil seines Jahreseinkommens meist ein Bonus aus der dann gezahlt wird, wenn er in allen Produktbereichen gewisse Mindetsvorgaben erfüllt. So werden auch die 84er genötigt, ungliebte und unsinnige Produkte wie z.B. eine „Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr“ zu verkaufen, auch wenn sie davon gar nichts halten.
Der 84er ist also ein bißchen unabhängiger als sein Kollege hinter dem Bankschalter.
Übrigens arbeiten auch die großen Vertriebsgesellschaften wie Deutsche Vermögensberatung (DVAG), AWD, OVB, MLP usw. sowie die mobilen Vertriebe der Banken oft auf dieser rechtlichen Basis. Allerdings wird der Vertrieb hier nicht so pauschal über Bonussysteme gesteuert, sondern eher über die Verprovisionierung der einzelnen Produkte.
Hier ist die Unabhängigkeit auch noch recht begrenzt.

Der unabhängige Berater wird im englischen „independent financial advisor“ genannt, kurz IFA.Zur Vereinfachung verwend ich fortan den Begriff IFA.
Alle, die nicht an einen Konzern ausschließlich gebunden sind, sind vom Grundsatz her unabhängig und somit IFA. Sie haben die Freiheit, Produkte eines beliebigen Anbieters zu vermitteln, soweit es ihnen aufsichtrechtlich gestattet ist. Hier finden sich dann Begriffe wie „Makler“ oder „Mehrfachagent“ wieder. Klasssich läuft auch der Vertrieb von unternehmerischen Beteiligungen (geschlossene Fonds, z.B. Immobilien, Schiffe, Filme, Flugzeuge, private Equity usw.) über IFAs, allerdings haben auch die Banken mittlerweile dieses äußerst lukrative Geschäft für sich entdeckt.

Der Status des IFA (es gibt ihn also wirklich) sagt aber noch nichts darüber aus, welche Qualität seine Beratung hat. Qualifikation und Erfahrung sind nicht zu ersetzen. Im Zweifelsfall berät ein qualifizierter 84er mit langjähriger Erfahrung (z.B. Börsencrash) besser, als ein vollkommen freier Branchenneuling. Zur Zeit kann sich in Deutschland heute noch jeder von heute auf morgen als IFA selbständig machen.
Das herauszufinden ist für den Laien leider genauso schwer, wie zu wissen, ob mein Arzt oder Zahnarzt wirklich gut ist.
Aber Qualifikationen wie z.B. von der IHK sind schonmal ein Ansatzpunkt.

Die Spitze der Ausbildung sind meines Wissens nach derzeit die "cfp"s, certified financial planner. Das ist eine gründliche und lange Ausbildung mit strenger Prüfung.
Allerdings haben sich die cfps auch auf die Fahne geschrieben, nur Finanzpläne gegen Honorar zu erstellen und keine Produkte zu vermitteln, weil dann die Unabhängigkeit wegen der Provisionen in Frage stehen könnte.
Der Anleger muß also erstmnal bereit ein, sich einen hochqualifizierten Dienstleister einzukaufen, steht dann aber bei der Umsetzung in Produkte alleine da (und zahlt dann doch noch Provisionen für den Vermittler). Aber da kann man vielleicht mit seinem cfp nach einer Lösung suchen. Ich habe z.B. von einem gehört, der für jeden Produkzbereiche Produkte ohne Provisionen anbieten kann. Dann dürfte sich das Honorar für den Kunden wohl lohnen.

Ich habe beruflich täglich mit IFAs zu tun. Wenn Du mir per Email mitteilst, in welcher Region Du einen Berater suchst und um welches Thema es Dir speziell geht, kann ich Dir vielleicht weiter helfen.

Gruß Schorsch

Lieber und verzweifelter Herr Wilke,

ich bin ganz bei Ihnen.
Das, was Sie als Branchenproblem schlechthin ansehen, sehe ich
ganz genau so. Es steht auch zu befürchten, dass die sog. Vermittlerrichtlinie daran auf absehbare Zeit kaum etwas ändern wird.
Zur Klarstellung - und für den Fall, dass ich mich missverständlich
ausgedrückt habe:
Ich kann aus voller Überzeugung nicht pauschal jedem empfehlen, sich
auf die Selbstsuche nach dem passenden Produkt zu begeben.
Die meisten kommen darin um, indem sie den erstbesten Käse einkaufen,
über den sie stolpern.
Meine Empfehlung gegenüber Markus war so zu verstehen, dass ich jemandem, der in diesem Forum Fragen von der gezeigten Qualität
stellt, eben auch zutraue, allein zurechtzukommen und dann mit dem
Stolz und der Zufriedenheit des Entdeckers mit einiger Sicherheit von sich behaupten kann, dass er ein Produkt eingekauft hat, dass
vermutlich trägt.

Gruß
Günther

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

aus eigener Erfahrung: ich war sehr überrascht und bin heute noch zufrieden mit dem Finanzdienstleister, der unsere Hausfinanzierung gemanagt hat.

Erst hatte ich die größten Bedenken, und dann auch noch ein Name, bei dem man an übelste Kredithai denken musste. Wenn der nicht von der Verbraucherberatung empfohlen worden wäre, dann hätte ich den nicht genommen. Aber so - nur beste Erfahrungen, immer wieder zu empfehlen. Und die Finanzierung wurde über eine große Landesbank abgewickelt, nicht so eine komische Kreditbank, die einen nur schröpft.

Gruß

Andreas

Hallo Markus!

Wie sind euere Erfahrungen mir unabhängigen Finanzdienstleister?

Sobald ein Mensch von Verkaufs- oder Vermittlungsprovisionen abhängig ist, ist der Verdacht nahe liegend, daß er seine Provision optimiert und erst in zweiter Linie im Interesse des Kunden handelt. Wenn es sich auch noch einen der zahllosen Leute handelt, die nach einem Wochenendseminar auf die Menschheit losgelassen werden und ansonsten einem ganz anderen Job nachgehen, kannst Du nichts erwarten, was auch nur entfernt den Namen Beratung verdient.

Wenn Du ein Auto kaufen möchtest und Du gehst zu einem VW-Händler, erwartest Du gewiß keine produktneutrale Beratung. Du erwartest nicht, daß Dich der VW-Händler, nachdem er Deine Wünsche gehört hat, zum Opel-Händler schickt. Du wirst Dich statt dessen am Automobilmarkt selbst schlau machen oder Du wirst Fachleute fragen, die Dir nur ihren Sachverstand zugute kommen lassen, Dir aber kein Auto verkaufen wollen. So läßt Du Dir also von einem Fachmann der DEkRA oder des TÜV sagen, ob das vorgestellte Gebrauchtauto etwas taugt. Beim Neuwagen befragst Du Zeitschriften oder Internetforen, aber stets fragst Du Leute, die kein Interesse haben, Dir ein bestimmtes Produkt zu verkaufen.

Irgendwelche höchst seltsamen und mir unbekannten Umstände führen täglich tausendfach dazu, daß Menschen Versicherungs- und Anlageverträge abschließen, für die sie jahrelang, möglicherweise lebenslang zahlen, von denen vielleicht sogar das Einkommen im Alter abhängt, aber die einzige Beratung stammt von einem blutigen Laien, der tagsüber Gabelstapler fährt und sich ein Nebeneinkommen durch Provisionen verspricht. Seltsame Umstände führen dazu, daß Menschen nötigenfalls ein Leben lang zahlen und ein Vermögen verbrennen, aber nicht bereit sind, zuvor für unabhängige, fachkundige Beratung zu bezahlen. Den gleichen Effekt kann man Wohnhäusern beobachten. Für die zumeist größte Investition des Lebens ist ein Tausender für Architektenberatung nicht übrig. Statt dessen wird der Makler gefragt, der den Hausverkauf vermittelt, aber von Häusern u. U. keine Ahnung hat, für seine Berufsausübung keinerlei Qualifikation braucht und an allem Interesse hat, nur nicht an Ausübung neutraler Beratung.

Soll heißen: Gehe zu einem Versicherungs- bzw. Anlageberater und bezahle ihn für seine Dienstleistung, aber erhoffe keine unabhängige Beratung von einem Verkäufer und Provisionsempfänger.

Gruß
Wolfgang