unabkömmlich

Hallo Leute,

ein alter Onkel erzählte mir, dass er im Krieg nie gekämpft hat, weil er „unabkömmlich“ gestellt war. Dabei war er nur in einer Firma angestellt, die elektrische Sachen, wahrscheinlich für die Wehrmacht, hergestellt hat. (Für Jenny: Das war die Firma Danubia in der Krottenbachstrasse)
Offiziell war er irgendeiner Fliegerabwehreinheit in Ulm zugeteilt, die sich aber 1942 aufgelöst hat, hier verliert sich die Wehrmachts- Spur, laut WAST.
Habe jetzt den Verdacht, dass er irgendwie ein Nazi war.
Sein Vater war allerdings in der Länderbank und ich weiß, dass die Banken Einfluss auf solche Dinge hatten.
Frage dazu: Wann und warum wurde man „unabkömmlich“ gestellt?

Vielen Dank,
cu
Norbert

Habe jetzt den Verdacht, dass er irgendwie ein Nazi war.

Was sagt denn das Berlin Documet Center im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde) dazu?

Bernhard

Hallo !

Wer eine leitende Funktion in einem Rüstungsbetrieb hatte, wurde oft unabkömmlich! Er muß deshalb doch kein Nazi gewesen sein!!!

Axmann, der Reichsjugendführer war sicher Nazi. Aber eingezogen wurde er gleich zu Beginn. Nach Verlust eines Armes, durfte er wieder zurück.

mfgConrad

Nicht ganz
zum Thema, aber interessant:

Zitat:

Durch Erlaß vom 25.9.1944 wurde die Bildung des „Deutschen Volkssturm“ befohlen, der alle waffenfähigen Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren umfassen sollte.[ii] Dazu muß angemerkt werden, daß von den an sich wehrpflichtigen Jahrgängen 1895 bis 1925 im Jahre 1944 noch 5 Millionen uk-gestellt waren, es gab damit mehr uk-gestellte Wehrpflichtige, als das gesamte Feldheer Soldaten hatten.

http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Soldat/Volksstur…
(Unterstrich von mir)

Und Norbert: falls du diese Firma meinst:

DANUBIA ZÄHLER, MESS- UND REGELANLAGEN GES.M.B.H.; FL: Dipl.Ing. Rudolf Kodras, Tel.Nr.: 01 36 12 56; Krottenbachstraße 82 - 88, 1190 Wien

die gibt es noch immer (oder ihre Nachfolger!) Vielleicht findest du dort jemanden, der dir Auskunft geben kann?!

Lieben Gruss, auch über 30 km…*lächel*, jenny

Danubia

Und Norbert: falls du diese Firma meinst:

DANUBIA ZÄHLER, MESS- UND REGELANLAGEN GES.M.B.H.; FL:
Dipl.Ing. Rudolf Kodras, Tel.Nr.: 01 36 12 56;
Krottenbachstraße 82 - 88, 1190 Wien

die gibt es noch immer (oder ihre Nachfolger!) Vielleicht
findest du dort jemanden, der dir Auskunft geben kann?!

Lieben Gruss, auch über 30 km…*lächel*, jenny

Hallo Jenny,

genau diese Firma ist es. Wäre vielleicht hilfreich herauszufinden, was die im Krieg gemacht haben, war da bis jetzt nicht wirklich erfolgreich.
Onkel Robert war Jahrgang 1919, also im besten Alter. Krank war er nicht, zum Volkssturm wurde er auch nicht eingezogen. Der Grund dafür könnte sein, dass er bereits irgendeiner FLA- Einheit in Ulm zugeteilt war. Die Spur verliert sich aber 1942, als diese Einheit aufgelöst wurde. Aktiv war er jedenfalls nie bei einer kämpfenden Truppe. Zum Kriegsende befahl man ihn dienstlicherseits nach München, auf der Rückfahrt türmte er mit Frau und Schwiegermutter (in Wien wurde bereits gekämpft) und wartete in einem Versteck das Kriegsende ab.

liebe Grüße
Norbert

Nazi?
Hallo Bernhard,

ein großer Nazi kann er nicht gewesen sein, denn die Amis nahmen ihn zwar in Kriegsgefangenschaft, schickten ihn aber nicht in ein Lager, sondern er fuhr in einer Versorgungseinheit als Helfer mit, hatte somit immense Vorteile gegenüber „normalen“ Kriegsgefangenen. Hunger hatte er und seine Familie in der damaligen Zeit jedenfalls nicht.
Was ist das Berlin Documet Center im Bundesarchiv Berlin- Lichterfelde?

cu
Norbert

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

BDC

Was ist das Berlin Documet Center

Ein Flüchtigkeitsfehler.
Nach dem Krieg sammelten die Siegermächte soweit möglich Dokumente ein. Die Amis errichteten in Berlin ein Document Center, in beispielsweise die Parteiunterlagen gesammelt wurden. NAch dem Mauerfall ging das BDC an das Bundesarchiv in Berlin Lichterfelde.

Die durch die Russen eingesammelten Unterlagen gingen zum Teil an die Stasi, so dass sich in deren Hinterlassenschaft eine Fundgrube an Materialien des Dritten Reiches befindet, nach meinem neuesten Stand immer noch recht unerschlossen. Mittlerweile geört dieses östliche BDC zum Bundesarchiv Hoppegarten.

Bernhard

Habe jetzt den Verdacht, dass er irgendwie ein Nazi war.

Ja und dann war er´s eben! Du kommst aus einer anderen Zeit, aus einer ganz anderen Zeit und willst jetzt darüber urteilen?

Kannst du beweisen, dass du zu dieser Zeit anders verhalten hättest?

Ich denke, das ist alles sehr komplex und man sollte es sich nicht zu einfach machen.

Stichwort
die Menschen auf „Schindler`s Liste“ waren unabkömmlich und diese waren ganz gwiss keine Nazis.

Wann UK Gestellt?
Hallo Norbert,
ich kenne keine genauen Vorschriften, weiss aber aus meiner Literatur das es dazu Richtlinien gab, welche im Deutschen Reich zur Anwendung kamen. Natürlich waren auch Leute UK gestellt( war die übliche Abkürzung dazu) welche, wie auch heute, gute Beziehungen hatten und nur an der Heimatfront kämpften. War ja auch sicherer. Aber aus meinen vielen Büchern weiss ich das es da Festlegungen gab das, wenn eine Arbeit nicht durch Ersatzleute erledigt werden konnte, eine UK Stellung erfolgte. Das wurde von Kommissionen regelmässig geprüft und zum Kriegsende hin schon mal gelockert.(siehe Artikel Volkssturm). Betroffen waren oft Meister, Elektroniker aber auch Eisenbahner und Mitarbeiter der Lebensmittelbranche u.s.w.
Aber selbst bei den UK Stellungen gab es wieder Einteilungen. So kann ich mich an einen Begriff erinnern der da UK Heimatverwendungsfähig, oder UK bedingt Frontverwendungsfähig lautete.
So gab es aber andersherum auch den Begriff kv = kriegsverwendungsfähig. Antifaschisten wurden oft UK gestellt. Man hatte Angst das sie flüchten. Später, so gegen Kriegsende durften diese sich auch „bewähren“, in Strafeinheiten, als bedingt kv.
Beim Studium der Literatur ist man selbst immer wieder erstaunt wie wenig, zur Gesamtzahl aller wehrfähigen Männer, tatsächlich an der Front waren.
Wer also UK war konnte viele Gründe haben.

Tschüß

Hallo Norbert,

Natürlich waren auch Leute UK
gestellt( war die übliche Abkürzung dazu) welche, wie auch
heute, gute Beziehungen hatten und nur an der Heimatfront
kämpften.

Unsinn, heute wird sicherlich niemand aufgrund guter Beziehungen für unabkömmlich erklärt. Zwar bestimmt noch immer das zuständige KWEA, wer eingezogen wird und wer nicht, wer unabkömmlich ist oder nicht, was aber gesetzlichen Bestimmungen unterworfen ist. Außerdem ist es nicht eine einzelne Person, die da über den Einzelfall entscheidet, sondern eine Kommission, und das eben auch aus dem Grunde, dass sich niemand aufgrund von Vitamin-B dem Wehrdienst entziehen kann. Am Ende ist es lediglich ein Sachbearbeiter, der die Entscheidung im Auftrage mitteilt.

Wenn Du den konkreten Verdacht hast, dass irgendwo etwas neben der Schiene gelaufen ist, dann kannst Du Dich damit an den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages wenden oder auch an die Staatsanwaltschaft und das entsprechende Ermittlungsergebnis dann hier ausstellen. Aber blase hier bitte keine hohlen Unterstellungen in die Luft.

Gruss
tigger