Unangefordertes teures Gutachten

Hallo,

Mein Problem ist Folgendes:
Ich habe ein altes Haus gekauft. Jeder lag mir in den Ohren das Haus von einem Fachmann ansehen zu lassen und so verabredete ich mich mit einem Architekten, dass er mal durch das Haus geht und eine Wertschätzung abgibt, auch in schriftlicher Form für die Bank, aber eben nur grob.

Am Telephon nannte er mir einen Zeitaufwand von 1-2 Stunden bei einem Stundensatz von 60 Euro. Er sagte es würden dann Gesamtkosten von 120 bis 150 Euro auf mich zukommen.

Er ist dann 2 Stunden durchs Haus gegangen und hat mir danach noch eine Stunde lang erklärt wie er das Haus umbauen würde.

Heute (mehrere Tage nachdem er mir den Wisch für die Bank zugesagt hat) kommt auf einmal ein Gutachten hereingeschneit in zweifacher Ausfertigung und eine Rechnung über 822,20 Euro.
Das sind über 1% des Verkehrswertes!!!
Und mehr als das fünffache des genannten Betrages!

Einen Auftrag für ein Gutachten habe ich ihm nie erteilt, sondern stets von einer groben Werteinschätzung geredet. So habe ich das auch in einer email an ihn formuliert in der ich auch den Kostenvoranschlag nochmal anforderte, den ich aber nie erhielt.

Ich kann die Summe nicht bezahlen, sehe das auch überhaupt nciht ein, da ich das so nie angefordert habe.
Was soll ich machen? Gleich zum Anwalt???
Vielen Dank für Tips!
Andrea

wie ist die rechnung genau aufgeschlüsselt?

Hallo Andrea,

ein Architekt ist grundsätzlich an die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) gebunden; dort im § 34 Wertermittlungen steht in Abhängigkeit zum ermittelten Wert sein zu beanspruchendes Honorar. Da er im Streitfall den „üblichen“ Honoraranspruch hat (der sich aus der HOAI ergibt), sieht es wohl schlecht für dich aus, wenn Ihr nur mündlich über den Preis gesprochen habt.

Preisvereinbarungen mit Sachverständigen müssen schriftlich vereinbart sein; wenn dies nicht so ist, ist der Architekt gesetzlich verpflichtet, die o.g. HOAI anzuwenden.

Sorry, habe keine bessere Nachricht für dich!

wie ist die rechnung genau aufgeschlüsselt?

Arbeitszeit Architekt 9,5h a 60 Euro
Schreibbüro 3h a 45 Euro
+Kopierkosten 10 Cent pro Seite

Es geht, dachte ich, aber weniger darum, dass er komisch abgerechnet hat, sondern darum, dass er eine nicht in Auftrag gegebene Leistung erbracht und berechnet hat.

Es kann doch nicht jeder herkommen irgendwas machen und Rechnungen verschicken und ich habe dann die Beweispflicht, dass ich das nicht wollte, oder?

Tatsache ist, dass ich nur eine grobe Einschätzung des Wertes wollte, die er mir für 120 - 150 Euro zusagte. Die per email angeforderte schriftliche Kostenvoranschlagsbestätigung hat er mich einfach nicht geschickt (es war alles terminlich sehr eng und er hat das Haus auch „so nebenbei“ an einem Feiertag angeschaut).
Er ist dann auch wirklich nur schnell durchs Haus gegangen, hat nichts vermessen oder so, nur wirklich jeden einzelnen Balken im Dach nach Schädlingen durchsucht, wobei er nicht einmal das Wissen hatte welcher Schädling das ist und ob der Befall wirklich noch akut ist. Das Gutachten an sich ist auch dementsprechend lasch. Die umbaute Fläche z.B. hat er nur aufgrund meiner eigenen Raumausmessungen (sehr grob, da ich nur die in etwa Maße wissen wollte) der Wohnräume durchgeführt. Grundbuch, Lageplan und sostige Angaben hatte er auch alle von mir.

Ich kann nicht glauben, dass das so laufen kann. Ich habe schlichtweg kein Gutachten angefordert und will deshalb auch nicht dafür zahlen.

Ich überlege ob ich es einfach zurückschicken soll. Eigentlich brauchte ich die Einschätzung (die Bank war da ja locker und wollte nur so eine grobe Einschätzung) ja auch schon am Montag (zugesagter Eingang der Einschätzung war Donnerstag der Vorwoche) aber wenn ich nun Teile des Gutachtens an die Bank faxe, dann habe ich es wohl anerkannt, oder?

Ich finde das wirklich ziemlich mies, was der Architekt da abgezogen hat, denn es war ganz sicher KEIN Mißverständnis in der Absprache. Er hat wohl gemerkt, dass ich keine Ahnung von der Geschichte habe und dass er da schnell, mit wenig Aufwand Kohle machen kann. Diesen Eindruck habe nicht nur ich, sondern auch mein Freund bekommen, der ja Zeuge der Absprachen vor Ort war.

Das klingt sehr emotional, aber ich hab wirklich das Gefühl hier über den Tisch gezogen zu werden und wenn ich mich dagegen nicht mal wehren kann, das entsetzt mich schon sehr.
Sorry!

Danke dennoch für eure Meinung und Tips, auch wenn sie fustrierend sein können.
Andrea

HOAI
HAbe mir eben die HOAI ergoogelt.
Jetzt wird mir auch klarer, werum er den mir genannten Wert von 40.000 Euro (bei der Besprechung nach der Begehung) im Gutachten auf einmal bei 80.000 Euro hat. Dann kann er mehr verlangen! Oder wie sonst kann sowas sein?
Bin entsetzt :open_mouth:

Andrea

Hallo Andrea,

willkommen im Club der Erfahrenen!!*g*
Also wie ich das sehe, wird er sich auf die Absprache 60 Euro p. Stunde berufen. Wenn er noch den zeitlichen Aufwand (prognose 2, Ist 9,5) darstellen kann, wirst du auch mit einem Anwalt wohl schlechte Karten haben.

Weiteres ist, das der Architekt nicht mal eben so seinen Stempel unter eine schriftliche Wertschätzung setzt. Den er haftet ja auch (soweit ich weiß), für eventuelle Regreßansprüche, wenn der Wert nicht korrekt ist.

Grundsätzlich hätte der Bank wahrscheinlich eine Berechnung gereicht, indem der Richtwert, Baujahr und Bauzustandsberechnung und die Investitionszahlen nachvollziehbar aufgelistet sind. Tja,… dumm gelaufen.

MM nach bleibt euch nix anderes über als zu zahlen oder einen Vergleich anzustreben. Denn wenn die einen Anwalt beauftragst, dann zahlst du den auf jeden Fall und das wird teuer!!!

Sorry für die negativen Antworten und alles Gute

Martin