Unangemeldeter Besuch der Jugendfürsorge

Moin!

Gestern habe ich von Bekannten etwas gehört, was mir schon etwas eigenartig vorkam.
Aus Interesse frag ich jetzt mal nach.

Bei unseren Bekannten ist seit etwa 4½ Monaten Nachwuchs im Haus. Eigentlich herrschen bei den Betroffenen wie man so schön sagt „geordnete Verhältnisse“. Mann, Frau und zwei Kinder. Und eines der Kinder eben gerade 4½ Monate alt, das andere Kind bereits 12 Jahre alt. Mann geht arbeiten, Frau hat Erziehungsurlaub. Der einzige Haken bei den Betroffenen ist lediglich, das sie nicht verheiratet sind.

Jetzt stand bei den Lauten vorige Woche völlig unangemeldet eine Mitarbeiterin der Jugendfürsorge vor der Tür, die Eltern waren gerade nicht zu Hause. Stattdessen hat die Oma Kinder und Wohnung bewacht.

Die Tante von der Jugendfürsorge hielt der Oma einen Ausweis unter die Nase und erklärte, sie müsse die Lebensumstände des Neugeborenen überprüfen und daher kurz die Wohnung besichtigen. Total überrumpelt ließ die Oma die Dame in die Wohnung und machte mit ihr eine „Touristenführung“. Dabei wurde im Kinderzimmer des Neugeborenen alles begutachtet, auch der Inhalt der Schränke. Weiterhin wurde geschaut, ob denn in der Küche auch alles vorhanden wäre, was man für ein Neugeborenes benötigt. Auch nach einer vorhandenen Waschmaschine wurde geschaut. Außerdem wurden eine Menge bescheuerter Fragen gestellt, angefangen bei „Wie oft wird das Kind gewickelt?“ bis hin zu „Seit wann leben denn die Eltern schon zusammen?“.
Am Ende sagte die Dame, das alles zu Ihrer Zufriedenheit wäre, wünschte einen schönen Tag und verschwand wieder.

Als die Eltern kurze Zeit später wieder nach Hause kamen und davon hörten, waren sie stinksauer. Denn erstens wären sie ganz gern selbst dagewesen, wenn schon jemand vom Amt der Meinung ist, die Wohnung begutachten zu müssen und außerdem erwarteten sie eigentlich, das die vom Amt sich zumindest anmelden müßten. Außerdem waren sie der Ansicht, das sie eigentlich niemanden vom Amt in Ihrer Wohnung haben wollten und die Art und Weise, das sogar die Schränke des Kindes durchgeschaut wurden, fanden sie schlicht und einfach frech.

Nachdem sie sich beim Amt beschwerten und nach dem Hintergrund der Aktion fragten, bekamen sie gesagt, das das immer so gemacht werde. Da sie davon zum ersten Mal gehört haben, hakten sie noch weiter nach und erfuhren schließlich, das das nur bei unverheirateten Eltern die Regel wäre, weil man davon ausgehen würde, das das ja schließlich keine geordneten Lebensverhältnisse wären.

Ich persönlich (und unsere Bekannten im Übrigen auch) finde das ganz schön dreist!

Jetzt mal meine Frage dazu: Weiß jemand, ob das tatsächlich so üblich ist? Und in diesem Zusammenhang die weiterführende Frage: Muß man sich das bieten lassen? Ist man tatsächlich verpflichtet, solche Personen in die Wohnung zu lassen? Irgendwas in mir weigert sich, das zu glauben. Aber in diesem Staat ist ja bekanntlich alles möglich…

Falls mich mal jemand zu dem Thema schlauer machen könnt, wäre ich sehr dankbar.

Gruß & Bye…

Der Dicke MD.

Moin und ich schon wieder :smile:

Jetzt mal meine Frage dazu: Weiß jemand, ob das tatsächlich so
üblich ist?

Wir sind auch nicht verheiratet und bei uns ist niemand vorbeigekommen. Den einzigen Kontakt, den wir je mit dem Jugendamt hatte war, dass wir damals zudritt dort aufgelaufen sind und der Pappa zur Freude des Jugendamtes dann auch „offiziell“ Papa geworden ist :smile:

Allerdings weiss ich nicht, wo du wohnst. Wir wohnten zur damaligen Zeit mitten in Bremen, und zum einen ist Bremen grundsätzlich ziemlich tolerant und liberal, zum anderen sind hier unverheiratete Paare mit Kindern keine Seltenheit. (Wenn die alle persönlich vom Jugendamt besucht werden sollten, hätten wir sich er viel weniger Arbeitslose hier, die wären dann alle beim Jugendamt beschäftigt *g*)

Wenn du allerdings in einer eher konservativen Gegend wohnst *hüstel*, wer weiss, was die da für abstruse Ideen haben auf dem Jugendamt…

Das du so jemanden in der Wohnung rumschnüffeln lassen musst, glaube ich nicht, nur wenn du es nicht tust, hast du vermutlich erst recht das Jugendamt auf dem Hals, wenn die so drauf sind.

Gruss
Marion

Die Wut Deiner Bekannten kann ich vollkommen verstehen - das ist ja GEZ-Niveau!

  1. Du musst niemanden in die Wohnung lassen, es sei denn, er hält Dir eine richterliche Anordnung vor die Nase.

  2. Ob das üblich ist, glaube ich auch nicht. Bei meinem Onkel kam sowas (soweit ich weiss) nicht vor. Er hat auch zwei uneheliche Kinder (und wohnt/wohnte) immer mit der jeweiligen Mutter in einer Wohnung.

  3. Frag mal im Recht-Board nach, ob man da nicht sogar wegen „Hausfriedensbruch“ etwas unternehmen kann - immerhin wurde die Tür nicht vom Wohnungseigentümer sondern der Oma geöffnet. Bei Hausdurchsuchungen (der Polizei) hat man ja sogar das Recht dabei zu sein.

Hallo Dicker, hier der Dünne :wink:

kurzum: prinzipiell finde ich es richtig, wenn sich Jugendämter um die „Jugend“ kümmern.

Oft genug liest man hier im Forum von Untätigkeit und Hilflosigkeit wegen Überfordeung derselben.

Auch die Vorgehensweise, sich nicht anzumelden, finde ich korrekt, wegen des Überraschungseffektes.

Daß hier allerdings die Oma „überrumpelt“ wurde, und Schränke inspiziert wurden und das nur, weil die Leute unverheiratet sind finde ich unverschämt.

Gerade in den „besten“ langjährig verheirateten Familien sind Kindermißhandlung und schlimmeres auch schon passiert.

Hier wäre meines Erachtens eine Dienstaufsichtsbeschwerde nicht fehl am Platze, allerdings auch mit einem klärenden Gespräch, wie man es in Zukunft besser machen kann, weil ich die Idee des Amtes nach dem Rechten zu sehen prinzipiell für gut halte.

gruß

dennis

Moin!

Wir sind auch nicht verheiratet und bei uns ist niemand
vorbeigekommen.

Dachte ich mir doch, das das nicht überall so ist :smile:

Den einzigen Kontakt, den wir je mit dem
Jugendamt hatte war, dass wir damals zudritt dort aufgelaufen
sind und der Pappa zur Freude des Jugendamtes dann auch
„offiziell“ Papa geworden ist :smile:

Das steht mir auch noch bevor :smile:

Allerdings weiss ich nicht, wo du wohnst.

Ostberlin… Hier gerade bei uns benötigen offensichtlich einige Amtsschimmel eine Existenzberechtigung. Was sich hier teilweise abspielt, wäre ein abendfüllendes Thema.

Wenn du allerdings in einer eher konservativen Gegend wohnst
*hüstel*, wer weiss, was die da für abstruse Ideen haben auf
dem Jugendamt…

Naja, als Konservativ würde ich die Gegend eher nicht bezeichnen *gg*
Aber Abstruse Ideen habe ich schon sehr oft gehört bei unseren Ämtern… :smile:

Das du so jemanden in der Wohnung rumschnüffeln lassen musst,
glaube ich nicht, nur wenn du es nicht tust, hast du
vermutlich erst recht das Jugendamt auf dem Hals, wenn die so
drauf sind.

Nicht das mich jemand falsch versteht. Ich habe ja gar nichts dagegen, das die mal schauen kommen. Mich störte nur die Art und Weise. Das geht meines Erachtens zu weit.

Gruß & Bye…

Der Dicke MD.

Moin!

Die Wut Deiner Bekannten kann ich vollkommen verstehen - das
ist ja GEZ-Niveau!

Der Vergleich ist Klasse, passt wie die Faust aufs Auge :smile:
Aber nur mal, um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Das die mal vorbeikommen, ist nicht der Stein des Anstoßes! Es geht nur um die in meinen Augen recht miese Art und Weise. So geht es IMHO nicht.

  1. Du musst niemanden in die Wohnung lassen, es sei denn, er
    hält Dir eine richterliche Anordnung vor die Nase.

So hatte ich das auch in Erinnerung.

  1. Ob das üblich ist, glaube ich auch nicht. Bei meinem Onkel
    kam sowas (soweit ich weiss) nicht vor. Er hat auch zwei
    uneheliche Kinder (und wohnt/wohnte) immer mit der jeweiligen
    Mutter in einer Wohnung.

Bei uns scheint es üblich zu sein. Ich habe es jetzt schon öfter gehört, das sich hier solche Dinge abspielen. Offensichtlich ist die Langeweile bei einigen Amtsschimmeln zu groß.

  1. Frag mal im Recht-Board nach, ob man da nicht sogar wegen
    „Hausfriedensbruch“ etwas unternehmen kann - immerhin wurde
    die Tür nicht vom Wohnungseigentümer sondern der Oma geöffnet.
    Bei Hausdurchsuchungen (der Polizei) hat man ja sogar das
    Recht dabei zu sein.

Naja, einen großen Zauber werden sie wohl nicht veranstalten. Halte ich auch für nicht nötig, schließlich ist alles gelaufen. Ändern kann man rückwirkend auch nix. Und die Polizei ist sowieso überlastet. Wobei ich auch daran zweifle, das überhaupt seitens Polizei und/oder Staatsanwalt ein Interesse besteht, sowas zu verfolgen. Eine Krähe hackt der anderen bekanntlich nicht ins Auge :smile:

Danke, Gruß & Bye…

Der Dicke MD.

Moin, Dünner :wink:

kurzum: prinzipiell finde ich es richtig, wenn sich
Jugendämter um die „Jugend“ kümmern.

Oh, versteh mich da jetzt bitte nicht falsch! Ich sehe es ja auch so, das grundsätzlich nix dagegen einzuwenden ist, wenn die sich kümmern. Allerdings finde ich, der Ton macht die Musik. So wie es bei meinen Bekannten gelaufen ist, finde ich es unmöglich.

Oft genug liest man hier im Forum von Untätigkeit und
Hilflosigkeit wegen Überfordeung derselben.

Da hast Du natürlich auch Recht. Andererseits finde ich, da sollte man schon Prioritäten setzen.
Bei uns in der Ecke lebt eine „Dame“, die man getrost als Matraze der Bezirkssäufer bezeichnen könnte.
Diese Person ist jetzt das siebte(!) Mal schwanger. Ihre sechs schon vorhandenen Kinder (von zwei Jahren an aufwärts bis vierzehn Jahren) haben natürlich sechs verschiedene Väter, ich bezweifel mal, das die Person genau weiß, wer der Vater von welchem Kind ist. Verheiratet ist sie aber, was ja offensichtlich wichtig und ein maßgeblicher Indikator für eine gute Familie zu sein scheint.
Die Dame lebt vom Sozialamt und ist eigentlich rund um die Uhr bei uns an einem bestimmten Imbiss (dort versammeln sich die Bezirkssäufer) zu finden. Ich laufe da eigentlich täglich mindestens drei Mal zu unterschiedlichsten Zeiten vorbei, sie ist immer dabei. Ein Teil ihrer Kinder ist entweder dabei oder tobt irgendwo anders durch die Gegend. Regelmäßig gibt es Probleme mit den umliegenden Geschäften, weil die älteren Kinder regelmäßig von der Polizei abgeholt werden. Sie nehmen halt ganz gern was mit, ohne zu bezahlen. Oft war die Begründung einfach, das sie Hunger hätten.
Ich weiß, das die Nachbarn inzwischen mindestens einmal im Monat die Jugendfürsorge informieren, weil in der Wohnung ein Kind schreit und die Mutter am Saufen ist.

Was soll ich sagen., dort schreitet niemand ein. Und wenn ich sehe, das stattdessen meine Bekannten wie Kriminelle behandelt werden, weil sie ja nicht verheiratet sind, da wird mir echt übel. Das geht bei mir an jeglichem Verständnis vorbei.

Auch die Vorgehensweise, sich nicht anzumelden, finde ich
korrekt, wegen des Überraschungseffektes.

Das sehe ich anders. Ich persönlich würde aus Prinzip niemanden unangemeldet in die Wohnung lassen. Ich habe zwar nix zu verbergen, aber das ist einfach Prinzipsache. Ich habe ja nix dagegen, wenn die mal schauen wollen. Aber anzumelden haben sie sich.

Daß hier allerdings die Oma „überrumpelt“ wurde, und Schränke
inspiziert wurden und das nur, weil die Leute unverheiratet
sind finde ich unverschämt.

Das sehe ich ganz genauso. Und genau darum geht es eigentlich auch.

Gerade in den „besten“ langjährig verheirateten Familien sind
Kindermißhandlung und schlimmeres auch schon passiert.

Mein Reden. Traurig genug, das dabei oft niemand einschreitet.

Hier wäre meines Erachtens eine Dienstaufsichtsbeschwerde
nicht fehl am Platze, allerdings auch mit einem klärenden
Gespräch, wie man es in Zukunft besser machen kann, weil ich
die Idee des Amtes nach dem Rechten zu sehen prinzipiell für
gut halte.

Genau in die Richtung werden sie gehen. Sie haben in der nächsten Woche einen Termin beim Amtsleiter. Und sie haben sich angemeldet, so wie es sich gehört.

Danke, Gruß & Bye…

Der Dicke MD.

Hi Dennis,

Gerade in den „besten“ langjährig verheirateten Familien sind
Kindermißhandlung und schlimmeres auch schon passiert.

…eben

weil ich die Idee des Amtes nach dem Rechten zu sehen
prinzipiell für gut halte.

Naja, ich halte das für Diskriminierend…
Sie machen ja das offensichtlich nur bei unverheirateten und ledigen(?) und dann noch ohne Begründung…

Woanders kriegen die Jugendämter ihren Arsch nicht aus dem Stuhl, obwohl Hinweise von Nachbarn auf Kindesmißhandlungen und ähnlichem eingehen…

Kopfschüttelnd Zauberm@aus *demnächst alleinerziehende Mama-M@us*

Hallo,
und ich dachte immer, daß es das nur in Bayern gibt :smile: . Ich kenne einige (allerdings war immer wenigstens ein Elternteil zu Hause) die das auch schon erlebt haben, wobei die Leute normalerweise recht freundlich waren (ich kenne allerdings in diesem Zusammenhang nur Akademiker, die recht ordentlich verdienen, da will auch keine Behörde auffallen)
Prinzipiell finde ich das auch richtig, nur sollte man das dann bei JEDEM machen, was allerdings die Kionder- und Jugendheime wahrscheinlich sofort überfüllen würde.

Cu Rene

Hi Zaubermaus,

Kopfschüttelnd Zauberm@aus *demnächst alleinerziehende
Mama-M@us*

Wo ist denn der „m@userich“ ??

gruß

dennis

*der scheidungkind zusammen mit seiner schwester ist*

Hallo Dicker,

nein, es ist nicht üblich!
Üblich ist es, dass sich das Jugendamt mit einer ledigen Mutter (als Beispiel) schriftlich in Verbindung setzt und mitteilt, dass das Amt (Aufgrund eines - nennen wir es mal - fehlenden Vaters) die Amtspflegschaft für das Kind übernommen hat (für alles, was mit den Rechten des Kindes zu tun hat).
Überraschende Besuche haben/deuten meist einen besonderen Anlass/Hintergrund.

Gruß

Userine