Unbedachte Aussage (lang)

Hallo Leute,

ich hab mir lange überlegt, ob ich dies wirklich schreiben soll, möchte aber mal eure Meinung hören.

Also:
Vor vielen Jahren (vor ca. 13 - 14 Jahren), mein Sohn war damals 7 oder 8 Jahre alt, war ich mit meinem Sohn zusammen mal bei einer ärztlichen Untersuchung, bei der ich der Ärztin, als sie über die sozialen Hintergründe der Familie etwas erfahren wollte, im Gespräch erzählte, dass ich die Einzige war, die die Schwangerschaft und die Geburt diesen geliebten Kindes wirklich herbeigesehnt habe, der Vater und die Großeltern das Kind aber abgelehnt haben.

(Nur zum Verständnis:
Der Vater hat sich nach der Geburt des Kindes zwar noch einige Zeit schwer getan, steht aber mittlerweile voll und ganz hinter der Tatsache, dass dieses Kind geboren wurde. Mein Sohn kann sich 100%ig auf ihn verlassen).

Nun, damals bei dem Gespräch habe ich nicht bemerkt, dass das Kind dieses mitgehört hat.

Nach dem Verlassen der Praxis, im Auto meinte er zu mir: „Jetzt kann ich endlich verstehen, dass Papa mich nicht mag“. (War zum damaligen Zeitpunkt möglicherweise nicht ganz so abwegig).

Ich habe damals sofort versucht mit ihm über das Problem zu reden, habe ihm gesagt, dass viele Schwangerschaften „ungeplant“ seien, dies aber nicht bedeutet, dass die Eltern das Kind, wenn es dann geboren ist, nicht lieben.

Nun, wie gesagt, dies ist viele Jahre her, mich beschäftigt aber das Problem immer noch. Ich (und ich weiß, dass der Vater genaus so denkt) weiß, dass dieses Kind das Beste ist, was uns im Leben jemals passieren konnte.

Nun ist mein Sohn soweit, dass er in den nächsten Wochen ausziehen wird und ich habe jetzt heute endlich den Mut gefunden, ihn auf das damalige Gespräch anzusprechen.

Er erinnerte sich auch tatsächlich noch und ich habe ihn gefragt, ob es führ ihn klar ist, dass wir froh sind, dass es ihn gibt.

Er beruhigte mich und meinte: „Ja, es ist alles in Ordnung“.

Aber: Eigenartigerweise fühle ich micht ÜBERHAUPT NICHT BESSER.

Was läuft da schief? Hättet ihr nach all den Jahren auch das Gespräch gesucht? Ich habe es mir SEHR LANGE überlegt.

Ich bin gespannt auf eure Antworten.

S.

Hallo

Nach dem Verlassen der Praxis, im Auto meinte er zu mir:
„Jetzt kann ich endlich verstehen, dass Papa mich nicht mag“.
(War zum damaligen Zeitpunkt möglicherweise nicht ganz so
abwegig).

Eigentlich finde ich es gut, wenn das Kind solche Erklärungen bekommt. Das Kind weiß ja, ob der Papa es mag oder nicht. Und wenn immer so getan wird, als wäre da gar nichts dran, ist das sehr verwirrend für das Kind. Es ist besser für Kinder, wenn die Erwachsenen Wahrheiten aussprechen, denn dann kann das Kind besser damit fertigwerden.

Er beruhigte mich und meinte: „Ja, es ist alles in Ordnung“.

Aber: Eigenartigerweise fühle ich micht ÜBERHAUPT NICHT
BESSER.

Vielleicht glaubst du ihm nicht so richtig? Vielleicht denkst du, er sagt es nur, damit du dich beruhigst?

Was läuft da schief? Hättet ihr nach all den Jahren auch das
Gespräch gesucht?

Eigentlich schon, aber wenn die Antwort so war, wie du es hier beschreibst, würde es mich auch nicht befriedigen.

Aber ich weiß nicht, ob du mit ihm auch wirklich über diese Zeit gesprochen hast, oder ob du ihn mehr oder weniger nur gefragt hast, ob es für ihn schlimm war oder ist, diesen Satz von dir gehört zu haben, deshalb könnte ich über Weiteres nur spekulieren. Ich weiß auch nicht, ob du durch das Gespräch erfahren wolltest, wie es ihm damals gegangen ist damit, oder ob du hauptsächlich eine Absolution von ihm erhalten wolltest. Das spielt ja alles eine Rolle.

Viele Grüße
Thea

Er beruhigte mich und meinte: „Ja, es ist alles in Ordnung“.

Vielleicht glaubst du ihm nicht so richtig? Vielleicht denkst
du, er sagt es nur, damit du dich beruhigst?

Ich glaube ihm das, es war mir nur wichtig, mich zu vergewissern.

ob du hauptsächlich eine Absolution von ihm erhalten wolltest.

Ich wollte einfach die Sache mal klären, weil es mir immer noch unendlich leid tut, ihn damals so verletzt zu haben. Man macht vielleicht nicht all zu viele Fehler im Leben. Diese Aussage vor den Ohren meines Kindes gehört aber dazu

S.

Eltern und das schlechte Gewissen
Hallo Susanne,

Du bist bestimmt nicht die Einzige, die in der langen Zeit der Erziehung ihrer Kinder in irgendeiner Form einen Fehler gemacht hat. Und sich natürlich dann auch entsprechend mit einem schlechten Gefühl plagt.

Aber man sollte auch sich selbst verzeihen können! Und eine Sache dann auch abschließen. Zumal Dein Sohn gesagt hat, dass alles okay ist.

Hör auf, in der Vergangenheit zu graben und Indizien zu suchen, ob bei Deinem Kind etwas schief gelaufen ist. Wenn Du ehrliche Liebe fühlst (das merkt man ja, schon alleine wie Du schreibst) und auch der Rest der Familie zusammen hält, ist das weitaus mehr, als manch anderes Kind erhält. Und es ist das WICHTIGSTE!

Ich denke, Du hast aus dem Fehler gelernt, dass man tatsächlich immer aufpassen sollte, wie man verstanden oder missverstanden werden kann und kannst Dich freuen, dass sich Dein Sohn völlig normal entwickelt. Pflege ein gesundes Verhältnis, sei da, wenn er Dich braucht und freue Dich ansonsten aber auch Deines Lebens!

Liebe Grüße, Claudia

Nicht alles muss man wissen
Hallo Thea!

Eigentlich finde ich es gut, wenn das Kind solche Erklärungen
bekommt. Das Kind weiß ja, ob der Papa es mag oder nicht. Und
wenn immer so getan wird, als wäre da gar nichts dran, ist das
sehr verwirrend für das Kind. Es ist besser für Kinder, wenn
die Erwachsenen Wahrheiten aussprechen, denn dann kann das
Kind besser damit fertigwerden.

In diesem Punkt muss ich Dir widersprechen: Es gibt Wahrheiten, die ein Kind nicht verarbeiten kann und die es verletzen. Und diese Verletzung kann bleibend sein, weil man ja letztlich immer das Kind seiner Eltern bleibt.
Eine solche Aussage, wie sie dieser Sohn gehört hat, gehört meiner Meinung dazu.
Manchmal ist es besser, etwas nicht zu erfahren, weil es so heftig ist, dass man eben nicht damit fertig wird. Und das hat nichts mit Unehrlichkeit zu tun.

Gruß
Lea

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ganz einfach
Hallo,

wie soll es Dir jetzt auch besser gehen, nachdem nur Du und Dein Sohn „darüber“ gesprochen habt.

Schließlich geht es hier um eine wichtige Angelegenheit, die Deinen Sohn und dessen Vater betrifft.

  1. Schon zum damligen Zeitpunkt vor X Jahren hättest Du den Vater gleich involvieren sollen.

  2. Spätestens jetzt hättes Du ihn involvieren sollen, eigentlich am besten so, dass er das Gespräch mit dem Sohn hält und nicht Du.

Ich schlage Dir vor, dass der Vater nochmal mit dem Sohn spricht und nicht irgendwelchen Bla bla…„ich liebe Dich doch“…sondern einfach die Fakten.

Dann hat sich erst die ganze Sache „erledigt“ in meinen Augen.

Eencockniedo

Hallo Lea

Es ist besser für Kinder, wenn
die Erwachsenen Wahrheiten aussprechen, denn dann kann das
Kind besser damit fertigwerden.

In diesem Punkt muss ich Dir widersprechen: Es gibt
Wahrheiten, die ein Kind nicht verarbeiten kann und die es
verletzen. Und diese Verletzung kann bleibend sein, weil man
ja letztlich immer das Kind seiner Eltern bleibt.
Eine solche Aussage, wie sie dieser Sohn gehört hat, gehört
meiner Meinung dazu.

Aber so viel ich das verstanden hatte, hatte der Sohn bereits vorher die Meinung oder das deutliche Gefühl, dass sein Vater ihn nicht mag.
Und von seiner Mutter hat er dann zufällig gehört, dass (u.a.) sein Vater ihn nicht gewollt hatte, vor der Geburt.

Was dadurch meiner Meinung nach passiert ist, dass er sich jetzt sein Gefühl erklären konnte. Was soll daran schlecht sein? Die Sache ist, er wusste es ja sowieso.

Natürlich ist das verletzend, aber ich finde es wesentlich schlimmer, wenn ein Kind eine solche Wahrheit fühlt oder weiß, und wenn nicht darüber gesprochen werden darf.

Deswegen finde ich deinen Einwand nicht zutreffend:

Manchmal ist es besser, etwas nicht zu erfahren, weil es so
heftig ist, dass man eben nicht damit fertig wird.

Es geht hier nicht darum, dass das Kind etwas erfahren hat. Es hat lediglich eine Erklärung für etwas erhalten, was es sowieso schon wusste.

Natürlich finde ich es auch nicht optimal, wenn das Kind es zufällig mithört, obwohl dies gar nicht beabsichtigt war.

Viele Grüße
Thea