Unbekanntes Medikament

Hallo Forum,

ich habe da ein Problem und zwar habe ich meinen Neffen, 16 Jahre, mit einem Medikament erwischt.
Er meinte, es handelt sich um ein Vitaminpräparat.
Da er ein bisschen nervös reagierte, bin ich doch ein bisschen besorgt. Es handelt sich um Proxyvon, hergestellt in Indien von der Firma Wockhardt Limited. Er habe es von einem indischen Mitschüler bekommen und es hilft ihm, sich in der Schule zu konzentrieren und er fühle sich damit richtig fit.
Weiß jemand, was es für Wirkstoffe enthält und was es für Nebenwirkungen haben kann?
Für Antworten bin ich sehr dankbar.

Gruß
roland

Hi Roland!
Hab mal einfach mit „Proxyvon“ gegoogelt und was da man schon in den Kurztexten liest ist nicht beosders nett.
Bsp.:
"… been a switch from injecting heroin to synthetic opioid, such as Spasmoproxyvon
and Proxyvon, which are cheaper and available from pharmaceutical retailers. … "
Würde raten - ohne genaueres zu wissen-: Apotheke aufsuchen!!

Tyll

Hallo Roland!
Du machst Dir zu Recht Sorgen:
Since ‘95, 436 people have died of drug abuse in Mizoram. In the first eight months of 2000, 98 such deaths have been reported. The figure is increasing. Of these 436 deaths, only 14 have died due to heroin overdose: the majority have fallen prey to a new killer. It’s called Proxyvon, a painkiller capsule that’s prised open, dissolved in water and then injected for a high. Experts say the contents of two capsules are enough for intoxication, anything beyond that is fatal.

Gefunden unter:
http://www.hvk.org/articles/1100/6.html

Und gib´mal Proxyvon bei Google ein…

Gruß

Weikko

an Thyll und Weikko
Vielen Dank für Eure Antworten.
Die Blagen schlucken auch alles was sie in die Finger kriegen.
Ich werde ihm den Text mal unter die Nase reiben und dann den Hintern versohlen, ne, wahrscheinlich nicht, aber ich appelliere mal an seine Vernunft. Eine absolute Kontrolle kann es da wohl leider nicht geben.

Gruß
roland

Warum bin ich eigentlich nicht auf google gekommen?
Ich such doch sonst nach allem damit.

Hi Roland,

Er meinte, es handelt sich um ein Vitaminpräparat.

Darum handelt es sich auf jeden Fall schon mal nicht.

Weiß jemand, was es für Wirkstoffe enthält und was es für
Nebenwirkungen haben kann?

Laut http://www.wockhardtin.com/ , dem Hersteller des Zeugs, sind die Wirkstoffe Dextropropoxyphene (DPP) und Paracetamol (letzteres dürfte bekannt sein).

DPP findet sich dann wieder in Anlage II des BtmG, des Betäubungsmittelgesetzes. Dort sind verkehrsfähige, aber nicht verschreibungsfähige Betäubungsmittel aufgelistet. Dort findet sich auch DPP mit der Einschränkung, daß es bis 135 mg je Dosis abgegeben werden darf, sofern es nicht mit einem anderen unter das BtmG fallenden Medikament kombiniert wird. Quelle: http://www.bmgesundheit.de/rechts/drogen/btmg/aus.htm

Frag mal den Rainer Dick, er schreibt auch öfter in diesem Brett, er wird dir in seiner Eigenschaft als Apotheker sicher mehr sagen können zu Dextropropoxyphen bzw. (+)-(1-Benzyl-3-dimethylamino-2-methyl-1-phenylpropyl)propionat (so die chemische Bezeichnung).
Ich möchte nicht schwarz malen, aber du solltest deinen Neffen im Auge behalten :wink:

Viel Glück, Claus

P.S. Hast du verdammt gut so gemacht finde ich!

Hallo roland,

Proxyvon ist ein kombiniertes Schmerzmittel,
Paracetamol + Dextropropoxyphen.

Der Wirkstoff „Dextropropoxyphen“ (DPP) steht im „Erweiterten WHO-Stufenschema zur medikamentösen Schmerztherapie“ auf Stufe 2 = starke Schmerzen. Hier findet man auch noch Codein, Tramadol, Tilidin (schwach wirksame Opioide)

Mit Ausnahme von Tramadol und der Kombination von Tilidin und Naloxon unterliegt die Verschreibung der Opiate und Opioide der Betäubungsmittelverordnung. Sie müssen auf besonderen Rezepten verordnet werden.

zum Vergleich:
auf Stufe 1 = leichte bis mäßige Schmerzen - findet man z.B. das ASS (Aspirinwirkstoff)
Erst wenn durch diese Analgetika keine ausreichende Schmerzreduktion erreicht werden kann, sieht die WHO die
Verabreichung von schwach wirksamen Opioiden, z.B. Codein oder Dextropropoxyphen (Stufe 2) vor.

auf Stufe 3 = stärkste Schmerzen - findet man z.B. Morphin, Methadon (stark wirksame Opioide)

Der Wirkstoff DPP steht in Deutschland seit ca. 2000 auf der „Negativliste“ der Arzneimittel, wegen der Begrenzung der Ausgaben für Arzneimittel. Develin hieß wohl das Präparat.

Die Nebenwirkungen von DPP besonders zu Beginn der Einnahme und Überdosierung, können sein: Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Jucken, Atemdepression.
Paracetamol (Benuron) ist ein gut verträgliches Schmerzmittel, dass auch Säuglinge schon als Zäpfchen bekommen können.

Zur besseren Konzentration in der Schule kann das bei uns nicht erhältliche Analgetikum also nicht führen, im Gegenteil!
Besonders Kinder und Jugendliche oder Erwachsene, die wenig Schmerzmittel gewöhnt sind, spüren aber nach stärkeren Schmerzmitteln eine leicht berauschende Art der Wirkung -.

Der Dauergebrauch von Analgetika-Kombinationspräparaten kann zu seelischer, gelegentlich auch zu körperlicher Abhängigkeit führen. So besteht zum Beispiel bei der Kombination von
Opioiden (wie Codein oder Dextropropoxyphen) mit einem antipyretischen Analgetikum ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko.
antipyretisch = fiebersenkend (ASS-Aspirin)
Symptome nach dem Absetzen
Nach dem Absetzen analgetischer Kombinationspräparate mit anregenden, dämpfenden oder hustenstillenden Wirkstoffen können andere, den jeweiligen Zusatzstoffen entsprechende Störungen auftreten. Abruptes Absetzen stark wirksamer Analgetika (z. B. Opioid-Analgetika) kann zum Opiat-Entzugssyndrom führen, bei dem Erbrechen, Durchfall, Bauch- und Gliederschmerzen, unwillkürliches Muskelzucken und „Zerschlagenheitsgefühl“ auftreten können. (aus: http://www.google.de/search?q=cache:LPZhO7RHiZoC:www…)

Starke Schmerzmittel können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, indem sie dämpfend auf das Reaktions- und Aufmerksamkeitsempfinden wirken.

Aufmerksame Mitmenschen sind absolut wichtig - besonders für unsere Kinder. Eltern können ja nicht überall sein! Und in diesem Alter (16) ist das Wort eines Außenstehenden oftmals wirkungsvoller.

Viele Grüße

Renate

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