Hallo liebe Doro,
das ist ja wirklich eine so unverschämte, unfassbare Dreistigkeit, die Dir da widerfahren ist! Ich finde, man müsste Dir die besten Anwälte Deutschlands (ach, was sage ich: weltweit, natürlich) zur Seite stellen um gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit anzugehen! Kostenlos (für Dich) versteht sich! Das geht ja wohl nicht! Schliesslich soll doch gefälligst jeder einen Rechtsanspruch auf ein Jahr Auszeit - und anschliessend den gleichen Job nahtlos wieder, versteht sich - haben! Ansonsten, wo kämen wir denn da hin! Falls das mit den kostenlosen Rechtsanwälten nicht klappt, sag Bescheid, dann starte ich eine Schweizweite Sammlung für Dich und Dein Anliegen!
Und bevor ich nun im ALK-Brett als „gemeiner Antworter des Tages/Monats/Jahres“ angeprangert werde, nochmal langsam. Du bist also Beamtin. Du möchtest gerne eine Weltreise machen. Du möchtest gerne ein Jahr unbezahlten Urlaub haben. Danach möchtest Du wieder an Deinen alten Arbeitsplatz zurück. Soweit richtig? Das ist auch ein kluges Ansinnen, so manch einer kehrte gereift von einer Weltreise zurück 
Aaaber: versetz Dich doch mal in Deinen Arbeitgeber. Du hast - eventuell in einem Team mit Kollegen - irgendeinen Aufgabenbereich zu betreuen. Du hast einiges Wissen, kennst Details in Deinem Aufgabenbereich, wo Deine Kollegen nicht so „drin stecken“. Nun willst Du also für ein Jahr fehlen. Das heisst nun, dass Deine Arbeit - wo sie nicht liegenbleiben kann und soll - von irgendjemandem erledigt werden muss.
Klar, bis zu einem gewissen Teil können das Deine Kollegen im Team übernehmen. Aber könnten sie dies dauerhaft und zu 100% wärest Du überflüssig, und das bist Du doch sicher nicht, oder? Sprich, es braucht eine Vertretung für Dich. Ich ahne ja nicht, was man als „Dipl.Verwaltungswirtin“ so für eine Ausbildung hat, jedoch lässt mich das „Dipl.“ auf einen - wie auch immer gearteten - Universitätsabschluss schliessen. Das heisst, Du machst keinen Idiotenjob im Sinne von „Teil einlegen, roten Knopf drücken, Teil rausnehmen“ sondern was aufwendigeres. Also nichts, wo man Dich durch einen beliebigen, dahergelaufenen Menschen ersetzen kann, sondern es braucht eine gute und vor allem passende Qualifikation.
Nun soll also Dein Arbeitgeber die Mühe auf sich nehmen, eine Stelle auszuschreiben, Bewerber zu sortieren, eine passende Vertretung zu finden, dieselbe einzuarbeiten. Dir ist aber schon klar, dass sowas richtig viel Zeit und Geld kostet? Ganz davon abgesehen, dass Du sicherlich ein gewisses „Insiderwissen“ über Dein Projekt hast, das heisst in diesem Jahr wird es einfach durch Dinge, die Deine Vertretung nicht wissen kann zu erheblichen „Reibungsverlusten“ kommen.
Ganz davon abgesehen gibt’s zwar in Deutschland ne Menge Arbeitslose, aber die allermeisten davon wollen doch lieber einen unbefristeten Job als „nur“ eine Vertretung für ein Jahr. Es könnte also Probleme geben, so jemanden zu finden. (Achtung: Könnte! Nicht MUSS! Kürzlich hatten wir hier im Brett einen ganz netten Verwaltungswirt, der das bestimmt machen würde!)
Trotzdem gibt es natürlich eine Chance für Dich. Aber nicht über „Rechtsanspruch“ sondern über freundliche Nachfrage. Vielleicht unterstützen Dich ja Deine Vorgesetzten (Teamleiter, Abteilungsleiter, Amtsleiter). Vielleicht gibt es eine Lösung („au fein, dann kann ja Frollein Müller wenn sie aus dem Schwangerschaftsurlaub zurückkommt Ihren Job machen. Und nach dem Jahr kann und-so-weiter“). Es KANN solche Lösungen geben. Die erfordern aber viele Gespräche, Kompromisse (vielleicht gehst Du nicht ein ganzes Jahr sondern nur ein halbes? Vielleicht gehst Du nicht im Oktober 2006 sondern erst im Mai 2007 etc.) und viel Koordination. Meiner Meinung nach darfst Du so eine Sache als „Bonbon“ bzw. Entgegenkommen Deines Arbeitgebers betrachten.
Ich habe eine Ablehnung des Antrages erhalten mit
der Begründung, dass dienstliche Belange entgegen stehen.
Kurz gesagt: Du hattest bei der Antragstellung keinen (sinnvollen) Plan dargelegt, wer in dieser Zeit Deinen Job machen soll. Dann hol das nach! Rede mit Vorgesetzten und betroffenen Kollegen! Arbeite einen Vorschlag aus! Und dann reiche den Antrag nochmal ein.
Achja, alternativ kannst Du natürlich Deinen Job verlassen (ich glaub, Kündigung nennt sich bei Beamten etwas anders…) und nach dem Jahr was anderes suchen. Ob das jedoch in der heutigen Zeit eine wirklich gute Idee ist, wage ich nicht zu beurteilen.
*wink* und viel Glück
Petzi