Und noch eine Frage (oder Anmerkung) zum Papst

Hallo,

wie geschrieben, es ist eher eine Anmerkung als eine Frage.
Aber ich ärgere mich immer wieder, wenn es heißt Johannes Paul II. sei als erster Papst in einer Synagoge gewesen. Wenn ich das römisch-katholische Selbstverständnis richtig verstanden habe gilt Petrus als erster Papst. Und der war mit Sicherheit auch schon in einer Synagoge, oder gilt der Tempel in Jerusalem nicht sozusagen als Ur-Typus der Synagoge? (Okay, das ist jetzt der Frageteil ob dem so ist :-&gt:wink:

Ciao, Holger

Hallo,

wie geschrieben, es ist eher eine Anmerkung als eine Frage.
Aber ich ärgere mich immer wieder, wenn es heißt Johannes Paul
II. sei als erster Papst in einer Synagoge gewesen. Wenn ich
das römisch-katholische Selbstverständnis richtig verstanden
habe gilt Petrus als erster Papst.

Interessante Anmerkung! „Man“ bezieht sich da quasi auf die Neuzeit und lässt
dabei gerne die Anfänge unter den Tisch fallen. Die Frage wäre, ob Petrus auch
nach dem Tod Jesu nochmal in einer Synagoge war, wovon ich aber ausgehe.

Andererseits: Man könnte die Bemerkung auch als „haarspalterisch“ abtun, weil
Petrus im Papstamt sowieso eine sehr eigene Sonderrolle einnimmt… Und
„interessant“ ist die Info Papst in Synagoge eigentlich auch erst vor dem
Konflikt Christentum - Judentum…
Insofern halte ich die Verkürzung der Aussage noch für vertretbar, wenn
historisch auch nicht 100pro korrekt.

So long
Christian

Petrus als erster Papst. Und der war mit Sicherheit
auch schon in einer Synagoge

haha :wink: das stimmt genau dann, wenn du jesus C. als „christen“ definierst :smile:

ich würde beides nicht so definieren. damals gabs weder christen noch päpste, sondern einfach streits zwischen jüdischen grüppchen. eines davon wurde die größte weltreligion…

gruß
dataf0x

Hallo dataf0x,

Petrus als erster Papst. Und der war mit Sicherheit
auch schon in einer Synagoge

haha :wink: das stimmt genau dann, wenn du jesus C. als
„christen“ definierst :smile:

ich würde beides nicht so definieren.[…]

das finde ich ja gerade so das große Problem! Nach eigenem Selbstverständnis bezeichet Rom Petrus als ersten Papst, denkt aber nicht mehr daran dass er damit auch der erste Papst in einer Synagoge ist oder war.
Selbstverständlich kann man über diese Bezeichnungen streiten, aber eine Gruppe wie die römisch-katholische Kirche sollte konsequent in ihren Bezeichnungen sein.

Aber meine Frage die mir heute auffiel bleibt immer noch: gilt der Tempel zur Zeit Jesu auch schon als Synagoge oder wurde dieser Begriff erst später für die Versammlungsstätte geprägt?

Ciao, Holger

Aber meine Frage die mir heute auffiel bleibt immer noch: gilt
der Tempel zur Zeit Jesu auch schon als Synagoge oder wurde
dieser Begriff erst später für die Versammlungsstätte geprägt?

Aber meine Frage die mir heute auffiel bleibt immer noch: gilt der
Tempel zur Zeit Jesu auch schon als Synagoge oder wurde dieser
Begriff erst später für die Versammlungsstätte geprägt?

Hallo Holger,

die Anfänge der Synagoge werden von Wissenschaftlern unterschiedlich datiert:

  1. In die Zeit des babylonischen Exils (6. Jhdrt v.d. Z.)

  2. In das erste Jahrhundert, also Zeit der hellenistischen Diaspora

Es gibt noch einige Einzelmeinungen wie
3. Zeit der Makkabäer (ca. 180 v.d. Z.) u.a.

Das hängt davon ab, was als zentral definiert wird (das gemeinsame Beten oder Torahlesung).

Mit der Zerstörung des Tempels (70 n. d. Z.) und damit dem Ende der Tempelopfer war die Synagoge konkurrenzlos, zumindest als Zentrum des öffentlichen religiösen und sozialen Lebens.

Dennoch ist es mir wichtig darauf hinzuweisen, dass auch das jüdische Heim eine zentrale Rolle spielt.

Es gibt noch heute drei Handlungen, die auf den Tempel verweisen und - im traditionellen Judentum - von der jüdischen Frau durchgeführt werden:

  • das Anzünden der beiden Schabbatkerzen am Freitagabend, wobei diese an die Leuchter im Tempel erinnern
  • das „Challe nehmen“, d.h. wenn die beiden Schabbatbrote zubereitet werden, nimmt die Frau ein olivengroßes Stück vom Teig, spricht einen Segensspruch darüber und verbrennt es. Das erinnert an die Tempelopfer
  • der Gang ins rituelle Tauchbad (die Mikwe). Es ist die Frau, der eine besondere Verantwortung für die Tahara haMischpache (Familienreinheit) gegeben ist. Das ist eine Analogie zu den Priestern im Tempel, die besondere Reinheitsgebote einzuhalten hatten.

Über die Mikwe habe ich schon einiges zusammengestellt und geschrieben, u.a. eine Mikwe-Tour. Das findest Du unter
http://www.berlin-judentum.de/mikwe/index.htm
und
http://www.berlin-judentum.de/mikwe/tour.htm

Viele Grüße

Iris

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