Hallo,
und gleich noch so eine Frage zum Sprachgebrauch, vor allem in Zeitungen und Medien: jetzt, zum 27. 1. hat alles gesprochen/geschrieben vom „60. Jahrestag der Befreiung Ausschwitz´durch die Rote Armee“. Mir will das nicht ganz treffend erscheinen.
Fritz, komm mal raus aus der Deckung und hilf mir, bitte. Befreiung? Mir fällt zwar auch nichts besseres ein (das heißt ja aber nichts): Entsetzung, Aufhebung, alles ebenfalls nicht treffend, eher noch weniger treffend, aber: Befreiung?
Fritz, komm mal raus aus der Deckung und hilf mir, bitte.
Ich bin in keiner Deckung!
Fühlt jemand, was ich ausdrücken will?
Ich, mein lieber Antal!
Ich habe den Jahrestag im Unterricht thematisiert und dabei darauf hingewiesen, dass den Journalisten und Offizialschwätzer heutzutage eben nur noch solche aufgeblasenen, superlativistischen, großmäuligen Begriffe aus ihren Labertaschen fallen.
Denn man kann nicht von einer Befreiung sprechen. Die deutschen Bewacher, Vollstrecker und Mörder waren schon abgezogen.
Die russischen Soldaten haben das Lager übernommen.
So wie sie Buchenwald übernommen haben und dann ihrerseits ein KZ für ihre Feinde machten.
Dieses Schicksal blieb meines Wissens Auschitz erspart.
Ein ähnlicher Fall ist der „Fall der Mauer“! Ein genauso übertriebener Ausdruch. „Öffnung“ wäre angemessen.
Jede Überschwemmung - ich spreche jetzt nicht von der Katastophe im Indik - ein „Jahrhunderthochwasser“.
Jede Beerdigung eines überdrehten „Modezar“ (sic! Modeschöpfer ist schon übertrieben, Modemacher wäre angemessen) ein „Jahrhunderttrauerevent“.
Jede Hochzeit eines Prinzen oder einer Prinzessin …
Aber man mag es heute vollmundig, um nicht großmäulig und … zu sagen.
Denn man kann nicht von einer Befreiung sprechen. Die
deutschen Bewacher, Vollstrecker und Mörder waren schon
abgezogen.
Die russischen Soldaten haben das Lager übernommen.
aber die Deutschen wären ja nicht abgezogen, wenn nicht die Rote Armee sie vertrieben hätte, oder? Also kommt m.E. die Übernahme Auschwitz’ einer Befreiung gleich.
aber die Deutschen wären ja nicht abgezogen, wenn nicht die
Rote Armee sie vertrieben hätte, oder? Also kommt m.E. die
Übernahme Auschwitz’ einer Befreiung gleich.
Fritz, mir fällt ein Stein vom Herzen, daß wenigstens Du fühlst, was ich sagen wollte. Das war keine „Befreiung“. Die haben das überrollt, so wie sie jeden verlassenen Bauernhof oder sonst was auch überrollt haben. Und später haben sie dann das eine oder andere der Lager auch noch „übernommen“, zwecks Weiterverwendung. Du hast recht, bei Ausschwitz ist das nicht geschehen.
Und mit der Mauer hast Du auch recht, das war mir noch gar nicht richtig aufgestoßen, die ist nicht „gefallen“, die wurde geöffnet. Ganz einfach, fertig.
Nur in einem hast Du Unrecht, das sind nicht Jahrhunderthochwasser etc., das sind immer gleich Jahrtausendhochwasser. ) Wenn schon, denn schon, dann fassen wir gleich ordentlich hin. Nie vergeß ich diesen „Jahrtausendkanal“ irgendwo da in der Mitten Deutschlands (wo war das noch mal bloß?) der dann nach ein paar Monaten ausgelaufen ist. Das Jahrtausendbauwerk…
Denn man kann nicht von einer Befreiung sprechen. Die
deutschen Bewacher, Vollstrecker und Mörder waren schon
abgezogen.
Die russischen Soldaten haben das Lager übernommen.
So wie sie Buchenwald übernommen haben und dann ihrerseits ein
KZ für ihre Feinde machten.
Ganz so war es auch wieder nicht, denn die Bewacher, Vollstrecker und Mörder waren zwar schon *abgezogen*, und im Lager blieben *nur* etwa 8000 Häftlinge zurück - all die anderen aber waren von ihren Bewachern, Vollstreckern und Mördern auf die berüchtigten Todesmärsche nach Westen „mitgenommen“ worden. Etwa 60.000 Häftlinge waren schon 1944 als Zwangsarbeiter ins „Reich“ gebracht worden - die meisten nach Buchenwald und Flossenbürg.Im Januar 1945 wurden dann etwa nochmal 60.000 Häftlinge in die Todesmärsche gezwungen, wobei vermutlich mehr als ein Viertel von ihnen verhungerte, zu Tode geprügelt oder erschossen wurde. Nochmal etwa 60.000 Häftlinge werden aus Ravensbrück und Sachsenhausen auf Todesmärsche geschickt.
Buchenwald (das bewaffnete Häftlinge bis zum Eintreffen der 3. US.Armee übernommen hatten), Flossenbürg, Mauthausen und Dachau wurden von den Amerikanern befreit, Bergen-Belsen von den Engländern, Auschwitz, Ravensbrück und Sachsenhausen von der Roten Armee (um nur die bekanntesten zu nennen).
Überrollt und befreit
Hoi, Antal und auch Gruß nach Wien.
Ich würde vor allem deshalb nicht von „Befreiung“ sprechen, weil die Kriegshandlungen keineswegs das Ziel hatten, die KZ-Hälftlinge aus ihrem Elend zu retten.
Das war eine Begleiterscheinung der Niederwerfung von Nazideutschland.
Der Vorstoß der Sowjetarmee war aber für die KZ-Halter doch unerwartet schnell gekommen, so dass sie keinen „geordneten Rückzug“ durchführen konnten und so kam es zu diesen Todesmaäschen.
Hätten die Allierten wirklich das Ziel gehabt, die Todeslager zu „befreien“, hätte es anderer Kampfaktionen bedurft!
Der Vorstoß der Sowjetarmee war aber für die KZ-Halter doch
unerwartet schnell gekommen, so dass sie keinen „geordneten
Rückzug“ durchführen konnten und so kam es zu diesen
Todesmaäschen.
Interessant finde ich ja in dem Zusammenhang des Rückzugs, dass die meisten KZ-Toten in dieser letzten Zeit umgebracht wurden. Die Nazis haben noch massiv versucht, Beweise zu vernichten. Interessant finde ich das in Hinblick darauf, dass es ganz offensichtlich keineswegs so war, dass die Nazis die Vernichtung der Juden für „normal“ und „gerechtfertigt“ empfanden, sondern vielmehr sehr genau wussten, dass sie Verbrechen begehen. Wenn jemand etwas als berechtigt empfindet, versucht er nicht, Beweise zu vernichten.
Das gleiche denke ich übrigens auch von den Neonazis. Die ganze Holocaust-Leugnerei erscheint mir als PR-Trick. Es macht auf mich den Eindruck, als glaubt von den Säcken selbst keiner daran, dass der Holocaust nicht passiert ist.