Und wieder einmal

Hallo Carlos,

wenn man die Artikel liest, bekommt man den Eindruck, dass das
deutsche Ausbildungssystem in internationalen Studien nicht
richtig verstanden und gewürdigt wird. Praktisch gesehen kann
ein deutscher Mechatroniker qualifizierter sein, als ein
irischer Ingenieur. Und ein bayrischer Hauptschulabschluß
könnte mit einem us-amerikanischen Highschoolabschluß
mithalten.

Keine Ahnug wie das im einzelnen ist, aber es ist eben nicht möglich in einer Statistik komplett andere Schulsysteme miteinader zu vergleichen. Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass ein Hauptschulabschluss einem us-amerikanischen Highschoolabschluß entspricht. Dazu hat die deutsche Hauptschule vom Niveau her viel zu stark abgebaut :wink:

1.) Jahrzehntelang waren wir in diesem Land der Meinung, dass
das deutsche Schulsystem weltspitze ist. Dann kam PISA und wir
mussten zerknirscht feststellen, dass das deutsche
Schulsysstem mittelmäßig ist. Könnte es sein, dass das
deutsche Ausbildungswesen vielleicht doch nicht so gnadenlos
überragend ist?

Also gnadenlos überragend ist es sicher nicht. Aber es ist sicher auch nicht so schlecht wie es gerne gemacht wird. Eine Generalüberholung wäre sicher angebracht, es sollte aber nicht alles eingestampft werden. Ich persönlich finde die Aufteilung auf die Schulformen zwar auch ein wenig früh, dafür hat der Schüler (zumindest hier in BaWü) die Möglichkeit selbst mit einem Hauptschulabschluss das Abitur doch noch zu machen (zugegeben das findet sich eher selten). Was sicher auch nicht verkehrt wäre, wäre eine Aufwertung der Mittleren Reife und des Hauptschulabschlusses - im Gegenzug müsste das Abitur na klar auch ein wenig schwerer werden.
Zum PISA-Test fällt mir selber wenig ein, da ich ihn nie machen musste. Es wird aber doch gemunkelt, dass in Deutschland einfach Schulen zufällig ausgesucht wurden, während in anderen Staaten teilwiese eher die besseren Schulen ausgewählt wurden. Was da dran ist? Keine Ahnung.

2.) Wie sieht es mit der Konkurenzfähigkeit der Ausgebildeten
aus? Wenn sich bei einer internationalen Firma ein deutscher
Mechatroniker und ein irischer Ingenieur für eine technische
Stelle bewerben, hat der Ingenieur die bessere Karten. Wenn
sich in Rheinland-Pfalz ein bayrischer Hauptschüler und ein
Bremer Abiturient um eine Lehrstelle bewerben, hat der
Abiturient die besseren Karten.

Hmm…also im naturwissenschaftlichen Studium kann ich dazu nur sagen, dass die deutschen Studenten wohl immer noch sehr gut ausgebildet sind. Wie das in Ausbiludungsberufen aussieht? Keine wirkliche Ahnung. Bei deinem Beispiel mit Abitur und Hauptschule fällt mir nur auf, dass es schon sehr schwer ist in Deutschland selber einigermaßen einheitliche Standards zu schaffen, was noch schwerer werden dürfte, wenn die Bildung mehr Ländersache wird. Wie soll das dann EU-weit funktionieren?
Wie das mit der interantionalen Firma aussieht kommt sicher auch auf die Stelle an (in welchem Land, was für eine Tätigkeit, Berufserfahrung…)

Nebenbei bemerkt habe ich auch erlebt, dass sich
Hochschuldozenten über die mangelnde Qualifikation der
Studenten beklagten. Sicherlich hatten sie recht, wenn es
darum ging, eine wissenschaftliche Elite für Forschung und
Lehre heranzuziehen. Aber der Hauptzweck der Hochschulen und
Fachhochschulen ist es heute, gut ausgebildete junge Menschen
für den Arbeitsmarkt bereitzustellen. Insofern ist ein höherer
Anteil mit Hochschulabsolventen sinnvoll.

Stimmt schon, nur wird unter gut ausgebildet immer mehr nur eine Ausbildung in technisch/naturwissenschaftlichen Fächern verstanden. Ich erlebe immer mehr, dass die geisteswissenschftlichen Disziplinen immer kürzer kommen, während die technisch/naturwissenschaftlichen immer mehr gefördert werden. Dazu kommt noch, dass ich bei immer mehr naturwissenschaftlichen Studenten feststellen muss, dass sie sich über philosophische/ethische Aspekte ihrer Wissenschaft immer weniger Gedanken machen - finde ich sehr schade. Für mich hat eine Hochschule den Zweck mich neben einer guten Ausbildung (in meinem Fall in Biochemie) auch mit einem breiten Bildungsangebot dazu zu bringen nicht nur ein Fachidiot zu werden. Klar kann ich mir das alles nebenher, privat, aneignen. Trotzdem ist es, finde ich, besser, wenn ich an einer Universität eine ausgewogene Mischung zwischen technischen/naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen habe. Schon alleine die Gespräche im Freundeskreis drehen sich dann um mehr Themen, es bestehen dann auch die Möglichkeiten sich mal in disziplinfremde Vorlesungen zu setzen.

Für mich ist es also wichtig, dass nicht nur die Fächer gefördert werden die von der Industrie verlangt werden, sondern auch andere Fächer die für eine akttive Kultur nötig sind (und dazu gehören nun mal eher die geisteswissenschftlichen Fächer). Und ich sehen die Gefahr, dass das bei der ganzen Diskussion zu arg verbnachlässigt wird.

Gruß,
Martin

Hallo René,

erst machst Du Dir die Mühe, mir zu widersprechen, aber dann
bestätigst Du mich doch:

nicht interpretieren.er sagte, wenn „einer“ schon ein paar jahre arbeitet…

ich kann mich nur wiederholen bzw. ehrlich gesagt meine profs.
zitieren.
der eine: werden sie ja nicht hochmuetig. wenn einer schon ein
paar jahre arbeitet, ist er ihnen voraus.

Der Prof meinte offensichtlich auch, dass ein frisch
freigesprochener Geselle nicht schon alles kann, was mit
seinem Berufsbild zu tun hat. Auch wenn er schon alle Regeln
dafür gelernt haben sollte.

was er von gesellen meint, weiss ich nicht. er sprach uns studenten an.
was denkst du, was der lehrling tut. daeumchen drehen waehrend der 3 bis 3.5 lehrjahre? der arbeitet.