Und wieder mal Finanzkrise

Hallo,
ich lerne durch die Beiträge hier sehr viel über das Thema, auch dank Dir Christian.

Was ich immer noch nicht verstanden habe, ist folgendes:

Eine Bank vergibt ImmoDarlehen zu 5%, schnürt viele (angenommen 1 Mrd € ) davon zu einem Fond und verkauft diese an jemand anderen. Die Bank verkauft für 1 Mrd zzgl. 1% Gewinn zzgl. 0.25% Kosten und hat dafür das Risiko los. Der nächste verkauft aber auch wieder weiter und von dort wird das ganze auch noch an Privatanleger verkauft.

Mehr als 5% (soviel Zinsen werden vom Darlehensnehmer bezahlt)kann doch im Ganzen nicht verdient werden, oder? Warum ist das dann so lukrativ, dass so viele Institutionen eingestiegen sind?

Stimmen meine Gedankengänge?

Grüße
Didi

Hallo,

ich lerne durch die Beiträge hier sehr viel über das Thema,
auch dank Dir Christian.

danke :smile:

Eine Bank vergibt ImmoDarlehen zu 5%, schnürt viele
(angenommen 1 Mrd € ) davon zu einem Fond und verkauft diese
an jemand anderen. Die Bank verkauft für 1 Mrd zzgl. 1% Gewinn
zzgl. 0.25% Kosten und hat dafür das Risiko los. Der nächste
verkauft aber auch wieder weiter und von dort wird das ganze
auch noch an Privatanleger verkauft.

Mehr als 5% (soviel Zinsen werden vom Darlehensnehmer
bezahlt)kann doch im Ganzen nicht verdient werden, oder? Warum
ist das dann so lukrativ, dass so viele Institutionen
eingestiegen sind?

nun, das ist nicht ganz so einfach. Es wird nicht mit absoluten Zinssätzen kalkuliert, sondern mit Margen, d.h. der Differenz zwischen Einstand (d.h. den eigenen Finanzierungskosten) und Zinssatz. Normalerweise ist es so, daß hohen Margen auch hohe Risiken gegenüberstehen.

Im Falle der Kreditpakete waren die Margen oft höher als die kalkulierten Risiken. Die kalkulierten Risiken ergaben sich wiederum aus den Ratings, die im Falle der Kreditpakete teilweise sehr gut waren. Die Margen waren aber höher als bei vergleichbar gut gerateten Alternativanleihen. Also stürzte man sich in diese vergleichsweise guten Risiken bei vergleichsweise guten Margen.

Im Ergebnis versprach man sich also überdurchschnittliche Renditen. Das ist schon Grund genug, Geld in diese Papiere zu investieren.

Hinzu kommt, daß man für die Strukturierung von derartigen Paketen zusätzlich Provisionen kassieren konnte. Und so hat man strukturiert, kassiert und weiterverkauft. Der nächste hat wieder strukturiert, kassiert und weiterverkauft usw. Alle, die die Papiere kauften, dachten, sie hätten eine überdurchschnittlich gute Anlage getätigt und so waren alle wild auf diese Papiere.

Hinzu kommt, daß einige Marktteilnehmer über sehr viel Liquidität verfügten, die ihnen darüber hinaus noch sehr billig zur Verfügung stand. Darunter waren u.a. die Landesbanken, die sich bis vor allzu gar nicht langer Zeit aufgrund der seinerzeit noch bestehenden Staatsgarantien sehr günstig mit Liquidität versorgen konnten.

Diese standen natürlich unter Anlagedruck und so war man natürlich begeistert, dieses günstig bekommene Geld so überaus gut (Rendite im Verhältnis zum vermeintlichen Risiko) investieren zu können.

Verständlich? Wenn nicht, nachfragen.

Gruß
Christian

Hallo Christian,

kalkulierten Risiken. Die kalkulierten Risiken ergaben sich
wiederum aus den Ratings,

Das habe ich auch noch nicht richtig verstanden. Warum haben sich die Rating-Agenturen teilweise so verschätzt?

Grüße
Didi

Hallo,

kalkulierten Risiken. Die kalkulierten Risiken ergaben sich
wiederum aus den Ratings,

Das habe ich auch noch nicht richtig verstanden. Warum haben
sich die Rating-Agenturen teilweise so verschätzt?

tja, wenn man das im Detail so genau wüßte…

Die Strukturen finanzierten sich meist mit mehreren Tranchen von Wertpapieren und zusätzlich gelegentlich mit Eigenkapital. Das gesamte Kreditportfolio wurde dann so sortiert, daß die Kredite mit der höchsten Ausfallwahrscheinlichkeit durch das Eigenkapital bzw. die höchstverzinsliche Tranche finanziert wurde. D.h. ein Ausfall der schlechtesten Kredite hätte eigentlich nur das EK oder eben die hochverzinslichen Tranchen getroffen, die dementsprechend mit schlechten Ratings versehen wurden.

Um mal mit einem Beispiel zu arbeiten: eine Struktur umfaßt Kredite im Volumen von 100 Mio.
Zur Finanzierung werden 90 Mio. Anleihen emittiert, 10 Mio. nimmt der Sponsor als EK.
Eine denkbare Struktur sähe dann so aus:
Tranche A: 40 Mio. mit AAA-Rating
Tranche B: 30 Mio. mit A-Rating
Tranche C: 20 Mio. mit BBB-Rating
EK: 10 Mio.

Bei der Rückzahlung wäre zunächst Tranche A zurückgeführt worden, dann Tranche B, dann Tranche C und am Ende - falls noch etwas übrig gewesen wäre - das EK wieder ausgezahlt worden. Genau das führt bei Tranche A auch zu einem so guten Rating: von 100 Mio. müßten 60 Mio. abbrennen, bevor es die Inhaber der AAA-Anleihe trifft (sog. Wasserfallstrukturen: der Wasserfall (der Cashflow aus den Rückzahlungen) fließt von oben nach unten durch die Tranchen).

Das dumme ist jetzt, daß das Volumen der ausfallgefährdeten Kredite auf einmal höher war als gedacht. Das EK war relativ schnell weg, Tranche C war an Verlusten beteiligt und auf einmal waren anderen - fast sicher geglaubten - Tranchen gar nicht mehr so sicher. Ratingabstufungen folgten, was dann wiederum - je nach vertraglicher Ausgestaltung - Kündigungsrechte oder Nachbesicherungspflichten auslöste.

Insgesamt waren also die Grundannahmen sowie einige der zugrundeliegenden mathematischen Modelle (u.a. die Berechnung von Ausfallwahrscheinlichkeiten von Portfolien) falsch bzw. es traten Szenarien auf, die man als so extrem eingeschätzt hatte, daß man sie bei der Berechnung der Ausfallwahrscheinlichkeiten (und damit der Ratingstufe) schlichtweg ausgeklammert hatte.

Gruß
Christian

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Danke :smile: owT
.