Ich kenne flüchtig eine Frau, welche seit Jahren (ca 20) im Rollstuhl sitzt. Ihr Beine sind gelähmt, die Ursache ist nicht klar.
Es passiert öfters, dass sie ein Bein bricht, es dann nicht gleich bemerkt und sie daraufhin wochenlang ins Krankenhaus muss. Die Knochen wachsen irgendwie nicht mehr richtig zusammen und das jeweilige Bein entündet sich. Sie erträgt dabei starke Schmerzen, darf nur noch liegen, muss Operationen über sich ergehen lassen. Durch das viele Liegen kommen andere Beschwerden und Übergewicht dazu.
Als wir einmal im Bekanntenkreis darüber diskutierten, warf ich die Frage auf, warum man denn die Beine nicht amputiere?
Es herrschte Entsetzen und ich wurde zurechtgewiesen: So etwas sei unethisch. Da ich niemanden verletzen wollte sagte ich daraufhin nichts mehr.
Aber ich stelle mir die Frage immer noch: Warum tut man sowas nicht? Sind es vorwiegend ethische, ästetische oder medizinische Gründe? Na gut, dann hätte ich die Frage wohl im Medizinbrett stellen sollen. Aber an der Reaktion meiner Mitmenschen hatte ich das Gefühl hier geht es um etwas ganz anderes… Ich bin Atheist und vielleicht manchmal auch nicht grad so feinfühlig. Darum währe ich froh wenn mir da jemand auf die Sprünge helfen könnte…
Es herrschte Entsetzen und ich wurde zurechtgewiesen: So etwas
sei unethisch. Da ich niemanden verletzen wollte sagte ich
daraufhin nichts mehr.
Aber ich stelle mir die Frage immer noch: Warum tut man sowas
nicht? Sind es vorwiegend ethische, ästetische oder
medizinische Gründe?
Ich vermute, dass ästhetische Gründe zunächst eine entscheindende Rolle spielen. Wenn es die medizinische Hoffnung gibt, dass die Beine eines Tages wieder brauchbar werden könnten, gäbe es auch einen medizinischen Grund.
Das Ganze erinnert mich an die Beinprothesen für einen Jungen ohne Unterleib. Diese Prothesen hatten für den Jungen keinerlei praktischen Nutzen. Im Gegenteil, der Junge fühlte sich stark in seinem Bewegungsspielraum eingeschränkt. Die Beinprothese wurden von den Ärzten empfohlen, nicht aber aus medizinischen Gründen.
Das Äußere spielt aber bei dem sozialen Umgang eine wichtige Rolle, je sichtbarer die Krankheit ist, je größer der Unterschied zum „gesunden“ Körper, desto größer ist die emotionale Ablehnung. Zwei fehlende Beine wirken nun mal entstellend.
Insbesondere bei Frauen spielt der ästhetische Aspekt eine noch größere Rolle. Eine Narbe im Gesicht, eine gebrochen zusammengewachsene Nase oder einen Glatze nimmt ein Mann gelassener.
Aus ästhischen Gründen, d.h. definitv ohne medizinische Begründung, lassen sich Menschen operieren. Da wird Fett abgesaugt, an Nasen rumschnippeln und wo anders Silikon reingestopft. Ethisch bedenklich findet das nur eine Minderheit.
Dein Angebot würde ich nicht als unethisch, sondern allenfalls als unsensibel betrachten.
Ich kenne flüchtig eine Frau, welche seit Jahren (ca 20) im
Rollstuhl sitzt. Ihr Beine sind gelähmt, die Ursache ist nicht
klar.
abgesehen vom ästhetischen aspekt darf man nicht vergessen: die frau ist 20 jahre alt. die forschung entwickelt sich rasant weiter. vor allem die stammzellenforschung, die gentherapie und andere hitech-methoden sind vielversprechend. die frau ist noch jung. woher weiß man, daß sie nicht in 10 jahren wieder aufstehen wird und gehen kann? wer hätte vor ein paar jahrzehnten gedacht, daß es herzschrittmacher gibt? ihre beine zu erhalten ist äußert wichtig. es geht um hoffnung.
nun ich nehme an, das ist das Prinzip Hoffnung.
Vorhandene Beine, so nutzlos sie auch derzeit sein mögen, geben immer noch theroetisch die Möglichkeit her, daß sich das leiden bessern könnte (und tatsächlich machen Weiterentwicklungen ind er Wissenschaft ja immer mal was was möglich, was vorher undenkbar war). Aber was weg ist, ist weg - für immer. Da stzeckt schon ein ungeheuerer moralischer Aspeckt drin.
Du magst die Sache ja rein rational sehen können. Aber für den betroffenen sieht das ganz anders aus, der braucht ift solche vagen Hoffnungen, um übergaupt weiterleben zu können mit seiner Behinderung. Und da ich da auch einige Dinge habe, gehe ich mal von mir aus und nehme an, daß wohl fast jeder chronisch Kranke bzw. behinderte irgendwo ein klein wenig Hoffnung hat und braucht - so unrational und unlogisch das auch sein mag.
Aber in deiner Frage ist noch was - und das erschreckt mich echt:
Du schreibt „warum amputiert man nicht“. Und das hört sich so an, als ob Du da von einer Sache reden würdest.
Es steht aber dahinter ein Mensch. Und auch ein behinderter mensch hat eine Persönlichkeit und ein recht auf Selbstbestimmung. Er entscheidet lertztlich, ob und wie er sich behandeln läßt - und das ist auch gut so.
Wir müssen endlich weg davon, immer nur daran zu denken, was medizinisch sinnvoll oder machbar ist. Und wir müssen weg davon, dann zu sagen „Du mußt das oder jenes machen lassen“ oder „Du mußt das operieren lassen.“
Denn letztlich muß der Behinderte einen Weg finmden, mit seiner Behinderung so leben zu können, daß er dieses leben doch noch als menschenwürdig und lebenswert empfindet. Nicht der Arzt und nicht die Familie und auch keine guten freunde. Die reißen nur immer weit das Maul auf und wissen alles besser. Aber was ein behinderter wirklich fühlt - vor allem dann, wenn wieder mal darüber sikutiert wird, was er machen lassen müßte und daas, ohne daß nach seiner eigenen meinung überhaupt gefragt wird - das weiß nur er selber.
Als wir einmal im Bekanntenkreis darüber diskutierten, warf
ich die Frage auf, warum man denn die Beine nicht amputiere?
weil sie das nicht will. So einfach ist das. Man nennt das „Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit“ bzw. „…auf Selbstbestimmung“.
Es herrschte Entsetzen und ich wurde zurechtgewiesen: So etwas
sei unethisch.
Es ist tatsächlich unethisch, jemandem gegen seinen Willen die Beine abzusägen, das dürfte außer Frage stehen. Sollte die Dame dies jedoch selbst wünschen, sähe die Sache etwas anders aus.
Vielen Dank für die Antworten. Vor allem Carlos Wurster Beitrag ist mir eine wertvolle Antwort auf meine Frage. Danke!
Ich möchte aber auch noch klarstellen, dass hier mein Satz „warum amputiert man nicht“ falsch verstanden wurde.
Von ungewolltem Beine absägen, wie Malte das frei übersetz hat, möchte ich um Himmels willen nichts wissen!
Ich meinte damit eher, warum entscheidet man =(Betroffener und evt. auch Arzt) sich dagegen.
Ist wohl ein Problem meines Dialekt wo „man“ eher mit „ichunddieWelt“ übersetzt wird.