unfähig freie Zeit zu nutzen

Moin,

ich habe heute nicht zum ersten Mal ein eigenartiges Phänomen an mir beobachtet. Durch Kind und Haushalt bin ich seit einem Jahr ganz schön auf Trab, in Kürze arbeite ich Teilzeit wieder, da wird der Stress nicht weniger. Oft wünsche ich mir einfach mal einen ganzen Tag nur Zeit für mich …

Heute habe ich diesen Tag und kann nichts mit mir anfangen. Nicht dass ich nicht genug Ideen hätte. Es juckt mich schon seit Tagen in den Fingern, endlich wieder im Garten zu arbeiten. Da stand ich vorhin und sah das ganze Winter-Elend vor mir, wusste nicht, wo anfangen und dachte, die Aufgabe ist mir zuviel, näääää. Und habs gelassen.

Eben solches mit anderen größeren Dingen, die schon länger anstehen. Blieben noch die gemütliche Badewanne, Kaffee auf der Terrasse, ein gutes Buch, einfach mal Augen zu … Hört sich alles wunderbar an, aber sobald ich die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet hatte, hatte ich schon keine Lust mehr drauf.

Wieso kann ich einen freien Tag nicht genießen? Jetzt ist er bald um (also meine freie Zeit jedenfalls, nicht der Tag :smile:) und ich bin gestresst, weil ich das Gefühl habe, ich hätte die Zeit einfach nicht für mich genutzt.

Hin und wieder ein bisschen Freizeit nutze und genieße ich viel besser als einen ganzen Tag, wie kommt den sowas? Und ich weiß jetzt schon, dass ich spätestens, wenn ich wieder arbeite, mir solche Tage wieder herbeisehnen werde - aber wozu, wenn sie mir nichts bringen?

Nicht zu vergessen, dass ich nicht prinzipiell ein Problem mit großen Aufgaben habe. Im Gegenteil. Selbst wenn ich viel zu tun habe, kann ich die oft noch gut einschieben und ordentlich erledigen. Aber nicht, wenn ich einfach mal Zeit dazu habe …

Gruß
Cess

Hallo, du kannst einfach nicht abschalten. Du hast innerlich einen unheimlichen Duck, du „schämst“ dich einfach mal nichts zu tun.
Das gibt es oft. Ich war auch so ein Typ.
Fang erstmal klein an und mache nur 1(!!) Sache die dir Spaß macht. Setz dich in den Garten und trink 'n Kaffee.
Geniess für 15 Minuten die Sonne und mach dann was nützliches…

Hallo!

Das kenne ich sooo gut… :wink:

Man rennt immerzu Trab durchs Leben- Arbeit, Kinder, Haushalt und Termine…und wünscht sich nichts mehr als mal Ruhe und DANN tut man ja…!

Mittlerweile- tu ich gar nix mehr-- und kann das geniessen!
Ich geniesse es, wenn ich mal Zeit ganz für mich habe-- daß ich dann wirklich tief und ruhig schlafe…keiner an mir rumzerrt…einfach das Alleinsein geniessen.

Irgendwie schafft man sowieso alles, was man sich doch so in seiner „Freizeit“ wünscht viel effektiver, wenn man einen gewissen Zeitdruck hat…
Und dann ist es auch so- wenn man insgesamt mal wieder weniger angespannt ist- dann kann man viel schaffen und es tut einem auch gut.

mach Dir keinen Druck-- Du MUSST nicht auf Knopfdruck entspannen können…geeeehhht nicht!

lieben Gruss
kitty

Nicht zu vergessen, dass ich nicht prinzipiell ein Problem mit
großen Aufgaben habe. Im Gegenteil. Selbst wenn ich viel zu
tun habe, kann ich die oft noch gut einschieben und ordentlich
erledigen. Aber nicht, wenn ich einfach mal Zeit dazu habe …

You’ve just answered your question yourself.
Nur: Nicht ‚SELBST wenn ich viel zu tun habe…‘
sondern ‚Wenn ich viel zu tun habe‘.

We say ‚if you want to get something done, get a busy person to do it‘, und wir sagen es aus gutem Grund!

Ich hab’ die letzten 5 1/2 Wochen unglaublich viel gearbeitet, oft 12-Stunden Tage, jedenfalls, was das Unterwegs-Sein insgesamt anbetrifft.

Aber so ein 12-Stunden-Tag ist halt 50% länger als ein 8-Stunden-Tag, und ich hab immer wieder kurze Lücken zwischendurch, in denen man Sachen erledigen kann.

Was heisst, dass ich stets zumindest die wichtigsten oder dringendsten (eher zweitere…) erledigt bekomme.

Ich kann aber nicht später aus dem Haus, oder früher nach Hause kommen - was heisst, dass ich mittlerweile etwas an Schlafmangel leide.

Ab Ende der Woche geht’s wieder mit meinem normalen Rhythmus weiter - da werde ich dann endlich wieder genug Schlaf kriegen, aber auch dementsprechend weniger schaffen!

Denn die Illusion, ich hätte jetzt endlich wieder ein bisschen Zeit, führt nur dazu, dass man trödelt statt was tut.

That’s life, I’m sorry to say. Kannste Dir mal nen freien Nachmittag ergattern, kannst Du ihn für EINE Tätigkeit nutzen, auf die Du Lust hast, oder die Du schon seit langem erledigen willst. Und Dich darüber freuen.

Hast Du ‚freie Zeit‘, zwar nicht wirklich unbegrenzt, aber doch scheinbar, wird die gesamte Liste von Sachen, die man ja mal, wenn man Zeit hat, machen wollte, aus dem Hirn gekramt. Völlig konfus und unstrukturiert.

Und am Ende wird nichts wirklich in Taten umgesetzt…

So, keep yourself busy, have fun!

Gruss, Isabel

Hallo,

könnte es sein, dass du vielleicht nur einer Phantasie von „freier Zeit“ nachhängst? Dass du denkst, dies oder jenes müsste dir doch gut tun oder Spaß machen, wenn du das, was du normalerweise tust, mal nicht tust?

Aber vielleicht bist du einfach nicht (mehr) der Typ zum Füße hochlegen und Nichtstun? Vielleicht ist das, wonach du dich sehnst, eher das Bedürfnis, selbst über die Zeit bestimmen zu können, und die Dinge, die du tust, nach deinen Wünschen zu verteilen?

Gerade kleine Kinder können einen ziemlich schnell in einen Zustand der permanenten Fremdbestimmung bringen, weil sich für eine gewisse Zeit das Leben eben verstärkt den Bedürfnissen des Kindes unterordnet. Da muss man dann schon ein bisschen gründlicher suchen, bis man an die eigenen Bedürfnisse wieder ran kommt. Für einen Tag klappt das nach meiner Erfahrung meist eher unzureichend.

Ich könnte mir vorstellen, dass dein „Zustand“ angnehmer wird, wenn du wieder arbeitest - zumindest dann, wenn dir der Job Spaß macht. Das Gefühl, wieder zur eigenen Lebenssicherung beizutragen, ein paar Euro mehr in der Tasche zu haben und überhaupt mal wieder als anderes Wesen als als Mutter betrachtet zu werden, kann sich sehr positiv aufs eigene Wohlgefühl auswirken. Und dann kriegt auch „Entspannung“ wieder eine andere Qualität.

Schöne Grüße,
Jule

Was heisst, dass ich stets zumindest die wichtigsten oder
dringendsten (eher zweitere…) erledigt bekomme.

Ich kann aber nicht später aus dem Haus, oder früher nach
Hause kommen - was heisst, dass ich mittlerweile etwas an
Schlafmangel leide.

Ab Ende der Woche geht’s wieder mit meinem normalen Rhythmus
weiter - da werde ich dann endlich wieder genug Schlaf
kriegen, aber auch dementsprechend weniger schaffen!

Denn die Illusion, ich hätte jetzt endlich wieder ein bisschen
Zeit, führt nur dazu, dass man trödelt statt was tut.

That’s life, I’m sorry to say.

I’m sorry to say - aber das, was du beschreibst, ist über kurz oder lang der recht sichere Weg, im BurnOut zu landen:

-> Du bist nicht in der Lage wichtige Dinge zu tun, sondern nur noch dringende

-> Du baust dir deinen chronischen Schlafmangel ein - bewertest den Status „ausreichend Schlaf“ als „weniger geschafft“

-> Zeit zu haben ist für dich negativ besetzt nämlich mit „trödeln“

Immerhin hast du eines in meinen Augen zu 100 % geschafft: Du erfüllst den Betreff dieses Threads: „unfähig freie Zeit zu nutzen“ Das impliziert, freie Zeit als Wert an sich zu betrachten.

LG Petra

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Denn die Illusion, ich hätte jetzt endlich wieder ein bisschen
Zeit, führt nur dazu, dass man trödelt statt was tut.

I’m sorry to say - aber das, was du beschreibst, ist über kurz
oder lang der recht sichere Weg, im BurnOut zu landen:

Neeneenee, da hast Du was falsch verstanden (abgesehen davon, dass ich 2x im Jahr 4-6 Wochen lang diesen Arbeitsrhythmus habe, und den Rest des Jahres weit weniger arbeite als jemand mit einem normalen Vollzeitjob).

Gerade WEIL ich oft mehr Zeit zur Verfügung habe (allgemein, nicht Freizeit) als jemand mit einem normalen Vollzeitjob, habe ich eben das gleiche Problem wie die Fragestellerin: Manchmal hat man sozusagen zu viel Zeit ‚am Stück‘, und in dem Glauben, jede Menge davon zu haben, nutzt man sie weder gescheit dazu, um etwas zu erledigen, noch gezielt als ‚Freizeit‘, in der man sich was Gutes tut.

Hat man etwas in begrenzterem Umfang, sei es Zeit, Geld oder sonstwas, weiss man es halt manchmal besser zu schätzen, und auch zu nutzen.

Und ja, ich nutze freie Zeit oft nicht ‚sinnvoll‘ genug - da hilft keine theoretische Betrachtung von Zeit als Wert an sich, sondern nur das praktische Umsetzen.

Und gerade drum eben meine obige Antwort.

Gruss, isabel

hallo cess,

möchte nur auf ein interessantes interview mit dem soziologen hartmut rosa in der zeit verweisen, da geht es u.a. um solcherart stressgefühle in der freizeit: http://www.zeit.de/2010/01/Interview-Rosa?page=all

viele grüße,
menil

Hallo Cess,

was du da berichtest ist an sich nichts Neues.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und man sagt ja allgemein, dass man gewöhnlich eine Woche Urlaub braucht, um sich an den Urlaub zu gewöhnen.

Umso mehr, wenn du derart „eingespannt“ bist, wie du schilderst.

Du hattest dir einfach für diesen freien Tag zuviel vorgenommen, bist es wahrscheinlich auch nicht mehr gewöhnt, frei über deine Zeit zu verfügen.

Am besten ist es wohl, wenn man an so einem freien Tag einfach „die Seele baumeln“ lässt.
Nichts vornehmen, nichts tun. Und niemals ein schlechtes Gewissen. Sehr erholsam.

Gruß, Nemo.

Moin Cess,

leider kann ich dir keine Lösung anbieten aber auch sagen, dass du nicht allein bist :smile:

Florian Illies („Generation Golf“) hat in seinem Buch „Anleitung zum Unschuldigsein“ ein sehr schönes Kapitel „Heute nehme ich mir einen Tag frei“. Dass der komplett missglückt ist natürlich klar :wink:

http://www.ciao.de/Anleitung_zum_Unschuldigsein_Illi…
Wer hat sich nicht schon einmal einen Tag frei genommen, um all die kleinen Dinge zu erledigen, die schon lange erledigt werden sollten. Illies beschreibt einen Tag, wie ihn schon jeder einmal erlebt hat. Am ende des langen, von vielen Selbstvorwürfen geprägten Tages sind die Dinge immer noch unerledigt.

Sich zu entspannen, abzuschalten ist keine leichte Aufgabe, das muss man glaub’ wirklich aktiv lernen.

Alles Gute!
J~

PS: ISBN 3870245441 Buch anschauen

richtig so!
Hi Cess!

So wie dir ging es mir lange Zeit auch. Bis ich eines realisiert habe:

Wenn ich an solch einem freien Tag nichts auf die Reihe kriege, dann habe ich das Nichtstun! einfach gebraucht. Und du hast ja ansonsten wirklich genug zu tun.

Du genießt deine Freizeit nicht wirklich, weil sie keine freie Zeit ist, sondern vollgepackt ist mit Plänen: Garten, Badewanne, Buch lesen usw.

Und dann vermiest du dir das alles auch noch mit einem schlechten Gewissen! Also, was sagt man dazu?

Ich hab für mich jedenfalls festgestellt, dass ich mich an einem freien Tag erhole

  • wenn ich kein schlechtes Gewissen habe bei dem, was ich tue oder lasse
  • wenn ich den ganzen Tag nach meinem inneren Rhythmus lebe, d.h. schlafen, solange ich will, aufstehen, wenn ich wach bin, essen, wenn ich Hunger habe, hinlegen, wenn ich müde bin
  • und wenn ich nur nach meinen inneren Impulsen lebe, d.h. wirklich nur das mache, worauf ich in diesem Moment wirklich Lust habe.

Seit ich das mit gutem Gewissen tue, erhole ich mich ganz fantastisch an solch einem ‚strukturlosen‘ Tag.

Und wenn dann wieder die durchstrukturierten Tage kommen, dann werden die zu erledigenden Dinge da noch mit eingebaut. Das funktioniert nämlich am besten, wenn der Tag bereits durchgeplant ist (und nicht zu voll).

Also: Gib dich dem Nichtstun hin mit Leidenschaft!

LiebeGrüßeChrisTine

Heute habe ich diesen Tag und kann nichts mit mir anfangen.
…und dachte, die Aufgabe ist
mir zuviel, näääää. Und habs gelassen.

Genau so ist es nämlich richtig! Es ist doch deine Frei zeit!

Wieso kann ich einen freien Tag nicht genießen? Jetzt ist er
bald um (also meine freie Zeit jedenfalls, nicht der Tag :smile:)
und ich bin gestresst, weil ich das Gefühl habe, ich hätte die
Zeit einfach nicht für mich genutzt.

Hin und wieder ein bisschen Freizeit nutze und genieße ich
viel besser als einen ganzen Tag, wie kommt den sowas? Und ich
weiß jetzt schon, dass ich spätestens, wenn ich wieder
arbeite, mir solche Tage wieder herbeisehnen werde - aber
wozu, wenn sie mir nichts bringen?

Nicht zu vergessen, dass ich nicht prinzipiell ein Problem mit
großen Aufgaben habe. Im Gegenteil. Selbst wenn ich viel zu
tun habe, kann ich die oft noch gut einschieben und ordentlich
erledigen. Aber nicht, wenn ich einfach mal Zeit dazu habe …

Gruß
Cess

danke!
Allein, dass es anderen auch so geht, hat ja schon geholfen. :smile:

Ich konnte jeder Antwort etwas Hilfreiches entnehmen, dafür hiermit vielen Dank!

Heute hatte ich wenig Zeit - und hab das bisschen genossen. Mit Kaffee auf der Terrasse, einem guten Buch - das sind schon Dinge, die mich entspannen. Nur kommt es wohl auf die Zeit an, die ich dafür habe. Ist es zuviel „unsortierte“ Zeit, dann habe ich einen ganzen Berg von Dingen im Hinterkopf, die ich nochmal machen muss und kann einfach nicht runterkommen.

Gruß
Cess