hallo chrys,
in situationen, wo jemand hilfe braucht, bin ich komischerweise cool, obwohl ich sonst etwas ängstlich bin (gestern stand ich zitternd vor einer schulklasse wie vor einem rudel löwen).
mir ist aufgefallen, daß man in notsituationen eingeschränkt denkt. man nimmt nur teile der situation wahr, die dann das denken beherrschen. bei dem einen ist es vielleicht „ich muß helfen, ich muß xy tun“, bei dem anderen ist es „oh schreck!“ und der ist so gebannt, daß im das xy gar nicht einfällt.
vielleicht wäre es in der von dir beschriebenen situation anders verlaufen, wenn du alleine gewesen wärst. ich denke, nach kurzer zeit hättest du den schock überwunden und dir wäre xy auch wieder eingefallen. in der tat war es ja so: dir fiel ein, daß die frau wärme braucht und du hast ihr geholfen. den körper nach einem unfall warm zu halten, ist wichtig, und du hast sinnvoll gehandelt.
vielleicht überrascht es dich, aber ich denke, du hast eigentlich nichts falsch gemacht. du hättest vielleicht schneller/ als erster zu ihr gehen können. dann hätte es aber schon gereicht, sie zuzudecken und den notarzt anzurufen. du denkst, du hättest die wunde versorgen müssen und schämst dich vielleicht gegenüber den leuten, die das getan haben. aber vielleicht haben gerade die leute etwas falsch gemacht. stark blutende wunden soll man zwar versuchen zu stillen, aber da die frau auf den kopf gefallen ist, hätte sie vielleicht einen schädelbruch haben können und dann soll man sie möglichst nicht bewegen. als laie fällt es schwer zu beurteilen, was man tun muß. manchmal ist es auch richtig, nicht viel zu tun bzw. etwas zu lassen. ich glaube, dein verhalten war nicht unbedingt falsch.
um in notsituationen schneller reagieren zu können, kann man richtiges verhalten üben. du hast schon mehrere erste-hilfe-kurse hinter dir - ich weiß nicht, wie lange diese her sind und wie intensiv diese waren. vielleicht frischst du dein wissen auf. vor der anmeldung kannst du dich nach den kursinhalten erkundigen: es sollte viel praxis enthalten sein und es sollte auch nicht unbedingt ein kurz-kursus wie für den führerschein sein, sondern einer, der etwas länger dauert und intensiver ist.
außerdem kannst du gedanklich üben, was zu tun ist. analysiere, was du in der beschrieben situation anders hättest machen können/ sollen. nach meiner meinung wäre das gar nicht so viel, nämlich hingehen, sehen, was los ist, handy zücken und den notarzt rufen.