Unfähigkeit, sich zu unterhalten

Hallo,

Ich ärgere mich zurzeit verstärkt über mein Problem, dass ich einfach kein Gespräch zustande kriege.
Ich meine jetzt nicht „small talk“ mit Fremden, das is auch nich so mein Ding, aber da kann man immerhin Standardthemen abklappern und so wichtig isses meistens auch nicht.
Mein Problem ist, dass ich nichts zu sagen weiss, wenn ich mich versuche mit jemandem zu unterhalten. Es gibt Leute, die führen das Gespräch an, da kommich gut klar, aber bei anderen, die ebenfalls nich so die Labertaschen sind, kommt es oft zu diesen Situationen, in denen man nebeneinandersitzt und sich anschweigt.

Seltsamerweise ist das auch bei Menschen, die ich sehr mag und denen ich voll vertraue so. Da ist das Schweigen weniger unangenehm (manchmal), aber, so sehr ich mir auch wünsche, ins Gespräch zu kommen, so sehr ich mich für den anderen interessiere, es funktioniert nicht. Man wechselt ein paar Sätze über kurz zurückliegende Ereignisse, manchmal überwinde ich mich, ein, zwei Erinnerungen zu erzählen, aber wenn sich kein „fachliches“ Diskussionsthema ergibt, kehrt nach wenigen Minuten wieder Stille ein.
Ich versuche immer wieder, das mit irgendwelchen nebensächlichen Bemerkungen aufzulösen, aber auf die kann man scheinbar nix antworten, tut zumindest keiner.

Ich glaube nicht, dass das unter „Schüchternheit“ fällt, ich hab z.B. kein Problem, fremde Personen anzusprechen, wenn ich weiss, was ich sagen will. (Auch wenn mir abundan gesagt wird, dass ich dabei *sehr* leise spreche, was ich aber selbst nicht merke, mir kommts normal laut vor.) Es ist eher so eine Leere im Kopf. Keine Assoziationen, Ideen.

An meinen Gesprächspartnern liegts jedenfalls nicht, die drehen sich um und reden (auch mit nur entfernten Bekannten) drauflos, ohne dass ich ein Prinzip dahinter erkennen kann.

Was ist da los? Das kann doch nicht sein? Wenn man zu blöd zum reden sein könnte, gäbe es wohl ein paar mehr Stumme *g*, trotzem fühl ich mich so.

Naja, danke für alle Tips,
Amöbe.

Hallo Amöbe,

kann es sein, dass du Probleme mit deinem Selbstwertgefühl (geringes Selbstbewustsein) hast?

Gruß

Samira

Hallo, kann es sein, dass dir nach etwas tiefschürfenderen GEsprächen zumute ist, du also nicht der Typ für oberflächliches Geplänkel bist, die anderen aber mit dieser Tiefgründigkeit nichts anzufangen wissen. Sprich ihr kommt nicht auf ein gemeinsames Thema?
Ging mir ähnlich nach dem unsere bis dahin besten Freunde Kinder bekamen. Vorher konnte man stundenlang über sonst was reden. Doch mir persönlich ist die Stuhlgangfrequenz von ihrem Junior ziemlich schnuppe, bezügl. medizinischen Problemchen oder Erziehungssorgen hab ich nicht mitzureden, denn „du hast ja keine Kinder“ (bin im medizinischen BEreich pädagogisch tätig!) und ansonsten herrscht da inzwischen ziemlich Funkstille.
Ich hab mich deshalb darauf verlegt, die Tiefgründigen Gespräche lieber mit Junior selbst zu führen, inzwischen ist er alt genug, kann so leidlich sprechen, und wenns mal nichts zu sagen gibt, dann ist das auch ok, dann macht eben nur das Matchboxauto Brrrrrrmmmm.
Und Juniors „Muddi“ wird höchstens mal gefragt, was oder wann es denn Essen geben soll oder ob wir nicht ne Runde raus wollen.

Soll heißen, vielleicht sind es einfach nicht die richtigen Freunde mehr für dich, ihr habt euch evtl voneinander wegentwickelt und nichts mehr zu erzählen. Da hilft nur, dass du in dich gehst und mal schaust, welche Themen für dich wichtig sind, worüber du gern reden möchtest und dir dazu passende Leute suchst. Damit musst du die Freundschaft ja nicht aufgeben, aber so kannst du anderswo zu solchen Themen reden, die dir liegen und mit denen dann eben das was grad so anliegt. Wenn du dann auch noch weitere BEkannte hast und auch mal sachen alleine oder mit anderen erlebst, hast du ausserdem wieder neue Themen über du dich mit deinen alten Freunden unterhalten kannst.
„Boa ey, ich war mit x ja im neuen y (Disco, Kino, freizeitpark, zoo, museum), da ist total klasse da, solltet ihr auch mal hin, da kann man a machen und b sehen und c finden.“

Das wäre also die andere STrategie, mach dich unabhängig von ihnen und schaffe neue GEsprächsthemen, indem du auch anderweitige Erlebnisse in dein Leben bringst. Wenn du alles mit deinen Freunden machst, dann lässt sich darüber nur wenig erzählen, da ihr dieselben Erlebnisse teilt, und es bringt ja nicht ihnen was zu erzählen was sie genausogut kennen/wissen etc.

Gruß Susanne

Hallo Samira,

kann es sein, dass du Probleme mit deinem Selbstwertgefühl
(geringes Selbstbewustsein) hast?

Ja, auf jeden Fall. Das trägt natürlich dazu bei („Ja, und, wen interessiert das jetzt?“), gegenüber weniger vertrauten Menschen, aber ob das der Hauptgrund ist? Es ist ja nicht so, dass ich alle Gedanken, die man äußern konnte, abblocke, sondern solche Gedanken existieren nicht. Oder verläuft das abblocken dann schon unterbewusst, gibts sowas?
Ciao!
Amöbe

,

sondern solche Gedanken existieren nicht.

kenn ich… alle reden daher und mir fällt nix ein…

smalltalkinkompatibilität?

tilli

Hallo,

ich kenne dich zwar nicht, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass das der Hauptgrund ist. Ich habe es an mir selber erlebt.

Man hat einfach das Gefühl nichts zu erzählen. Es ist ja eh uninteressant was man zu erzählen hat. Es interessiert ja sowieso niemanden. Und prinzipiell möchte man sich eh nicht gern in den Vordergrund stellen. Was andere durch ihre Erzählungen durchaus mal gerne machen. — Kommt dir das bekannt vor?

Mir hat eine Gesprächstherapie bei einer Psychotherapeutin geholfen und das ständige mich selbst herausfordern. Auch wenn es hart ist. Ich habe mich dazu gezwungen z.B. Schulungen zu geben und bin inzwischen sogar Nebenberuflich Dozentin an einer Fachhochschule.

Privat fällt es mir manchmal immer noch schwer frei heraus zu plappern. Es wird aber immer besser, je mehr ich hinter mir und hinter meinem Leben stehe.

Gruß

Samira

Hi Susanne,
Danke schonmal für deinen Text.
Würde mich ja beruhigen, wenn deine Erklärung zutreffen würde. Allerdings ist es auch öfters so, dass mir, wenn ich mit Freunden zusammensitze, mir deren Gespräche „zu tiefgründig“ vorkommen, weil ich selbst wenig Ahnung davon habe. Stimmt, das gibts auch oft - ich traue mich nicht, mich gedanklich auf ein Thema einzulassen, weil ich keine ausreichende Entscheidungsgrundlage habe. Dass andere vielleicht nur frei Schnauze was dazu vermuten und das als Fakten darstellen, mag ich nicht wahrhaben, zumindestens könnte ich das selbst nie.
Das könnte tatsächlich ein springender Punkt sein, der mir selber noch nicht so klar geworden ist - danke *g* Dazu fällt mir der Vorwurf meiner Mutter ein, den ich oft gehört habe: „Nun halt doch mal die Schnauze, wenn du keine Ahnung hast, wovon du da redest“, bei gleichzeitiger Erwartung, dass ich es wissen sollte. Kann das so sehr verinnerlicht sein?

Du schriebst, ich solle überlegen, welche Themen mir wirklich liegen - wieder diese Leere. (Die fällt mir erst seit recht kurzer Zeit so intensiv auf, früher hatte ich wenigstens Phantasie und hab rumgesponnen was das Zeug hält). Ich führe Selbstgespräche, das ist dann allerdings meist eine Selbstanalyse ähnlich dem, was Sev zwei Threads weiter unten beschreibt. Das interessiert nun wirlich niemanden *g*

So, eh das hier noch ins Unermessliche wächst,
Liebe Grüße,
Möbi.

Hab dich erwischt :wink:

Hi Susanne,
Danke schonmal für deinen Text.
Würde mich ja beruhigen, wenn deine Erklärung zutreffen würde.
Allerdings ist es auch öfters so, dass mir, wenn ich mit
Freunden zusammensitze, mir deren Gespräche „zu tiefgründig“
vorkommen, weil ich selbst wenig Ahnung davon habe.

Brauchst du die Ahnung? Du brauchst ne Meinung… die meinung musst du begründen können… Und wenn du etwas von dir gibst wo du weisst das du dich aufs glatteis der vermutung begibst musst du das halt auch so sagen.

Stimmt,
das gibts auch oft - ich traue mich nicht, mich gedanklich auf
ein Thema einzulassen, weil ich keine ausreichende
Entscheidungsgrundlage habe. Dass andere vielleicht nur frei
Schnauze was dazu vermuten und das als Fakten darstellen, mag
ich nicht wahrhaben, zumindestens könnte ich das selbst nie.

jaja… das konnte und kann ich auch noch immer nicht leiden. Aber was ist der sinn reine Fakten zu verbreiten? Es ist doch viiiieeeel interesannter Theorien zu besprechen. Wichtig ist nur das auch allen klar ist das jetzt etwas gesponnen wird.

Ich halte es häuffig so das ich(Und einige meiner Freunde auch) ABSICHTLICH die gegenteilige meinung versuche zu vertreten. Ich versuche absichtlich das gegenteil meiner Meinung zu vertreten. Das führt dazu das eine Disskusion entsteht und vielleicht beide neue aspekte gewinnen. Wenn beide nur die eine Meinung vertreten kann man eine kurze zeit ablästern und sagen das es stimmt was der andere denkt und dann ist schluss… etwas neues hat sich nicht ergeben und die diskusion versandet.

Ich sage aber auch das ich grundsätzlich der meinung bin wie mein gegenüber aber mir das thema gefällt und ich daher die gegenteilige meinung vertrete.

Das könnte tatsächlich ein springender Punkt sein, der mir
selber noch nicht so klar geworden ist - danke *g* Dazu fällt
mir der Vorwurf meiner Mutter ein, den ich oft gehört habe:
„Nun halt doch mal die Schnauze, wenn du keine Ahnung hast,
wovon du da redest“, bei gleichzeitiger Erwartung, dass ich es
wissen sollte. Kann das so sehr verinnerlicht sein?

Oh ich glaube gern das man das kann… Aber anstatt gleich aufzugeben währs vielleicht auch ne lösung zu testen wieviel der andere wirklich weiss und bei welchen fragen er selber ins taumeln kommt.

Du schriebst, ich solle überlegen, welche Themen mir wirklich
liegen - wieder diese Leere. (Die fällt mir erst seit recht
kurzer Zeit so intensiv auf, früher hatte ich wenigstens
Phantasie und hab rumgesponnen was das Zeug hält).

Mhmmm ich fands auch immer schwer das zu bennen weil mir halt einfach alles und doch gleichzeitig nichts liegt. Oder das habe zumindest ich das gefühl. Meistens liegt es daran das es gerade nicht aktiv ist. Das Problem ist es gibt keine Themen wo man den uneingeschränkten doktor titel hat. Danach brauchst du nicht zu suchen… such lieber etwas wo du denkst das du das Grundwissen besitztst :wink: Das hilft :wink:

Soll ich dir schonmal was sagen ?
Kochen & andere Hausarbeiten, Mathematik, Sprachen, Pflanzenkunde, Menschenkenntisse usw. usw. In den einzelnen Themen sind schon wieder etliche besonderheiten versteckt und es gibt bestimmt dinge die du besser weisst als andere in denen Punkten… Setz dir die Messlate nicht zu hoch. Manchmal sind kleine dinge mehr als sie Scheinen :wink:

Ich führe
Selbstgespräche, das ist dann allerdings meist eine
Selbstanalyse ähnlich dem, was Sev zwei Threads weiter unten
beschreibt. Das interessiert nun wirlich niemanden *g*

OOOHHH doch… ich glaube ich könnte mich mit dir eine ganze woche Lang über das thema unterhalten. =D Also mindestens mich intersssierts… Aber ich muss gestehen es gibt bei mir auch nur einen Freund mit dem ich mich darüber austauschen kann. Aber mit dem scheine ich sowieso irgendwie seelenverwandt zu sein :wink:

Gruss sev

1 „Gefällt mir“

mir der Vorwurf meiner Mutter ein, den ich oft gehört habe:
„Nun halt doch mal die Schnauze, wenn du keine Ahnung hast,
wovon du da redest“, bei gleichzeitiger Erwartung, dass ich es
wissen sollte. Kann das so sehr verinnerlicht sein?

Das kann durchaus sehr tief verinnerlicht sein. Oft sind solche Sätze (und manchmal auch sogar nur Blicke) der eigenen Eltern in bestimmten Situationen, selbst dann wenn man sich vielleicht garnicht mehr daran erinnert, der Grund für gewisse „Eigenschaften“ die man so hat.
Wenn du z.B. einem Gespräch beiwohnst, dem du nicht so ganz folgen und zu dem du nichts beitragen kannst, dann fällt Dir natürlich nichts „Gehaltvolles“ ein was du zu dem Thema sagen könntest. Das ist ja ganz normal. Das Problem ist, dass du überhaupt etwas Gehaltvolles sagen willst. Du stellst wohl zu hohe Ansprüche an das was du zu einem Gespräch beitragen willst. Wieso stellst Du in so einer Situation nicht einfach eine „dumme“ Frage? Sofern dich das Thema überhaupt interessiert, könntest Du ins Gespräch kommen mit der Bitte, dass man es dir etwas näher bringt. Da gäbe es absolut keinen Grund die Schnauze zu halten nur weil man keine Ahnung hat.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass Du einfach ungeübt im Unterhalten bist. Da kannst du sprachlich noch so begabt und geistig noch so pfiffig sein, wenn Du keine Übung im „Labern“ hast - denn es ist ja so; Du schreibst Dir fällt nichts ein, also hast du auch keine Übung - dann fällt es natürlich um so schwerer ins Gespräch zu kommen und drin zu bleiben. Wenn dann noch die von mir vermuteten zu hohen Ansprüche ins Spiel kommen, gibt es eine Blockade.

*g* gefällt mir…
Smalltalkinkompatibilität *g*

Ich rede auch nur wenn nicht zuviele Leute an einem Tisch sitzen weil ich sonst den faden verlier und es einfach zu ungeordnet daher kommt. Da halt ich mich zurück und meld mich nur wenn ich komplett anderer Meinung bin oder meine Meinung nicht vertreten wird.

Smalltalk ist mir sowieso ziemlich zuwieder… sozusagen erlaubtes anlügen ^^’

gehts dir gut? ja mir gehts gut… Der fragende interessierts in der regel garnicht wirklich sondern es ist einfach nur eine Höflichkeitsfloskel.

Gruss sev

Hallo,

je mehr Du über dieses Thema nachdenkst, desto stärker setzt Du Dich natürlich unter Druck. Vielleicht fällt es Dir etwas leichter, wenn Du mal bedenkst, daß die Leute, mit denen in der entsprechenden Situation ein Gespräch angebracht wäre, offenbar genauso nicht wissen, wie sie mit Dir ins Gespräch kommen. Also, ein Schritt wäre schon mal, nicht nur bei Dir selbst die „Schuld“ zu suchen.

Oft ist nur der erste Schritt in ein Gespräch schwierig. In jüngeren Jahren ging es mir immer so, daß ich dachte, ich muß quasi irgend etwas von mir geben. Bis ich feststellte, daß ich in der Gesprächsführung so vorging, wie ich es vom Elternhaus her kannte, nämlich ich erzählte irgend etwas von mir oder was mir gerade als Thema interessant schien. Und wenn man unsicher ist, meint man ja, man müsse unbedingt etwas sagen.

Im Laufe häufiger beruflicher Gespräche und je mehr ich auch gesellschaftliche Termine wahrnehmen mußte, lernte ich, daß es viel einfacher ist, ins Gespräch zu kommen über Small talk und vor allem Fragen an meinen Gesprächspartner (also nicht vorrangig Erzählungen bzw. Beiträge von mir). Aus seinen Antworten ergibt sich meist die nächste Frage, die vertiefend sein kann oder man findet Gemeinsamkeiten oder kann zu der Antwort etwas aus eigenem Erleben beitragen - und auf einmal ist man „mittendrin“. Das ist wie so ein Baum/Strauch, bei dem sich aus einem Zweig ein Geäst entwickelt …

Das Wichtigste dabei ist m.E. ein Interesse an dem Gesprächspartner und an dem, was er sagt. Wenn er das spürt, wird er sich meist immer mehr öffnen und ebenfalls meist lockerer. Sehr selten sind Leute wirklich so verschlossen, daß gar nichts geht, aber dann kann man auch guten Gewissens für sich denken, man habe selbst alles versucht.

Das kann man übrigens auch üben (auch Profis machen dafür sogar spezielle Schulungen, denn nicht allen fällt es von Anfang an leicht). Stelle Dir doch mal selbst ein paar Fragen zusammen, die Du stellen könntest und entwickle das weiter: Welche Antworten könnten kommen? Was könntest Du wiederum darauf sagen und/oder fragen? Hört sich kompliziert an, aber auch hierbei ist es so wie mit vielen anderen Dingen: Wenn ich unter einer Situation leide, kann ich überprüfen, was ich selbst dazu beitragen kann, sie zu verändern. Und wenn es mir das wert ist, versuche ich es anzugehen.

Alles Gute!
Eva

Hallo,

genau das ist es: Fragen stellen!
Fragen zeigen dem Gesprächspartner Interesse und damit Wertschätzung. Du wertest damit schon mal dessen Selbstwertgefühl auf und meistens damit auch die Wertschätzung deiner Person seinerseits. Mit Fragen kannst du das Gespräch auf Themen lenken, die dich auch interessieren oder dir zumindest Wissen vermitteln (z.B. das der andere auch nur eine Meinung äußert, aber kein Wissen dahinter steckt).

Viel Spaß beim Ausprobieren,

Sigrid

Zensur im Kopf?
Hallo,

Da Du immer wieder die „Leere im Kopf“ erwähnst, habe ich am ehesten die Assoziation, der Verbote und der Schere im Kopf.

Mein Mann sagt übrigens auch manchmal, sein Hirn sei „wie leergefegt“ und ich weiss inzwischen, dass ich dies sogar bei ihm steigern kann, wenn ich dann z.B. sage „erzähl mal was!“ (was zugegebenermassen nicht ganz fair ist). Ich schreibe dies auch nur, um zu sagen: je mehr man in solchen Situationen unter Druck gesetzt wird (bzw. sich selbst unter Druck setzt), umso leerer wird es vermutlich im Kopf.

Weiter: ich selbst kenne es gar nicht, dass mir keine Gedanken im Kopf herumwirbeln. Wenn ich mich nicht gerade unterhalte/ lese/ schreibe, etc. bilden sich ganz von selbst Assoziationsketten zu allem möglichen. (Dies gilt jetzt natürlich nur für mich, kann sein, dass es bei anderen Leuten anders ist), aber überlege noch mal genau, ob Dir wirklich gar nichts im Kopf herumgeht, oder ob Dir (was ich eher glaube) nur Themen in den Sinn kommen, die Du für nicht gesprächstauglich hälst. Und falls dies der Fall ist, wäre der nächste Schritt zu überlegen, welches die Tabus sind und ob sie bei Dir vielleicht restriktiver sind, als bei anderen.

Es gibt grundsätzlich viele Tabus, bei einigen Leuten mehr, bei anderen weniger. Gespräche über Sex, über Gefühle, Kritik an Ehepartnern, lästern über gemeinsame Bekannte, Geld, Geldsorgen, Karrierefragen, Themen bei denen man selbst eine schlechte Figur macht, können alles bei verschiedenen Leuten/ verschiedenen Milieus sogenannte Nicht-Themen sein. Hast Du vielleicht von der Erziehung her diesbezüglich stärkere Tabus vermittelt bekommen, als der Durchschnitt? Hat man Dir oft gesagt: sei nicht so neugierig/ indiskret/ offenherzig/ etc.? Wurden in Eurer familie oft hämische Bemerkungen über „Tratschtanten“ gemacht?

Wenn ich Du wäre, würde ich mir eine Liste möglicher Themen mache und dahinter ein + oder - setzen, je nachdem, ob ich mir zu diesem Thema vorstellen könnte, ein Gespräch zu beginnen. Hinterher kann man andere Leute im Gespräch beobachten (und seien es im Cafe die Leute am Nachbartisch) und vergeichen, ob dies allgemeine Tabus sind, oder ob der allgemeine Gesprächston lockerer ist als bei Dir.

aber bei anderen,
die ebenfalls nich so die Labertaschen sind, kommt es oft zu
diesen Situationen, in denen man nebeneinandersitzt und sich
anschweigt.

Seltsamerweise ist das auch bei Menschen, die ich sehr mag und
denen ich voll vertraue so. Da ist das Schweigen weniger
unangenehm (manchmal), aber, so sehr ich mir auch wünsche, ins
Gespräch zu kommen, so sehr ich mich für den anderen
interessiere, es funktioniert nicht.

Schon mal darüber nachgedacht, sie darauf anzusprechen? Wenn Du ihnen voll vertraust, könnte doch gerade dieses Problem zu einem sehr guten Gespräch führen. Höchstwahrscheinlich geht es ihnen sogar ähnlich wie Dir. Frage sie, ob sie sich auch intensivere Gespräche wünschen, ob es ihnen bei anderen Leuten leichter fällt, woran es ihrer Meinung nach liegt. Vielleicht könnt Ihr Euch dann sogar gegenseitig helfen.

Viele Grüsse, Walkürax