Unfall

mit Todesfolge. Das ist meinem Lebensgefährten passiert.

Ihn trifft keine Schuld. Das „Kopfkino“ kann ich ihm nicht
abnehmen.

Gibt es noch etwas anderes, als da zu sein, zuhören, was ich tun
kann?

Schlafstörungen hat er. Na und nicht nur das. Er selbst sagt, dass
er im Moment in einem tiefen Loch ist.

Ich glaube kaum, dass er sich auf eine Therapie einlassen würde.
Wenn er ein halbes Jahr auf einen Termin warten muss, das würde ihm
vermutlich auch nicht sehr helfen.

Hat jemand einen guten Tipp?

Danke!

Liebe Grüße
usch

Es könnte Sinn machen, einen Psychiater aufzusuchen. Die sog. postraumatische Belastungsstörung vorübergehend durch Medkikamente zu lindern. Später kann man weitersehen.

Beim Psychiater Notfall anmelden. Dann muss er jemanden dazwischen nehmen. Sonst wäre das unterlassene Hilfeleistung und eine Straftat.

Beim Psychiater Notfall anmelden. Dann muss er jemanden
dazwischen nehmen. Sonst wäre das unterlassene Hilfeleistung
und eine Straftat.

Aha! Und wo steht das?

Auch grußlos

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ob unterlassene Hilfeleistung oder nicht, ich denke, das wäre das
letzte worauf er sich einlassen würde.

Der Unfall ist noch nicht lange her.

Meint Ihr, es sei zwingend notwendig, einen Psychiater aufzusuchen?

Sorry, meine Frage hört sich vielleicht doof an, soll es aber gar nicht.

Aber ist es nicht natürlich, dass man zunächst erst einmal geschockt ist und das Geschehen verarbeiten muss?

Muss man nicht erst mal selbst schauen, ob und wie man damit klar kommt? Und ggf. fachliche Hilfe in Anspruch nehmen, wenn man merkt, es geht gar nicht?

Sorry, wenn ich dumme Fragen stelle.

Ich möchte ganz einfach nur helfen ohne ihn zu „überlatschen“.

Liebe Grüße
usch

Hallo,

Muss man nicht erst mal selbst schauen, ob und wie man damit
klar kommt?

Nein, so ein Erlebnis übersteigt sicher das Maß dessen, womit jemand klar kommen kann. Ich kann nur dazu raten, Hilfe zu suchen, und zwar gerade jetzt, wenn das Erlebnis noch nicht lange her ist, und nicht irgendwann einmal, wenn sich zeigt, daß es ohne Hilfe doch nicht geht.

Unabhängig davon, ob es möglich ist, einen baldigen Termin bei einem Psychotherapeuten oder Psychiater zu bekommen, kann gerade in so einem Fall auch z. B. die Telefonseelsorge sehr hilfreich sein. Auch ein Freund, der zuhören kann. Und natürlich ist es auch wertvoll, wenn Du da bist.

Gerade in der ersten Zeit (in den ersten Tagen und Wochen!) ist es wichtig, darüber reden zu können, um den Verarbeitungsprozeß ins Laufen zu bringen.

Grüße,

I.

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Hallo,

Meint Ihr, es sei zwingend notwendig, einen Psychiater aufzusuchen?

Nein. Es gibt Menschen, die ganz hervorragend allein mit schwierigen Erlebnissen fertig werden. Und selbst, wenn es nicht so ist: Die Erkenntnis, professionelle Hilfe in Anspruch nehmen zu wollen, muss vom Betroffenen selbst kommen.

Aber ist es nicht natürlich, dass man zunächst erst einmal geschockt ist und das Geschehen verarbeiten muss?

Ja, auch das ist normal.

Ich möchte ganz einfach nur helfen ohne ihn zu „überlatschen“.

Dann frag’ ihn doch, was ihm zur Zeit am Meisten hilft. Und wenn er gerne in Ruhe gelassen werden möchte, dann lass’ ihn und vertrau’ darauf, dass er für sich selbst sorgen kann.

Du kannst ihm die Last nicht leichter machen. Es gehört auch zur Verarbeitung, durch ein tiefes Tal von Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen zu gehen. Und es ist gut möglich, dass er diese niemals ganz los wird - Therapie hin oder her. Verzeihen muss er sich selbst, und es nützt ihm im Augenblick vermutlich wenig, wenn andere ihm sagen, dass es nichts zu verzeihen gibt, weil er den Unfall vielleicht gar nicht verhindern konnte.

Schöne Grüße,
Jule

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Hallo,

das steht unter § 323c im Strafgesetzbuch.

Es ist natürlich nicht eindeutig, ob hier wirklich eine (Lebens)gefahr besteht.

Eine psychiatrische Abteilung sollte ihn aber, wenn er an der Türe klopft nicht abweisen.

Viele Grüße

Danke Jule,
da hast Du wohl recht. Ihm ist von allen möglichen Stellen versichert worden, dass er den Unfall nicht hätte verhindern können, trotzdem gibt es da noch tausend wenn und abers. Eine halbe Stunde vorher hat eine Frau an genau derselben Stelle aufgrund der Verschmutzung auf der Straße die Kontrolle über ihr Auto verloren. Sie ist im Graben gelandet.

Mehr als da sein und zuhören kann ich nicht, das ist mir klar. Ich bin ja eigentlich schon froh, dass er überhaupt darüber redet, denn eigentlich ist er nicht so ein großer Redner.

Der Unfall ist in Frankreich passiert. Dazu möchte ich sagen, dass
ich zutiefst berührt bin, wie die Franzosen in seinem Umfeld reagiert haben. „Komm zu uns nach Hause und lass uns Essen und Reden“ … Klasse!

Liebe Grüße
usch

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Danke idomeneo,

ich denke auch, dass das alles übersteigt, was man sich vorstellen
kann. Der Albtraum eines jeden Autofahrers?

Du hast sicher recht, dass eine fachliche Hilfe da nicht so falsch wäre. Aber wie gesagt, ich glaube nicht, dass er sich ohne Not darauf einlassen würde. „Ohne Not“ trifft ja ziemlich gut das, was Du meinst.

Deswegen ja auch meine Frage. Aber ich denke mehr als zuhören geht wohl nicht.

Liebe Grüße
usch

hi
Danke für den Paragraphen.
Eine Diagnose kann man hier auch nicht stellen.
Ich denke aber, da befindet sich jemand in einem Ausnahmezustand. Da ist man nicht so souverän und entscheidungsfreudig. Liebevolle Entlastung und viell. gutes zureden, ohne was erzwingen zu wollen, wäre nicht verkehrt. Ich weiß wovon ich rede.
Ein vernünftiger Arzt wird auch nicht abweisen. Er hat ein Ethos zu vertreten. Der Hinweis, das es eine Pflicht gibt, sollte nur Mut machen es zu versuchen und nicht der Annahme folgen, man müsse monatelang auf einen Termin warten. Ob man nach der mögliche ersten Hilfe dann eine Trauma- oder sonstige Therapie möchte, sei erstmal dahingestellt und kann später entschieden werden. Ergibt sich vielleicht aus dem Gespräch. Ein wenig liebevolle Führung kann ein traumatisierter Mensch schon gebrauchen. Wie gesagt, ich weiß wovon ich rede.
gute Nacht
didiba

P.S.
diesmal mit Gruß
Ich habe der Milch gesagt dass sie nicht unzeitgemäß überkochen soll. Dem Hund, er soll nicht vor der Tür pinkeln. Der Türklingel, sie könne auch später aktiv werden. Dem Kind, das mit dem auf die Nase fallen wäre unnötig. Was war da gerade noch?
na denn
gute Nacht

Hallo,
leider sieht die Realität etwas anders aus - da kann man schon locker als Kassenpatient ein Vierteljahr auf einen Termin beim Facharzt warten. Bei psychischen Erkrankungen, wie hier ein Trauma oder auch Detression hift einem das nicht wirklich weiter.

Da muss man übertreiben (als ob der tatsächliche Zustand nicht schlimm genug wäre) um eventuell eine Chance zu haben. Daher mein Rat in die Klinik zu fahren und notfalls auf kurzfristige stationäre Behandlung bestehen. Im Anschluss ist es oft einfacher die Therapie in ambulanten Sitzungen fortzuführen.

Eine andere Alternative wäre die Polizei zu kontaktieren. Sie haben für solche Fälle Psychologen, die weiterhelfen können.

Viele Grüße