Unfallversicherung, was brauche ich?

Hallo Leute,

ich habe demnächst einen Termin bei meinen Bankberater, der sagte, dass ich unbedingt eine Berufsunfähigkeitsversicherung sowie eine Unfallversicherung brauche (schließlich will er ja auch was verkaufen, ist ja sein gutes Recht)

Die Unfallversicherung wollte ich erst noch außen vor lassen, da ich Industriekaufmann bin, und hier das Risiko noch nicht so sehe, dass viel passiert. Zudem ist diese ja auch teurer, als die Unfallversicherung.

Also zur Unfallversicherung:

  • Welche Leistungen sollten hier unbedingt abgedeckt sein, und in welcher Höhe? (Einmalzahlung, Unfall-Rente, Progression…)
  • Welche Leistungen kann man sich sparen, da sie nicht nötig sind (Beitragsrückgewähr? Krankenhaustagegeld? Zahlung im Todesfall?)

Gruß,
Stefan.

Hi Stefan.

So pauschal kann man wenig dazu sagen, was für dich notwendig ist, da dies immer von deiner Lebenssituation und -planung abhängt.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) würde ich an deiner Stelle auf jeden Fall abschließen. Wenn in deinem Beruf wenig passiert, ist sie entsprechend günstig. Das Risiko was du mit der BUV absicherst, ist im Fall der Fälle sehr sehr kostspielig.
Ließ dir auf jeden Fall die Versicherungsbedingungen durch und überlege dir, was dies konkret!!! bedeutet.
Danach solltest du dich dann entscheiden.

Liebe Grüße

Dirk Andreas

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Hallo Stefan,

Die Unfallversicherung wollte ich erst noch außen vor lassen,
da ich Industriekaufmann bin, und hier das Risiko noch nicht
so sehe, dass viel passiert.

Vermutlich hast Du Dich verschrieben? Lass die UV außen vor, die ist nicht so wichtig wie eine BUV. Sieh es doch mal so: wenn die UV-Beiträge so günstig sind, scheint es wohl nicht so viele Leistungsfälle zu geben. Im BU-Bereich sieht das ganz anders aus.

Die BUV ist ein „Muss“, sofern Du eine gute Gesellschaft gewählt hast.

Gruß,
Andreas

Hallo,

ich halte die „Berufsunfähigkeitsversicherung“ für eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt, denn sie sichert Deine Arbeitskraft ab – die meisten Fälle von Berufsunfähigkeit entstehen durch Krankheiten (zB Rückenleiden / Bandscheiben).
Im Falle eines Falles zahlt der Staat in den meisten Fällen nichts oder „so gut wie nichts“ mehr.
Dabei sollte die BU-Rente mindestens 1.000,-- Euro betragen (eher mehr) und die Laufzeit der Versicherung sollte bis zum Rentenalter laufen (also 65. Lebensjahr).
In der Ausgabe 7/2005 der Zeitschrift „Finanztest“ gibt es einen aktuellen Vergleich zum Thema „Berufsunfähigkeit“.

Eine private Unfallversicherung ist zu überlegen, da sie vor allem die Risiken von Unfällen im privaten Bereich absichern soll (zB Unfälle im Haushalt und Verkehrsunfälle).
Hier sollte die Progression sehr zeitig einsetzen (ab 20%). Die Versicherungssumme sollte mindestens bei 50.000,- Euro liegen.
Wenn man Arbeitnehmer ist und Anspruch auf Krankengeld hat, dann kann man das sogenannt „Unfallkrankentagegeld“ bzw. „Unfall-Krankenhaustagegeld“ weglassen (das maximiert nur die Provision des Vermittlers).

Eventuell kann man sich überlegen, eine zusätzliche Ergänzungsversicherung bei einer privaten Krankenversicherung über Krankentagegeld abzuschließen (z.B. ab dem 46. Krankheitstag oder dem 365. Krankheitstag).

Gruß von Fennchurch

Die Berufsunfähigkeitsabsicherung ist trotzdem sinnvoll. Bereits heute gehen ca. 1/3 aller BU Anträge auf psychische Störungen zurück. Auch wird es mit zunehmendem Alter schwieriger in der BU aufgenommen zu werden. So wird ca. jede 3. eingereichte Antrag bereits abgelehnt. Daher lohnt sich der Einstieg auf jeden Fall, wenn möglich.

In der Unfallversicherung sollte man schon recht umfangreiche Bedingungen und nicht das günstigste Angebot zugrunde legen.
So gibt es z.B. nur wenige Versicherer die z.B. einen Unfall nach einem Schlaganfall als Unfall im Versicherungssinne werten. Alternativ Herzanfall oder ähnliches.
Darüber hinaus kann man in der Unfallversicherung Leistungen einschliessen die Invalidität durch Insektenstiche, Infektionskrankheiten, Lebensmittelvergiftung usw. beinhalten.

Abgeraten wird von einer Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr (erst neulich in PlusMinus im Fernsehen). Hier wird eine Unfallverischerung mit einer Renten-/Lebensversicherung gekoppelt. Den Differenzbeitrag zu einer reinen Risikoversicherung auf ein Sparbuch gelegt ergibt da oft mehr Geld. Also keine gute Option !

Bei einer Unfallversicherung sollte vor allem der Lebensstandart bei höheren Invaliditätsgraden ausreichend abgesichert sein. So empfiehlt sich eine Progression. Bei weniger Invalidität gibt es etwas weniger, bei höheren Invaliditätsgraden potenziert sich das Ganze mit dem Progressionssatz.

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Hallo Stefan,
vieles von dem, was andere hier bereits geantwortet haben, kann auch ich nur unterstreichen (BU-Versicherung = wichtig!!).

Zwei Aspekte möchte ich noch hinzufügen:
Zum einen kann ich die Ansicht, aufgrund des scheinbar geringen Risikos eines Industriekaufmanns die BU-Vers. erst mal weg zu lassen, zwar aus der Sicht eines gesunden Menschen nachvollziehen. Es ist jedoch zu bedenken, dass sich die Frage nach dem Ab- (bzw. Ein-)schluß einer solchen Versicherung gar nicht mehr stellt, wenn die Beschwerden einmal da sind. Denn dann zeichnet (fast) keine Gesellschaft mehr das Risiko (brennende Häuser sind nicht mehr gegen „Feuer“ versicherbar).
Von daher würde ich gerade jetzt, wo die Chance auf einen kompletten Vertrag ohne Ausschlüsse besteht, eine BU-Vers. abschliessen.

Den zweiten Aspekt sehe ich darin, dass es eigentlich kein „entweder (Unfallvers.) oder (BU-Vers.)“ gibt, da sich beide Versicherungsarten nicht gegenseitig ausschließen, sondern im Gegenteil ergänzen. Lediglich auf eine Unfallrente kann man - bei ausreichender Bemessung - einer BU-rente eventuell verzichten (jedoch Achtung: nicht jeder schwere Unfall führt auch zur BU).

Ob man bestimmte Leistungsarten der Unfallversicherung haben will oder nicht, hängt von den persönlichen Ansprüchen, den Umständen und der übrigen (Versicherungs-)situation ab:

Invaliditätssumme: wichtig (würde ich pers. nicht unter 50Tsd. ansetzen, eher mehr)
Progression: wichtig (und besser als sog. Mehrleistung; mind. 225%, je höher desto besser)
Todesfallsumme: weniger wichtig (besser über Risiko-LV (zahlt auch bei Tod ohne Unfall); eher uninteressant für Singles von denen wirtschaftlich niemand abhängt)
KH-Tagegeld: nice to have, eher unwichtig
Genesungsgeld: s.o.
Übergangsgeld: unwichtig, da aufgrund der einzelnen Bedingungen nur in wenigen Fällen Leistungspflicht besteht
Unfall-Rente: weniger wichtig, wenn ordentliche BU-Absicherung besteht
Kosm. Operationen, Bergungskosten, Kurbeihilfe, etc.: in den meisten Tarifen kostenlos mitversichert

Ansonsten gilt: es gibt (wie bereits von anderen hier gesagt) in den Bedingungen der Versicherer z.T. deutliche Unterschiede (Infektionsklausel, verbesserte Gliedertaxe, Pflichtgefühl-Klausel, usw.). Bitte genau informieren!!

Ach ja, und Beitragsrückgewähr: das fällt schon fast in die Kategorie „Bauernfängerei“ (persönliche Meinung).

Mit freundlichen Grüßen
Frank Hackenbruch

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Hallo Stefan,

auch ich möchte mich den bisherigen Meinungen anschließen: eine BU-Versicherung (BUV) wäre wichtiger als eine Unfallversicherung (UV)!

Solltest Du aber aus gesundheitlichen Gründen keine akzeptable BUV bekommen oder Dich aus Kostengründen nur für die UV entscheiden, möchte ich Dir noch ein paar Tips (ich bin Anhänger der alten Rechtschreibung) zur UV geben.

Dabei gehe ich davon aus, daß eine UV die versicherte Person finanziell absichern soll, falls sie durch die Folgen eines Unfalls ihren Beruf nicht mehr oder nicht mehr vollständig ausüben kann. Dies kommt zwar glücklicherweise relativ selten vor. Aber den Betroffenen, die keine BUV und auch keine UV hatten, können sich damit auch nicht trösten. Daraus erklärt sich aber, warum eine Unfallversicherung so preiswert sein kann.

Unter dem o.g. Gesichtspunkt kannst Du natürlich auf Krankenhaustage-, Genesungs- und Übergangsgeld verzichten, das Ausbleiben dieser Leistungen wird Dich im Falle eines Falles bestimmt nicht ruinieren.

Wichtig ist aber die Kombination aus Grundinvaliditätssumme und Progression. Die Progression sorgt dafür, daß die Versicherungsleistung mit zunehmendem Invaliditätsgrad progressiv steigt.

Mit einer Grundvaliditätssumme von 100.000 Euro bei 350% Progression würden also z.B. bei 60%-iger Invalidität 150.000 Euro und bei 100%-iger Invalidität 350.000 Euro zur Auszahlung gelangen. Dies sollte für den Durchschnittsbürger ohne zusätzliche Verpflichtungen ausreichend sein.

Wählt man dagegen eine Grundinvaliditätssumme von 70.000 Euro bei 500% Progression, würden bei 100%-iger Invalidität ebenfalls 350.000 Euro zur Auszahlung gelangen. Bei 60%-iger Invalidität kämen dagegen nur 112.000 bis 126.000 Euro zur Auszahlung. Dieser Wert schwankt etwas, da die Versicherer die Werte trotz gleicher Progressionsbezeichnung unterschiedlich berechnen!

Ich denke, mit einer 350%-igen Progression trifft man einen guten Kompromiss bezüglich Preis und Leistung auch bei niedrigeren Invaliditätsgraden.

Nicht ganz unwichtig ist aber auch die Todesfall-Leistung. Ich empfehle jedem, eine kleine Todesfall-Leistung zwischen 5.000 und 20.000 Euro zu vereinbaren. Stirbt nämlich die versicherte Person unfallbedingt innerhalb eines Jahres nach dem Unfall, besteht entsprechend den Versicherungsbedingungen kein Anspruch auf die Invaliditätsleistung. Deshalb leisten die Versicherer vor Abschluß des Heilverfahrens innerhalb des ersten Jahres nach dem Unfall nur bis zur Höhe der vereinbarten Todesfall-Leistung. Gut, wenn dann eine solche vereinbart war!

Und ob Leistungen für kosmetische Operationen mitversichert sein sollen, daß muß jeder für sich entscheiden. Wenn ja, dann sollte man jedoch prüfen, ob auch Zahnarzt- und Zahnlaborkosten erstattet werden, wenn natürliche Zähne (zumindest die sichtbaren) beschädigt wurden.

Wichtig sind dann natürlich auch noch die Versicherungsbedingungen - insbesondere die Definition des Unfallbegriffes.

So gibt es immer noch Versicherer, die Unfälle bei Maßnahmen zur Rettung von Menschen, Tieren und Sachen ausschließen, weil derartig erlittene Gesundheitsschäden ja bewußt und freiwillig in Kauf genommen wurden. Ein Unfall muß aber unfreiwillig erlitten worden sein.

Ebenfalls angesprochen wurde schon die Mitversicherung von Unfallfolgen durch Herzinfarkt sowie Schlaganfall. Es gibt noch nicht viele Gesellschaften, die dies anbieten. Aber man sollte dennoch darauf achten!

Letztlich bleibt nich die Mitversicherung von Infektionen durch Insektenstiche und sonstige von Tieren (z.B. Zecken) verursachte Hautverletzungen und die Mitversicherung von Infektionskrankheiten (z.B. Cholera, Diphterie, Gürtelrose, spinale Kinderlähmung, Tuberkolose usw.) zu erwähnen, da dies mit zunehmender Globalisierung offenbar auch an Bedeutung gewinnt.

Ich hoffe, Dir mit diesem etwas ausführlicheren Artikel geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Gerd

BU auch unter folgenden Bedingungen?
Hallo, vielen Dank erstmal für alle Antworten.

Ist die BU denn auch unter folgenden Bedingungen wichtig?

  • Wie gesagt, ich bin auf Büro tätig.
  • Zum Thema Bandscheibe oder Rücken: Ich gehe regelmäßig ins Fitnessstudio, mache hier auch viel Rückentraining.
  • Zum Thema Psyche: Ich habe wohl die ersten Jahre noch nicht sehr viel Stress oder Druck im Job. Das war in der Ausbildung anders, dafür hab ich hier ein dickes Fell bekommen, bin also relativ belastbar.

Kann mir noch viel passieren?

Gruß,
Stefan.

Hallo nochmal, Stefan,

um deine Frage definitiv beantworten zu können, müßte man in die Glaskugel schauen.
Daher: Du bist „Chef im Ring“. Letztendlich mußt Du entscheiden, welche Risiken Du absicherst, oder nicht (ich glaube mich an eine ähnliche Diskussion vor einiger Zeit hier zu erinnern, in welcher es um die umgekehrte Situation ging (BU ja, Unfall nein?)).

Wenn man aber bedenkt, dass izwischen jeder dritte Arbeiter und jeder vierte Angestellte (Büro!!) vor dem Eintritt in die Altersrente einen Antrag auf BU stellt, dann kannst Du ja schon mal bei Euch im Büro anfangen, die Kollegen abzuzählen (tschuldigung, nicht ganz ernst gemeint).

Leider erlebt man es häufiger, dass gerade junge Leute sich zunächst nicht versichern wollen (was an sich absolut legitim ist), irgendwann merken, dass sie doch nicht gegen alle Umwelteinflüsse und Krankheiten gefeit sind und dann feststellen müssen, dass sie keiner mehr versichern möchte.
Natürlich heißt das nicht, dass das auch auf dich zutrifft (hoffentlich wirst Du kerngesund steinalt). Möglich, dass Du Dich jetzt gegen BU absicherst und 40 Jahre nix passiert.
Womit wir wieder bei der Glaskugel wären…

Mit freundlichen Grüßen
Frank Hackenbruch

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Hallo Stefan !

Also dass Du im Büro wenig Stress hast und regelmässig SPort machst hat nichts damit zu tun das Du deshalb keine BU benötigst. Psychische Sachen werden leider immer noch häufig als Resultat von Stress gesehen. Dabei ist lange bewiesen das die meisten Fälle auf eine Nichtfunktion gewisser Botenstoffe zurückzuführen sind. Dieses Risiko ist für alle gleich. Studien haben sogar bewiesen das gestresste Manager selten anfällig sind.
Darüber hinaus gibt es ja auch jede Menge andere Krankheiten und wenn Du in einem Büro arbeitest ist das Risiko geringer, dafür zahlst Du aber auch bis zu 50% weniger Beitrag als ein Handwerker.

Hallo, vielen Dank erstmal für alle Antworten.

Ist die BU denn auch unter folgenden Bedingungen wichtig?

  • Wie gesagt, ich bin auf Büro tätig.
  • Zum Thema Bandscheibe oder Rücken: Ich gehe regelmäßig ins
    Fitnessstudio, mache hier auch viel Rückentraining.
  • Zum Thema Psyche: Ich habe wohl die ersten Jahre noch nicht
    sehr viel Stress oder Druck im Job. Das war in der Ausbildung
    anders, dafür hab ich hier ein dickes Fell bekommen, bin also
    relativ belastbar.

Kann mir noch viel passieren?

Gruß,
Stefan.

Zur Notwendigkeit der BU ist schon alles gesagt worden, bis auf eines:
Je zeitiger Du Dich versicherst, um so billiger ist es (d.h. je jünger und gesünder der Antragsteller ist, um so billiger ist es); wenn Du Dich erst in 10 oder 15 Jahren dazu entschließt, wird es definitiv teurer…