Unfehlbarkeit des Papstes

Hallo,
Kann der Papst sich eigentlich wegen seiner Unfehlbarkeit auf die Bibel berufen? Kennt jemand passende Bibelstellen?

Lieber Gruß

Hi petra,

die katholische Kirche behauptet nicht mehr die Unfehlbarkeit des Papstes. Diese wurde durch Pius IX erst verkündet 1864 und schon 1870 wieder eingeschränkt.

Es wird danach nur noch behauptet, dass er unfehlbar sei, wenn er „ex catedra“ dh. quasi offiziell als Nachfolger von Petrus spricht.

Genau genommen wäre ja auch ein unfehlbarer Papst nicht so ganz mit der Geschichte = Borgia-Päpste, die Rolle des Vatikan in der Nazizeit etc. zu vereinbaren und ausserdem schon beinahe Blasphemie, da sich ein solcher vollkommen unfehlbarer Papst mit Gott gleichstellen würde (dem ja als einzigen Unfehlbarkeit zugesprochen wird).

Andreas

Hallo Petra,

die Unfehlbarkeit des Papstes in Lehrentscheidungen von höchstem Rang (nicht bei der Wettervorhersage - und auch nicht in jedem Wort jeder Enzyklika) wurde vom 1. Vatikanischen Konzil 1870 zur Glaubenslehre erhoben, war aber schon vorher allgemeiner Glaube der katholischen Kirche. (Auch die große Mehrheit der Gegner von damals leugnete nicht den Inhalt, sondern nur die Opportunität des Dogmas.)

Diese Lehre ist aber nur richtig verstanden auf dem Hintergrund der Lehre von der Unfehlbarkeit des ganzen Gottesvolks , wie sie z.B. Joh 16,13-15 versprochen ist. Der Papst kann keine neuen Lehren „erfinden“, sondern nur den (überlieferten) Glauben der Kirche formulieren und verdeutlichen - als Inhaber des Petrus-Amts (Mt 16,18f).

Gruß,
Peter

Unfehlbarkeit der Kirche
Hallo Andreas,

die katholische Kirche behauptet nicht mehr die Unfehlbarkeit
des Papstes.

Interessante These. Die Unfehlbarkeit des Papstes wurde auch durch das II. Vaticanum ausdrücklich bestätigt, nämlich durch die Kirchenkonstitution Lumen gentium.

http://www.stjosef.at/konzil/LG.htm

Es wird danach nur noch behauptet, dass er unfehlbar sei, wenn
er „ex catedra“ dh. quasi offiziell als Nachfolger von Petrus
spricht.

In Lumen gentium (Nr. 25) ist offziell festgeschrieben, dass es zwei Arten der Unfehlbarkeit des Lehramtes gibt:

  • die Unfehlbarkeit des außerordentlichen Lehramts, wenn der Papst „ex cathedra“ spricht oder ein ökumenisches Konzil definiert, und
  • die Unfehlbarkeit des ordentlichen Lehramts, wenn Papst und Bischöfe in einer bestimmten Glaubens- oder Sittenlehre selbstverständlich übereinstimmen.

Auf diese zweite Art der Unfehlbarkeit berief sich die Kongregation für die Glaubenslehre 1995 in ihrer Verlautbarung zur Frage der Frauenordination.

Grüße
Wolfgang

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Links?
Da ich eine Hausarbeit über „Papst“ schreibe - kennt jemand gute Links oder empfehlenswerte Bücher zur Unfehlbarkeit des Papstes?
(google ist so endlos…)
Was bedeutet Unfehlbarkeit des Papstes überhaupt?

Wäre echt lieb…
Gruß Petra

Hi

Bei Google ist das nicht soooo schwer,

Du musst bloss genug Suchwörter eingeben, die im Text vorkommen müssen, das schränkt die Treffer ungemein ein zb:

„Unfehlbarkeit Papst Pius“ , die relevanten Treffer werden zuerst angezeigt, so dass Du gar nicht mehr als die ersten 2- 3 Ergebnis-Seiten durchforsten musst.

Na ja nebenbei lernst du eben auch noch mit einer Suchmaschine zu arbeiten :wink:

Viel Spass bei der Suche

A.

Was bedeutet Unfehlbarkeit des Papstes überhaupt?

Hallo Petra,

das Grundwort ist „fehlen“ in der alten Bedeutung „irren“, „etwas ver-fehlen“. (Das lateinische Wort ist „infallibilitas“. „Fallere“ = sich irren.) „Fehlbar“ sein bedeutet „irren können“, also eine der menschlichen Grundeigenschaften.

Die Kirche hat sich aber seit biblischen Tagen darauf verlassen, dass sie im Entscheidenden des Christusglaubens nicht irren wird: Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. (Joh 16,13ff)

Da es naturgemäß im Verlauf der Geistes- und Glaubensgeschichte immer neue Fragen und immer neue Antworten gibt, bleiben Kontroversen und Widersprüche nicht aus (schon im Neuen Testament). Die meisten davon stellen (Gott sei Dank) die Glaubens- und Kirchengemeinschaft nicht in Frage.

Manchmal sind aber Entscheidungen nötig, die nur eine bevollmächtigte Autorität fällen kann. Solche Lehrautoritäten gibt es in allen christlichen Kirchen. Die katholische Kirche sieht sie im Bischof von Rom, dem Nachfolger des Apostelsprechers Petrus: Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. (Matt. 16,17ff)

Wenn der Papst darum im Namen der Gesamtkirche eine Glaubensantwort (ein Dogma) endgültig (ex cathedra = Lehrstuhl des Apostels Petrus) verkündet, gilt ihm dabei die Verheißung Christi von der Unfehlbarkeit der Kirche: Diese Glaubensantwort kann und muss zwar immer neu interpretiert werden, es gibt aber keinen Weg hinter sie zurück.

Nicht weniger und nicht mehr besagt „Unfehlbarkeit des Papstes“.

Gruß,
Peter

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Bücher
Hans Küng:
Unfehlbar? Eine unerledigte Anfrage.
München: Piper 1989.
ISBN: 3492110169 Buch anschauen

August Bernhard Hasler:
Wie der Papst unfehlbar wurde. Macht und Ohnmacht eines Dogmas
Frankfurt/M., Berlin, Wien: Ullstein 1981
ISBN 3-548-34053-9 Buch anschauen

Beides wohl vergriffen, aber in guten Bibliotheken zu finden.

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