Unfehlbarkeitsdogma

Lieber Experte,
ich möchte Sie fragen, ob Sie bereit wären meine Präsentation und das dazugehörige Handout zum Thema „Unfehlbarkeitsdogma des Papstes“ durchzuschauen und nach Möglichkeit zu korrigieren.
Denn leider habe ich unterschiedliche Quellen, die sich teilweise widersprechen. Und da es meine Präsentationprüfung des Abiturs sein wird, würde ich gerne korrekte Daten und Fakten präsentieren.
Wenn Sie mir helfen können und möchten, melden Sie sich bitte kurz, dann würde ich Ihnen die Dateien schicken.

Liebe Grüße,
Ringelsocke

Hallo,

da haben sie sich ja ein interessantes, kontroverses Thema ausgesucht :wink:

Ihre Ausarbeitung würde mich interessieren!

Gruß
Andreas Pielmeier

Hallo,

ja interessant und kontrovers ist es wirklich.
Aber in der Prüfung ist alles gut gegangen (15Punkte), von daher bereue ich es nicht dieses Thema ausgesucht zu haben, auch wenn ich mir bewusst war, dass es problematisch werden kann.
Anbei schicke ich Ihnen mein Handout.

Liebe Grüße,
Ringelsocke

Das Unfehlbarkeitsdogma des Papstes
Referentin: Ann-Kathrin Goldammer

1 Definition
1.1 Unfehlbarkeit (allgemein)
Irrtumslosigkeit, Fehlerlosigkeit, Perfektion im Handeln und Tun.
1.2 Dogma
Formulierung einer religiösen Glaubenslehre, die nachweislich in den „Heiligen Schriften und apostolischen Traditionen“ der Kirche enthalten ist und als unfehlbare Glaubenswahrheit defi-niert wird.
1.3 Unfehlbarkeit des Papstes (lat.: Infallibilität des Papstes)
Der Papst wird in Entscheidungen, die die Glaubens- und Sittenlehre betreffen vor Irrtum be-wahrt, weil er dabei vom Heiligen Geist Beistand erfährt.

2 Entstehung des Unfehlbarkeitsdogmas
2.1 Vorgeschichte
Diskussionen bezüglich eines Unfehlbarkeitsanspruches der Kirche und des Papstes gab es schon lange vor dem 19. Jahrhundert. Daher ist das 1. Vatikanische Konzil nicht dessen Erfinderin. Im Grunde bestand seit der Entstehung der katholischen Kirche ein Unfehlbarkeitsanspruch der Kirchenlehre.
 Warum dann das Unfehlbarkeitsdogma?
2.2 Situation der Kirche im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert stand die katholische Kirche unter enormem Druck: in Frankreich wirkte die Revolution nach, in Deutschland führte die Säkularisation dazu, dass die Kirche ihre Privilegien und Pfründe verlor und in Italien brach der Kirchenstaat zusammen. In diesen Krisenzeiten wollte der Vatikan seine geistliche Macht zusammenhalten, absichern und verteidigen!
2.3 Das 1. Vatikanische Konzil 1869/70
Im Vorfeld des Konzils gab es heftige Kontroversen über die Unfehlbarkeit. Nicht zuletzt lehnten etwa 20% der Bischöfe, die am Konzil teilnahmen, das Dogma ab. Allerdings reisten diese teilweise bereits vor der Abstimmung ab. Aber das Dogma wurde dennoch auf dem Konzil erfolgreich beschlossen.

3 Inhalt des Unfehlbarkeitsdogmas
3.1 Grundlagen
Das Unfehlbarkeitsdogma bezieht sich nicht nur auf die päpstliche Unfehlbarkeit. Vielmehr liegt der gewichtigste Teil auf der Unfehlbarkeit der Kirche, denn wenn die Kirche an sich unfehlbar ist, sind es auch deren Traditionen.
3.2 Unfehlbarkeit des Papstes
Die Verlautbarungen des Papstes gelten nur als unfehlbar, wenn sie gewisse Bedingungen erfüllen. So müssen die Verlautbarungen die Glaubens- und Sittenlehre betreffen und der Bewahrung der authentischen Lehre (er darf nicht Neues enthalten) dienen. Zudem muss der Papst seinen Lehrsatz ausdrücklich zum Dogma erklären.

4 Begründung des Dogmas
Das Dogma wird zunächst damit begründet, dass der Heilige Geist die Kirche in der Wahrheit lehrt und erhält (Joh 16,13), der Heilige Geist steht somit der gesamten Kirche bei. Zudem er-nannte Jesus Petrus als seinen Nachfolger und gab diesem auch die Unfehlbarkeit in die Hände. Dadurch sind bis heute alle Päpste unfehlbar, da sie Nachfolger von Petrus sind.

5 Die Unfehlbarkeit in der Bibel
Petrus hat die Unfehlbarkeit, die ihm von Jesus, als eine Art Vollmacht, übertragen wurde mehrfach angewendet.
Beispiele:

  • Taufe des Kornelius (Apg 10, 23bff)
     „Nun erfahr ich mit der Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in allerlei
    Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.“ (Apg 10, 34-35)
  • Letzte Auslegungsinstanz der Heiligen Schrift
    ð „Keine Weissagung der Schrift darf eigenmächtig ausgelegt werden“ (2 Petr 1,20)

6 Ist das Unfehlbarkeitsdogma zeitgemäß?
Wenn man betrachtet, dass das Unfehlbarkeitsdogma seit 1870 erst einmal angewendet wurde und es aus der Glaubens- und Sittenlehre kaum noch unverbindliche Lehraussagen gibt, kann man schon anzweifeln, ob es zeitgemäß ist. Allerdings wurde das Unfehlbarkeitsdogma, gegen jegliche Kritik, auf dem 2. Vatikanischen Konzil bekräftigt und somit beibehalten.
Geht es überhaupt, wenn man die dogmatische Definition betrachtet, ein Dogma zu widerrufen? Wohl eher nicht, denn wäre es dann noch eine unfehlbare Glaubenswahrheit?

Sehr geehrte Frau Goldammer,

tut mir jetzt nachträglich leid, so spät geantwortet zu haben und freue mich, dass sie dieses Ergebnis erreicht haben.

Das ist nun mal kein Thema, dass man in ein paar Tagen vernünftig mit Fakten stützen kann. Für mich waren aber ein paar Denkanstösse dabei.

Ich wünsche ihnen noch viel Erfolg auf ihrem weiteren Weg und eine schöne Zeit.

Lieben Gruß

Andreas Pielmeier