Ungereimtheiten

Hallo.

In einem Gespräch mit jemandem sind mir einige Dinge aufgefallen, die mir seltsam erscheinen:
Sie ist ihrer Aussage nach Halb-Amerikanerin und 22 Jahre alt. Ihr Vater habe vor ihrer Geburt ihre aus Amerika zugezogene Mutter in Berlin (Westen) kennengelernt. Dann hätte der Vater ein Haus in Dresden geerbt und sei mit der Mutter nach Dresden gezogen, wo sie, mit der ich gesprochen habe, dann zur Welt gekommen sei.
Die Auffälligkeit ist: Konnte man Anfang der 80er Jahre als Westberliner, auch mit amerikanischer Ehefrau, einfach so in die DDR ziehen? Kann mir dsa jemand näher erklären?

Grüße
Ostlandreiter

Ergänzung
Und falls das rein theoretisch möglich war: Wer wäre, egal ob Haus geerbtr oder nicht, zu der Zeit freiwillig in die DDR gezogen?

Und falls das rein theoretisch möglich war: Wer wäre, egal ob
Haus geerbtr oder nicht, zu der Zeit freiwillig in die DDR
gezogen?

Hallo

In der DDR lebten viele Ausländer. Freiwillig und ohne Auftrag ihres Landes.

mfgConrad

In der DDR lebten viele Ausländer. Freiwillig und ohne Auftrag
ihres Landes.

Gut, Ausländer ist ja schwammig. Vietnamesen und Bulgaren waren ja auch Ausländer. Aber Amerikaner, um 1980?

In der DDR lebten viele Ausländer. Freiwillig und ohne Auftrag
ihres Landes.

Gut, Ausländer ist ja schwammig. Vietnamesen und Bulgaren
waren ja auch Ausländer. Aber Amerikaner, um 1980?

ja, auch andere Nationen. Z.B. Schweizer .
Es waren natürlich keine zigtausend, aber es gab sie. Ehem. DDR-Bewohner wissen sicher mehr darüber.

Hallo Ostlandreiter,
in der DDR war jeder Ausländer willkommen. Nicht weil er als Mensch willkommen war, sondern weil diese Umsiedlung politisch ausgeschlachtet werden konnte. Es bewies doch wie weltoffen, lebenswert und demokratisch die DDR war(ohne Kommentar). Wer kein Haus geerbt hatte bekam sofort eine Wohnung und brauchte nicht jahrelang auf eine Plattenwohnung warten. Ich erinnere mich an einen amerikanischen Schauspieler (Name weis ich nicht mehr), wurde wochenlang ausgeschlachtet und er hatte ziemliche Narrenfreiheit, war für mich schauspielerisch eine Null, er hatte aber seinen Zweck erfüllt. Natürlich hat die Stasi jeden gründlich durchleuchtet, gab`s keinen „Makel“, war die nächste Erfolgsmeldung sicher. Wie das alles genau abgelaufen war könnte ein Mitarbeiter aus diesem Bereich beantworten, da heute keiner zu seinem ehemaligen politischen Job steht(falls es die überhaupt gab :smile: ), werden wir wohl nie den genauen Ablauf erfahren. Möglich war in der DDR fast alles, wichtig war dabei nur, was die Bonzen für einen Nutzen daraus schlagen konnten.
MbG
shiny

Übersiedlung West-Ost

In einem Gespräch mit jemandem sind mir einige Dinge
aufgefallen, die mir seltsam erscheinen:
Sie ist ihrer Aussage nach Halb-Amerikanerin und 22 Jahre alt.
Ihr Vater habe vor ihrer Geburt ihre aus Amerika zugezogene
Mutter in Berlin (Westen) kennengelernt. Dann hätte der Vater
ein Haus in Dresden geerbt und sei mit der Mutter nach Dresden
gezogen, wo sie, mit der ich gesprochen habe, dann zur Welt
gekommen sei.
Die Auffälligkeit ist: Konnte man Anfang der 80er Jahre als
Westberliner, auch mit amerikanischer Ehefrau, einfach so in
die DDR ziehen? Kann mir dsa jemand näher erklären?

Hallo Ostlandreiter,
die Erzählung erschein mir auch sehr seltsam. Übersiedlungen von West nach Ost waren zu der Zeit nicht ausgeschlossen, aber doch eher die Ausnahme. Ein geerbtes Haus war für einen nüchtern rechnenden Wessi kein Umsiedlungsgrund. Baustoffe waren nur schwer zu bekommen und die Mieten nicht kostendeckend. Mit eingeführter frei konvertierbarer Währung war auch in der DDR einiges erhältlich. Mir stellt sich aber die Frage, warum man übersiedeln sollte, wenn das Geld vorhanden ist.

Meine Oma hat ihr Haus mit Nebengebäuden und über 1000 m² Grundstück für ca. 10.000 Mark verkauft und das Geld an die zukünftigen Erben ausgezahlt. Meine Eltern lebten in einer Mietwohnung (ca. 100 m² + Garage + Garten) für 59 Mark. Als Telefoninhaber waren sie fast schon privilegiert. Im Wohnort meiner Oma hätten beide leicht einen Arbeitsplatz gefunden. Ohne Beziehungen hätten sie das Haus aber nicht unterhalten können.

Die Drohung (und Selbstüberschätzung) von Erich: „Den Sozialismus in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf.“ wurde bis Ende 1989 noch ernst genommen. Die Ausreisewelle (auch unter Verzicht auf Grund und Boden) führte 1961 zum Bau der Mauer und 1989 zum Sturz des DDR-Regimes.

Was könnte also die Familie zu einem Umzug bewogen haben? Wissenschaftliche Fachkräfte wurden sehr selten von West nach Ost abgeworben. Bessere Forschungsbedingungen und ein erhöhtes Einkommen konnten kaum geboten werden.
Die DDR-Staatssicherheit hatte allerdings ein breit gefächertes Agentennetz im „nichtsozialistischem Wirtschaftsgebiet“. Stand eventuell ein Spion kurz vor der Enttarnung oder war eine planmäßige Weiterbeschäftigung im Heimatland avisiert? Dafür wurden Legenden geschaffen. Vielleicht weiß die Halb-Amerikanerin nichts von den aufgebauten Legenden. Die Stasi war ein gut funktionierender Geheimdienst. Warum sollten die Eltern heute berichten?
Deine Bekannte könnte natürlich Einblick in das Grundbuch nehmen und Auskunft bei der Birthler-Behörde beantragen (http://www.bstu.de/).

Eventuell zeige ich Paranoia. Eventuell stimmt die Geschichte. Eventuell stimmt sie nur mit erheblichen Ergänzungen. Du wirst das kaum überprüfen können. Skeptisch wäre ich aber auch an Deiner Stelle.

Leider wird die Geschichtsaufarbeitung in Ost und West unserer Republik extrem gehandhabt. Im Osten erhalten kleine Mitläufer wegen einer Verpflichtungserklärung, die sie mit 18 unterschrieben haben, heute noch Probleme im öffentlichen Dienst. Im Westen wird nicht einmal nach den größeren Fischen gefragt.

Antworten konnte ich Dir keine bieten. Eventuell findest Du einige Denkansätze.

Mit freundlichen Grüßen
Ulf

Ich erinnere
mich an einen amerikanischen Schauspieler (Name weis ich nicht
mehr), wurde wochenlang ausgeschlachtet und er hatte ziemliche
Narrenfreiheit, war für mich schauspielerisch eine Null, er
hatte aber seinen Zweck erfüllt.

Hallo shiny,
meinst Du Dean Reed http://www.deanreed.de/
Mit freundlichen Grüßen
Ulf

Hallo Ulf,
ja genau den meinte ich. Die HP von ihm ist gut gemacht, optisch, über den Rest könnte man streiten, er lebt nicht mehr, Friede seiner Asche. In der Qualität seiner Darstellung sah ich den Grund seiner Umsiedlung, hier (West) wäre er das geblieben was er vor der Umsiedlung war. Über Geschmack kann man bekanntlich streiten. Ich kannte zwei Umsiedler, der eine war ruckizucki Parteisekretär eines Betriebes, der andere ist nie mit der Umstellung klar gekommen. Ist alles gegessen, die großen Lumpen haben die Kurve gekriegt, wie es dem Rest geht hört und sieht man ja.
MbG
shiny

Hallo,
es gab Fälle, dass Westdeutsche in die damalige DDR umzogen, meistens waren es politische Gründe. Einige RAF-Terroristen sind ja auch in der DDR gelandet. Ich habe noch irgendwo ein Buch, wozu etwas dazu steht. Etliche der politischen Umsiedler wurden aber durch die Sozialismusrelität in ihren politischen Ansichten sehr wankelmütig.
Gruss
Rainer

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hallo,

klar konnte man.
unsere nachbarin hat zum beispiel ihr alten eltern zwecks engeren kontakten vom west- in den ostteil geholt. als rentner konnten sie jedoch weiterhin reisen.
antrag gestellt, geprüft, als harmlos empfunden und umgezogen.
ohne ausschlachtung, einfach so.

strubbel
3:open_mouth:)

Hallo,
es gab Fälle, dass Westdeutsche in die damalige DDR umzogen,
meistens waren es politische Gründe. Einige RAF-Terroristen
sind ja auch in der DDR gelandet.

Hallo Rainer.

Das leuchtet ohne weiteres ein. Allerdings wird ein „aufrichtiger“ Sozialist, der aus politischen Gründen in die DDR zieht, keinen Amerikaner heiraten. Die Ehefrau ist wollte ja offenbar kaum aus eigener Überzeugung in die DDR.

Hallo,

Ihr Vater habe vor ihrer Geburt ihre aus Amerika zugezogene
Mutter in Berlin (Westen) kennengelernt. Dann hätte der Vater
ein Haus in Dresden geerbt und sei mit der Mutter nach Dresden
gezogen, wo sie, mit der ich gesprochen habe, dann zur Welt
gekommen sei.

IMHO ein persönlicher Mythos.
„Hausbesitz und Vermietung“ waren in der DDR iirc nicht
wirtschaftlich. Staatliche Stellen bestimmten mit, wieviele
Parteien in welchen privaten Haus wohnten.

Als Ausländerin hatte die Frau keinerlei berufliche
Perspektive. Sie hätte in einer Fabrik oder so
arbeiten müssen, wenn ich richtig liege.

Die Auffälligkeit ist: Konnte man Anfang der 80er Jahre als
Westberliner, auch mit amerikanischer Ehefrau, einfach so in
die DDR ziehen? Kann mir dsa jemand näher erklären?

Ist folgendes möglich(?); der Mann war ein Ostberliner, der sich nach
der Wende plötzlich zum „Wessi“ gewandelt hat; aus beruflichen oder
irgendwelchen anderen Gründen. Ich kenne einige Fälle solcher
„Wandlungen“, aber keinen Fall, der dem Geschilderten entspricht.

Also ein Mythos. Wenn das Kind jetzt 22 ist, war sie zur Wende
ungefähr 5 oder 6 Jahre alt. Wer weiss, was man ihr erzählt hat :wink:

Grüße

CMБ

Ist folgendes möglich(?); der Mann war ein Ostberliner, der
sich nach
der Wende plötzlich zum „Wessi“ gewandelt hat; aus beruflichen
oder
irgendwelchen anderen Gründen. Ich kenne einige Fälle solcher
„Wandlungen“, aber keinen Fall, der dem Geschilderten
entspricht.

Dann kann er aber als Ostberliner vorher eigentlich noch keine amerikanische Ehefrau gehabt haben.

Also ein Mythos. Wenn das Kind jetzt 22 ist, war sie zur Wende
ungefähr 5 oder 6 Jahre alt. Wer weiss, was man ihr erzählt
hat :wink:

Ob man mit 5 oder 6 Jahren von einem Ort in einen anderen gezogen ist, weiß man aber schon. An die letzten Jahre der DDR muß sie sich, falls sie 22 ist, eigentlich noch erinnern.

Hallo,

Dann kann er aber als Ostberliner vorher eigentlich noch keine
amerikanische Ehefrau gehabt haben.

Doch, wenn er ein hohes DDR-Tier war, beruflich im „Westen“
zu tun hatte und in der DDR nicht fürchten musste als ex-
Westler, seine „Beweglichkeit“ zu verlieren. Interessant
wäre es zu erfahren, wo denn die Hochzeit stattfand.

Grüße

CMБ

Hallo Ostlandreiter,

in Ergänzung zu den Postings von shiny möchte ich nnoch anmerken:

Sie ist ihrer Aussage nach Halb-Amerikanerin und 22 Jahre alt.
Ihr Vater habe vor ihrer Geburt ihre aus Amerika zugezogene
Mutter in Berlin (Westen) kennengelernt. Dann hätte der Vater
ein Haus in Dresden geerbt und sei mit der Mutter nach Dresden
gezogen, wo sie, mit der ich gesprochen habe, dann zur Welt
gekommen sei.

Sicher, dass der Vater Westberliner war ? Kann er nicht Reisekader der DDR gewesen sein?

Die Auffälligkeit ist: Konnte man Anfang der 80er Jahre als
Westberliner, auch mit amerikanischer Ehefrau, einfach so in
die DDR ziehen? Kann mir dsa jemand näher erklären?

na klar. Natürlich war man dann die erste Zeit unter spezieller Beobachtung, aber sonst…

Das Haus in Dreseen wäre eine Nachfrage wert. Es gibt in dresden Viertel, wo auch zu DDR- zeiten die Häuser (=Villen mit Blick auf das Elbtal) sehr begehrt waren. Bei einem stinknormalen Mehrfamilienhaus kann ich mir keine Motivation für einen Umzug vorstellen.

Zu den Lebensumständen:
Falls der Mann im Westen Gweld verdient hat (z.B. als Vertreter für Osteuropa etc.) dürfte das Problem des Lebensunterhalt nicht existiert haben. AUf Grund der Ausnahmstellung würde dann auch der Frau keine Arbeit aufgedrängelt werden.

Kurz: Ich würde mal bzgl. des Erwerbslkebens der Eltern und bzgl. der Lage/Art des Hauses Nachfragen stellen. Daraus könnte man eher eine Plausibilität erklären/ablehnen.

Ciao maxet.

Angela Merkel ist auch in Hamburg geboren und dann mit ihrer Familie in die DDR gezogen. Diese Richtung der Zu- bzw. Abwanderung war seltener aber nicht unmöglich. War aber jedes mal ein kleiner ideologischer Erfolg für die DDR.

Die Erbschaft kann dabei auch eine wichtige Rolle gespielt haben, da es (meines Wissens nach) einem Westdeutschen nicht möglich war, Immobilien in der DDR zu besitzen.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo.

Angela Merkel ist auch in Hamburg geboren und dann mit ihrer
Familie in die DDR gezogen.

Jaaaa, in den frühen 50’ern! Das war lange
bevor es die Mauer gab.

Kann man imho nicht mit der extremen Zeit
der frühen 80’er vergleichen.

Diese Richtung der Zu- bzw.
Abwanderung war seltener aber nicht unmöglich. War aber jedes
mal ein kleiner ideologischer Erfolg für die DDR.

Na ja, im Falle Merkel war es die „Abkommandierung“ des Vaters
in einen östlicheren Kirchenkreis. Ob das „ideologisch“ so sehr
gewünscht wurde … ? :wink:

Die Erbschaft kann dabei auch eine wichtige Rolle gespielt
haben, da es (meines Wissens nach) einem Westdeutschen nicht
möglich war, Immobilien in der DDR zu besitzen.

Immobilien in der DDR? Wie stellst Du Dir denn das vor?
Was macht denn der DDR-Bürger mit Immobilien, so er diese
nicht selbst hinreichend bewohnt?

Grüße

CMБ

Jaaaa, in den frühen 50’ern! Das war lange
bevor es die Mauer gab.
Kann man imho nicht mit der extremen Zeit
der frühen 80’er vergleichen.

Der Unterschied zw. 50/60er und 80er Jahren war nicht, daß die DDR-Behörden keine Zuwanderung aus dem Westen mehr wollten, sondern daß es (fast) keine Auswanderungsbereiten im Westen mehr gab. Das lag vor allem an der dramatischen Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation des Ostblocks in den 70/80er Jahren.

Na ja, im Falle Merkel war es die „Abkommandierung“ des Vaters
in einen östlicheren Kirchenkreis. Ob das „ideologisch“ so
sehr
gewünscht wurde … ? :wink:

Es war in diesem Fall kein ideologischer Erfolg, aber dennoch im Sinne der SED, denn die Staatsführung der DDR war bestrebt die kirchliche Verwaltung in den Osten zu verlagern um diese besser unter Kontrolle zu haben. So wurde auf Druck der DDR u.a. die Verwaltung des Bistums Berlin-Brandenburg (? oder so ähnlich) von West- nach Ostberlin verlagert und erfolgte die Trennung der Evangelischen Kirche nach Ost und West.

Immobilien in der DDR? Wie stellst Du Dir denn das vor?
Was macht denn der DDR-Bürger mit Immobilien, so er diese
nicht selbst hinreichend bewohnt?

Wenn ich die zugrunde liegende Geschichte richtig interpretiert habe, ist das Ehepaar in die DDR übergesiedelt, weil es ein Haus in Dresden geerbt hatte. Ich schlussfolgere demnach, daß sie dies taten um das Haus (die Immobilie) hinreichend zu bewohnen und es vor dem zugriff der Behörden zu schützen.

Sicher, dass der Vater Westberliner war ? Kann er nicht
Reisekader der DDR gewesen sein?

Möglich. So genau habe ich natürlich auch ncith nachgefragt. Konnte jemand aus der DDR also demnach einfach so im Ausland heiraten und die Ehefrau wieder mitnehmen?

Das Haus in Dreseen wäre eine Nachfrage wert. Es gibt in
dresden Viertel, wo auch zu DDR- zeiten die Häuser (=Villen
mit Blick auf das Elbtal) sehr begehrt waren. Bei einem
stinknormalen Mehrfamilienhaus kann ich mir keine Motivation
für einen Umzug vorstellen.

Also davon weiß ich jetzt auch noch nichts nähreres.