Unheilbar krank, (noch) Hartz IV und Freelancer

Liebe Hartz-IV-Gebildeten,

nehmen wir einmal folgenden konstruierten Fall an:

Mr. X hat sich mit einer (momentan noch als unheilbar geltenden – zumindest bis Mitte 2009) Krankheit erfolgreich durch seine Diplomarbeit gequält. Jetzt ist sein offizieller Status kurz vor der Arbeitsunfähigkeit, aber noch nicht ganz.

Kurz gesagt: Er bekommt ca. 600 € und bezahlt davon noch Miete usw. Außerdem spart er auf eine Operation (derzeit erst im Ausland möglich), welche (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) die Heilung seiner Krankheit bewirken würde (welche sich täglich verschlimmert).

Vollzeit kann er auf keinen Fall arbeiten, muss sich aber regelmäßig auf solche Stellen bewerben, da er (so glaubt er) sonst Streichung von 30 % des Hartz IV von Amts wegen rechnen muss.
Er macht mindestens jede Stunde (meistens nach 20 Min.) eine Pause (schlafen) und kann dann weiterarbeiten. Außerdem hat er seinen Arbeitsplatz speziell hergerichtet und daneben ein Bett, welches er ständig (mehrmals am Tag) benutzt.

Aufgrund dieser Umstände scheint ihm ein normales Arbeitsverhältnis unmöglich.
Natürlich könnte er seine Gesundheit über einige Zeit so hoch putschen (1 l Kaffee am Tag usw.), wäre aber dann danach gesundheitlich wirklich(!) völlig(!) ruiniert! (Er kennt Zeiten in denen er pro Woche 120 Std. gearbeitet hat. Wenn er es könnte und es sein müsste, würde er es tun.)

Aus diesen Gründen hat er Angebote, die an ihn herangetragen wurden (z. B. von ehemaligen Kunden), angenommen, womit er derzeit auf ca. durchschnittlich 250 € im Monat kommt (auf freiberuflicher Basis, also Auftragsarbeit). So kann er effektiv ein paar Stunden täglich arbeiten und seine Krankheit vertuschen.

Wenn dies aber dazu führen würde(?), dass er kein Hartz IV mehr bekommt, so müsste er (dringend!) diese Auftragsarbeit beenden! Natürlich ist ihm bewusst, dass er das Geld nicht behalten kann bzw. nur einen geringen Teil davon; also, dass es kein zusätzliches Einkommen darstellt.

Aktuell muss er das entscheiden, da er gerade einen Auftrag für ca. 400 € umgesetzt hat. Wenn dieser Auftrag nun sein Gesamteinkommen gefährden würde, würde er diesen beim Kunden nicht in Rechnung stellen (würde ihn also verschenken).

Was ist ihm zu empfehlen? Oder: Wie, wo kann er das vertraulich abklären?

Btw: Die Heilung würde den Staat mit ca. 30.000 € jährlich weniger belasten (Medikamente). Ohne Heilung wäre er in seiner Branche in kürzerer Zeit völlig abgehängt, sodass er dann nicht einmal in der Lage wäre, ganz kleine Aufträge anzunehmen.

Hallo Maikäfer,
das Schlüsselwort ist die „Erwerbsfähigkeit“ bei AlgII. Ist er erwerbsfähig, oder nur eingeschränkt erwerbsfähig oder etwa garnicht? Die Entscheidung wird durch ein amtsärtzliches Gutachten getroffen. Und in dem Moment, wo ein Amtsarzt feststellt, das eine Erwerbsfähigkeit nicht mehr vorliegt (oder unter 3 Stunden täglich), kann der X Sozialgeld beantragen und muss nie wieder seine Arbeitsbemühungen vorlegen.
Noch Fragen?
Grüße
Almut

leicht eingeschränkt erwerbsfähig
Hallo Almut,

nehmen wir an er kann am Stück keine 2 Stunden arbeiten (ca. 1 h). Aber am Tag einige Stunden sagen wir 5.

… Erwerbsfähigkeit nicht mehr vorliegt
(oder unter 3 Stunden täglich), kann der X Sozialgeld

dann ist er höchstwahrscheinlich schon mal nicht ErwerbsUNfähigkeit.

Nennen wir es bei ihm leicht eingeschränkt erwerbsfähig.

Wie ist es nun mit einer Freiberuflichkeit bei der er sich nicht vollständig selb finanzieren kann?. Darf er die ausüben? Und wie lange oder unter welchen Bedingunen?

lg m

Hallo,

Mr. X hat sich mit einer (momentan noch als unheilbar
geltenden – zumindest bis Mitte 2009) Krankheit erfolgreich

wie jetzt? Unheilbar krank, aber nur bis Mitte 2009? Jetzt ist er nicht mehr unheilbar krank, oder wie?

durch seine Diplomarbeit gequält. Jetzt ist sein offizieller
Status kurz vor der Arbeitsunfähigkeit, aber noch nicht ganz.

Ein offizieller Status „kurz vor der Arbeitsunfähigkeit, aber noch nicht ganz“ soll bitte was genau bedeuten?

usw. Außerdem spart er auf eine Operation (derzeit erst im
Ausland möglich), welche (mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit) die Heilung seiner Krankheit bewirken
würde (welche sich täglich verschlimmert).

Das hört sich alles sehr merkwürdig an. Unheilbar krank, das aber nur temporär, mittels Operation ist die „unheilbare“ Krankheit doch heilbar…

Was sagt denn der Arzt zu der ganzen Geschichte?

Gruß

S.J.

Hallo

Mr. X hat sich mit einer (momentan noch als unheilbar
geltenden – zumindest bis Mitte 2009) Krankheit erfolgreich

wie jetzt? Unheilbar krank, aber nur bis Mitte 2009? Jetzt ist
er nicht mehr unheilbar krank, oder wie?

Die Krnkheit gilt offiziel noch als unheilbar. noch. Die Übergangphase ist mometan. Er als Kranker ist ständig up-do-date und weiss das sie mit sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit also „quasi“ heilbar gesehen werden könnte. Aber das sind detailfragen die hier nicht wichtig sind.
Formulieren wir einfach: durch die genannte OP wird er zu 99% geheilt.

Ein offizieller Status „kurz vor der Arbeitsunfähigkeit, aber
noch nicht ganz“ soll bitte was genau bedeuten?

Gute Frage. Hast du eine Antwort?

Was sagt denn der Arzt zu der ganzen Geschichte?

Ok nhemen wir an es gäbe einen art. Dieser hätte interessiert den Stapel von unterlagen (mehrere Studien unter anderem) angenommen und später nachdenklich gute Fragen gestellt und gesagt er wird sichs genauer durchlesen.

Aber wir sind hier nicht im medizin brett.

Gruß m

Hallo Steve,

etwas zum Verständnis, wobei ich zu Mutmassungen greife,

wie jetzt? Unheilbar krank, aber nur bis Mitte 2009? Jetzt ist
er nicht mehr unheilbar krank, oder wie?

Der Behindertenausweis wird immer zeitlich beschränkt ausgeschrieben, auch dann, wenn nach menschlichen Ermessen keine Besserungen zu erwarten ist.

Das hört sich alles sehr merkwürdig an. Unheilbar krank, das
aber nur temporär, mittels Operation ist die „unheilbare“
Krankheit doch heilbar…

MS-Maikäfer 09 schrieb vor kurzer Zeit im Medizinbrett von einer These, der gemäß die Multiple Sklerose auf Durchblutungsstörungen in Hirn beruht (Leider finde ich den Artikrl nicht mehr.)
Eine Aufweitung der Aterien mittels Endoskopie soll hier Abhilfe schaffen. Das ist nach gängiger medizinischer Meinung kompletter Nonsens. Die MS ist und bleibt unheilbar.

Noch zwei Anmerkungen:
Die Basis-Therapie bei MS kostet 18.000 €/Jahr
Die Fatigue ist das häufigste Symprom bei der MS.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fatigue-Syndrom

Gruß
Carlos

S.J.

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Hallo

Wie ist es nun mit einer Freiberuflichkeit bei der er sich nicht vollständig selb finanzieren kann?. Darf er die ausüben? Und wie lange oder unter welchen Bedingungen?

Die darf er ausüben so lange er will, aber in Verbindung mit Alg2 ist das in manchen (oder auch vielen?) Fällen mit einem unglaublichen Aufwand verbunden.

Er müsste sich genau schlau machen über die Bestimmungen und Gesetze, denn vermutlich wird er andauernd falsch berechnet, und es wird ein Einkommen in einer Höhe zugrunde gelegt, das er gar nicht hat, er müsste also dauernd Widersprüche einlegen und evtl. sogar klagen, und er muss eine Buchführung für die Arge und eine zweite fürs Finanzamt machen usw.

Wenn er dazu in der Lage ist, dann steht einer Selbständigkeit nichts im Wege. Er könnte sogar evtl. Einstiegsgeld (bis 200,- mtl.) erhalten, aber das ist wahrscheinlich an eine vorherige Begutachtung durch irgendeinen Sachverständigen gekoppelt, und die wiederum an die Teilnahme an einer mehrwöchigen Maßnahme, die ihn vermutlich nicht wirklich in seinem Vorhaben weiterbringen wird.

Also, darauf sollte er vielleicht lieber verzichten, wenn er wirklich arbeiten, und nicht in irgendwelche Maßnahmen abhängen will, und als Gegenleistung dafür vom Veranstalter dieser Maßnahmen eine Bestätigung erhalten will, dass seine Selbständigkeit voraussichtlich zum Erfolg führen wird, wofür er dann wiederum bis zu 200,- Euro zusätzlich von der Arge erhalten würde.

Gut, das ist viel Geld, aber sowas demoraliert ungemein, und es hat einfach keine Zukunft.

Viele Grüße