Hallo Sine,
nicht jeder ist im Ansatz bereit, ausgetretene Pfade zu
verlassen, selbst wenn sie bekanntermaßen in einen
verhängnisvollen Abgrund führen.
Ganz im Ernst - welche Pfade führen „bekanntermaßen“ in welchen Abgrund…?
Solltest Du damit schulmedizinisch behandelte und trotzdem unheilbare Krebserkrankungen gemeint haben (denn darum ging es im Ausgangsposting),frage ich mich tatsächlich,welche Befähigung in Form von z.B. jahrelanger Ausbildung im medizinisch/psychologischen Bereich,Forschungstätigkeit in der Onkologie und/oder Erfahrung mit Schwerstkranken oder Sterbenden,Deine Behauptungen untermauern sollte?
Die Tatsache,daß Du ein paar weinende Menschen im Krankenhaus erlebt und evtl. ein paar Bücher von Hamer gelesen hast,kannst Du ja wohl kaum ernsthaft dazu heranziehen,oder?
Sich aber gedanklich diesen
Luxus mal zu erlauben, ist doch ungefährlich.
Genau das sehe ich entschieden anders - jedenfalls wenn es sich nicht um eine Grippe o.ä. handelt !
Krebs ist eine Krankheit,die unbehandelt in der Regel zum Tod führt und zwar ohne Schmerz- und andere Medikamente zu einem sehr grausamen.
Richtig ist,daß die Schulmedizin trotz aller Fortschritte immer noch oft machtlos ist,wenn der Krebs schon zu weit fortgeschritten ist.
Das heißt aber im Umkehrschluß mitnichten,daß Chemo- und andere Therapien per se sinnlos wären,denn ein doch inzwischen recht beachtlicher Prozentsatz aller Krebserkrankten hat heute die Chance auf Heilung oder zumindest nicht unwesentliche Lebensverlängerung mit relativ guter Lebensqualität.
Trotzdem heißt das für mich nicht,daß ich der Schulmedizin mit allen ihren (zum Teil auch abstrusen) Auswüchsen völlig kritiklos gegenüberstehe!
Aber - und das ist mir als ehemals Betroffene wirklich sehr wichtig - wenn sich irgendwann dann doch herausstellt,daß das Leben zuende geht,daß weitere Therapien nur noch die Qualen verlängern würden,dann sind aus meiner Sicht ein paar ganz wesentliche Fähigkeiten/Umgangsweisen unerlässlich,bzw. äußerst hilfreich (sowohl für den Kranken,wie auch für die Angehörigen):
MUT - denn es gibt keine größere menschliche Herausforderung,als sich mit dem eigenen Tod bewußt auseinandersetzen zu müssen und ihn annehmen zu lernen.Hilfreich sind da einzig Angehörige und Freunde,die selbst möglichst wenig Angst haben,denn Angst bei den Angehörigen erzeugt vor allem Eines :Angst auch beim Kranken -und damit Distanz und Einsamkeitsgefühle.
WAHRHEIT - als Kranker/Sterbender möchte ich weder belogen werden,noch will ich,daß jedes Wort in meiner Gegenwart mit einem Zuckerguß aus Beschönigungen und hoffnungsfrohen „es wird schon wieder“-Bekundungen versehen wird.Als kranker Mensch habe ich ein untrügliches Gespür für die Lüge.Aber ich habe ein Recht auf Wahrhaftigkeit,ganz besonders in den letzten Tagen/Wochen!
LIEBE - …
Die Hamer´sche GNM ist aus meiner Sicht nicht nur deshalb so gefährlich für Schwersterkrankte,weil seine Theorien besagen,daß
a)es eigentlich keine tödlichen Krankheiten gibt
b)sollte doch eine solche auftreten,man gefälligst nur seine nicht verarbeiteten „Konflikte“ aufarbeiten/lösen müsse -schafft man das nicht hat man halt Pech gehabt (impliziert eigenes Verschulden/Schwäche -sicher nicht geeignet einen Krebskranken stark zu machen für das,was ihm u.U. bevorsteht)
c)die Angehörigen ggfls. als „Auslöser“ besagter „Konflikte“ herhalten müssen .Ich will mir gar nicht vorstellen,welche Auswirkungen das auf Partnerschaften ,bzw. Mutter-Kind-Beziehungen haben könnte
(Mamma-Ca = Mutter-Kind-Konflikt…?)
d)evtl. wertvolle Zeit verstreicht,bis eine vernünftige Behandlung begonnen wird,weil der Patient vielleicht irgendwann wirklich alles tun will,außer seine „Konflikte“ weiter lösen (unerträgliche Schmerzen),
sondern sie ist auch unter dem nicht unwesentlichen Gesichtspunkt gefährlich,daß sie dem derart „Behandelten“ auch noch die allerletzte Chance raubt -nämlich die auf einen Tod in Würde.
Ohne Schmerzen - ohne Lüge.
Denn jemand der bis zum letzten Atemzug glaubt - oder dies von „wohlmeinenden“ Angehörigen eingetrichtert bekommt - daß seine Schmerzen,sein langsames,qualvolles Dahinsiechen nur Ausdruck eines vermeintlichen Heilungsprozess´ sei,wird weder die Kraft,noch den Mut,noch die Zuversicht finden können,sich in Ruhe und Einvernehmen von dieser Welt zu verabschieden.
Ich kann mir kaum etwas Traurigeres vorstellen…
Denk mal drüber nach
Gruß Ango
P.S. Wenn ich Psychologe wäre,hätte ich die starke Vermutung,daß Herr Hamer auf Grund seiner persönlichen Geschichte ein ungelöstes Vater-Sohn-Trauma mit sich herumschleppt - die Unfähigkeit den Tod des Sohnes zu akzeptieren und er aus einem wie auch immer gearteten Schuldgefühl heraus nun generell die Möglichkeit tödlicher Erkrankungen schlicht negieren muß.
Wer weiß wohin das noch führt…
Für dieses Krankheitsbild gibt´s doch bestimmt einen Namen ?