H wie Hola.
Seit 5 Wochen studieren ich nun an der FH und bin total
unglücklich mit meiner Entscheidung.
Ich hatte mich nach meinem Abitur wirklich gefreut, dass ich
endlich von der Schule wegkommen würde und das jetzt ein neues
Lernen mit mehr Eigenverantwortung beginnen würde.
Mit Sicherheit bin ich da schon mal sowieso falsch an einer
FH, aber mir wurde auch gesagt, dass durch B.A der
strukturelle Unterschied zwischen FH und Uni nivelliert werden
würde.
Nun sitze ich hier in einem Klassenverband wie im 10.
Schuljahr und habe „Unterricht“.
Für mich stellt sich nun die Frage, ob der wissenschaftliche
Aspekt generell durch B.A sehr reduziert wird…ob der
Uni-B.A ( einfach durch den ursprünglich universitären
Forschungsanspruch) doch noch anders ist.
Gerne hätte ich mir meinem Stundenplan selber
zusammengestellt…
Kann ich denn wohl noch irgendwo in einen Magister reinkommen?
Ist ein Wechsel überhaupt sinnvoll?
Ich bin sehr dankbar für jeden Hinweis oder Tip…
Also ernsthaft.
Forciertes eigenständiges Lernen und dann an eine FH gehen?
Warst Du besoffen, als Du Dir das ausgedacht hast *lach*.
Um auf Dein Hauptproblem einzugehen: Im Grunde ist es so.
Der Bachelor ist die blanke Verschulung des universitären Systems.
Viele Entscheidungsfreiheiten, die letztendlich auch die sozialen Probleme um einen herum abfangen, sind einfach weg.
Das geht dabei los, daß man mehr und mehr Fächer voneinander abhängig macht, wofür es gar keine Grundlage gibt. Speziell in den Ingenieurwissenschaften ist der Bachelor eine gewaltige Katastrophe für den kontinuierlichen Studienfortschritt und ein Grundstudium ohne ständigem Exmatrikulationsdruck.
Es wird sich angemaßt, von einem dummen kleinen Schreibtisch eintscheiden zu können, welche Fortschritte der Student im Detail vollzogen hat und gleich intervenieren zu dürfen/müssen, wenn auch nur einen Millimeter vom Plan abgewichen wird.
Die intelligente Lösung dagegen wäre gewesen, das jetzige Prinzip der „Deadline“ einfach fortzusetzen. Sprich, bis dann und dann muß man das Vordiplom haben - wie man dahinkommt, bleibt jedem selbst überlassen. Viele Wege führen nach Rom. Und zum Forcieren eines Studienabschlusses hätte man nur die Festlegung treffen müssen, daß jeder, der nicht bis zu einer gewissen Frist den Abschluß hat, sozusagen „game over“ gezeigt bekommt. Diese Frist hätte dann natürlich wieder mit Feingefühl dimensioniert werden können, so daß Persönliches, Soziales abgefedert werden kann. Wenn ich mich so umschaue bezüglich meines Studiums, und bei so einigen Studienkollegen: Wir wären alle im Bachelorsystem schon rausgeflogen. Und das nicht wegen der Noten, sondern schlicht, weil der Zeitdruck, die Fristen, die Wiederholungschancen einfach zu eng gesteckt gewesen wären.
Krankheit, Unfälle, persönliche Probleme, Behörden, Geld - spielt in der Schule alles eine untergeordnete, wenn nicht sogar unwichtige Rolle. An der Universität genießt (genoß) man aber das ganze Paket.
Selbständigkeit gehört ja irgendwo mit dazu.
Stell Dir vor, Du bist Wandern, fällst hin und kannst genau in der Prüfungsperiode an 6 Klausuren nicht teilnehmen. Dann hat es sich mit dem Bachelor fast schon erledigt, zumindest ist das eine superschwere Nummer, die man dann vor sich hat; insbesondere, wenn zwischen den Modulen eine große Abhängigkeit besteht. Also dieses giftige „Man darf das nicht, weil man das und das nominell noch nicht geschafft hat.“.
Das klappt nur in Fächern, wo tatsächlich von Semester zu Semester auf dem vorherigen aufgebaut wird. Gibt jedoch genügend Gegenbeispiele.
Ebenso ignoriert die Verschulung den Bildungsföderalismus. Es gibt kein deutschlandweit einheitliches Abitur - das wäre jedoch Grundvoraussetzungen, daß ich jemandem von Amtswegen her ins Studium pfuschen darf. Defacto jeder Student kommt mit anderen Vorkenntnissen an. Ich kam bspw. von einem technischen Gymnasium und brauchte so einige Vorlesungen im Grundstudium gar nicht oder nur burchstückhaft besuchen - in Einzelfällen habe sofort die Prüfungsklausur versucht.
Solche organisatorischen Dinge, die alleine **ich** und nur **ich** einschätzen *kann*, darf, *muß* und auch soll, fallen beim Bachelor im allgemeinen weg. Man wird in ein einheitliches Muster gepreßt und kommt sich bald bevormundeter vor, als in der Schule (dort war es aber auch richtig so und hatte berechtigte Methode).
Schlußendlich sind es dann auch noch Dinge wie automatische Prüfungseinschreibung, wenn man ein Modul beginnt. In meinem Diplomstudiengang mache **ich** die Prüfungen, wenn **ich** es für richtig und notwendig erachte. Und wenn mir in einer Prüfungsperiode fünf Prüfungen zuviel sind, weil nebenher im Semester noche jede Menge Arbeit parallel läuft, oder weil ich mich einfach nicht danach fühle, dann mach ich eben nur vier oder nur drei. Ich schiebe also dahin, wo ich mehr Zeit aufbringen kann.
Diese Dinge obliegen einzig mir. Und das ist auch gut so.
Natürlich laste ich damit automatisch sämtliche Konsequenzen und auch mögliche Kritik bei Falschentscheidungen auf meine Schultern.
Richtig so, so soll es sein.
Melde ich mich für eine Prüfung nicht an, passiert mir also gar nichts. Daß das mancher Gammerlstudent für sich ausnutzt, ist mir dabei sowas von scheißegal - alles kein Grund, verschulende Zwänge einzuführen; stattdessen lieber Rahmenbedingungen erlassen, die von ganz alleine zu einem erfolgreichen Abschluß führen.
Doch argumentieren kann man viel - beschlossen ist beschlossen.
Willst Du halbwegs frei atmend studieren, bemüh Deine vier Buchstaben schnellstens an eine Uni und schreibe Dich in einen Diplomstudiengang oder Vergleichbares ein. Meide den Bachelor.
Nebenbei: Gibt eine ganze Reihe von Ausgestaltungen beim Bachelor.
An manchen Unis muß man sich beim Bachelor weiterhin selbst einschreiben, flächendeckend wird es aber wohl auf den Automatismus hinauslaufen - so war es einst jedenfalls geplant. Hier hilft also nur konkret bei der Uni anfragen; gründlich und sachrichtig informieren lassen, wie sich die Gepflogenheiten genau an dieser Uni darstellen.
Viel Glück.
MfG