Unrechtsbewusstsein bei dreijährigen

Hallo. Hab da mal eine Frage an „erfahrene“ Eltern: Inwieweit haben dreijährige ein Unrechtbewusstsein, z.B. wenn sie „blöde Mami“ sagen. Können sie schon abschätzen, das das nicht in Ordnung war? Danke für Tips.

Hallo. Hab da mal eine Frage an „erfahrene“ Eltern: Inwieweit
haben dreijährige ein Unrechtbewusstsein, z.B. wenn sie „blöde
Mami“ sagen. Können sie schon abschätzen, das das nicht in
Ordnung war? Danke für Tips.

Ich denke schon dass sie es haben und man bringt es ihnen ja auch bei dass es Unrecht ist. Ich selbst bin dann immer ganz gut gefahren meinen kids zu erklären dass sie ja auch nicht so genannt werden wollen. Aber es ist doch auch sehr unterschiedlich warum und in welcher Situation ein Kind so etwas sagt. Manchmal kann auch ein Kind so „Dampf ablassen“ weil die „blöde Mami“ wieder etwas verbietet oder keine Zeit hat. Manchmal hilft es auch wenn es immer wieder vorkommt einfach dann mit Ignoranz zu reagieren denn dass wollen die kids in dem Moment am wenigsten. Versuchs einfach mal wie dein Kind reagiert. Gruß Esther

Hallo Esther,

danke für Deine Nachricht. Sollte vielleicht noch erklären, dass ich nicht der „Erzeuger“ (schreckliches Wort…) bin, aber es schon meine Tochter ist. Wir kennen uns jetzt seit ca. einem halben Jahr. An Ignorieren dachte ich auch schon, aber dann gibt’s halt noch Mama oder Oma … mit Krokodilstränen bekommt man immer sehr schnell Aufmerksamkeit :smile:
Gruss
Christian

Hallo Zuckerbaecker,

ich finde „bloede Mami“ nun nicht weiter schlimm bei einem Dreijaehrigen. Ich wuerde ihm selbstverstaendlich sagen, dass ich das nicht mag, so genannt zu werden. Aber ein Dreijaehriger hat im allgemeinen sehr wenig sprachliche Moeglichkeiten seine Wut auszulassen (und Wut duerfen sie haben! - hat jeder Mensch, man muss damit umgehen lernen, das nennt man Erwachsenwerden). Insofern kann man ein „bloede Mami“ durchaus bei einem Dreijaehrigen als Fortschritt in der Entwicklung sehen: mit Zwei haette er vielleicht einen Trotzanfall gekriegt, oder auch mal um sich gehauen oder etwas kaputtgehauen.
Damit mich niemand falsch versteht: Loben darf man den Kleinen deswegen nicht. Wie oben erwaehnt, wuerde ich ihm schon unmissverstaendlich mein Missfallen ausdruecken. Aber wenn man es als Entwicklungsschritt sehen kann, bleibt man selbst gelassener und nimmt nicht jedes Wort als Herausforderung und als Messlatte fuer misslungene Erziehung und eine Prognose, die ueber ‚ungezogenes Kind‘ bis zur Kriminalitaet im Erwachsenenleben fuehrt!

Gruesse, Elke

Hallo Elke,

ich gebe Dir recht. Die Wut rauszulassen ist schon richtig. Ich bin ja jetzt mal noch „Anfaenger“, was Erziehung angeht. Aber ich habe manchmal den Eindruck, dass sie schon ganz genau weiss, was sie tun muss, um das was sie will auch zu bekommen. Deshalb dachte ich mir, sie weiss schon ganz gut, was sie auch von sich gibt. Danke fuer Deine Nachricht.

Liebe Gruesse
Christian

Hallo Christian,

ich gebe Dir recht. Die Wut rauszulassen ist schon richtig.
Ich bin ja jetzt mal noch „Anfaenger“, was Erziehung angeht.
Aber ich habe manchmal den Eindruck, dass sie schon ganz genau
weiss, was sie tun muss, um das was sie will auch zu bekommen.
Deshalb dachte ich mir, sie weiss schon ganz gut, was sie auch
von sich gibt.

Natuerlich weiss sie, was sie von sich gibt. Aber das weisst du doch
auch, wenn du einem Autofahrer, der dich gerade gefaehrlich auf der
Autobahn geschnitten hast, ein A… hinterher rufst. Aber das aendert
ja nichts dran, dass wir sowas ab und zu auch mal brauchen, um
uns abzureagieren.

Gruesse,Elke

Hallo.

Hallo Zuckerbaecker !

Hab da mal eine Frage an „erfahrene“ Eltern: Inwieweit
haben dreijährige ein Unrechtbewusstsein, z.B. wenn sie „blöde
Mami“ sagen.

Sie haben eines. Das Kind, das „blöde Mami“ sagt, weiß sehr wohl, was es gesagt hat.

Können sie schon abschätzen, das das nicht in
Ordnung war? Danke für Tips.

Sie wissen durchaus, dass das nicht in Ordnung ist. Die Frage, die bleibt, ist: Warum hat das Kind das gesagt ? Ich würd an Deiner Stelle versuchen, das herauszufinden.
Ich hab meinen Kindern in solchen Fällen immer zunächst die Frage gestellt, ob sie gerne so genannt werden wollen. Das wurde in der Regel verneint. Danach hab ich ihnen gesagt, dass sie weder ihre Mutter noch ich im Regelfall so bezeichnen. Und dann hab ich gefragt, wo sie der Schuh drückt.

Die Bezeichnung „blöde Mami“ ist entweder Wut, Unzufriedenheit, Frust oder dergleichen über „irgendwas“. Das „Irgendwas“ musst Du herausfinden. Natürlich kann so eine emotionelle Reaktion auch mal passieren. Nicht jeder, weder Kinder noch Eltern, kann sich jederzeit vollkommen unter Kontrolle haben. Die emotionelle Seite gehört zum Menschen dazu. Wichtig ist IMHO dreierlei:
(1) Kinder (und auch Erwachsene) müssen lernen, dass solche Aussagen jemandem emotionell weh tun. Das lässt sich 15-Jährigen anders beibringen als 5-Jährigen. Die Worte, die Du für die Erklärung fürs Kind wählst, sollten dem Alter entsprechen.
(2) Beleidigungen lösen das eigentliche Problem nicht. Die Kommunikation wurde in eine beleidigende Äußerung verschoben. Was Du jetzt machen kannst, ist eine Problemklärung. Kinder (und auch Erwachsene) müssen lernen, dass sich ihr Problem nicht löst - eher verschärft -, wenn sie zur Beleidigung als sprachliches Mittel greifen. Dafür gilt wieder: Deine Erklärung musst Du dem Alter entsprechend wählen.
(3) Auch Wut muss von Zeit zu Zeit raus, muss ein Ventil finden. Ich hab meinen Kindern einen Boxsack aufgehängt. Wenn Du die Möglichkeit dazu hast (weit weg von eventuell dadurch gestörten Nachbarn), kannst Du auch mal folgendes Probieren: Lass Dein Kind schreien. Sag ihm/ihr, dass er/sie die Wut hinausschreien soll. So laut, wie nur möglich ! Das baut auch Aggressionen ab (die Erfahrung hab ich schon gemacht).

Ignorieren halt ich für die ungünstigste Lösung. Zum Einen hilfst Du Deinem Kind nicht, sein eigentliches Problem zu lösen. Zum Anderen glaubt es unter Umständen, dass seine sprachliche Reaktion ohnehin OK ist. Kinder sollen sprachliche Beleidigungen nicht für „is eh in Ordnung“ halten; damit tust Du weder Deinem Kind noch Dir selber was Gutes.

Ich hab meinen Kindern auch gesagt, dass Wut was Normales ist. Das entsteht in jedem. Wichtig ist nur, dass ich damit umgehen lerne !

Grüße
Wolkenstein

Hallo Esther,

Hallo Christian !

danke für Deine Nachricht. Sollte vielleicht noch erklären,
dass ich nicht der „Erzeuger“ (schreckliches Wort…) bin, aber
es schon meine Tochter ist. Wir kennen uns jetzt seit ca.
einem halben Jahr. An Ignorieren dachte ich auch schon,

Ignorieren hilft nicht wirklich, weder Dir noch Deiner Tochter. Zum einen löst es ihr Problem nicht. Und zum Anderen könnte sie doch auf diese Weise versucht haben, mit Dir ins Gespräch zu kommen. Das klappt jetzt nicht - wenn Du sie ignorierst. Das könnte folgende Konsequenz haben: sie muss zu stärkeren Mitteln greifen, um Deine Aufmerksamkeit zu erlangen. Versuch unbedingt zu klären, warum sie das gesagt hat !

aber dann gibt’s halt noch Mama oder Oma … mit Krokodilstränen
bekommt man immer sehr schnell Aufmerksamkeit :smile:

Auch das gibts häufig.

Gruss
Christian

Grüße
Wolkenstein

Hallo,

Inwieweit haben dreijährige ein Unrechtbewusstsein, z.B. wenn
sie „blöde Mami“ sagen.

In dem Altern haben Kinder noch nicht viel Gefühl für ihre Wortwahl, weil es an Erfahrung mangelt. Schließlich kommen zeitweilig tolle Stilblüten zustande, stimmts? Sie hören und beobachten. Wenn ein größeres Kind „blöder …“ sagt, und bemerkt wie der andere die Augenbrauen zusammenzieht, dann hat das etwas mit Ursache-Wirkung zu tun, wie sie 3-jährige geradezu suchen. Eine Form Dampf abzulassen, die Wirkung zeigt.
Zur Mama gesagt geschieht das spontan, ohne eine überlegte Absicht sie wirklich kränken zu wollen. Und da kann man ja seinem Sproß beibringen, dass innerhalb der Familie sich keiner gegenseitig beleidigt - die Eltern untereinander nicht, die Eltern ihre Kinder nicht, und umgekehrt auch nicht. Das ist eine Regel, die man den Kinder beibringen kann.

Können sie schon abschätzen, das das nicht in Ordnung war?

Nicht automatisch. Aber im ruhigen Ton als Grundsatz anerzogen.

viele Grüße
grilla

hi, ich kann mich erinnern, dass ich mit 2-3 Jahren auch schon sehr gut wusste was recht und unrecht ist. Ich weiss noch, dass ich meine Mutter einmal mit ca 2-3 wegen einer Nichtigkeit in den Arm gebissen habe und mir war klar, dass es 1. meiner mama wehtut und 2. unrecht war. Da habe ich mich sehr geschaemt.
Kinder sollte man nicht unterschaetzen. Die geistigen Faehigkeiten sind meist frueher entwickelt als man annimmt.
vg jima

Die Frage und die bisher gegebenen Antworten sind berechtigt und richtig. Allerdings haben sie auch alle den selben Grundfehler.
Sie sind Fragen und Antwortungen die sich an den Maßstäben von Erwachsenen orientieren.
Um zu verstehen was ich meine: Erinnert sich noch jemand welche Bedeutung der Lieblingsteddi hatte als man noch Kind war - und welche
Bedeutung er heute hat? Beidesmal ist es der selbe Teddi - und beidesmal ein bewusstes Unrecht. Aber das Gewicht und die Intension sind grundverschiedene was das Forschen nach bewusst oder unbewusst / Recht oder Unrecht einigermaßen unsinnig macht. Ungefähr so wie wenn man mit einem Aboriginie-Jäger über Sinn und Zweck von Fleisch in der Ernährung diskutieren wollte.

Hallo,

Ich bin ja jetzt mal noch „Anfaenger“, was Erziehung angeht.
Aber ich habe manchmal den Eindruck, dass sie schon ganz genau
weiss, was sie tun muss, um das was sie will auch zu bekommen.
Deshalb dachte ich mir, sie weiss schon ganz gut, was sie auch
von sich gibt.

Ja! Gerade in dem Alter lernen die Kleinen auch sehr schnell! Du musst im Prinzip bei ALLEM aufpassen, was du sagst und was du tust. Die Kleinen machen alles nach und wenden alles Gelernte zu den passenden und unpassenden Gelegenheiten an :wink:

Beatrix
http://www.trixi.de