Unterbestimmte/überbestimmte Gleichungen

Hallo!

Hilfe!
Ich sitz grad an einem Drehbuch über die Geschichte der Algebra, und plötzlich soll ich was über unterbestimmte und überbestimmte Gleichungen schreiben - ich, DER Mathe-Depp schlechthin…

Kann mir bitte mal einer (oder eine) erklären, was man darunter versteht? (unter den Gleichungen, was ein Mathe-Depp is, weiss ich schon :smile:

Danke!
Christian

Moin

plötzlich soll ich was über unterbestimmte und
überbestimmte Gleichungen schreiben

unterbestimmte:
Du hast mehrere Gleichungen (die zusmmengehören) mit mehreren Variabeln. Du kannst das Ding aber nicht exakt eindeutig lösen, weil die Anzahl der Variablen höher ist als die Anzahl der Gleichnungen. Beispiel:

10x + 5y + 3z = 0
10x + 2y - 3z = 0

kann man nicht eindeutig lösen (hoffentlich hab ich jetzt keinen Spezialfall erwischt…).

überbestimmte: Du mehr Angaben als du eigentlich brauchst. Beispiel:

2x = 1
4x = 2

(Man kanns auch mit nur einer der beiden lösen… )

Wird’s klarer ?

cu

Hallo!

Hilfe!
Ich sitz grad an einem Drehbuch über die Geschichte der
Algebra, und plötzlich soll ich was über unterbestimmte und
überbestimmte Gleichungen schreiben - ich, DER Mathe-Depp
schlechthin…
Danke!
Christian

Hi!
Mal so interessehalber: Wieso schreibst du denn dann eine Drehbuch über die Geschichte der Algebra? Ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber ich bin ehrlichgesagt der Meinung, dass das nix wird ohne einen „mathematischen Berater“. Allein schon wegen seiner Sicht auf die Dinge…

Gruß
Christina

hi,

Ich sitz grad an einem Drehbuch über die Geschichte der
Algebra, und plötzlich soll ich was über unterbestimmte und
überbestimmte Gleichungen schreiben - ich, DER Mathe-Depp
schlechthin…

Kann mir bitte mal einer (oder eine) erklären, was man
darunter versteht? (unter den Gleichungen, was ein Mathe-Depp
is, weiss ich schon :smile:

gehen wir von einem spezialfall aus und tun wir dann ein bisserl verallgemeinern: nehmen wir lineare gleichungen in 2 variablen.
das sieht dann allgemein so aus:
ax + by = c
dx + ey = f

oder speziell z.b.:
2x - 3y = 5
7x + 4y = 3

man kann sehen: jede dieser gleichungen beschreibt eine gerade in einer ebene. die gemeinsame lösung beider gleichungen (nämlich: x = 1, y = -1) ist der gemeinsame punkt der beiden geraden, der schnittpunkt.
2 gleichungen in 2 variablen liefern eine lösung.

wenn du eine gleichung weglässt, gibt es nicht mehr eine lösung, sondern unendlich viele. das gleichungssystem ist dann „unterbestimmt“.

wenn du eine gleichung dazutust, gibts 2 möglichkeiten: entweder erfüllt die bisherige lösung auch die dritte gleichung. dann ist diese unnötig. sie liefert nichts weiter. das gleichungssystem ist dann „überbestimmt“ - im sinne von „mehr als nötig“.

erfüllt die bisherige lösung die dritte gleichung nicht, ist das gleichungssystem „widersprüchlich“. auch das nennt man manchmal „überbestimmt“ - im sinne von „zu viel“.

allgemein gilt: im wesentlichen braucht man für lineare gleichungen in n variablen n gleichungen. weniger sind auf jeden fall unterbestimmt.
auch n (oder mehr) gleichungen können unterbestimmt sein, wenn eine (oder einige) von ihnen keine zusätzliche, von den anderen gleichungen unabhängige information liefert.

mehr gleichungen als variable tendiert dazu, entweder widersprüchliche oder im engeren sinn „überbestimmte“ systeme zu bilden. nur: verlassen kann man sich darauf nicht. das kann man nur durch ausrechnen herauskriegen.

etwas komplizierter wird die sache, wenn die gleichungen nicht linear sind. schon eine quadratische gleichung mit 1 variablen kann ja 2 lösungen (aber auch nur eine oder gar keine) haben. insofern ist eine quadratische gleichung immer tendenziell „überbestimmt“. das gilt erst recht für gleichungssysteme höheren grades.

kurz und gut: „untebestimmt“ heißt: das system liefert zu wenig information, um zu einer lösung zu kommen.
„überbestimmt“ heißt, das system liefert zu viel information. information ist entweder überflüssig („redundant“) oder führt zu widersprüchen.

hth
m.

Danke!
jetzt isses klarer…

Christian

Hi!

Mal so interessehalber: Wieso schreibst du denn dann eine
Drehbuch über die Geschichte der Algebra? Ich will dir ja
nicht zu nahe treten, aber ich bin ehrlichgesagt der Meinung,
dass das nix wird ohne einen „mathematischen Berater“. Allein
schon wegen seiner Sicht auf die Dinge…

Es geht um bestimmte Personen, die die Algebra im deutschsprachigen Raum erst bekannt gemacht haben und dann auch gleich entscheidend weiterentwickelt, also Regiomontanus, Ries etc.
Is also ein historischer Dokumentarfilm, deshalb wurde kein Mathematiker, sondern ein Historiker engagiert.

vg
christian

Hi!
Ja, aber auch wenn es um die Personen geht… Man kann die Personen nicht ohne Blick auf die Materie oder eben mit Bezug auf die Materie betrachten. Man versteht sie sonst halt nicht. Die meisten sind dann einfach nur total abgedreht. Man muss sie meiner Meinung nach schon ein wenig verstehen um über sie oder das was sie tun zu berichten.

Gruß
Christina

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Hi!

Die meisten sind dann einfach nur total abgedreht. Man muss
sie meiner Meinung nach schon ein wenig verstehen um über sie
oder das was sie tun zu berichten.

und du meinst, das tu ich nicht? Es gehört zum Geschäft eines Historikers, Personen aus ihrer Zeit heraus zu verstehen (oder es wenigstens zu versuchen). Für spezielle Spezialfragen (wie meine Gleichungen) kann ich ja immer noch bei Experten oder bei w-w-w nachfragen. Für den Rest reicht meine Ausbildung als Historiker und Journalist…

VG
Christian

Huhu!

Ja, aber auch wenn es um die Personen geht… Man kann die
Personen nicht ohne Blick auf die Materie oder eben mit Bezug
auf die Materie betrachten. Man versteht sie sonst halt nicht.
Die meisten sind dann einfach nur total abgedreht. Man muss
sie meiner Meinung nach schon ein wenig verstehen um über sie
oder das was sie tun zu berichten.

Dann machs besser … bzw. erklär ihm, was er wissen will.
Zum Bleistift könntest du ihm erklären, was für eine Relevanz über/unterbestimmte Gleichungssysteme haben, und was man damit anstellen kann, bzw. was es bringt, unterbestimmte teilweise zu lösen.
Mir ist das nämlich auch nicht klar.

(Es gab mal irgendwann einen netten Spruch, ich habe ihn leider nicht mehr ganz im Kopf, dessen Quintessenz lautete, das in unserem schönen Lande heutzutage nichtkonstruktive Kritik schon als positive Mitarbeit zählt.)

Grüßlis!
Drache aka Scrabz (aka Philipp)

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Hi!
Ja sicher, aber das ist schon noch was anderes. Aber ich denke, das sieht man nur, wenn man selbst in der Materie steckt. Kann man auch sonst nicht verstehen. Ich verschlinge Bücher über Mathematiker, Geschichte von Problemen und Weiterentwicklungen. Und ich merke genau wenn sowas von einem nicht-Mathematiker geschrieben wurde. Meistens reißen sie nicht halb so mit und sind meiner Meinung nach eher schlecht. Nicht vom Stil oder dem Recherchierten, sondern einfach von der nüchternen Rüberbringungsweise. Es ist immer wieder wie „gewollt aber nicht gekonnt“…

Gruß
Christina

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi!
Es geht mir hier nicht ums Problem sondern um das Ganze an sich. Nicht um die mathematischen Probleme sondern um die Denkweise der Mathematiker. Man kann nicht drüber berichten wenn man nicht ein bisschen versteht, wie die ticken. Da könnte man genausogut über polyominale Golygone berichten ohne zu wissen was das ist (obwohl es simpel erscheint. Aber man brauch halt den vollen Durchblick und kein Halbwissen).
Also: Erst Problem erkennen, dann antworten (auch ein netter Spruch, der oft zutrifft. Man darf doch ganz gern erstmal verstehen, was derm auf dessen Beitrag man antwortet überhaupt meint…).
Ich mache mir absolut keine Sorgen um das Technische, das kann man überall nachlesen. Ich meine das Personenbezogene. Man steckt einfach nicht drin. Fast so als müsste ein Mann beschreiben wie eine Frau sich in gewissen Situationen fühlt, das wird auch nicht klappen…

Gruß
Christina

Dann machs besser … bzw. erklär ihm, was er wissen will.
Zum Bleistift könntest du ihm erklären, was für eine Relevanz
über/unterbestimmte Gleichungssysteme haben, und was man damit
anstellen kann, bzw. was es bringt, unterbestimmte teilweise
zu lösen.
Mir ist das nämlich auch nicht klar.

(Es gab mal irgendwann einen netten Spruch, ich habe ihn
leider nicht mehr ganz im Kopf, dessen Quintessenz lautete,
das in unserem schönen Lande heutzutage nichtkonstruktive
Kritik schon als positive Mitarbeit zählt.)

Grüßlis!
Drache aka Scrabz (aka Philipp)

Hallo!

Ich verschlinge
Bücher über Mathematiker, Geschichte von Problemen und
Weiterentwicklungen. Und ich merke genau wenn sowas von einem
nicht-Mathematiker geschrieben wurde. Meistens reißen sie
nicht halb so mit und sind meiner Meinung nach eher schlecht.
Nicht vom Stil oder dem Recherchierten, sondern einfach von
der nüchternen Rüberbringungsweise. Es ist immer wieder wie
„gewollt aber nicht gekonnt“…

Also, das Nüchterne ist einfach zu erklären: Da konnte jemand nicht erzählen. Wahrscheinlich hat den Text dann genau jemand geschrieben, der zuviel von der Wissenschaft verstand, und dem jeder Fakt so wichtig war, dass er ihn nicht rauslassen konnte.
Das andere Problem: Wir müssen unsere Filme (Artikel etc.) im Normalfall für „das“ Publikum machen, d.h. wenn´s nicht grad ne Fachsendung ist, möglichst viele Leute ansprechen. Also v.a. die, die von der Story, die wir erzählen wollen noch nie was gehört haben. Die müssen wir dann erst „fangen“ (= Interessieren, zum nicht-Weiterzappen bewegen), und ihnen dann die ganze Sache möglichst verständlich verklickern. Und dabei noch unterhalten (sonst zappen die ja weiter…)
Und das alles möglichst in 15 Minuten.

VG
Christian

1 „Gefällt mir“

Hi!
Ich weiß jetzt, wie ich es ausdrücken kann. Glaub ich zumindest…
Du weißt sicher viele viele Fakten. Aber die kannst du nicht verstehen, weil du das Denken nicht verstehst (du sagst selbst, dass du in Mathe immer mies warst. Und es geht mir hier nicht ums Fachliche sondern um das Denken! Und wenn du den Unterschied zwischen diesen beiden Sachen nicht kennst, dann hast du wirklich keine Ahnung von Mathematik und solltest das mit der Doku besser lassen, entschuldige…). Du kannst sie wohl widergeben, aber du kannst den Zusammenhang zwischen dem Wie, Wer und Warum nicht wirklich erstellen. Fakten sind nicht alles. Das ist wie in der Kunst. Wenn ich ein Gott in Kunsttheorie bin kann ich noch lange kein Bild malen.

Ich mein es echt nicht böse, aber meiner Meinung nach ist es wirklich wichtig, dass man die Leute versteht ohne nur die Fakten und Lebensläufe zu betrachten. Ein Lebenslauf und Wissen über eine Person ist nichts, wenn man sie nicht versteht.

Und zum breiten Publikum: Ich hab letztens eine dreiteilige Doku über die String-Theorie gesehen. Die war wahnsinnig gut gemacht und hat mich mitgerissen obwohl ich mich nicht so gut damit auskenne. Ich hab es aber mit nem Physiker gesehen und der war auch zufrieden.
In der Mathematik ist es allerdings noch ein großes Problem, dass kaum wer weiß, was Mathematik überhaupt ist. Eben nicht das, was man in der Schule lernt. Man hat von jedem anderem Fachbereich, sei es auch Jura oder BWL, mehr Ahnung, wenn man aus der Schule kommt, als von Mathematik. Und durch solche Dokumentationen wird sowas nur noch weiter verstärkt.

Um was gehts denn genau in dem Film? Geschichte der Algebra? Werden danach auch wieder alle denken sie hätten Algebra auch schon in der Schule gemacht oder wird vielleicht auch mal das Risiko eingegangen, dass der Zuschauer nicht alles versteht, dafür aber die Materie richtig beleuchtet und nicht vereinfacht und dadurch notgedrungen auch verfälscht wird?
Davon kriegt jeder Mathematiker mit Herzblut Kopfschmerzen. Und bringt das Allgemeinverständnis- und Interesse der Bevölkerung in Sachen Mathematik auch nicht weiter. Es ist halt jeder gewohnt gefüttert zu werden. Und solche Dokus machen es natürlich auch noch leichter…

Gruß
Christina

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kT=kein Text

Hi!

Um was gehts denn genau in dem Film? Geschichte der Algebra?

In dem Film wirds um Adam Ries gehen, sein Leben, Wirken und seine Bedeutung.

VG
Christian