hi,
Ich sitz grad an einem Drehbuch über die Geschichte der
Algebra, und plötzlich soll ich was über unterbestimmte und
überbestimmte Gleichungen schreiben - ich, DER Mathe-Depp
schlechthin…
Kann mir bitte mal einer (oder eine) erklären, was man
darunter versteht? (unter den Gleichungen, was ein Mathe-Depp
is, weiss ich schon 
gehen wir von einem spezialfall aus und tun wir dann ein bisserl verallgemeinern: nehmen wir lineare gleichungen in 2 variablen.
das sieht dann allgemein so aus:
ax + by = c
dx + ey = f
oder speziell z.b.:
2x - 3y = 5
7x + 4y = 3
man kann sehen: jede dieser gleichungen beschreibt eine gerade in einer ebene. die gemeinsame lösung beider gleichungen (nämlich: x = 1, y = -1) ist der gemeinsame punkt der beiden geraden, der schnittpunkt.
2 gleichungen in 2 variablen liefern eine lösung.
wenn du eine gleichung weglässt, gibt es nicht mehr eine lösung, sondern unendlich viele. das gleichungssystem ist dann „unterbestimmt“.
wenn du eine gleichung dazutust, gibts 2 möglichkeiten: entweder erfüllt die bisherige lösung auch die dritte gleichung. dann ist diese unnötig. sie liefert nichts weiter. das gleichungssystem ist dann „überbestimmt“ - im sinne von „mehr als nötig“.
erfüllt die bisherige lösung die dritte gleichung nicht, ist das gleichungssystem „widersprüchlich“. auch das nennt man manchmal „überbestimmt“ - im sinne von „zu viel“.
allgemein gilt: im wesentlichen braucht man für lineare gleichungen in n variablen n gleichungen. weniger sind auf jeden fall unterbestimmt.
auch n (oder mehr) gleichungen können unterbestimmt sein, wenn eine (oder einige) von ihnen keine zusätzliche, von den anderen gleichungen unabhängige information liefert.
mehr gleichungen als variable tendiert dazu, entweder widersprüchliche oder im engeren sinn „überbestimmte“ systeme zu bilden. nur: verlassen kann man sich darauf nicht. das kann man nur durch ausrechnen herauskriegen.
etwas komplizierter wird die sache, wenn die gleichungen nicht linear sind. schon eine quadratische gleichung mit 1 variablen kann ja 2 lösungen (aber auch nur eine oder gar keine) haben. insofern ist eine quadratische gleichung immer tendenziell „überbestimmt“. das gilt erst recht für gleichungssysteme höheren grades.
kurz und gut: „untebestimmt“ heißt: das system liefert zu wenig information, um zu einer lösung zu kommen.
„überbestimmt“ heißt, das system liefert zu viel information. information ist entweder überflüssig („redundant“) oder führt zu widersprüchen.
hth
m.