Es gibt einige Menschen in meinem Umfeld, die ich einfach nicht verstehe.
Denen geht es nicht gut, sei es gesundheitlich oder mental.
Eigentlich sind sie unglücklich in ihrer jetzigen Situation - dementsprechend wird über diese gejammert.
Aber… es gab zig Möglichkeiten die Situation entscheidend zu verbessern. Ganz einfache Dinge. Nichts, wofür man seine Seele verkaufen müsste oder so.
Im Gegenteil - es geht sogar noch weiter: die bestehende Situation durch eigenes Handeln zu verschlechtern, ob bewusst oder unbewusst weiß ich nicht.
Gut, das Endergebnis ist halt abzusehen.
Ist das noch normal, sich so zu verhalten, dass Unglück bestehen bleibt oder erst richtig auf einen zukommt?
Kann es tatsächlich Menschen geben, die ihre eigene Erfüllung im Unglücklichsein finden und gar nichts ändern wollen?
Ist das ne Krankheit? Gibts einen Namen dafür?
Was gibt es für Ursachen?
Hallo,
es könnte jemand z. B. vor der Veränderung aus irgendeinem Grund soviel Angst haben, daß er diese nicht angeht. Die momentane Situation erscheint dann kurzfristig betrachtet als das kleinere Übel.
Dieser Mensch könnte auch, wenn er die Situation beklagt, durch dieses Jammern Zuwendung bekommen. Die tut ihm dann zumindest im Moment gut und hilft ihm, sein emotionales Gleichgewicht zu halten.
Sieh mal nach unter dem Begriff Krankheitsgewinn (primär und sekundär).
Grüße,
I.
Ist das noch normal, sich so zu verhalten, dass Unglück
bestehen bleibt oder erst richtig auf einen zukommt?
Kann es tatsächlich Menschen geben, die ihre eigene Erfüllung
im Unglücklichsein finden und gar nichts ändern wollen?
Mit der Problematik befasst sich sehr anschaulich Paul Watzlawick in seiner „Anleitung zum Unglücklichsein“ (Zusammenfassung & Hörtexte).
Gruß
Kreszenz
Moin
Gut, das Endergebnis ist halt abzusehen.
Hier hast du schon den wichtigsten Punkt selbst genannt. Die Entwicklung des Menschen hat sich unter ‚Energieknappheit‘ abgespielt. Energie sparen war vordringlich zum Überleben - und damit fortpflanzen.
Zu wissen was kommt, also die Zukunft zu kennen ist Energiesparend.
Nicht zu wissen was kommt bedeutet Unsicherheit und womöglich Verschlechterung. Denn - wie du schreibst - das Endergebnis ist nicht mit Sicherheit abzusehen.
Es haben sich Mechanismen entwickelt die den Status Quo aufrecht erhalten. Z.B. fühlen sich Dinge die man kennt vertraut und ‚richtig‘ an. Verhält man sich anders - und das muss man wenn man eine Situation verändern will - fühlt sich das ‚falsch‘ an (auch wenn es richtiger wäre).
…im Unglücklich sein finden und gar nichts ändern wollen?
Doch, schon, wenn sie sicher wüssten, dass es besser wird und am besten Andere sich ändern. Denn sogar wenn jemand wüsste, dass eine Verhaltensveränderung sicher eine Verbesserung bedeuten würde, müsste er ja immer noch neues Verhalten einüben und das fühlt sich auf jeden Fall falsch an.
Du kannst das testen indem du z.B. einen Ring den du immer am gleichen Finger hast mal an die andere Hand steckst. Eine Weile fühlt sich das ungewohnt an, irgendwann merkst du ihn nicht mehr.
Und nein, eine Krankheit ist es nicht. Der eine hat es mehr der andere weniger. Genetische Variation in einer Population.
Wird der Leidensdruck groß genug findet eine Veränderung statt. Und manchmal haben Menschen ‚das Glück‘ durch äußere Umstände ‚geweckt‘ zu werden. So berichten z.B. viele Menschen die Krebs oder einen schweren Unfall hatten, dass sich ihr Leben letztlich dadurch positiv geändert hätte. In solchen Extremsituationen fällt es leichter Gewohnheiten zu hinterfragen. Grund dafür könnte z.B. ein erhöhter Dopamin und Serotoninspielgel sein