Hi!
Erwähnte ich bereits, dass ich die neue Schreibweise deutlich
logischer und leichter zu merken finde?
Stimmt!
Nehmen wir das berühmte Beispiel vom Ehepaar und dem Brot. Früher war beides „frischgebacken“. Heute ist es nur noch das Brot, das Ehepaar hingegen ist „frisch gebacken“. Logisch und leicht zu merken.
Aus „radfahren“ wurde „Rad fahren“ (denn: „ich fahre Rad“). Warum heißt es dann aber immer noch „heimgehen“ und nicht „Heim gehen“ („ich gehe Heim“ würde ja auch funktionieren)? Logisch und leicht zu merken.
Sinn macht sicher auch die Regelung, daß einige Adjektive in der Grundform getrennt geschrieben werden; sobald sie aber in die Steigerung kommen, kleben sich die Worte wieder aneinander:
Spricht der Vorstand von einem „zufrieden stellenden Ergebnis“, so hat er ein Leerzeichen zu lassen. Wird das nächste Jahr hingegen besser und der Chef erwartet ein „zufriedenstellenderes Ergebnis als im laufenden Jahr“, so klebt das Mehr an Erfolg ganz offensichtlich die Wörter wieder aneinander.
Wie einleuchtend und leicht zu merken die neuen Regeln sind, läßt sich auch an diesem Beispiel darstellen:
Vor 1996 gab es den „furchterregenden und feuerspeienden Drachen“. 1996 starb diese arme Tier und wurde als „Furcht erregender und Feuer speiender Drache“ neu geboren. Doch sein Leben war nur von kurzer Dauer, meuchelte ihn der Duden des Jahre 2000 und gebar neu den „furchterregenden, Feuer speienden Drachen“. Schlägt man aber im Duden-Bedeutungswörterbuch des Jahres 2002 nach, so lebt dort die 1996er Variante wieder auf: der Drache ist ein „Furcht erregendes und Feuer speiendes Tier“. Eigentlich ist dieses, spätestens aber nächstes Jahr die nächste Schreibweise für unseren Drachen fällig. Logisch und leicht zu merken.
1991 erschien der letzte Duden nach der alten Rechtschreibung, 1996 der erste mit der reformierten Schreibung. Obwohl der Ansatz der Reform eine „Vereinfachung“ der deutschen Orthografie sein sollte, nahm das Volumen der neuen Rechtschreibregeln um 30 Prozent zu (17.000 Wörter im Regelteil zu 23.000 Wörter im Regelteil). Also mehr Regeltext als vorher, keine klaren Regelungen zu kritischen Fällen (die Reformer haben sich bei vielen Sachverhalten mit dem Sprachkonstrukt „es sollen möglichst formal-grammatische Kriterien gelten“ aus der Affäre gelogen), eine zunehmende Beliebigkeit in der Schreibweise (es gibt knapp zwei Dutzend Rechtschreib-Wörterbücher, von denen keines einem anderen gleicht - allein zwischen Duden und Bertelsmann bestehen mehrere tausend Unterschiede) - und im Printbereich die Tendenz, daß jedes Haus seine eigene Schreibweise festlegt. Zustände wie zu Goethes Zeiten.
Nicht daß ich gegen eine Rechtschreibreform wäre - Gott bewahre! Nur _diese_ muß es nun wirklich nicht sein.
Grüße
Heinrich