Unterdrückte Sexualität und Gewalt

Hallo,

Mich würde es interessieren, ob es einen Zusammenhang zwischen unterdrückter, oder nicht ausgelebter Sexualität (von extern vorgegeben) und Gewalt oder Aggression gibt.

Gefühlsmässig würde ich diesem Zusammenhang zustimmen, ist das auch wissenschaftlich belegt?

Liebe Grüsse,
coco

Hallo,

spontan fällt mir ein, dass Nonnen zum Beispiel ihre Sexualität sehr stark unterdrücken, aber äußerst selten durch aggressives Verhalten auffallen.

Bei katholischen Priestern hört man da schon anderes, aber in der Regel sind die ja auch friedlich.

Und ich selbst verzichte auch seit mehreren Jahren auf Sex, ohne dadurch gewalttätige Neigungen zu verspüren.

Aber was nicht ist…naja, trotzdem würde ich das so nicht in ZUsammenhang setzen.

Grüße
Sonja

Wilhelm Reich
Hallo Coco!

Lies dich mal über Wilhelm Reich schlau!
Von dem bekommst du eine Menge Antworten (die deine Vermutung
bestätigen).

Gruß

Danielle

Hallo coco!

Ich denke, wenn ich meine Sexualität unterdrücke, egal, ob Mann oder Frau, dann liegt das daran, dass ich vor irgendetwas Angst habe. Auf Angst reagiert der Mensch mit Abwehrmechanismen wie z.B. Verdrängung, Projektion, Sublimierung, etc…
Dass es innerhalb dieses Abwehrverhaltens auch zu aggressiven und/ oder gewalttätigen Handlungen kommen kann, ist nicht auszuschließen.
Dass die Unterdrückung der Sexualität jedoch unweigerlich zu aggressivem und gewalttätigem Verhalten führt, denke ich nicht, und hat Imho auch W. Reich so nicht gesagt.

Ich habe früher auch meine Sexualität unterdrückt/ nicht ausgelebt. (Ich war nicht aggressiv und gewalttätig) Meine Erfahrung ist, dass nach einer längeren Zeit der Abstinenz die Lust verschwindet und somit auch das Spannungsfeld.
Das habe ich auch von anderen Frauen gehört. Aber vielleicht ist das bei Männern anders?

Grüße, jeanne

Hallo Jeanne

Ich denke, wenn ich meine Sexualität unterdrücke, egal, ob
Mann oder Frau, dann liegt das daran, dass ich vor irgendetwas
Angst habe. Auf Angst reagiert der Mensch mit
Abwehrmechanismen wie z.B. Verdrängung, Projektion,
Sublimierung, etc…

Das ist zwar nicht immer so, das man sie aus Angst unterdrückt, aber die Abwehrmechanismen zielen in die richtige Richtung.

Dass es innerhalb dieses Abwehrverhaltens auch zu aggressiven
und/ oder gewalttätigen Handlungen kommen kann, ist nicht
auszuschließen.

Es kann aber durchaus sein, dass insbesondere bei gewaltbereiten Männern die Gewaltbereitschaft durch sexuelle Abstinenz zunimmt.

Dass die Unterdrückung der Sexualität jedoch unweigerlich zu
aggressivem und gewalttätigem Verhalten führt, denke ich
nicht, und hat Imho auch W. Reich so nicht gesagt.

Ich habe früher auch meine Sexualität unterdrückt/ nicht
ausgelebt. (Ich war nicht aggressiv und gewalttätig) Meine
Erfahrung ist, dass nach einer längeren Zeit der Abstinenz die
Lust verschwindet und somit auch das Spannungsfeld.
Das habe ich auch von anderen Frauen gehört. Aber vielleicht
ist das bei Männern anders?

Ich habe seit längerer Zeit (un)freiwillig auf Sexualität verzichtet. Aggressivität habe ich bei mir nicht feststellen können. Eher ein Hang zu Depressionen.

Gruß

Peter

Hallo Peter!

Es kann aber durchaus sein, dass insbesondere bei
gewaltbereiten Männern die Gewaltbereitschaft durch sexuelle
Abstinenz zunimmt.

Das würde ich nicht in Frage stellen, kann durchaus sein.

Kann aber auch sein, dass gewaltbereite Männer i.d.R. gar nicht abstinent leben, da sie sich in Zeiten „der Not“ ihren Sex mit Gewalt nehmen. ?

Grüße, jeanne

Hallo,

wissenschaftliche Studien gibt es zu diesem Thema ganz sicher. Es ist logisch, dass unterdrückte Wünsche zu Unzufriedenheit und im weiteren Verlauf dann auch zu Gewalt und Aggressionen führen können. Das muss zwar nicht so laufen aber es ist oft der Fall.
Letzlich ist unterdrückte Sexualität ein unterdrückter Wunsch. Dieses Phänomen kann man auch in anderen Bereichen feststellen. Wenn z. B. jemand versucht, das Rauchen aufzuhören, neigt er ebenfalls zu Gewalt und Aggression, weil die Unterdrückung des Wunsches zu Rauchen zu Frustrationen führt.

Viele Grüße, Rolo

Kann aber auch sein, dass gewaltbereite Männer i.d.R. gar
nicht abstinent leben, da sie sich in Zeiten „der Not“ ihren
Sex mit Gewalt nehmen. ?

Grüße, jeanne

Hallo Jeanne,

deine Theorie stimmt hoffentlich nicht. Die Vorstellung, dass dies die Regel sein könnte wäre doch furchtbar. Ich gehe von der Ausnahme aus.

Grüße

Peter

Hallo,

Mich würde es interessieren, ob es einen Zusammenhang zwischen
unterdrückter, oder nicht ausgelebter Sexualität (von extern
vorgegeben) und Gewalt oder Aggression gibt.

Gefühlsmässig würde ich diesem Zusammenhang zustimmen, ist das
auch wissenschaftlich belegt?

Hallo Coco,

rein von einem Zusammenhang ausgehend kann es durchaus sein, dass es Studien gibt, die dies belegen.

Wahrscheinlich ist der Zusammenhang aber zu komplex, um auf eine Ursächlichkeit zu schließen! Es gibt zu viele Drittvariablen in dem Setting. Zudem müsste man einen Teil der Stichprobe bei kausaler Aussage zu sexueller Enthaltsamkeit verpflichten (das ist schwer zu kontrollieren und ethisch eventuell bedenklich).

Wenn jemand keinen Sport macht, könnte es sein, dass er mehr Agressionen anstaut und gleichzeitig schlaffer wirkt (und damit eine geringere Aussicht auf Sexualpartner hat - das wäre z.B. ein möglicher Drittvariableneinfluss).

In der Biopsychologie wird Testosterone im Zusammenhang mit Aggression diskutiert: hoher Testosteronspiegel, mehr Aggression.

Testosteron ist nun auch ein männliches Sexualhormon, und deswegen ist ein Zusammenhang insgesamt wahrscheinlich.

Was aber, wenn Männer mit erhöhtem Testosteronspiegel im Schnitt eine größere Chance auf Sex haben (weil sie auf Frauen anziehender wirken)? Dann heißt dass: mehr Sex korreliert mit mehr Gewalt.

Serotonin mischt bei Aggressionen wahrscheinlich auch mit: je mehr, desto weniger aggressiv. Hier gilt jetzt: je mehr Sex, desto weniger Gewalt.

Hypothetisch hebt sich das nun auf.

Insgesamt auch ein Thema, in dem die Persönlichkeitspsychologie meiner Meinung nach keinesfalls fehlen darf (gerne auch biopsychologische Persönlichkeitshypothesen).

Nach einem ganz tollen Autor in der Emotionspsychologie (Panksepp) handelt es sich allerdings bei diesen emotionalen Systemen eher um autonome Kreisläufe innerhalb unserer „Hardware“, d.h. unbeeinflusst voneinander. Wobei in dem Zusammenhang Emotionspsychologie eben die Erforschung affektiv gesteuerter Mechanismen des Menschen auf der Basis neuronaler Mechanismen meint (Anatomie, Physiologie und speziell Endokrinologie).

Lieben Gruß
Patrick

Hallo,

Danke an alle für ihre Antworten.

Mit lieben Grüssen,
coco

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