Hallo Wiz,
mal eine so richtig üble Statistik zu dem Thema:
Na ja, vier Personen machen noch keine Statistik… ich habe einen Job, der bevorzugt von Studenten ausgeübt wird und kenne daher ungleich mehr Fallbeispiele, die genau das Gegenteil „beweisen“.
Auf der anderen Seite gab es aber einige, die sich
von Papi und Mami das Geld nur so in den Besagten blasen
ließen, und auch nicht schneller fertig wurden.
Du kannst doch niemandem vorwerfen, dass er es im Leben leichter hat. Hättem mir meine Eltern das Geld wo auch immer hin blasen können, hätte ich die Hände aufgehalten und Dankeschön gesagt.
Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus habe ich den Eindruck gewonnen, dass Menschen, die es schwerer hatten, dazu neigen, Leistungen auch nur als solche anzuerkennen, wenn das Erbringen weh getan hat.
Sorry, aber wenn ich höre, dass es unzumutbar sei, sich :wenigstens einen Teil des Studiums selbst zu verdienen, dann :kommt mir die Galle hoch.
Es hat eigentlich niemand gesagt, es wäre unzumutbar. Okay, die Ausgangsfrage ließe zu, dass man eine solche Aussage unterstellt, aber ein wenig ins Blaue gegriffen wäre das schon. Und wenn jemand meint, er könne es sich für sich nicht vorstellen, alles unter einen Hut zu bringen, heißt das ja nicht gleich, er hielte einen Nebenjob für unzumutbar.
Genauso legitim finde ich es, wenn jemand sagt, dass er ein Studium einfach nicht packen würde, wenn er nebebei arbeiten müsste und sich dementsprechend um Unterstützung bemüht - es gibt halt solche und solche Menschen.
Klar, wir hätten auch alle gerne das studentische
Leben gerne etwas mehr genossen. Bei uns gab es eben nicht
jedes Jahr einen tollen Urlaub in den Semesterferien, weil wir
da nämlich arbeiten mussten, und wir hatten auch gar keine
Zeit das Geld unserer Unterhaltszahler in größerem Maß in
Kneipen zu verjubeln, weil wir auch da gearbeitet haben, aber
es ist einfach auch ein tolles Gefühl, als Studi wirklich auf
eigenen Beinen zu stehen. Außerdem stellt man dan schnell
fest, dass man ein Studium mit ganz anderen Augen sieht und
viel effektiver angeht, als wenn man dafür alle Zeit der Welt
hat. Klar, man kann sich sechs Wochen ausschließlich mit einer
Hausarbeit beschäftigen, kommt dabei aber eher auf dumme
Gedanken, als wenn man die Sache pragmatisch angeht.
Ich glaube fast, Du machst hier aus der Not eine Tugend. Meiner Meinung nach kann man eine Sache am besten Bewältigen, wenn man sich ausschließlich darauf konzentrieren kann. Und um nochmal in meinem Erfahrungsschatz zu kramen: meiner Ausbildung tut es nicht besonders gut, dass ich nebebei arbeiten muss. Davon abgesehen kenne ich sehr viele Studenten, die arbeiten, intensiv studieren und trotzdem auch mal in den Urlaub fahren oder ein Bier trinken gehen. Und den Nebejob vorteilhaft findet eigentlich keiner von denen.
Man sollte auch nicht vergessen, dass es in unserer Gesellschaft durchaus vorgesehen ist, dass ein Heranwachsender die Möglichkeit bekommt, seine Ausbildung ohne Nebenbelastung zu ablsovieren. Das wird schon seinen Grund haben.
Damit jetzt hier nicht der Eindruck entsteht, dass ich dies
als alter Knacker hier erzähle, dem selbst die Brut auf der
Tasche liegt: Nein, mit Mitte 30 liegt das alles noch nicht so
weit hinter mir, und die Wut über solche Sprüche hat mich auch
damals schon immer gepackt.
Aus dem Bauch heraus kann ich die Wut auch durchaus nachvollziehen, aber ich denke, die, die sich von der Idee, zu arbeiten wirklich belästig fühlen, sind eher Ausnahmefälle. Außerdem macht da auch oft der Ton die Musik.
Ich glaube, es dreht sich hier im Endeffekt nur um die üblichen Vorurteile - die, die von den Eltern unterstützt oder finanziert werden, meinen, Studenten mit Nebenjob hätten am Ende die qualitativ schlechtere oder langwierigere Ausbildung und die, die zum Arbeiten gezwungen sind, denken, die unterhaltenen Komilitonen würden den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen und Däumchen drehen. Ähnliches Phänomen findet man übrigens auch immer wieder zwischen Alleinerziehenden oder voll berufstätigen Eltern und Hausfrauen bzw. -männern.
Die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie immer irgendwo in der Mitte. Auf jeden Fall macht der Schwenk in die eine oder die andere Richtung niemanden automatisch zu einem schlechteren Studenten und schon gar nicht zu einem schlechteren Menschen.
Schöne Grüße
Yasmin