Hallo!
Wie ist das, wenn offensichtlich ist, dass
die Person, die formal der Unternehmer ist, gar nicht in
Wirklichkeit der Unternehmer sein kann, weil die
Fachkenntnisse fehlen? Also wenn klar ist, dass die Ehefrau
keine Ahnung vom Bau hat…
Was versteht Roland Koch - gelernter Jurist, dann Politiker - vom Bau und von Industrieanlagen? Vermutlich ungefähr so viel, wie die Kuh vom Tanzen. Trotzdem ist er Chef von Bilfinger Berger.
Was versteht ein Dorfbürgermeister - Wahlzettel weisen ihn als Rettungssanitäter aus - von der Tätigkeit als Aufsichtsrat? Richtig: Nichts. Oder fast nichts, immerhin wird er wissen, wieviel Sitzungsgeld es gibt und er weiß, dass er an der Stelle, wo jemand mit Bleistift ein Kreuzchen gemacht hat, unterschreiben muss. Trotzdem sind ungezählte Politiker auf allen Ebenen nebenbei Aufsichtsräte in allen möglichen Unternehmen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass diese Leute übelste Risiken und schlimmste Schieflagen erst mitbekommen, wenn sie in der Zeitung davon lesen.
Ich müsste suchen, um die begleitende Studie zu einem Fördervorhaben des Bundesministeriums für Forschung und Technologie auszugraben. Diese Studie kam jedenfalls zu dem für die Verfasser überraschenden Ergebnis, dass es vorteilhaft sei, wenn die Berater von Unternehmen über Kenntnisse der jeweiligen Branche und des operativen Geschäfts verfügen… Darauf wäre ich nie gekommen
Und tatsächlich ist es außerhalb inhabergeführter Unternehmen keineswegs selbstverständlich, dass die Unternehmensleitung durch Leute wahrgenommen wird, die über nennenswerte Fachkenntnisse des Unternehmensgegenstands verfügen. Auch in der Politik ist der Blick etwa von Ministern nicht unbedingt von Sachkompetenz getrübt.
…oder wenn ein Versicherungsmakler
oder ein Softwarespezialist sein Geschäft über die 80jährige
Oma laufen lässt, die ganz sicher keine Ahnung von
Versicherungen oder Software hat.
Gibt es für bestimmte Parteien, wie zum Beispiel das Finanzamt oder :Gläubiger die Möglichkeit, das prüfen zu lassen?
Nein. Es interessiert niemanden. Wenn jemand als abhängig Beschäftigter mauern will, braucht er einen Sachkundenachweis in Form z. B. eines Gesellenbriefs. Wenn man 1000 Maurer führen will, braucht man keinen Sachkundenachweis. Wenn Du morgen die „MechanicalMike-Flugzeugwerke“ gründest, wird Dich niemand fragen, ob Du überhaupt etwas von Flugzeugen verstehst.
Muss der betreffende Unternehmer fürchten, dass seine Frau/Oma vor :Gericht aussagen muss und die „Strohmann-Konstruktion“ auffliegt?
Gericht … Strohmann … fürchten … Welche Sorgen machst Du Dir, solange nichts Verbotenes geschieht? Es ist nicht verboten, von einem Geschäft, das man führt, keine Ahnung zu haben.
Wie läuft so was üblicherweise in Deutschland?
Es ist alltäglich, dass ahnungslose Leute Entscheidungen aller Art treffen. In der Politik ist es üblich, dass ahnungslose Leute objektiv und erkennbar falsche, ja geradezu dumme Entscheidungen treffen und dafür sogar bezahlt und wiedergewählt werden. Es gibt nur eine vage Chance, dass es anders läuft, wenn Menschen mit ihrem privaten Vermögen und ihrer Existenz für ihre Entscheidungen einzustehen haben.
Aber sag’ bitte deutlicher, worauf Du hinaus willst. Nach meinem Eindruck reden wir um Dein Anliegen herum.
Gruß
Wolfgang