Unternehmensanleihen

Hallo Finanzexperten,

wie funktionieren Unternehmensanleihen?
Ich habe u.a. das Basiswissen bei onvista gelesen und m.E. auch verstanden, aber wenn ich mir dann eine konkrete Anleihe anschaue, gibt es viele Fragezeichen.

Wenn ich es richtig verstanden habe, wird der Kupon in voller Höhe nur gezahlt, wenn man von Anfang bis Ende der Laufzeit dabei ist.
Die Rendite ist der Zinssatz den man tatsächlich erhält, wenn man zu späterem Zeitpunkt einsteigt.
Wenn ich jetzt das mit einem Anleihenrechner durchrechne kommt da noch ein 3. Zinssatz raus. Meine Verwirrung steigert sich!

Kann man jemand etwas Licht ins Dunkel bringen und hat sonst noch Tipps rund um den Kauf von Unternehmensanleihen?

Vielen dank schon mal

wie funktionieren Unternehmensanleihen?
Ich habe u.a. das Basiswissen bei onvista gelesen und m.E.
auch verstanden, aber wenn ich mir dann eine konkrete Anleihe
anschaue, gibt es viele Fragezeichen.

Ich schildere mal die einfache Form: du kaufst gegen einen Geldbetrag X (z.B. 800 Euro) ein Wertpapier. Das Papier verspricht dir, dass du regelmäßig eine Zinszahlung in festgelegter Höhe (z.B. 100 Euro) und am Ende seiner Laufzeit den Nominalbetrag (z.B. 1000 Euro erhältst).

Die regelmäßigen Zinszahlungen nennt man Kupon. Wenn der Kupon in Prozent angegeben wird, beziehen sich diese Prozente auf den Nominalbetrag der Anleihe (hier 1000 Euro, also 10%) und einen Jahreszeitraum.

Die Rendite bezieht sich hingegen auf den tatsächlich gezahlten Betrag. Wenn du 800 Euro gezahlt hast, erhältst du eine höhere Rendite, also wenn du für die gleiche Anleihe 1000 Euro gezahlt hättest.

Die Rendite ist praktisch derjenige Zins, den ein Tagesgeldkonto zahlen müsste, damit nach der gleichen Zeit (also bei Ablauf der Anleihe) genausoviel drauf wäre, wie man aus der Anleihe an Zins und Nominalwert zurückbezahlt bekommen hat. Streng genommen müsste man den Zins auch noch mit der gleichen Verzinsung wieder anlegen, das macht man als „unrealistische“ Annahme bei der Renditerechnung.

So, und jetzt der Teil mit der vollen Höhe des Kupons: der Kupon wird normalerweise für volle Jahre (oder auch Halbjahre/Vierteljahre) ausgezahlt. Wenn man die Anleihe in der Mitte eines Kuponzeitraums kauft, wird er trotzdem voll gezahlt, aber man bezahlt beim Kauf noch den taggenauen Anteil am Kupon an den Vorbesitzer. D.h. wenn ich unsere Beispielsanleihe mit Jahreskupons in der Mitte des Jahres kaufe, zahle ich zusätzlich zum Preis der Börsenorder 50 Euro an den Vorbesitzer, aber erhalte sie mit dem Jahreskupon dafür den vollen Jahreszins von 100 Euro statt einem halben.

Und andererseits gibt es manchmal Kupons, die einen längeren oder kürzeren Zeitraum als die anderen haben. Wenn eine Anleihe 1,5 Jahre läuft, könnte es z.B. einen normalen einjährigen Kupon geben und einen „kurzen“ halbjährigen). Diese unterscheiden sich entsprechend der Laufzeit logischerweise im Betrag.

…noch Fragen? :wink:

Viele Grüße,
Sebastian

Hallo Sebastian,
das Dunkel lichtet sich etwas :smile:

Die Rendite bezieht sich hingegen auf den tatsächlich gezahlten Betrag. Wenn du 800 Euro gezahlt hast, erhältst du eine höhere Rendite, also wenn du für die gleiche Anleihe 1000 Euro gezahlt hättest.

Heisst das dann, ich bezahle im günstigsten Fall weniger (800,-), bekomme eine höhere Rendite und am Ende dann den Nominalbetrag (1000,-) zurück? Das wäre ja ein sehr gutes Geschäft. Wo ist der Haken?

Gruss ich

Wo ist der Haken?

Ähm, dass das Unternehmen pleite geht?

Heisst das dann, ich bezahle im günstigsten Fall weniger
(800,-), bekomme eine höhere Rendite und am Ende dann den
Nominalbetrag (1000,-) zurück? Das wäre ja ein sehr gutes
Geschäft. Wo ist der Haken?

Wenn der Anleihekurs unter den Nominalbetrag sinkt, ist das ein Indiz dafür, dass die Kreditqualität des Unternehmens gegenüber früher gesunken ist, also mit anderen Worten, dass es früher einen Kredit für X% bekommmen hat, und jetzt (X+Y)% zahlen muss (abgesehen davon, dass Anleihen auch unter Nominalbetrag direkt vom Unternehmen ausgegegeben werden könnten etc).

Passende Überlegung dazu: jemand hat eine Anleihe, die 5% p.a. zahlt und Nominalwert 1000 hat. Jetzt gibt das Unternehmen eine neue 1000-Euro-Anleihe aus und zahlt für sie 6% p.a. Werde ich demjenigen mit der 5%-Anleihe seine Anleihe abkaufen? Wenn ja, dann ja wohl für weniger für 1000 Euro. Eher für den Kurs, der einer Rendite von 6% entspricht. Zu diesem Kurs ist die alte Anleihe insgesamt nicht besser oder schlechter als die neue, nur „anders“.

Man findet Unternehmensanleihen mit allen möglichen Renditen. Die aktuelle Rendite spiegelt die aktuelle Bewertung des Kreditrisikos durch die Marktteilnehmer wieder.

Viele Grüße,
Sebastian

Wenn der Anleihekurs unter den Nominalbetrag sinkt, ist das
ein Indiz dafür, dass die Kreditqualität des Unternehmens
gegenüber früher gesunken ist, also mit anderen Worten, dass
es früher einen Kredit für X% bekommmen hat, und jetzt (X+Y)%
zahlen muss (abgesehen davon, dass Anleihen auch unter
Nominalbetrag direkt vom Unternehmen ausgegegeben werden
könnten etc).

Ergänzung dazu: natürlich kann es auch sein, dass sich das allgemeine Zinsniveau verändert hat und jemand, der jetzt Geld anlegt, einfach höhere Zinsen erwartet als früher -> um die erwartete Rendite auf das eingesetzte Geld zu erzielen, ist er nur zum Kauf der Altanleihe zu einem niedrigeren Preis = höhere Rendite bereit.

Viele Grüße,
Sebastian

Übrigens Top-Beiträge! Sternchen von mir.

-)

Hallo,

… und hat sonst
noch Tipps rund um den Kauf von Unternehmensanleihen?

Du merkst schon, dass Unternehmensanleihen ein hochkomplexes Thema sind. Um sinnvoll hier zu investieren, musst Du Dich genauso mit dem jeweiligen Unternehmen beschäftigen, wie dies ein Aktionär sollte. Dazu spielt das Thema „Zinsen“ noch eine große Rolle und Du musst verstehen, wie Ratings zu Stande kommen und wie der Markt damit umgeht (z.B. investment grade).

Ich finde es gefährlich, wenn man sich von der höheren Rendite dieser Anleihen im Vergleich zu Staatsanleihen verlocken lässt (Gier frisst Hirn). Diese höhere Rendite ist nur die Bezahlung für das höhere „implizite Risiko“. Dazu kommt das ungleich höhere Risiko, wenn man als Privatanleger (= relativ unerfahren und immer am Ende der Informationskette) mit i.d.R. viel zu kleinen Beträgen in Einzeltitel investiert. Dieses Risiko wird nicht vergütet, ist aber sehr groß!

Ich persönlich würde Unternehmensanleihen grundsätzlich nur als Beimischung in einem ausgewogenen Portfolio verwenden (z.B. 20 bis 30 % des Anteils in Rentenpapieren) und dann auch nur in Fonds.

Viele Grüße vom Money-Schorsch

Ich persönlich würde Unternehmensanleihen grundsätzlich nur
als Beimischung in einem ausgewogenen Portfolio verwenden
(z.B. 20 bis 30 % des Anteils in Rentenpapieren) und dann auch
nur in Fonds.

Hallo Money-Schorsch, kannst du vielleicht 2-3 gute Fonds in dieser Richtung nennen? Würde mich sehr interessieren, den Threadstarter bestimt auch. :smile:

Danke und Gruß
Granini

Hallo,

Ich finde es gefährlich, wenn man sich von der höheren Rendite
dieser Anleihen im Vergleich zu Staatsanleihen verlocken lässt
(Gier frisst Hirn). Diese höhere Rendite ist nur die Bezahlung
für das höhere „implizite Risiko“. Dazu kommt das ungleich
höhere Risiko, wenn man als Privatanleger (= relativ
unerfahren und immer am Ende der Informationskette) mit i.d.R.
viel zu kleinen Beträgen in Einzeltitel investiert. Dieses
Risiko wird nicht vergütet, ist aber sehr groß!

Das mit dem höheren Risiko ist schon klar, obwohl ich das mit den kleinen Beiträgen nicht verstehe. Geht es da um die Kosten oder warum ist das Risiko bei kleinen Beiträgen höher? Und vorallem was sind kleine Beiträge? Bei wieviel Nullen hört „klein“ auf?

Unternehmensanleihen wurden mir übrigens von der Bank als Alternative zum Festgeld angeboten. Also kurzfristige (1-2 Jahre) Anleihe auf deutschen DAX Unternehmen. Natürlich mit mehr Risiko als Festgeld.
Aber bevor ich nicht verstehe, was sie mir da „andrehen“ wollen, geht natürlich gar nichts.

Viel Grüsse Ich

Hallo Sebastian,

mir geht langsam ein Licht auf. :smile:
Vielen Dank für deine Ausführungen.

Gruss ich

Hallo,

Das mit dem höheren Risiko ist schon klar, obwohl ich das mit
den kleinen Beiträgen nicht verstehe. Geht es da um die Kosten
oder warum ist das Risiko bei kleinen Beiträgen höher? Und
vorallem was sind kleine Beiträge? Bei wieviel Nullen hört
„klein“ auf?

Beispiel General Motors: GM hatte Anleihen herausgegeben, die von Großanlegern gekauft wurden. Die haben Versicherungen gegen den Ausfall abgeschlossen. Aber auch Kleinanleger haben diese Anleihen gekauft, allerdings ohne sich zu versichern.

Als es jetzt um die Insolvenz von GM ging, waren die Schuldner, hauptsächlich Großanleger, zu keinerlei Zugeständnissen bereit, weil sie ja gegen Ausfälle versichert waren. Die Kleinanleger guckten dann in die Röhre.

Cheers, Felix

Hallo

Das mit dem höheren Risiko ist schon klar, obwohl ich das mit
den kleinen Beiträgen nicht verstehe. Geht es da um die Kosten
oder warum ist das Risiko bei kleinen Beiträgen höher?

aus meiner Sicht geht es hier vor allem um die Möglichkeit, breit zu streuen. Das ist hier besonders wichtig, da im Falle der Insolvenz ein Totalverlust droht. Und dass es hier nichts gibt, was es nicht gibt, haben wir ja gerade vor Augen.

Und
vorallem was sind kleine Beiträge? Bei wieviel Nullen hört
„klein“ auf?

Das kommt darauf an, in welcher Stückelung die Anleihen angeboten werden und wieviele verschiedene Papiere man meint mindestens haben zu müssen, um breit genug streuen zu können.
Wenn beispielsweise über mind. fünf Segmente (z.B. Pharma, Versorger, Maschinenbau, Telekom und Technologie) gestreut werden soll und ich dort jeweils mindestens fünf Unternehmen haben möchte, dann muss ich 25 verschiedene Anleihen kaufen. Kostet eine nur 10.000 euro bin ich schon bei 250.000 euro nur für U´anleihen. Mal angenommen, dieses Segment macht rund 10% meiner Gesamtanlage aus… .

Grundsätzlich sind wir Normalmenschen alle Kleinanleger in diesem Sinne. Auch wenn jemand innerhalb dieses Segemntes zu den Vermögenden gehört. Um richtig wie ein Profi anlegen zu können, wird man schon einen zweistelligen Millionenbetrag zur Verfügung haben müssen. Sonst muss man immer irgendwelche Konpromisse eingehen. (also sieben Nullen).

Unternehmensanleihen wurden mir übrigens von der Bank als
Alternative zum Festgeld angeboten. Also kurzfristige (1-2
Jahre) Anleihe auf deutschen DAX Unternehmen. Natürlich mit
mehr Risiko als Festgeld.

Das halte ich für kriminell! Mir tut der arme Bankvertriebler leid, der so arbeiten muss, um sein Gehalt zu verdienen. Und der Kunde, der immer denkt, in Banken würde beraten. Die „Lehman-Oma“ lässt grüßen.
Der Money-Schorsch grüßt auch!

Hallo Money-Schorsch, kannst du vielleicht 2-3 gute Fonds in
dieser Richtung nennen? Würde mich sehr interessieren, den
Threadstarter bestimt auch. :smile:

Hallo Granini,

gute Frage!
Nächste Frage:
Was ist ein guter Fonds?

Stellt sich die Frage, wo ich dennn tatsächlich investieren will.

  1. Region:
    Der größte Markt für Unternehmensanleihen ist der US-Markt. In einem internationalen Fonds werde ich immer einen großen Anteil an US-Werten haben. Damit habe ich aber auch eine Wette auf den Dollar laufen, die einem in den letzten Jahren jeden Spaß geraubt hat. Das kann natürlich auch andersrum laufen. Nobody knows.
    Es gibt vielleicht auch währungsgesicherte Varianten. Aber das kostet natürlich auch Geld und ich habe noch keinen Finanzprofi getroffen, der auch nach dem 2. Bier an der Bar Abends noch behauptet, er könnte „Währungsmanagement“ - außer die üblichen Megagroßmäuler, die es in jeder Branche gibt.
    Also: Weltweit? Europa? Euroraum? Sonst noch Ideen?

  2. Bonität
    In welche Unternehmen soll der Fonds investieren. Nur „Investmentgrade“, also sehr gute und gute Bonitäten? Oder darfs ein bisserl mehr sein (auch an Renditechance und Risiko) und es dürfen auch Papiere im Bereich ab BB drin sein? Oder vielleicht nur das eine oder das andere?

  3. Maßeinheit für „gut“
    Wo soll der Fonds gut sein? Performance der letzten 12, 36 oder 60 Monate? Oder in diesem Jahr?
    Sind wir fortgeschritten und haben auch das Risiko im Auge und wollen eine geringe Standardabweichung? Oder gehören wir schon zu den Profis und setzen beides ins Verhältnis und gucken auf die Sharpe Ratio? Und jetzt gehr es erst los mit Kennziffern, an denen man sich so richtig hochziehen kann. Viel Spaß damit!
    Aber ein Problem haben alle: Immer nur der Rückspiegel.
    Kein Mensch weiß, was dieser Fonds in der Zukunft machen wird. Das gilt immer. Hinzu kommt: Derzeit rollen bei den Fondsgesellschaften reihenweise Köpfe. Die Managementteams werden deutlich kleiner. Wer will sagen, ob ein Fonds die Qualität der Vergangenheit halten kann?

Fazit:
Leider muss ich also Deine Frage mit NEIN beantworten. Aber wenn Du Dich mit den oben genannten Fragen beschäftigst kannst Du daraus ein Selektionsverfahren basteln und dann z.B. über morningstarfonds.de Deine eigenen Favoriten finden. Aber ein bisserl Zeit wird man investieren müssen. Die ist allerdings besser angelegt, als die Zeit für das Gespräch mit der Bank, wo einem U´anleihen als Alternative für Festgeld empfohlen werden. (Mich schüttelts immer noch bei dem Gedanken…)

Viel Erfolg wünscht der Money-Schorsch

Unternehmensleihen heisst, daß Unternehmen ein Darlehensangebot an die Öffentlichkeit abgeben. Risiko ist immer die Insolvenz des Gläubigers. Daher werden die Unternehmen mit einem Rating versehen (Gutes Rating = AAA). Das zeigt die Sicherheit des Kapitals an und die Wahrscheinlichkeit des Geld- und Zinsverlustes. Je schlechter das Rating (z.B BBB) desto höher ist meist der Zinssatz. Das Unternehmen bietet einen Risikoaufschlag an. Alles ab 5 %-Zinssatz ist genauer zu prüfen (Wem gebe ich das Darlehen???). Rating im B-Bereich ist mit vorsichtig zu genießen.

Beispiel: 5 % Zinssatz (Kupon) der Autobauer AG. Jetzt guckst du bei dem Einkaufskurs, denn du must die Anschaffungskosten berechnen. Also: Du legst nominal 1.000 Euro an zu einem Kurs von 103,50. Das kostet dir also 1.035 Euro für den WP-Einkauf. Dann gibt es das Fälligkeitsdatum der Zinsen. An diesem Tag zahlt die Autobauer AG die Zinsen aus. Hier also 5 % vom Nominalbetrag 1.000 Euro = 50 Euro.

Ist ein Anleihenangebot gefragt, steigt der Kurswert und somit wird der WP-Einkauf teuer. Beim WP-Verkauf wiederrum kriegst du dann den aktuellen Kurswert abgerechnet. Also: Beispielkurs 104,00 = 1.040 Euro. Ob eine Anleihe gut ist hängt also von vielen Faktoren ab:

  1. Rating (Zählungsfähigkeit) des Unternehmens
  2. Zinssatz
  3. Kurswert

Grundsätzlich sind U-Anleihen immer was für 3 - 5 Anlagejahre, denn der Erfolg der Anleihe bedingt das jährliche Erlösen der Zinsen.