ich soll in nächster Zeit in der Berufsschule einen Vortrag
über
„Unternehmensinternes DSL“ halten und brauche dazu Eure hilfe.
Ich bräuchte Informationen über Realisierungsmöglichkeiten und
praktische Anwendung in dem Berreich.
Ich muss ein Zweigwerk, Luftlinie über einen Berg ca. 1,5 km vom Hauptwerk entfernt, versorgen. Glasfaser habe ich bislang nicht genehmigt bekommen, Funkverbindung scheitert am Berg bzw. an den Kosten für die erforderlichen Relais, Anbieter, die sonstige Breitbandverbindungen anbieten, gibt es hier im Hinterwald nicht. Was ich zwischen beiden Werken aber reichlich habe, ist Kupfer.
Früher waren die Netze über ISDN verbunden. Was natürlich bedeutete, dass die wesentliche Infrastruktur für teuer Geld und hohen Wartungsaufwand doppelt, einmal im Haupt-, einmal im Zweigwerk vorgehalten werden musste. Dass Dienste wie z. B. Mail, die ich nur zentral angeboten habe, von den Anwendern im Zweigwerk oft nur unter quälenden Delays nutzbar waren.
Seit einigen Jahren ist ISDN durch SDSL abgelöst. Derzeit sind es zwei mal zwei Adernpaare gebündelt zu einer Gesamtkapazität von 4.6 MBit. Es sind noch einige Adern frei, so dass ich grössere Bündel schnüren und eine höhere Kapazität erreichen könnte, ich habe aber (seit längerem) gute Hoffnung, demnächst Glasfaser genehmigt zu bekommen.
Da aber die Kernanwendungen derart sparsam im Übertragungsvolumen sind (ein enormer Vorteil von Big Iron), dass sie auch früher über ISDN schon ohne störende Latenzen liefen, haben die 4.6 MBit bislang gereicht, dieses Zweigwerk voll in das zentrale Netz zu integrieren. Vor etwa einem dreiviertel Jahr habe ich nach einem Hardwareausfall den letzten Server im Zweigwerk kurzerhand stillgelegt und die verbliebene Funktionalität ins zentrale Rechenzentrum verlagert. Da die meiste Software bei uns nicht auf den Clients selbst installiert, sondern zentral vorgehalten und gewartet werden, hatte dies zur Folge, dass der Start dieser Applikationen im Zweigwerk deutlich langsamer erfolgt, als in der Zentrale. Was aber bei Rechnern, die im wesentlichen 24/24, 7/7, 363/365 laufen, keinen echten Nachteil darstellt.
SDSL bietet sich im Grunde genommen überall dort an, wo eine gewachsene Struktur besteht (die Kupfer fast immer im Überfluss bietet), der Kapazitätsbedarf überschaubar ist, dritte Anbieter nicht einspringen können und die Verlegung von Glasfaser mit hohen Kosten oder verwaltungstechnischem Aufwand verbunden ist.
Damit wir Glasfaser verlegen können, müssen wir uns z. B. mit der Deutschen Bahn, an deren Trasse entlang wir ein Stück weit verlegen müssen, mit der Gemeinde und dem Forstamt, deren Gelände wir queren und mit dem Wasserwirtschaftsamt (wir müssen einen Bach durch- oder unterqueren) einigen. Ein Grundstück, das wir aufbuddeln müssen und ein Wegerecht sind bereits gekauft. Und das alles, obwohl wir die gleiche Trasse nutzen, auf denen schon seit Jahrzehnten unsere Kupferleitungen liegen.
Gruss
Schorsch