Unternehmerische Sorgfaltspflicht: Wetten dass

Hallo,
angesichts des gestrigen Unfalls bei „Wetten dass“ stelle ich mir die Frage, ob dem ZDF ein strafrechtliches Verfahren in dieser Sache bevorstehen könnte.
Unstrittigerweise dürfte vorher erkennbar gewesen sein, dass einen Menschen/Fußgänger der hier sehr realen Gefahr der Kollision mit einem Auto auszusetzen, oft mit schwersten Verletzungen und auch tödlich ausgehen kann. Und eine angemessene Absicherung für den Fall, dass der Sprung (wie geschehen) schiefgeht, hat es offensichtlich nicht gegeben.
Ich möchte jetzt nicht in der Haut eines ZDF-Verantwortliche stecken, wenn ggfls die Staatsanwaltschaft die Fragen nach unternehmerischer Sorgfaltspflicht, Arbeitsschutz etc stellen sollte.
Auch kann ich mir vorstellen, dass eine vorher abgegebene Erklärung des Wettkandidaten, er mache das alles auf sein eigenes Risiko und stelle das Unternehmen (ZDF) frei, gerichtsfest ist. Transferieren wir mal den „Schneider von Ulm“ in den Dezember 2010 und das ZDF wäre von ihm auf seine Wette angesprochen worden. Da hätte doch jeder Verantwortliche dem Schneiderlein gesagt : „Nicht in unserer Sendung. bzw nur dann, wenn du als Absicherung einen Hubschrauber mit Seil über dir hast.“
Auf die Diskussion bin ich gespannt.
Gruß
Karl

http://www.zjs-online.com/dat/artikel/2009_4_202.pdf

Hallo,

angesichts des gestrigen Unfalls bei „Wetten dass“ stelle ich
mir die Frage, ob dem ZDF ein strafrechtliches Verfahren in
dieser Sache bevorstehen könnte.
Unstrittigerweise dürfte vorher erkennbar gewesen sein,
dass einen Menschen/Fußgänger der hier sehr realen Gefahr der
Kollision mit einem Auto auszusetzen, oft mit schwersten
Verletzungen und auch tödlich ausgehen kann. Und eine
angemessene Absicherung für den Fall, dass der Sprung (wie
geschehen) schiefgeht, hat es offensichtlich nicht gegeben.

Das dürfte wohl auch nicht machbar gewesen sein, denn eine extrem dicke und weiche Unterlage hätte das Laufen mit diesen Sprunggelenken nicht ermöglicht. Eine Absicherung durch ein Seil war ebenfalls nicht durchführbar. Das ZDF hat offenbar schon Vorkehrungen getroffen (Matte und Lichtführung), um den Auftritt gegen Stürze, die es in der Probe ja schon gegeben haben soll, abzusichern.
Ganz sicher aber wird sich das ZDF per Vertrag absichern, daß der Spieler alles Risiko selbst trägt. Dies dürfte wohl auch bei Stunts jeder Art für Filmaufnahmen so gehandhabt werden.

Gruß Heinz

Hallo Heinz,

Und eine angemessene Absicherung für den Fall, dass der Sprung (wie geschehen) schiefgeht, hat es offensichtlich nicht gegeben.

Das dürfte wohl auch nicht machbar gewesen sein, denn …

Dann nimmt man eben Abstand von dem Vorhaben, zieht es nicht wider alle Vernunft durch.

Das ZDF hat offenbar schon Vorkehrungen getroffen (Matte und Lichtführung), um den Auftritt gegen Stürze, die es in der Probe ja schon gegeben haben soll, abzusichern.

Und die Vorkehrungen waren ja ganz offensichtlich absolut unzureichend, sonst wäre der Ausgang nicht so gravierend gewesen. Da muss man das ZDF schon fragen, ob der Ausgang von Kollisionen zwischen Fußgängern und Autos ihm nicht bekannt ist, zB aus dem Straßenverkehr.

Ganz sicher aber wird sich das ZDF per Vertrag absichern, daß
der Spieler alles Risiko selbst trägt. Dies dürfte wohl auch
bei Stunts jeder Art für Filmaufnahmen so gehandhabt werden.

Das denke ich auch. Nur : wäre das wirklich gerichtsfest ? Auch gegenüber der Staatsanwaltschaft ?
Gruß
Karl

Hallo Mevius,
vielen Dank für den Link. Dafür ein Sternchen, auch wenn die Lektüre erst mal ein „dickes Brett“ ist, zumindest für einen Nicht-Juristen.
Ist ein Beleg dafür, dass man die Verantwortlichkeiten in einem solchen Fall rechtlich durchaus konträr sieht.
Gruß
Karl

ich finde es etwas lächerlich, wenn hier primär über die sorgfaltspflichten vom zdf diskutiert wird.

bzgl. der strafrechtlichen (und ebenso einer denkbaren haftung wegen unterlassens nach §§ 823ff. bgb) kann auf den aufsatz von mevius verwiesen werden -> sie liegen mit hoher wahrsch. nicht vor…

warum (unabhängig von den konkreten umständen) sollte hier überhaupt eine straftat bzw. haftung in betracht kommen:

die person hat eine freiverantwortliche entscheidung getroffen, ob sie den stunt durchführt oder nicht. allein sie trägt also auch das risiko, wenn etwas schiefgeht. oder hat das zdf seit neuestem eine garantenstellung, wenn sich dritte freiverantwortlich selbst gefährden ?

im übrigen halte ich es für völlig unverständlich, wenn in der probe der stunt kein einziges mal geklappt hat und man ihn trotzdem durchführt. für verletzungen ist er letztendlich selbst schuld.

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Hi,

was ist denn, wenn man das Ganze mal wie folgt betrachtet?

Das ZDF hat sich mit diesem Beitrag in einem herheblichen Maße bereichert! Es hat so sehr viele Zuschauer bekommen, und im übrigen auch (kostenlose) Werbung für sich gemacht, bzw. machen können.

Nun muss es auch die Konsequenzen auf sich nehmen.

Also ggf. mit einer Klage rechnen!

Wenn das alles nicht so ist/wäre, dann könnte man ja auch sagen;

Nun, mit dem Auto bin ich schneller von A nach B, als mit dem Fahrrad, jedoch hätte man mir sagen müssen, dass ein Auto auch viel teurer ist als ein Fahrrad…

Also; keine Vorteile ohne Nachteile!
Und; wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Fazit; das ZDF ist meiner Meinung nach in einem erheblichen Maße mit schuldig. Rechtlich (meiner Meinung nach) zumindest. Ob dies auch moralisch so ist, möchte ich bezweifeln. Denn das ZDF hat letztlich nur das bedient, was wir alle haben wollen; Nervernkitzel!

Grüße
J

Hallo,

… oder hat das zdf seit neuestem eine garantenstellung, wenn sich dritte freiverantwortlich selbst gefährden ?

Also die Argumentation : Wir vom ZDF sind gar nicht der Veranstalter, sondern wir stellen lediglich interessierten Wettkandidaten - unter Erstattung derer Auslagen für Anreise etc und für ein bescheidenes Hornorar an den Kandidaten - unentgeltlich Sendezeit zur Verfügung.
Und weil wir ZDF-ler ansonsten kein Eigeninteresse an dieser Sendung haben, machen wir auch keine eigene Risiko-Abschätzung und Planung für Sicherheitsvorkehrungen (falls doch mal etwas schief geht).

im übrigen halte ich es für völlig unverständlich, wenn in der probe der stunt kein einziges mal geklappt hat …

Auch wenn’s bei den Proben - bis auf ein- bis zweimal - ja geklappt haben soll, darf die Risikoabschätzung Fußgänger gegen Auto nicht außer Acht gelassen werden.

und man ihn trotzdem durchführt. für verletzungen ist er letztendlich selbst schuld.

Klar hätte der Kandidat (theoretisch) noch in der Sendung sagen können „Ich mach’s doch nicht.“ Aber wer traut es sich dann noch zu ?
Für mich steht fest : Das ZDF hat vorher keine fachmännische Sicherheitsanalyse durchgeführt. Denn sonst hätten sie die Wette nicht angenommen.
Gruß
Karl

oT
Hi,

interessante Diskussion. Zum strafrechtlichen kann ich wenig sagen, aber: Merkwürdig, dass jetzt die Stimmen laut werden, die die ganze Zeit, als alles gut ging, geschwiegen haben. Das war nicht die erste „Nervenkitzel-Wette“ und im Laufe der Jahre wurden diese auch immer spektakulärer, denn die Zuschauer haben den Anspruch, überrascht werden zu wollen und mitzufiebern. Was man schon mal gesehen hat oder was völlig sicher anmutet, langweilt das Privatfernsehen-verwöhnte Publikum à la: Ein Trapezkünstler ist toll, aber noch besser ist es ohne doppelten Boden und wenn der Artist brennt!
Der Kandidat hat sich diesem Risiko allein ausgesetzt, er hat dabei nur sich selbst gefährdet und es billigend in Kauf genommen, dass etwas passieren konnte. Das ist der Preis des Ruhms, den auch Menschen wie Harry Houdini (der dummerweise auch als Resultat seines „künstlerischen Schaffens“ gestorben ist), David Blaine, Evel Knievel uvm. auf sich genommen haben.

Keiner hat den Kandidaten dazu gezwungen, was nichts daran ändert, dass es eine traurige Sache ist, aber durchaus absehbar.
Als Profi hätte er es einsehen müssen, dass das eine Nummer zu groß für ihn ist - spätestens nach den verpatzten Proben.
Bleibt zu hoffe, dass er wieder auf die Beine kommt…

Grüße
Liete

Hallo Liete,

Der Kandidat hat sich diesem Risiko allein ausgesetzt, er hat
dabei nur sich selbst gefährdet und es billigend in Kauf
genommen, dass etwas passieren konnte.

Klar gibt es immer solche Kandidaten, die - aus welchen Gründen auch immer - ein auch ernorm hohes Risiko für ihr eigenes Leben einzugehen.
Es wäre meiner Ansicht sollte aber für ein Unternehmen - egal ob öffentlich rechtliches oder privates - unvertretbar sein, zu sagen : „Okay, zwar heftig gefährlich, aber das Risiko ist nicht unsere Sache. Im Gegenteil, es ist dient unserer Quote.“

Keiner hat den Kandidaten dazu gezwungen, …

Aber keiner war so verantwortungsvoll und hat gesagt, wir vom ZDF lassen das.

was nichts daran ändert, dass es eine traurige Sache ist,
aber durchaus absehbar.

Und gerade wenn’s absehbar war, hätte ein frühzeitiges „Nein“ vom Veranstalter kommen müssen.

Bleibt zu hoffen, dass er wieder auf die Beine kommt…

Das hofft wohl jeder.
Gruß
Karl

hi

Keiner hat den Kandidaten dazu gezwungen, …

Aber keiner war so verantwortungsvoll und hat gesagt,
wir vom ZDF lassen das.

Wenn ein Mensch versichert, daß er etwas kann, weil er ein guter Stuntman ist - gute Stuntmen haben schon ganz andere Dinge fertig gebracht - warum sollte dann irgendjemand einen erwachsenen Menschen daran hindern sein Können vorzuführen, um zu seinen 15 Minuten Berühmtheit zu kommen?

Und gerade wenn’s absehbar war, hätte ein frühzeitiges „Nein“
vom Veranstalter kommen müssen.

Ich stelle mir gerade vor, daß der Veranstalter frühzeitig nein gesagt hätte, der verhinderte Kandidat wäre zu den Medien gegangen und dann wären wohl alle über den ZDF hergefallen, weil der Kandidat nicht auftreten durfte.

Auch wenn ich natürlich wie jeder hoffe, daß der Kandidat halbwegs glimpflich davon kommt, fehlt mir das ganz große Mitleid für Menschen, die sich wissentlich und unnötig in Gefahr bringen und für Menschen, die dann andere dafür zur Verantwortung ziehen wollen, wenn es schief geht

Gruß
Edith

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