Jetzt mal völlig ab vom Kapitalmarkt, was versteht man unter
einer Fundamentalanalyse im Rahmen der Unternehmensbewertung?
Also das Problem hierbei ist, dass man die Begriffe „fundamentale und technische“ Analyse aus dem Bereich der Aktienbewertung kennt. Unter der technischen Analyse werden ja die Chartechniker weitestgehend erfasst.
Die „Fundamentalisten“ schauen sich die definitiv vorhandenen Zahlen an und analysieren sie, bilden daraus Kennzahlen und nutzen sie zu Vergleichen.
Bei der Unternehmensbewertung ist es nun so, dass man die Fundamentalanalyse aufsplitten kann. Es gibt zum einen die „Schiene“, wo man auch Kennzahlen bildet. Das waren die Multiples. Man will einfach einen Ausschnitt des Unternehmens herausgreifen und daran eine Bewertung festmachen. Hat man z.B. ein sehr umsatzstarkes Unternehmen, dann wird die Bank die den Verkäufer berät, ein Umsatz-Multiple wählen.
Fundamental bedeutet dann, dass man sich alle für den Umsatz relevanten Größen heranzieht und diese verarbeitet. Ein anderes Beispiel für die Fundamentalanalyse ist auch die Bestimmung des sog. Substanzwertes. Diese Methode fällt aber durch ihre starke Vergangenheitsorientierung auf.
Bei der Unternehmensbewertung treffen aber letztlich zwei konkurrierennde Ansätze aufeinander. Die einen wollen einen möglichst objektiven Unternehmenswert ermitteln, etwa dann wenn man sich in einer konkreten Verkaufssituation befindet. Dieser Wert müsste dann z.B. auch vor Gericht standhalten und mehr noch, auch steuerliche Aspekte berücksichtigen.
Hierzu zieht man dann in der Tat die fundamentalen Daten heran. Man schaut sich die Vermögensgegenstände und Schulden genau an und zwar auch im Einzelnen. Welche Verträge bestehen mit Lieferanten, bzw. welche Patente hat man zu welchem Wert erworben usw. Man sammelt eigentlich alles aus dem Unternehmen.
JETZT wird das Problem deutlich: Man sucht sich nur die Daten aus EINEM -eben dem speziellen Unternehmen- zusammen.
In der Bewertungspraxis möchte man aber -um die beste Anlageentscheidung treffen zu können- möglichst viele und dazu auch noch sehr verschiedene Unternehmen bewerten können. Hier kommen nun die DCF-Verfahren ins Spiel. Dadurch, dass ihre Infuptfaktoren sich auf Grund von Daten ermitteln, die für eine Vielzahl von Marktteilnehmern als identisch angesehen werden und dazu auch noch die Präferenzen der Gesamtheit der Marktteilnehmer beinhalten, können Bewertungskriterien aufgestellt werden, die eine breitere, eben allgemeinere Bewertung zulassen.
DCF-Verfahen sind sehr viel aufwendiger, dafür aber auch genauer. Sie ermitteln MARKTwerte und eben nicht „besondere einzelne Werte“.
Wenn man so will, kann man sagen, dass je nach Situation und Zielvorstellung die Anwendung der beiden Varianten stark voneinander abweichen kann. Investmentbanken nutzen die DCF-Verfahren um u.a. faire Aktienkurse zu ermitteln. Sie planen nicht direkt den Kauf, aber sie wollen den Wert kennen.
Zu Deiner Frage, wie etwa konjunkturelle Informationen eingehen. Nun, hier muss man sagen, dass bei allen Bewertungsverfahren, mehr oder weniger regide Annahmen getroffen werden. Ich hatte ja schon die Percentage of Sales Methode genannt. Mit ihr werden die für die DCF-Bewertung erforderlichen Planbilanzen und Plan-GuV erstellt. Man trifft hierzu eine Annahme bezüglich der zukünftigen Wachstumsrate des Umsatzes und unterstellt, dass sich daran alles andere orientiert.
In diese Größe können dann auch konjunkturelle Risiken, aufgrund statistischer Verfahren eingearbeitet werden.
WICHTIG: Natürlich sind diese Annahmen in der Realität nicht oder manchmal sogar überhaupt nicht erfüllt. Allerdings verkennen die Kritiker -die dieses Argument vorbringen- dass diese Tatsache den Anwendern auch bekannt sind.
Letztlich sind die DCF-Verfahren nur ein Modell. Wenn man sich aber immer weiter von den restriktiven und „auf den ersten Blick realitätsfremden“ Modellannahmen löst und immer mehr und mehr „echte“ Gegebenheiten einbaut, wird man immer noch bessere Ergebnisse erhalten, als mit den herkömmlichen „alten Verfahren der Unternehmensbewertung“.
Außerdem muss man noch dazu sagen, dass gerade in den letzten Jahren immer stärker statistische Verfahren in die Unternehmensbewertung eingebunden wurden, insb. die Regressionsanalyse, die an vielen Stellen schon sehr gute Schätzungen liefert.
Werden alle Faktoren welchen einfluss auf den Preis/Wert des
Unternehmens haben bei der Analayse herangezogen?
Wie gesagt: Vielleicht bei den DCF Verfahren nicht immer in ihrer Einzelheit, jedoch über die Annahmen und deren Bildung.
Viele Grüße
TraderS