H wie Hola.
Das ist ja wohl genau das, was Wolfgang implizit mitansprach:
eine äußerst einseitige und selbstgefällige Sichtweise.
Stichwort „inkompetenter Lehrer“. Ja, was habe ich nich auch
für monotone Stunden erlebt. Was habe ich nicht für Lehrer
erlebt, wo man kurz dachte, daß derjenige didaktisch nicht auf
der Höhe wäre.
Und? Jahre später muß ich einräumen, daß gerade diese Leute
fachlich sowas von stark gewesen sind und uns auch jede Menge
Bildung in die Knochen gejagt haben - das geht auf keine
Kuhhaut.
Nur setzt sich das Puzzle viel später zusammen.
Wenn es ihnen denn gelingt, die Bildung auch zu vermitteln!
Ich kann mich da auch an fachlich starke Lehrer erinnern, die
es nicht fertig brachten, dieses Wissen auch rüberzubringen.
Mir ist ein Lehrer lieber, der das benötigte Wissen
rüberbringt, als einer, bei dem es für einen Doktor in
Mathematik reicht, dieses Wissen aber nicht vermittlen kann.
Solche Typen sind leider nicht selten.
Hier geht es doch schon los. Wer sagt denn, daß auch das
nötige Engagement von der anderen Seite überhaupt vorhanden
gewesen ist?
Das wird es nur sein, wenn der Ehrgeiz der Schüler geweckt werden kann. Ideal ist es, wenn schon im Elternhaus eine positive Einstellung zur Bildung herrscht, es kann aber auch am Beispiel von Freunden oder durch einen guten Lehrer geschehen.
Ich bitte dies nicht zu unterschätzen: Wenn 100 Schüler
behaupten, ein Lehrer könne den Stoff nicht vermitteln, wird
darunter eine nicht unerhebliche Anzahl sein, die dem
Unterricht gar nicht ausreichend folgen; durch Dinge wie nicht
erledigte Hausaufgaben/ vergessene Arbeitsmittel glänzen;
nicht mal soviel Intelligenz und Pflichtbewußtsein aufbringen,
das am Schultag Behandelte ein einziges Mal durchlesen,
trotzdem sie das Gefühl hatten, es im Unterricht nicht
verstanden zu haben; oder die dann, wenn der Lehrer Fragen zum
Stoff anbietet, still bleiben, anstatt den Mund aufzumachen.
Vermutlich aus Angst vor der Blamage oder Schüchternheit. Ich habe auch immer gewartet, bis jemand anderes fragte - zum Glück war auch fast immer jemand da
.
Ein Schüler kann es bei so einigen Sachen gar nicht
überblicken, ob der Lehrer es gut oder schlecht vermittelt
hat.
Das stimmt! Ich habe meinen Mathelehrer immer sehr gut verstanden - ganz im Gegensatz zu der Mehrheit meiner Mitschüler. Vielleicht war er doch nicht so gut im Erklären?? Da musste so mancher Vater abends nochmal ran - meiner nie
. Vermutlich waren unsere Denkstrukturen ziemlich ähnlich. Ich weiß sonst nicht, warum das so war. Bei anderen Mathelehrern später hatte ich diesen Vorteil leider nicht mehr.
Ich weiß schon, worauf Du im Kern hinauswillst bei den
genannten Sachen - doch so einfach ist es nicht.
Auch ein Lehrer, der es fertig bringt, dass zurückhaltende
Schüler nur noch Angst vor ihm haben, deshalb zurückbleiben
und später auf die Hauptschule wechseln müssen, ist meiner
Meinung nach fehl am Platz. Auch wenn der Rest der Klasse den
Stoff später relativ gut gelernt hat. Es ist nicht richtig,
die zurückhaltenden bloßzustellen. Wenn das mal bei einer
vorlauten Nervensäge passiert, ist das nachvollziehbar, aber
bei denjenigen, die sowieso schon still sind, ist das einfach
unfair.
Ich habe extra eingeräumt, daß man natürlich auch den Zonk
ziehen kann und daß es Kollegen gibt, die wirklich von der
Rolle sind.
Und bei dem ist es nur gerecht, wenn man sich beschwert!
Trotzdem hat es die
Lehrerschaft nicht verdient, pauschal in Schutz genommen zu
werden. Man muss auch dort differenzieren.
Doch, weil zu einem hohen Prozentsatz Sprüche und Ansichten in
solchen Diskussionen lanciert werden, die eines Lehrer Daseins
unwürdig sind.
Was ist heutzutage schon würdig? 1-Euro-Jobs? Die Verpflichtung, als Arbeitsloser jede Stelle anzunehmen? Das Klima ist kälter geworden.
Es tun immer alle so seit PISA, als ob die Republick voll von
didaktischen Versagern wäre. Dabei ist doch der umgekehrte
Tatbestand erfüllt: Es gibt wesentlich mehr unfähige Eltern
und täglich an Verblödung reicher werdenden Kindern.
Wo wird also das pädagogische Problem eher sitzen? Vor oder
hinter dem Lehrertisch? Was wird wohl die Wissensvermittlung
eher behindern? Kinder mit fragwürdigen Werten und
Verhaltensweisen oder ein 0-8-15-Lehrer?
Da stimme ich dir ganz zu. Die Lehrer sind vermutlich nicht besser oder schlechter als früher. Aber die Schüler sind viel abgelenkter: Ständig wird an Handys herugefummelt, jeder hat nachmittags unzählige Aktivitäten, es gibt viel mehr verfügbare Medien und die Eltern denken immer nur, es läge am Lehrer und nicht an ihrem Herzblatt, wenn was nicht läuft. Dazu kommt der Zwang, ein gutes Abi zu schaffen.
Zu meiner Schulzeit war das noch anders: Da bekamen Hauptschulabsolventen noch Lehrstellen und die Eltern hatten meist die eigenen Kinder in Verdacht, wenn etwas nicht so lief.
Es gibt aber Lehrer, die zu Recht mal eine Beschwerde und
vielleicht sogar auch einen Rüffel vom Chef tatsächlich
verdient hätten. Die Leute verdienen Geld mit dem Job und wer
etwas aus wirtschaftlichen Gründen tut, der hat irgendwo auch
Kunden.
Wer aus wirtschaftlichen Gründen den Lehrerberuf wählt, hat
sie nicht mehr alle. Und die Lehrer, die tatsächlich Mist
bauen, hab ich doch gar nicht weggeredet. Ich sagte sogar
ausdrücklich, daß es diese gibt.
Doch das ist kein Grund, eine Diskussion darauf zu verengen
und auch noch den eher größeren Rest der Lehrerschaft mit den
gleichen Topf zu werfen…
Womit wir wieder bei der Verhältnismäßigkeit wären: Es wird
der Eindruck erweckt, jeder zweite oder dritte Lehrer wäre ein
charakterlicher, didaktischer oder fachlicher Totalversager,
der am besten achtkantig herausgeworfen werden müßte, wenn es
ein Schüler oder ein Elternteil so will.
Verrückte Zeiten! Das entspricht aber nicht meiner Auffassung. Als ich zur Schule ging, gab es vielleicht mal einen Lehrer in der ganzen Schule, der wirklich eine total Niete war, zwei oder drei hätten mal ein ernsthaftes Personalgespräch benötigt und er Rest hat seinen Job mehr oder weniger ordentlich erledigt. Ich glaube nicht, dass das heute anders ist.
Ein Sprüchlein, was sich so manche Mutter und so mancher Vater
merken müßte, lautet: Wenn „Beschwerden“ zum Sprößling aus der
Schule kommen, hat das eigene Kind IMMER eine Aktie daran. Mit
dem auch vorkommenden Drangsalieren oder Niedermachen hat das
nicht entfernt etwas zu tun. Dagegen muß man dann wirklich
etwas tun.
Da stimme ich Dir zu.
Doch es würde sich für die Lehrerschaft ein ganz anderes Klima
ergeben, wenn nicht jedes Elternpärchen sofort angerannt käme
mit dem berühmten selbtgefällig-dummen Spruch „Mein Kind -
neeeein - mein Kind macht sowas nicht!“…
Ich denke, das liegt am „Abi-Zwang“. Die haben einfach Angst, dass ihr Kind später keinen Job bekommt. Und für dieses Ziel wird dann eben ein wenig die Wahrheit verdreht.
Siehe weiter oben mit dem Problem der tollwütigen Elternschaft
und der verzogenen Bälger. Und was bitte ist das Problem an
einem „langweiligen Lehrer“? Wo steht geschrieben, daß jemand,
überspitzt gesagt, hyperaktiv herumhüpfen muß?
Herumhüpfen muss keiner! Aber Interesse wecken, gut erklären,
motivieren, Schülern auch ein Bäh-Fach schmackhaft machen.
Ach, und? Wo kann ich denn dieses Buch kaufen, wo all die
tollen Kochrezepte drinstehen, die mir sagen, wie ich
Interesse wecke, wie ich gut erkläre, wie ich motiviere, wie
ich ein trockenes Fach schmackhaft mache?
Man muss sich in die Schüler hineinversetzen. Warum finden sie den Stoff uninteressant? Kann man eine Beziehung zwischen dem Stoff und ihren Interessen erzeugen? Oder einfach mit Blamagen drohen. In meiner Zeit hat das mit den Vokabeln und der Physik dadurch geklappt, dass nach dem Zufallsprinzip häufig mal einer noch vorn kommen musste und Fragen zum Stoff der letzten Stunde beantworten musste. Da fingen alle an, zu lernen. Regelmäßig und nicht nur vor Klassenarbeiten.
Du stocherst hier im puren Nebel, denn eigentlich weißt Du
auch nicht, wie es, wenn Du an solche Situationen
zurückdenkst, tatsächlich „besser“ gehen könnte. Und was ist
überhaupt „gut erklären“?
Als Elektrotechniker frage ich mich spontan: Wo kann ich das
Meßgerät kaufen, das mir anzeigt „gut erklärt“ oder „nicht gut
erklärt“.
Das hängt wohl auch vom Talent ab. Man muss sich in denjenigen hineinversetzen. Ich hatte mal einen Freund, der konnte kurz vor der Abschlussprüfung zum Energieanlagenelektroniker immer noch keine Formeln umstellen - trotz Internat! Ich konnte ihm das innerhalb von zwei Nachmittagen vermitteln. Das hat ihm nie mal einer richtig erklärt und er hatte bis dahin alle Formeln in allen Varianten auswendig gelernt. Was für eine überflüssige Arbeit!
Etwas gut zu erklären heißt auch manchmal anders herum gehen, wenn der herkömmliche Weg nicht verstanden wird. Manche Lehrer wiederholen einfach immer nur ihre erste Erklärung, wenn etwas nicht verstanden wird. Aber wenn das einer so nicht kapiert, dann wird das beim zweiten Versuch nicht besser! Dann muss der Lehrer eben das Pferd von hinten aufzäumen und einen anderen Weg wählen. Das mag ihm absurd erscheinen, aber jeder Mensch ist eben anders.
Wie motiviere ich denn besser, wenn schon von der Elternseite
die krassesten Sprüche in den Kopf des Schülers regelrecht
implantiert werden, oder wenn der Schüler nicht den geringsten
Leistungswillen zeigt, sich offen gegenüber dem Fach zu
zeigen…
Man zeigt ihm, wofür es nutzt. Man stellt Beziehungen her zwischen dem Stoff und seiner Welt.
Wie will bspw. manch Mathelehrer Interesse wecken, wenn der
Nutzen des ganzen erst Jahre später ersichtlich wird?
Z.B. beim Prozentrechnen eine Verbindung ziehen zur Geldanlage -> Geld für Handy, Urlaub, Führerschein. Jede Mathematik hat irgendwo ihre Anwendung. Man sollte die direkt mit einbeziehen, damit jeder weiß, wo das eingesetzt wird und wofür man es gebrauchen kann.
Hier muß einfach die andere Seite, die Schülerschaft, gewisse
Energien investieren und hinnehmen in dem Wissen, das Puzzle
fügt sich später.
Es muß Reife vorhanden sein, daß man auch weniger
interessanten Dingen zumindest respektvoll gegenübertritt.
Ich erwarte nicht, daß zum Beispiel meine Eltklässler nun an
die Decke springen, wenn ich mit den halbleiterphysikalischen
Grundlagen ankomme und mich dort durch die Teilchenströme und
Raumladungszonen kämpfe.
Klingt doch ganz interessant!
Aber ich erwarte soviel Geist im Kopf, daß die
Nichtinteressierten verdammt nochmal ihre Klappe halten, ihr
nötigstes Zeug tun und ruhig sind, damit niemand anderes
gestört wird…
Das würde ich auch erwarten. Aber vielleicht kannst Du doch noch ihr Interesse wecken?
Und nicht wie meine Französischleherin früher das Buch stur von
vorn nach hinten in einem langweiligen Tonfall durchzukauen.
Ohne Zusatzmaterial, ohne Landeskunde - war die langweilig!!
Französischlehrerinnen sind sowieso so eine Spezies für
sich…
Dennoch hätte es Dir vielleicht mehr gebracht, wenn Du ihre
Langweiligkeit einach hingenommen hättest, anstatt Dich daran
zu stören.
Habe ich auch - ich habe ganz ruhig dagesessen und gehofft, dass sie mich nicht aufruft und nebenbei die Bilder im Buch ausgemalt. Aber schade war es doch. In der 7 hatten wir nämlich eine andere Lehrerin, eine Französin, und bei der hat mir das Fach Spaß gemacht.
Im Gegensatz dazu der Physiklehrer…
Er sprach ganz leise, brachte es aber fertig, dass ihn jeder
verstand. Er machte Experimente mit uns, wir lernten löten und
Schaltungen aufbauen und sein Unterricht war immer
interessant.
Super. Als ob das ein Kunststück wäre, im Physikunterricht für
Auflockerung zu sorgen. Das bringt doch schon das Fach an sich
mit.
Dagegen ist Französisch eine Sprache, die in der Regel vom
Anfänger sehr viel Engagement verlangt, damit die nötige Basis
geschaffen wird.
Hier prallen fast unvereinbare Welten aufeinander, wenn Du
Physik mit Französisch in einen Topf werfen willst.
Das waren damals aber meine Extrembeispiele. Der Physiklehrer war mein bester und die Franzlehrerin die schlechteste Lehrerin. Man kann auch einen Sprachunterricht gut auflockern. Und zu meiner Verwunderung gibt es auch viele Leute, die Physik-Unterricht öde finden.
Klar, dass ich nach der 8 Französisch zu Gunsten
von Physik abwählte (Realschule). Heute lerne ich freiwillig
Französisch - bei einer lustigen Französin im Institut
Francais. Da macht das auch Spaß! Es lag also nicht generell
Auch hier vergleichst Du Äpfel mit Birnen, denn zwischen einer
staatlichen Mittelstufe und einem Institut mit
Muttersprachlerin liegen Welten…
Ich wollte damit nur aufzeigen, dass das Fach Französisch mir nicht grundsätzlich unangenehm ist, sondern ein gewisses Interesse schon vorhanden war und ist.
Eine Lektion, die heute viele Schüler eigentlich von Grund auf
wieder lernen müßten, ist dieses sich hinsetzen und machen,
anstatt erst einmal großmäulig herumzunörgeln. Es fehlt an
jedweder Geduld und einfach an der Demut, daß es im Leben
nicht immer nach dem eigenen Willen geht. Das gehört
unanfechtbar zum Reifeprozeß hinzu; Dingen Chancen einräumen,
sich geschickt arrangieren, um auch aus unpassenden
Konstellationen das Optimum herauszuschlagen. Warum? Weil es
objektive Zwänge sind, denen man sich zu beugen hat [schon
Goethe erkannte das].
Lehrjahre sind keine Herrenjahre und bevor man führen darf,
muß man sich unterordnen lernen. Binsenweisheiten,
Binsenweisheiten - die aber nicht treffender sein könnten.
Wenn ihre Eltern ihnen das nicht vermitteln und sie von allen
Verwandschaftsmitgliedern nur verwöhnt werden, ist das kein
Wunder. Aber auf der anderen Seite wird Kindern heute auch
kaum noch Freiraum gelassen, ihnen nichts allein zugetraut.
Sie dürfen oft noch nicht mal allein zur Schule gehen und
werden überallhin gefahren. Wo bleibt da die Chance, auch mal
etwas eigenverantwortlich zu machen? Die Eltern heutzutage
sind viel zu zimperlich!
Vorsicht. Für sowas wirst Du in diesem Forum schnell von allen
möglichen Weichspülern attackiert
…
Aber mal im Ernst: Gegängelte Schüler erzeugen Gegendruck! Das ist ganz normal und war auch schon zu meiner Schulzeit so.
Wenn mein KFZ-Mechaniker sch… baut, fahre ich gegen den Baum
und bin tot!
Wollen wir einmal lieber die Kirche im Dorf lassen…
Da er seine Arbeit aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit
erledigt, kann er auch nicht in dem Maße kritisiert werden,
wie ein Lehrer, der ständig vor einer größeren Gruppe agiert.
Ein Lehrer lehrt und erzieht genauso unter Ausschluß der
Öffentlichkeit. Der Rahmen der beteiligten Personen ist nur
etwas größer.
Die Frage lautet viel mehr: Wieso erdreistet sich die
Elternschaft, bei jedem Schritt geltungssüchtig eingreifen zu
wollen/zu müssen, obwohl vielleicht sogar Dein Abschnitt von
weiter oben („zimperlich“) zutrifft?
Eltern heute haben nur noch wenige Kinder. Da muss aus jedem „etwas werden“. Nieten will doch keiner. Gleichzeitig sind die Mindestanforderungen für die einfachsten Jobs enorm gestiegen. So wird dann um jeden Punkt gekämpft. Bei uns war das doch noch ziemlich egal, ob man nun mit einer 2 oder 3 oder 4 nach Hause kam.
Das beste Beispiel ist mir unmittelbar nach meinem
Quereinstieg in die Lehre passiert. Ein paar Auswendiglerner
bekamen in einer Klausur (die mehr Grips verlangte, als ein
bloßes Auswendiglernen) eine ‚5‘ und sofort standen die Eltern
auf der Matte — Warum denn ihr ach so tolles Kind eine ‚5‘
bekommen hat. Es habe doch sonst immer sooo gute Noten und
diese ‚5‘ sei inakzeptabel. Sie müßtee sofort geändert werden
und weiß der Teufel was.
Ich hab gedacht, ich wäre im falschen Film. Der Junior hat
einfach Scheiße gebaut und den Eltern fällt nichts Besseres
ein, als erstmal der zuständigen „person in charge“ und dem
ganzen Apparat Fehler und Schuld zu unterstellen. Zu dem
Problem hab ich dann sogar hier bei WWW einige Meinungen
eingeholt, weil ich gar nicht so dumm denken konnte, wie sich
diese Eltern benommen haben.
Ja, ich erinnere mich. Vermutlich haben die Schüler den Stoff nicht grundsätzlich verstanden und haben diesen Mangel durch Auswendiglernen kaschiert. So wie mein Freund mit den Formeln. Da das aber niemand gemerkt hatte, fielen die Eltern aus allen Wolken. Die Schüler sind doch so fleißig gewesen
.
Es klingt plakativ, doch es ist einfach so: Stell Dich selbst
vor eine Klasse und wir sprechen uns danach wieder. Dann
erörtern wir noch, wie Du diese Erfahrung an vielen, vielen,
vielen Tagen im Jahr fändest in vielen, vielen, vielen Jahren
im Leben.
Um Gottes Willen - dafür bin ich viel zu schüchtern! Ich hatte
schon mal eine Gruppe Eislaufkinder zu betreuen. Das war schon
eine Überwindung!
Ach. Wie war das nochmal mit dem „besser erklären“ *SCNR* …
Hinterher ging es aber doch ganz gut. Ich hatte ein „Belohnungssystem“ entwickelt. Jedes Kind, das eine neue Fähigkeit gelernt hatte, bekam einen kleinen Stern auf einen Button geklebt, der an die Kleidung geheftet war. Die Kinder waren mit Feuereifer dabei - auf der Jagd nach den Sternchen
. Da ich aber die Fortschritte unauffällig beobachtet hatte, ohne dass das die ganze Gruppe mitbekam, gab es weniger Vorführeffekte und keiner scheiterte vor den anderen. Besonders für die Schüchternen war das ganz angenehm. Vermutlich war ich die erste „Lehrkraft“ die sie wirklich verstand
. Lehrer und Trainer sind ja meist recht extrovertierte Persönlichkeiten, die sich gar nicht vorstellen können, wie sich das anfühlt.
Ma schauen, wie Du dann urteilen würdest.
Aber auch, wenn ich nicht schüchtern würde, würde ich solch
einen Job dankend ablehnen. Die Klassen sind mir viel zu groß
- da kann man sich nicht ausreichend um den Einzelnen kümmern.
Ach. 
Zumal das mit der Klassenstärke kein hartes Argument ist. Es
gibt durchaus Möglichkeiten, auch problemlos auf einzelne
Schüler einzugehen, wenn da noch 32 andere sitzen. Dafür muß
aber ein gewisses Klima in der Schule vorherrschen und der
Lehrer muß in seiner Position autoritär und im Hinblick auf
Eigenverantwortung erheblich gestärkt werden. Doch das nur
nebenbei.
Das dadurch verschenkte Potential würde mich aufregen. Gute
Lerngruppen sollten nicht größer als 10 Schüler sein. Das habe
ich in verschiedenen Sprachkursen kennengelernt.
Das kommt drauf an. Ab einem gewissen Niveau erreicht man mit
geringeren Stärken sicherlich erheblich mehr, als durch
didaktische Winkelzüge. Es ist aber weit weniger ein Muß, die
Klassenstärken zu reduzieren, als immer dargestellt wird. Wir
haben damals in der 1. Klasse 1989 mit über 30 Kindern
dagesessen und das hat der - Neudeutsch - „individuellen
Betreuung“ keinen Abbruch getan. Auch in Englisch nicht.
Wir saßen in der 5. Klasse 1975 mit 40 Kindern. Beim ersten Lehrersprechtag wußte meine Klassen- und Englischlehrerin gar nicht, wer Anne überhaupt war. Meine Mutter fand das schon etwas seltsam.
Vermutlich deshalb war sie hauptsächlich damit beschäftigt, die Klassenstärke auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Überlege mal, beim Abschluss der Klasse 10 waren wir noch 33. Davon bestand ca. die Hälfte aus Leuten, die irgendwann von außerhalb dazugekommen waren, entweder Sitzenbleiber oder Abgänger vom Gymnasium. Wir haben also den größten Teil der Eingangsklasse an die Hauptschule oder untere Klassen verloren. Es gab zwar auch mal Leute, die umgezogen sind, aber das werden nicht mehr als 2-3 gewesen sein.
Samstag haben wir Klassentreffen
. 25 Jahre!
Aber ich denke mal, dass sich das heutige Eltern nicht mehr so leicht gefallen lassen, wenn ihre Kinder so einfach abserviert werden! Und das finde ich auch richtig so! Die meisten von ihnen waren nämlich gute Kinder, keine Dummköpfe oder Klassenclowns (von 1-2 Ausnahmen abgesehen)! Damals schickte man keine schwachen Schüler auf eine Realschule. In einer kleineren Klasse mit einer weniger sarkastischen Klassenlehrerin und etwas Förderung hätte es die Mehrheit locker schaffen können.
Viele Grüße
Anne