Unterrichtsausfall-Vertretungsstunde

Hallo zusammen,

seit dem Sommer besucht mein Sohn, hier in Nds., ein Gymnasium.

Bisher hatten wir Glück und es ist erst eine Unterrichtsstunde ausgefallen.

Aber nun habe ich mal eine Frage:

Am Montag war seine KL krank, die Stunde fiel nicht aus, stattdessen hatten die Kinder eine Doppelstunde Englisch.

Dafür fällt am Freitag die erste Stunde aus, da die Kinder dort normalerweise Englisch hätten, die Stunde aber bereits am Montag war.

Ist das normal ?? Ich meine, es tut den Kindern ja nicht weh, wenn sie eine Stunde mehr Englisch in der Woche haben…Schaden kann es zumindest nicht, oder sehe ich das falsch ? :smile:

Aber mal im Ernst, ich würde mal gerne aus Euren Erfahrungen hören, ob das so „richtig“ ist ! Die Lehrerin ist doch eh für die erste Stunde „eingeteilt“ oder baut sie dann die „Überstunden“ ab ? :-p

Herzlichen Dank
Blondschopf100

Hallo,

Bisher hatten wir Glück und es ist erst eine Unterrichtsstunde
ausgefallen.:

erstaunlich…

Aber nun habe ich mal eine Frage:

Am Montag war seine KL krank, die Stunde fiel nicht aus,
stattdessen hatten die Kinder eine Doppelstunde Englisch.

Das ist schon mal gut - oft ist es für den Vertretungsplanmacher gar nicht möglich, Fachunterricht einzusetzen, sondern ein fremder Lehrer kommt in die Klasse, was natürlich wesentlich weniger effizient ist.

Dafür fällt am Freitag die erste Stunde aus, da die Kinder
dort normalerweise Englisch hätten, die Stunde aber bereits am
Montag war.

Ja klar, denn die Lehrerin hat ihre Stunde ja gehalten.

Ist das normal ?? Ich meine, es tut den Kindern ja nicht weh,
wenn sie eine Stunde mehr Englisch in der Woche
haben…Schaden kann es zumindest nicht, oder sehe ich das
falsch ? :smile:

Nein, den Kindern schadet das nicht, aber die Lehrerin hat mit ihren regulären Stunden und Vertretungen in Klassen, die sie nicht hat, wirklich genug zu tun.

Aber mal im Ernst, ich würde mal gerne aus Euren Erfahrungen
hören, ob das so „richtig“ ist ! Die Lehrerin ist doch eh für
die erste Stunde „eingeteilt“ oder baut sie dann die
„Überstunden“ ab ? :-p

Ja, wenn man das so bezeichnen will tut sie das.
Gruß Orchidee

Hallo,

ich kann mich da nur orchidee anschließen.

Gegenfrage: Warum sollte die Lehrerin am Freitag eine zusätzliche Gratisstunde geben? Denn die bekommt sie i. d. R. nicht vergütet (Je nach Status Angestellte oder Beamtin).

Ich kann nicht nachvollziehen, warum man hier von der Lehrerin scheinbar selbstverständlich Gratisarbeit verlangt. Dass es für die Kids nicht schlecht wäre ist eine andere Geschichte.

Gruß

Hallo,

für den beamteten Lehrer ist solche unbezahlte Sonderarbeit in gewissem Umfang selbstverständlich, etwa wenn ein Kollege erkrankt ist. Natürlich sind die Ersteller der Vertretungspläne bemüht, solche Zusatzarbeit durch Verschiebungen aufzufangen und beispielsweise eine Randstunde von einer Person in zwei oder drei Klassen parallel beaufsichtigen zu lassen. Die Regelungen für Sondervergütungen von Überstunden greifen aber vielfach erst dann, wenn eine Lehrkraft eine Klasse über Wochen hinweg über sein Deputat hinaus mit ein, zwei oder drei Stunden pro Woche unterrichtet, um einen längerfristigen Unterrichtsausfall zu vermeiden.

Gruß, Wolfgang

Hallo Herr Zimmermann,

genau aus dem von Ihnen genannten Sachverhalt hatte ich ja auch gesagt, dass diese Mehrarbeit idR nicht vergütet wird. Bei Beamten sind es - soweit ich informiert bin - bis zu 3 Stunden pro Woche (oder waren es pro Monat?), die er unentgeltlich zusätzlich leisten MUSS. Erst danach dürfte es „MAU“ geben.

Dennoch bleibt die Grundfrage: Warum wird das nur aus der einen Perspektive gesehen (der Kinder/Eltern), aber nicht aus der Perspektive der Lehrerin?

Hallo, Herr Schmidt!

Ich denke, diese Einseitigkeit hängt mit den Gruppenegoismen unserer Gesellschaft zusammen. Gerade wir Lehrer müssen darunter immer wieder leiden. Was dann immer noch folgt (auch in diesem Forum), sind die Sprüche vom Halbtagesjob etc.

Aber das ist ein anderes Kapitel!

Beste Grüße, Wolfgang Zimmermann

Hallo zurück,

erstmal vielen Dank für die Antworten.

Aus meiner Unwissenheit heraus, habe ich diese Frage hier gestellt. Wenn ich am Ende ein wenig „ironisch“ gewirkt habe…so sorry, ich wollte niemanden bzw. keinen Lehrer damit „angreifen“.

Für mich als Mutter ist es halt unlogisch, weshalb die eine Stunde gekürzt wird. Aus meiner Sicht erschien es mir halt logisch das die Stunde am Montag war, damit die Kinder keine Freistunde haben, weil es gerade in den Plan der Lehrerin passte (war dann wohl ihre „Freistunde“). Das dann aber deshalb der Unterricht am Freitag ausfällt, war mir dann nicht mehr so logisch !

In der Grundschule war es bisher anders. Nicht nur dies, viele Dinge (Kommunikation zwischen Klassenlehrerin und Eltern). Aber genau wie mein Sohn sich auf die neue Situation einstellen muss, müssen wir das auch als Eltern.

Aber wisst Ihr was mir dann auf der anderen Seite wieder merkwürdig vorkommt ? Da wird die Englischstunde nicht nochmals erteilt, auf der anderen Seite gibt es aber offentsichtlich auch keine Verfügungsstunde für den ausgefallenen Deutschunterricht.

Eigentlich will ich ja nicht darauf rumreiten :smile: Kam mir nur so komisch vor und wie bereits geschrieben, müssen wir uns wohl umstellen. Ich wollte nur Meinungen darüber, ob es so „normal“ ist.

Na dieses Klischee, daß Lehrer einen Teilzeitjob machen und unendlich lange Ferien haben…könnte von meinem Patenkind stammen. Als er 8 Jahre alt war, wollte er bei der Müllabfuhr anfangen zu arbeiten. Warum ? Weil die nur Dienstags arbeiten :smile:

Ich für meinen Teil möchte nicht mit einem Lehrer/in tauschen. Es ist sicher ein toller, interessanter Beruf - keine Frage. Aber wenn ich teilweise die Kiddis nebst Eltern beobachte…keine einfache Sache.

Ich selber arbeite in einer Praxis, in der wir hauptsächlich mit Kindern zu tun haben. Die Unterschiede der Kinder sind schon sehr interessant. Es gibt einige Eltern die Ihre Kinder zu uns bringen, nach dem Motto: Hier erzieht Fritz mal, auf mich hört er nicht. Genauso erwarten sie es sicherlich auch von den Lehrern: hier habt ihr unsere Kinder, gebt ihnen eine super Bildung nebst Erziehung, nur wir als Eltern haben da keine Zeit/Lust zu.

Aber auch dies ist eine andere Sache. :smile:

Also herzlichen Dank erstmal „fürs Aufklären“

Viele Grüße
Blondschopf100

Hallo Herr Schmidt,

genau aus dem von Ihnen genannten Sachverhalt hatte ich ja
auch gesagt, dass diese Mehrarbeit idR nicht vergütet wird.
Bei Beamten sind es - soweit ich informiert bin - bis zu 3
Stunden pro Woche (oder waren es pro Monat?), die er
unentgeltlich zusätzlich leisten MUSS. Erst danach dürfte es
„MAU“ geben.

Es sind drei Stunden im Monat. Und der Irrwitz überhaupt sind „MAU“ Stunden (Wäre das nicht ein schöner Begriff für Genial Daneben?) . Die dürfen ja erst dann gehalten werden, wenn Sie von der vorgesetzten Behörde genehmigt wurden und dafür benötigt man das Formular, das einem von dem entsprechenden Sachbearbeiter zugeschickt wird. Was effektiv nach Abzug der Lohnnebenkosten übrig bleibt treibt einem eigentlich die Zornesröte ins Gesicht und viele Kollegen sagen schon: Bevor ich dieses Formular ausfülle und eh kaum etwas bezahlt bekomme mache ich diese Überstunden lieber für ein Dankeschön. Für dieses Netto nimmt heute keine Putzfrau mehr einen Besen in die Hand.

Dennoch bleibt die Grundfrage: Warum wird das nur aus der
einen Perspektive gesehen (der Kinder/Eltern), aber nicht aus
der Perspektive der Lehrerin?

\begin{Sarkasmus}
Lehrer sind faule Säcke und einfach lasch, sie sind nicht in der Lage eine harte 70-Stunden-Woche, wie sie heute in der Industrie üblich ist auch nur annähernd durchzuhalten. Darum sind sie ja Lehrer. Und ihr unsäglicher Beamtenstatus sorgt auch noch dafür, dass sie ohne Leistung zu bringen alle paar Jahre einfach so mehr Geld bekommen. In der freien Wirtschaft weht da ein ganz anderer Wind. Sie sollen nicht so rumjammern, wegen dieser läppischen Stunde, diese Lehrer, weil sie ja auch nicht arbeitslos werden können.
\end{Sarkasmus}
Das mit dem Halbtagsjob steht ja schon woanders.

Gruß
MK

Ich denke, diese Einseitigkeit hängt mit den Gruppenegoismen
unserer Gesellschaft zusammen. Gerade wir Lehrer müssen
darunter immer wieder leiden. Was dann immer noch folgt (auch
in diesem Forum), sind die Sprüche vom Halbtagesjob etc.

Hallo!

Die Gruppenegoismen existieren allerdings nicht nur exklusiv außerhalb der Lehrerschaft!

Das mit dem Halbtagsjob war deutlich als Fehleinschätzung ausgesagt worden!

Gruß
Werner

Hallo!

Zweifellos existieren die Gruppenegoismen nicht exklusiv außerhalb der Lehrerschaft.

Aber bei kaum einem anderen Beruf meint jeder Ignorant exklusiv mitreden zu können.

Gruß, Wolfgang Zimmermann

Hallo!

Das ist nun gar kein Wunder - schließlich war auch jeder auf einer Schule und hat jahrelang Lehrer bei der Arbeit erlebt. Wer hält sich schon solange in einer Autowerkstatt oder Bäckerei auf, ohne dort angestellt zu sein?

Viele mussten in ihrer Schulzeit leider auch unfähige, unfaire und langweilige Vertreter dieses Berufs ertragen. Berechtigte Beschwerden waren meist zwecklos, da die Kundschaft einer Schule oft nur wenig ernst genommen wird und sie den dort tätigen „Mitarbeitern“ oft schutzlos ausgeliefert waren und die „Geschäftsleitung“ nur sehr selten Rücksicht auf „Kundenwünsche“ nahm.

Wenn dann die Ex-Kundschaft später mal ein bisschen Dampf ablässt und endlich mal ungestraft ausdrücken kann, was solange ungesagt bleiben musste - dann ist das noch lange kein Grund sich darüber zu wundern oder sie als Ignoranten zu beschimpfen.

Wie in anderen Berufen, gibt es auch unter Lehrern gute und schlechte Mitarbeiter. Was ist daran so schlimm, wenn man sich mal richtig über die unfähigen auslässt? Gerate ich in einer Autowerkstatt an einen unfähigen Mechaniker, werde ich meine Frustration auch zum Ausdruck bringen. Warum also nicht auch bei einem Lehrer?

Gruß

Anne

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Das störende ist für mich, dass bei anderen Berufständen kaum gesagt wird,
*Bäcker sind faule Säcke
*KFZ-Mechaninker sind unfähig
*Ärzte machen schlechte arbeit
*Bankkaufleute sind …
obwohl genau wie bei Lehrern all dies sicher anzutreffen ist. Wie du sagtest hat jerder Berufstand seine Zierden und seine Schandflecke.

Solche „Gattungsvorwürfe“ hört man aber eigentlich nur bei bestimmten Berufständen und in meiner Wahrnehmung in der Vergangenheit doch häufig bei Lehrern.
Da darf man sich fragen warum?
Allerdings ist dies in den letzten etwa 3 Jahren auch deutlich weniger geworden. Da frage ich mich auch, warum das nun auf einmal.

Gruß
Werner

2 „Gefällt mir“

Hallo,

das ist mir gar nicht aufgefallen. Werden Lehrer wirklich ständig schlecht angesehen?

Ich hatte eigentlich den Eindruck, dass es hauptsächlich andere Berufsstände sind, die unter Vorwürfen leiden müssen:

Versicherungsvertreter (Nervensägen, Provisionsgeil)
Frisörinnen (dämlich)
Immobilienmakler (kassieren ohne Leistung)
Schlüsseldienst (Abzocker)
Politessen (verdienen ihr Geld auf der Straße, überflüssig wie ein Kropf)
Beamte (arbeiten nie)
Ärzte (hören nie zu)
Wirte und Ebay-Händler (alles verkrachte Existenzen)
Anwälte (schreiben ständig Abmahnungen - Plage!)
Ballett- und Eislauftrainer (alle schwul)
Fitness-Trainer und Radprofis (alle gedopt)
Handwerker (berechnen Ersatzteile, die gar nicht ausgetauscht werden mussten)
Zerspanungsmechaniker (zu doof, um Industriemechaniker zu werden)
Teilezurichter (zu doof, um Zerspanungsmechaniker zu werden)
Vorstandsmitglieder (überflüssiger Wasserkopf)
Teppichhändler (grundsätzlich unseriös)
Krankenschwester (arbeitet nur, um Arzt zum Heiraten zu erwischen)

usw.usf… Da sind die Lehrer mit ihrem „Teilzeitjob“ doch noch sehr gut angesehen. Immerhin waren sie schlau genug, sich rechtzeitig einen „Teilzeitjob mit sehr viel Urlaub“ an Land zu ziehen - alle Achtung! Aber mal im Ernst: Wer will sich aber jeden Tag mit der „heutigen Jugend“ herumplagen? Man weiß doch seit Jahrhunderten, dass nichts so schlimm ist, wie die heutige Jugend! Da läuft man inzwischen schon Gefahr, in der Schule von einem Amokläufer abgeknallt zu werden. Dazu die vielen Pisa-Versager, die noch nicht mal ordentlich lesen, schreiben und rechnen können. Vielen Dank! Es lebe das Klischee :wink:.

Also, keine Panik! Alle bekommen ihr Fett weg.

Gruß

Anne

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

H wie Hola.

Das ist nun gar kein Wunder - schließlich war auch jeder auf
einer Schule und hat jahrelang Lehrer bei der Arbeit erlebt.
Wer hält sich schon solange in einer Autowerkstatt oder
Bäckerei auf, ohne dort angestellt zu sein?

Viele mussten in ihrer Schulzeit leider auch unfähige, unfaire
und langweilige Vertreter dieses Berufs ertragen. Berechtigte
Beschwerden waren meist zwecklos, da die Kundschaft einer
Schule oft nur wenig ernst genommen wird und sie den dort
tätigen „Mitarbeitern“ oft schutzlos ausgeliefert waren und
die „Geschäftsleitung“ nur sehr selten Rücksicht auf
„Kundenwünsche“ nahm.

Wenn dann die Ex-Kundschaft später mal ein bisschen Dampf
ablässt und endlich mal ungestraft ausdrücken kann, was
solange ungesagt bleiben musste - dann ist das noch lange kein
Grund sich darüber zu wundern oder sie als Ignoranten zu
beschimpfen.

Wie in anderen Berufen, gibt es auch unter Lehrern gute und
schlechte Mitarbeiter. Was ist daran so schlimm, wenn man sich
mal richtig über die unfähigen auslässt? Gerate ich in einer
Autowerkstatt an einen unfähigen Mechaniker, werde ich meine
Frustration auch zum Ausdruck bringen. Warum also nicht auch
bei einem Lehrer?

Das ist ja wohl genau das, was Wolfgang implizit mitansprach:
eine äußerst einseitige und selbstgefällige Sichtweise.

Stichwort „inkompetenter Lehrer“. Ja, was habe ich nich auch für monotone Stunden erlebt. Was habe ich nicht für Lehrer erlebt, wo man kurz dachte, daß derjenige didaktisch nicht auf der Höhe wäre.

Und? Jahre später muß ich einräumen, daß gerade diese Leute fachlich sowas von stark gewesen sind und uns auch jede Menge Bildung in die Knochen gejagt haben - das geht auf keine Kuhhaut.
Nur setzt sich das Puzzle viel später zusammen.

Mit dieser immer wieder als Pseudoargument für Evaluierung aufflammenden Anmaßung der Schüler, über den Lehrer urteilen zu wollen, wäre ich ganz vorsichtig.

Hier steckt jede Menge verzogener Elternhaushalt mit drinnen, wenn dann solche Mentalitäten „anerzogen“ werden wie „Wozu braucht ihr das für später? Alles Mist…“.

An der Bildungsmisere in Deutschland hat das katastrophale System zwar den größten Anteil, doch immerhin nur eine Teilschuld. Der andere Löwenanteil kommt von Verfehlungen aus dem Elternhaus. Wenn jemand spontan von mir in ganzer Linie in Schutz genommen wird, dann die Lehrer dieser Republik.

Darüber hinaus: In der Breitenbildung sind ökonomisierte Begrifflichkeiten wie „Kunden“ einfach unangebracht. Bildung als solches ist zu einem erheblichen Teil purer Idealismus. Ähnlich muß auch das Selbstverständnis des Lehrers funktionieren, sonst kommen wir entweder wirklich zu einem der unangenehmen Zeitgenossen oder im anderen Extrem zur Kuschelpädagogik.
Nichtsdestotrotz braucht man mit solchen einseitigen Sichtweisen von wegen „berechtigte Beschwerden“ gar nicht erst anfangen. Das sind Pauschalisierungen; gerade dieser Tage sind doch mehr und mehr die angeblich „berechtigten Was-auch-immer“ blanker Hohn für den gesunden Menschenverstand.
Siehe weiter oben mit dem Problem der tollwütigen Elternschaft und der verzogenen Bälger. Und was bitte ist das Problem an einem „langweiligen Lehrer“? Wo steht geschrieben, daß jemand, überspitzt gesagt, hyperaktiv herumhüpfen muß?

Eine Lektion, die heute viele Schüler eigentlich von Grund auf wieder lernen müßten, ist dieses sich hinsetzen und machen, anstatt erst einmal großmäulig herumzunörgeln. Es fehlt an jedweder Geduld und einfach an der Demut, daß es im Leben nicht immer nach dem eigenen Willen geht. Das gehört unanfechtbar zum Reifeprozeß hinzu; Dingen Chancen einräumen, sich geschickt arrangieren, um auch aus unpassenden Konstellationen das Optimum herauszuschlagen. Warum? Weil es objektive Zwänge sind, denen man sich zu beugen hat [schon Goethe erkannte das].
Lehrjahre sind keine Herrenjahre und bevor man führen darf, muß man sich unterordnen lernen. Binsenweisheiten, Binsenweisheiten - die aber nicht treffender sein könnten.

Im Nachhinein dann auf diese Art und Weise gegen Qualitäten von ehemaligen Lehrern zu wettern, zeugt nur davon, daß noch immer keine Einsicht, kein Denkprozeß eingesetzt hat. Ich habe ja viel Verständnis dafür, wenn sich ein Lehrer tatsächlich daneben benimmt und dies dann zur Sprache kommt - doch auch hier gibt es Grenzen. Und die werden bei solchen Sprüchen über die Allgemeinheit der Lehrer eindeutig überschritten.

Die fragwürdigen Vergleiche (immer die gleichen und immer an den gleichen Stellen) mit bspw. einer Autowerkstatt helfen da auch nicht weiter. Wenn Eltern & Kinder einfache, berechenbare Maschinen wären, würde ich zustimmen. Doch dem ist nicht so; ich kenne schon seit längerem beide Seiten des Lehrertisches (auch wenn ich kein echter Lehrer bin) und ich hätte mir nie vorgestellt, daß es dermaßen anspruchsvoll sein würde, zum Beispiel eine hübsche Ansammlung Eltfklässler im eigenen Fachgebiet ansprechend zu betreuen.

Den Lehrerberuf in einen Topf mit Handwerken oder anderen Berufen allgemein zu werfen, ist schon beinahe grob fahrlässig.
Dein Kfz-Mechaniker hat keine Verantwortung für spätere vollwertige Mitglieder der Gesellschaft, hat keine Balance zu leisten zwischen Fordern/Maßregeln und Fördern/Belohnen, so daß ein für die Gesellschaft ertragbares Individuum herauskommt. Ein Kfz-Mechaniker ist auch nicht in ein solch starres System eingepreßt, wie der typische deutsche Lehrer. Er wird auch nicht für Einzelaspekte seiner Arbeit von einem wütenden/ selbstgefällig-arroganten Elternmob heimgesucht. Eher ist es so, daß die meisten gar nicht verstehen, was er da am Auto tut - er ist nunmal der Fachmann. Man kann nur beurteilen „Fährt das Auto vernünftig oder nicht“. Komischweise ist dies in Sachen Schule anders, obwohl die Sachlage auch nicht anders ist.

Es klingt plakativ, doch es ist einfach so: Stell Dich selbst vor eine Klasse und wir sprechen uns danach wieder. Dann erörtern wir noch, wie Du diese Erfahrung an vielen, vielen, vielen Tagen im Jahr fändest in vielen, vielen, vielen Jahren im Leben.

Ma schauen, wie Du dann urteilen würdest.

MfG

Hallo!

H wie Hola.

Das ist ja wohl genau das, was Wolfgang implizit mitansprach:
eine äußerst einseitige und selbstgefällige Sichtweise.

Stichwort „inkompetenter Lehrer“. Ja, was habe ich nich auch
für monotone Stunden erlebt. Was habe ich nicht für Lehrer
erlebt, wo man kurz dachte, daß derjenige didaktisch nicht auf
der Höhe wäre.

Und? Jahre später muß ich einräumen, daß gerade diese Leute
fachlich sowas von stark gewesen sind und uns auch jede Menge
Bildung in die Knochen gejagt haben - das geht auf keine
Kuhhaut.
Nur setzt sich das Puzzle viel später zusammen.

Wenn es ihnen denn gelingt, die Bildung auch zu vermitteln! Ich kann mich da auch an fachlich starke Lehrer erinnern, die es nicht fertig brachten, dieses Wissen auch rüberzubringen. Mir ist ein Lehrer lieber, der das benötigte Wissen rüberbringt, als einer, bei dem es für einen Doktor in Mathematik reicht, dieses Wissen aber nicht vermittlen kann. Solche Typen sind leider nicht selten.

Mit dieser immer wieder als Pseudoargument für Evaluierung
aufflammenden Anmaßung der Schüler, über den Lehrer urteilen
zu wollen, wäre ich ganz vorsichtig.

Auch ein Lehrer, der es fertig bringt, dass zurückhaltende Schüler nur noch Angst vor ihm haben, deshalb zurückbleiben und später auf die Hauptschule wechseln müssen, ist meiner Meinung nach fehl am Platz. Auch wenn der Rest der Klasse den Stoff später relativ gut gelernt hat. Es ist nicht richtig, die zurückhaltenden bloßzustellen. Wenn das mal bei einer vorlauten Nervensäge passiert, ist das nachvollziehbar, aber bei denjenigen, die sowieso schon still sind, ist das einfach unfair.

Hier steckt jede Menge verzogener Elternhaushalt mit drinnen,
wenn dann solche Mentalitäten „anerzogen“ werden wie „Wozu
braucht ihr das für später? Alles Mist…“.

Da gebe ich Dir recht!

An der Bildungsmisere in Deutschland hat das katastrophale
System zwar den größten Anteil, doch immerhin nur eine
Teilschuld. Der andere Löwenanteil kommt von Verfehlungen aus
dem Elternhaus. Wenn jemand spontan von mir in ganzer Linie in
Schutz genommen wird, dann die Lehrer dieser Republik.

Das sehe ich anders: Ich denke, dass das Elternhaus den größeren Teil verschuldet hat. Trotzdem hat es die Lehrerschaft nicht verdient, pauschal in Schutz genommen zu werden. Man muss auch dort differenzieren.

Darüber hinaus: In der Breitenbildung sind ökonomisierte
Begrifflichkeiten wie „Kunden“ einfach unangebracht. Bildung
als solches ist zu einem erheblichen Teil purer Idealismus.
Ähnlich muß auch das Selbstverständnis des Lehrers
funktionieren, sonst kommen wir entweder wirklich zu einem der
unangenehmen Zeitgenossen oder im anderen Extrem zur
Kuschelpädagogik.
Nichtsdestotrotz braucht man mit solchen einseitigen
Sichtweisen von wegen „berechtigte Beschwerden“ gar nicht erst
anfangen. Das sind Pauschalisierungen; gerade dieser Tage sind
doch mehr und mehr die angeblich „berechtigten
Was-auch-immer“ blanker Hohn für den gesunden
Menschenverstand.

Es gibt aber Lehrer, die zu Recht mal eine Beschwerde und vielleicht sogar auch einen Rüffel vom Chef tatsächlich verdient hätten. Die Leute verdienen Geld mit dem Job und wer etwas aus wirtschaftlichen Gründen tut, der hat irgendwo auch Kunden.

Siehe weiter oben mit dem Problem der tollwütigen Elternschaft
und der verzogenen Bälger. Und was bitte ist das Problem an
einem „langweiligen Lehrer“? Wo steht geschrieben, daß jemand,
überspitzt gesagt, hyperaktiv herumhüpfen muß?

Herumhüpfen muss keiner! Aber Interesse wecken, gut erklären, motivieren, Schülern auch ein Bäh-Fach schmackhaft machen. Und nicht wie meine Französischleherin früher das Buch stur von vorn nach hinten in einem langweiligen Tonfall durchzukauen. Ohne Zusatzmaterial, ohne Landeskunde - war die langweilig!! Nicht nur für mich - wir hatten gerade Schultreffen - die anderen fanden das auch. Im Gegensatz dazu der Physiklehrer. Er sprach ganz leise, brachte es aber fertig, dass ihn jeder verstand. Er machte Experimente mit uns, wir lernten löten und Schaltungen aufbauen und sein Unterricht war immer interessant. Klar, dass ich nach der 8 Französisch zu Gunsten von Physik abwählte (Realschule). Heute lerne ich freiwillig Französisch - bei einer lustigen Französin im Institut Francais. Da macht das auch Spaß! Es lag also nicht generell am Fach!

Eine Lektion, die heute viele Schüler eigentlich von Grund auf
wieder lernen müßten, ist dieses sich hinsetzen und machen,
anstatt erst einmal großmäulig herumzunörgeln. Es fehlt an
jedweder Geduld und einfach an der Demut, daß es im Leben
nicht immer nach dem eigenen Willen geht. Das gehört
unanfechtbar zum Reifeprozeß hinzu; Dingen Chancen einräumen,
sich geschickt arrangieren, um auch aus unpassenden
Konstellationen das Optimum herauszuschlagen. Warum? Weil es
objektive Zwänge sind, denen man sich zu beugen hat [schon
Goethe erkannte das].
Lehrjahre sind keine Herrenjahre und bevor man führen darf,
muß man sich unterordnen lernen. Binsenweisheiten,
Binsenweisheiten - die aber nicht treffender sein könnten.

Wenn ihre Eltern ihnen das nicht vermitteln und sie von allen Verwandschaftsmitgliedern nur verwöhnt werden, ist das kein Wunder. Aber auf der anderen Seite wird Kindern heute auch kaum noch Freiraum gelassen, ihnen nichts allein zugetraut. Sie dürfen oft noch nicht mal allein zur Schule gehen und werden überallhin gefahren. Wo bleibt da die Chance, auch mal etwas eigenverantwortlich zu machen? Die Eltern heutzutage sind viel zu zimperlich!

Im Nachhinein dann auf diese Art und Weise gegen Qualitäten
von ehemaligen Lehrern zu wettern, zeugt nur davon, daß noch
immer keine Einsicht, kein Denkprozeß eingesetzt hat. Ich habe
ja viel Verständnis dafür, wenn sich ein Lehrer tatsächlich
daneben benimmt und dies dann zur Sprache kommt - doch auch
hier gibt es Grenzen. Und die werden bei solchen Sprüchen über
die Allgemeinheit der Lehrer eindeutig überschritten.

Die fragwürdigen Vergleiche (immer die gleichen und immer an
den gleichen Stellen) mit bspw. einer Autowerkstatt helfen da
auch nicht weiter. Wenn Eltern & Kinder einfache, berechenbare
Maschinen wären, würde ich zustimmen. Doch dem ist nicht so;
ich kenne schon seit längerem beide Seiten des Lehrertisches
(auch wenn ich kein echter Lehrer bin) und ich hätte mir nie
vorgestellt, daß es dermaßen anspruchsvoll sein würde, zum
Beispiel eine hübsche Ansammlung Eltfklässler im eigenen
Fachgebiet ansprechend zu betreuen.

Den Lehrerberuf in einen Topf mit Handwerken oder anderen
Berufen allgemein zu werfen, ist schon beinahe grob
fahrlässig.
Dein Kfz-Mechaniker hat keine Verantwortung für spätere
vollwertige Mitglieder der Gesellschaft, hat keine Balance zu
leisten zwischen Fordern/Maßregeln und Fördern/Belohnen, so
daß ein für die Gesellschaft ertragbares Individuum
herauskommt. Ein Kfz-Mechaniker ist auch nicht in ein solch
starres System eingepreßt, wie der typische deutsche Lehrer.
Er wird auch nicht für Einzelaspekte seiner Arbeit von einem
wütenden/ selbstgefällig-arroganten Elternmob heimgesucht.
Eher ist es so, daß die meisten gar nicht verstehen, was er da
am Auto tut - er ist nunmal der Fachmann. Man kann nur
beurteilen „Fährt das Auto vernünftig oder nicht“.
Komischweise ist dies in Sachen Schule anders, obwohl die
Sachlage auch nicht anders ist.

Wenn mein KFZ-Mechaniker sch… baut, fahre ich gegen den Baum und bin tot!

Da er seine Arbeit aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit erledigt, kann er auch nicht in dem Maße kritisiert werden, wie ein Lehrer, der ständig vor einer größeren Gruppe agiert.

Es klingt plakativ, doch es ist einfach so: Stell Dich selbst
vor eine Klasse und wir sprechen uns danach wieder. Dann
erörtern wir noch, wie Du diese Erfahrung an vielen, vielen,
vielen Tagen im Jahr fändest in vielen, vielen, vielen Jahren
im Leben.

Um Gottes Willen - dafür bin ich viel zu schüchtern! Ich hatte schon mal eine Gruppe Eislaufkinder zu betreuen. Das war schon eine Überwindung! Für mich ist ein Job in der Öffentlichkeit nichts.

Ma schauen, wie Du dann urteilen würdest.

Aber auch, wenn ich nicht schüchtern würde, würde ich solch einen Job dankend ablehnen. Die Klassen sind mir viel zu groß - da kann man sich nicht ausreichend um den Einzelnen kümmern. Das dadurch verschenkte Potential würde mich aufregen. Gute Lerngruppen sollten nicht größer als 10 Schüler sein. Das habe ich in verschiedenen Sprachkursen kennengelernt.

MfG

Viele Grüße

Anne

H wie Hola.

Das ist ja wohl genau das, was Wolfgang implizit mitansprach:
eine äußerst einseitige und selbstgefällige Sichtweise.

Stichwort „inkompetenter Lehrer“. Ja, was habe ich nich auch
für monotone Stunden erlebt. Was habe ich nicht für Lehrer
erlebt, wo man kurz dachte, daß derjenige didaktisch nicht auf
der Höhe wäre.

Und? Jahre später muß ich einräumen, daß gerade diese Leute
fachlich sowas von stark gewesen sind und uns auch jede Menge
Bildung in die Knochen gejagt haben - das geht auf keine
Kuhhaut.
Nur setzt sich das Puzzle viel später zusammen.

Wenn es ihnen denn gelingt, die Bildung auch zu vermitteln!
Ich kann mich da auch an fachlich starke Lehrer erinnern, die
es nicht fertig brachten, dieses Wissen auch rüberzubringen.
Mir ist ein Lehrer lieber, der das benötigte Wissen
rüberbringt, als einer, bei dem es für einen Doktor in
Mathematik reicht, dieses Wissen aber nicht vermittlen kann.
Solche Typen sind leider nicht selten.

Hier geht es doch schon los. Wer sagt denn, daß auch das nötige Engagement von der anderen Seite überhaupt vorhanden gewesen ist?

Ich bitte dies nicht zu unterschätzen: Wenn 100 Schüler behaupten, ein Lehrer könne den Stoff nicht vermitteln, wird darunter eine nicht unerhebliche Anzahl sein, die dem Unterricht gar nicht ausreichend folgen; durch Dinge wie nicht erledigte Hausaufgaben/ vergessene Arbeitsmittel glänzen; nicht mal soviel Intelligenz und Pflichtbewußtsein aufbringen, das am Schultag Behandelte ein einziges Mal durchlesen, trotzdem sie das Gefühl hatten, es im Unterricht nicht verstanden zu haben; oder die dann, wenn der Lehrer Fragen zum Stoff anbietet, still bleiben, anstatt den Mund aufzumachen.

Ein Schüler kann es bei so einigen Sachen gar nicht überblicken, ob der Lehrer es gut oder schlecht vermittelt hat.

Ich weiß schon, worauf Du im Kern hinauswillst bei den genannten Sachen - doch so einfach ist es nicht.

Auch ein Lehrer, der es fertig bringt, dass zurückhaltende
Schüler nur noch Angst vor ihm haben, deshalb zurückbleiben
und später auf die Hauptschule wechseln müssen, ist meiner
Meinung nach fehl am Platz. Auch wenn der Rest der Klasse den
Stoff später relativ gut gelernt hat. Es ist nicht richtig,
die zurückhaltenden bloßzustellen. Wenn das mal bei einer
vorlauten Nervensäge passiert, ist das nachvollziehbar, aber
bei denjenigen, die sowieso schon still sind, ist das einfach
unfair.

Ich habe extra eingeräumt, daß man natürlich auch den Zonk ziehen kann und daß es Kollegen gibt, die wirklich von der Rolle sind.

Trotzdem hat es die
Lehrerschaft nicht verdient, pauschal in Schutz genommen zu
werden. Man muss auch dort differenzieren.

Doch, weil zu einem hohen Prozentsatz Sprüche und Ansichten in solchen Diskussionen lanciert werden, die eines Lehrer Daseins unwürdig sind.

Es tun immer alle so seit PISA, als ob die Republick voll von didaktischen Versagern wäre. Dabei ist doch der umgekehrte Tatbestand erfüllt: Es gibt wesentlich mehr unfähige Eltern und täglich an Verblödung reicher werdenden Kindern.
Wo wird also das pädagogische Problem eher sitzen? Vor oder hinter dem Lehrertisch? Was wird wohl die Wissensvermittlung eher behindern? Kinder mit fragwürdigen Werten und Verhaltensweisen oder ein 0-8-15-Lehrer?

Es gibt aber Lehrer, die zu Recht mal eine Beschwerde und
vielleicht sogar auch einen Rüffel vom Chef tatsächlich
verdient hätten. Die Leute verdienen Geld mit dem Job und wer
etwas aus wirtschaftlichen Gründen tut, der hat irgendwo auch
Kunden.

Wer aus wirtschaftlichen Gründen den Lehrerberuf wählt, hat sie nicht mehr alle. Und die Lehrer, die tatsächlich Mist bauen, hab ich doch gar nicht weggeredet. Ich sagte sogar ausdrücklich, daß es diese gibt.
Doch das ist kein Grund, eine Diskussion darauf zu verengen und auch noch den eher größeren Rest der Lehrerschaft mit den gleichen Topf zu werfen…
Womit wir wieder bei der Verhältnismäßigkeit wären: Es wird der Eindruck erweckt, jeder zweite oder dritte Lehrer wäre ein charakterlicher, didaktischer oder fachlicher Totalversager, der am besten achtkantig herausgeworfen werden müßte, wenn es ein Schüler oder ein Elternteil so will.

Ein Sprüchlein, was sich so manche Mutter und so mancher Vater merken müßte, lautet: Wenn „Beschwerden“ zum Sprößling aus der Schule kommen, hat das eigene Kind IMMER eine Aktie daran. Mit dem auch vorkommenden Drangsalieren oder Niedermachen hat das nicht entfernt etwas zu tun. Dagegen muß man dann wirklich etwas tun.

Doch es würde sich für die Lehrerschaft ein ganz anderes Klima ergeben, wenn nicht jedes Elternpärchen sofort angerannt käme mit dem berühmten selbtgefällig-dummen Spruch „Mein Kind - neeeein - mein Kind macht sowas nicht!“…

Siehe weiter oben mit dem Problem der tollwütigen Elternschaft
und der verzogenen Bälger. Und was bitte ist das Problem an
einem „langweiligen Lehrer“? Wo steht geschrieben, daß jemand,
überspitzt gesagt, hyperaktiv herumhüpfen muß?

Herumhüpfen muss keiner! Aber Interesse wecken, gut erklären,
motivieren, Schülern auch ein Bäh-Fach schmackhaft machen.

Ach, und? Wo kann ich denn dieses Buch kaufen, wo all die tollen Kochrezepte drinstehen, die mir sagen, wie ich Interesse wecke, wie ich gut erkläre, wie ich motiviere, wie ich ein trockenes Fach schmackhaft mache?

Du stocherst hier im puren Nebel, denn eigentlich weißt Du auch nicht, wie es, wenn Du an solche Situationen zurückdenkst, tatsächlich „besser“ gehen könnte. Und was ist überhaupt „gut erklären“?
Als Elektrotechniker frage ich mich spontan: Wo kann ich das Meßgerät kaufen, das mir anzeigt „gut erklärt“ oder „nicht gut erklärt“.

Wie motiviere ich denn besser, wenn schon von der Elternseite die krassesten Sprüche in den Kopf des Schülers regelrecht implantiert werden, oder wenn der Schüler nicht den geringsten Leistungswillen zeigt, sich offen gegenüber dem Fach zu zeigen…

Wie will bspw. manch Mathelehrer Interesse wecken, wenn der Nutzen des ganzen erst Jahre später ersichtlich wird?

Hier muß einfach die andere Seite, die Schülerschaft, gewisse Energien investieren und hinnehmen in dem Wissen, das Puzzle fügt sich später.
Es muß Reife vorhanden sein, daß man auch weniger interessanten Dingen zumindest respektvoll gegenübertritt.
Ich erwarte nicht, daß zum Beispiel meine Eltklässler nun an die Decke springen, wenn ich mit den halbleiterphysikalischen Grundlagen ankomme und mich dort durch die Teilchenströme und Raumladungszonen kämpfe.

Aber ich erwarte soviel Geist im Kopf, daß die Nichtinteressierten verdammt nochmal ihre Klappe halten, ihr nötigstes Zeug tun und ruhig sind, damit niemand anderes gestört wird…

Und nicht wie meine Französischleherin früher das Buch stur von
vorn nach hinten in einem langweiligen Tonfall durchzukauen.
Ohne Zusatzmaterial, ohne Landeskunde - war die langweilig!!

Französischlehrerinnen sind sowieso so eine Spezies für sich…
Dennoch hätte es Dir vielleicht mehr gebracht, wenn Du ihre Langweiligkeit einach hingenommen hättest, anstatt Dich daran zu stören.

Im Gegensatz dazu der Physiklehrer…
Er sprach ganz leise, brachte es aber fertig, dass ihn jeder
verstand. Er machte Experimente mit uns, wir lernten löten und
Schaltungen aufbauen und sein Unterricht war immer
interessant.

Super. Als ob das ein Kunststück wäre, im Physikunterricht für Auflockerung zu sorgen. Das bringt doch schon das Fach an sich mit.
Dagegen ist Französisch eine Sprache, die in der Regel vom Anfänger sehr viel Engagement verlangt, damit die nötige Basis geschaffen wird.

Hier prallen fast unvereinbare Welten aufeinander, wenn Du Physik mit Französisch in einen Topf werfen willst.

Klar, dass ich nach der 8 Französisch zu Gunsten
von Physik abwählte (Realschule). Heute lerne ich freiwillig
Französisch - bei einer lustigen Französin im Institut
Francais. Da macht das auch Spaß! Es lag also nicht generell

Auch hier vergleichst Du Äpfel mit Birnen, denn zwischen einer staatlichen Mittelstufe und einem Institut mit Muttersprachlerin liegen Welten…

Eine Lektion, die heute viele Schüler eigentlich von Grund auf
wieder lernen müßten, ist dieses sich hinsetzen und machen,
anstatt erst einmal großmäulig herumzunörgeln. Es fehlt an
jedweder Geduld und einfach an der Demut, daß es im Leben
nicht immer nach dem eigenen Willen geht. Das gehört
unanfechtbar zum Reifeprozeß hinzu; Dingen Chancen einräumen,
sich geschickt arrangieren, um auch aus unpassenden
Konstellationen das Optimum herauszuschlagen. Warum? Weil es
objektive Zwänge sind, denen man sich zu beugen hat [schon
Goethe erkannte das].
Lehrjahre sind keine Herrenjahre und bevor man führen darf,
muß man sich unterordnen lernen. Binsenweisheiten,
Binsenweisheiten - die aber nicht treffender sein könnten.

Wenn ihre Eltern ihnen das nicht vermitteln und sie von allen
Verwandschaftsmitgliedern nur verwöhnt werden, ist das kein
Wunder. Aber auf der anderen Seite wird Kindern heute auch
kaum noch Freiraum gelassen, ihnen nichts allein zugetraut.
Sie dürfen oft noch nicht mal allein zur Schule gehen und
werden überallhin gefahren. Wo bleibt da die Chance, auch mal
etwas eigenverantwortlich zu machen? Die Eltern heutzutage
sind viel zu zimperlich!

Vorsicht. Für sowas wirst Du in diesem Forum schnell von allen möglichen Weichspülern attackiert :wink:

Wenn mein KFZ-Mechaniker sch… baut, fahre ich gegen den Baum
und bin tot!

Wollen wir einmal lieber die Kirche im Dorf lassen…

Da er seine Arbeit aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit
erledigt, kann er auch nicht in dem Maße kritisiert werden,
wie ein Lehrer, der ständig vor einer größeren Gruppe agiert.

Ein Lehrer lehrt und erzieht genauso unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Der Rahmen der beteiligten Personen ist nur etwas größer.

Die Frage lautet viel mehr: Wieso erdreistet sich die Elternschaft, bei jedem Schritt geltungssüchtig eingreifen zu wollen/zu müssen, obwohl vielleicht sogar Dein Abschnitt von weiter oben („zimperlich“) zutrifft?

Das beste Beispiel ist mir unmittelbar nach meinem Quereinstieg in die Lehre passiert. Ein paar Auswendiglerner bekamen in einer Klausur (die mehr Grips verlangte, als ein bloßes Auswendiglernen) eine ‚5‘ und sofort standen die Eltern auf der Matte — Warum denn ihr ach so tolles Kind eine ‚5‘ bekommen hat. Es habe doch sonst immer sooo gute Noten und diese ‚5‘ sei inakzeptabel. Sie müßtee sofort geändert werden und weiß der Teufel was.
Ich hab gedacht, ich wäre im falschen Film. Der Junior hat einfach Scheiße gebaut und den Eltern fällt nichts Besseres ein, als erstmal der zuständigen „person in charge“ und dem ganzen Apparat Fehler und Schuld zu unterstellen. Zu dem Problem hab ich dann sogar hier bei WWW einige Meinungen eingeholt, weil ich gar nicht so dumm denken konnte, wie sich diese Eltern benommen haben.

Es klingt plakativ, doch es ist einfach so: Stell Dich selbst
vor eine Klasse und wir sprechen uns danach wieder. Dann
erörtern wir noch, wie Du diese Erfahrung an vielen, vielen,
vielen Tagen im Jahr fändest in vielen, vielen, vielen Jahren
im Leben.

Um Gottes Willen - dafür bin ich viel zu schüchtern! Ich hatte
schon mal eine Gruppe Eislaufkinder zu betreuen. Das war schon
eine Überwindung!

Ach. Wie war das nochmal mit dem „besser erklären“ *SCNR* …

Ma schauen, wie Du dann urteilen würdest.

Aber auch, wenn ich nicht schüchtern würde, würde ich solch
einen Job dankend ablehnen. Die Klassen sind mir viel zu groß

  • da kann man sich nicht ausreichend um den Einzelnen kümmern.

Ach. :smile:

Zumal das mit der Klassenstärke kein hartes Argument ist. Es gibt durchaus Möglichkeiten, auch problemlos auf einzelne Schüler einzugehen, wenn da noch 32 andere sitzen. Dafür muß aber ein gewisses Klima in der Schule vorherrschen und der Lehrer muß in seiner Position autoritär und im Hinblick auf Eigenverantwortung erheblich gestärkt werden. Doch das nur nebenbei.

Das dadurch verschenkte Potential würde mich aufregen. Gute
Lerngruppen sollten nicht größer als 10 Schüler sein. Das habe
ich in verschiedenen Sprachkursen kennengelernt.

Das kommt drauf an. Ab einem gewissen Niveau erreicht man mit geringeren Stärken sicherlich erheblich mehr, als durch didaktische Winkelzüge. Es ist aber weit weniger ein Muß, die Klassenstärken zu reduzieren, als immer dargestellt wird. Wir haben damals in der 1. Klasse 1989 mit über 30 Kindern dagesessen und das hat der - Neudeutsch - „individuellen Betreuung“ keinen Abbruch getan. Auch in Englisch nicht.

MfG

H wie Hola.

Das ist ja wohl genau das, was Wolfgang implizit mitansprach:
eine äußerst einseitige und selbstgefällige Sichtweise.

Stichwort „inkompetenter Lehrer“. Ja, was habe ich nich auch
für monotone Stunden erlebt. Was habe ich nicht für Lehrer
erlebt, wo man kurz dachte, daß derjenige didaktisch nicht auf
der Höhe wäre.

Und? Jahre später muß ich einräumen, daß gerade diese Leute
fachlich sowas von stark gewesen sind und uns auch jede Menge
Bildung in die Knochen gejagt haben - das geht auf keine
Kuhhaut.
Nur setzt sich das Puzzle viel später zusammen.

Wenn es ihnen denn gelingt, die Bildung auch zu vermitteln!
Ich kann mich da auch an fachlich starke Lehrer erinnern, die
es nicht fertig brachten, dieses Wissen auch rüberzubringen.
Mir ist ein Lehrer lieber, der das benötigte Wissen
rüberbringt, als einer, bei dem es für einen Doktor in
Mathematik reicht, dieses Wissen aber nicht vermittlen kann.
Solche Typen sind leider nicht selten.

Hier geht es doch schon los. Wer sagt denn, daß auch das
nötige Engagement von der anderen Seite überhaupt vorhanden
gewesen ist?

Das wird es nur sein, wenn der Ehrgeiz der Schüler geweckt werden kann. Ideal ist es, wenn schon im Elternhaus eine positive Einstellung zur Bildung herrscht, es kann aber auch am Beispiel von Freunden oder durch einen guten Lehrer geschehen.

Ich bitte dies nicht zu unterschätzen: Wenn 100 Schüler
behaupten, ein Lehrer könne den Stoff nicht vermitteln, wird
darunter eine nicht unerhebliche Anzahl sein, die dem
Unterricht gar nicht ausreichend folgen; durch Dinge wie nicht
erledigte Hausaufgaben/ vergessene Arbeitsmittel glänzen;
nicht mal soviel Intelligenz und Pflichtbewußtsein aufbringen,
das am Schultag Behandelte ein einziges Mal durchlesen,
trotzdem sie das Gefühl hatten, es im Unterricht nicht
verstanden zu haben; oder die dann, wenn der Lehrer Fragen zum
Stoff anbietet, still bleiben, anstatt den Mund aufzumachen.

Vermutlich aus Angst vor der Blamage oder Schüchternheit. Ich habe auch immer gewartet, bis jemand anderes fragte - zum Glück war auch fast immer jemand da :wink:.

Ein Schüler kann es bei so einigen Sachen gar nicht
überblicken, ob der Lehrer es gut oder schlecht vermittelt
hat.

Das stimmt! Ich habe meinen Mathelehrer immer sehr gut verstanden - ganz im Gegensatz zu der Mehrheit meiner Mitschüler. Vielleicht war er doch nicht so gut im Erklären?? Da musste so mancher Vater abends nochmal ran - meiner nie :wink:. Vermutlich waren unsere Denkstrukturen ziemlich ähnlich. Ich weiß sonst nicht, warum das so war. Bei anderen Mathelehrern später hatte ich diesen Vorteil leider nicht mehr.

Ich weiß schon, worauf Du im Kern hinauswillst bei den
genannten Sachen - doch so einfach ist es nicht.

Auch ein Lehrer, der es fertig bringt, dass zurückhaltende
Schüler nur noch Angst vor ihm haben, deshalb zurückbleiben
und später auf die Hauptschule wechseln müssen, ist meiner
Meinung nach fehl am Platz. Auch wenn der Rest der Klasse den
Stoff später relativ gut gelernt hat. Es ist nicht richtig,
die zurückhaltenden bloßzustellen. Wenn das mal bei einer
vorlauten Nervensäge passiert, ist das nachvollziehbar, aber
bei denjenigen, die sowieso schon still sind, ist das einfach
unfair.

Ich habe extra eingeräumt, daß man natürlich auch den Zonk
ziehen kann und daß es Kollegen gibt, die wirklich von der
Rolle sind.

Und bei dem ist es nur gerecht, wenn man sich beschwert!

Trotzdem hat es die
Lehrerschaft nicht verdient, pauschal in Schutz genommen zu
werden. Man muss auch dort differenzieren.

Doch, weil zu einem hohen Prozentsatz Sprüche und Ansichten in
solchen Diskussionen lanciert werden, die eines Lehrer Daseins
unwürdig sind.

Was ist heutzutage schon würdig? 1-Euro-Jobs? Die Verpflichtung, als Arbeitsloser jede Stelle anzunehmen? Das Klima ist kälter geworden.

Es tun immer alle so seit PISA, als ob die Republick voll von
didaktischen Versagern wäre. Dabei ist doch der umgekehrte
Tatbestand erfüllt: Es gibt wesentlich mehr unfähige Eltern
und täglich an Verblödung reicher werdenden Kindern.
Wo wird also das pädagogische Problem eher sitzen? Vor oder
hinter dem Lehrertisch? Was wird wohl die Wissensvermittlung
eher behindern? Kinder mit fragwürdigen Werten und
Verhaltensweisen oder ein 0-8-15-Lehrer?

Da stimme ich dir ganz zu. Die Lehrer sind vermutlich nicht besser oder schlechter als früher. Aber die Schüler sind viel abgelenkter: Ständig wird an Handys herugefummelt, jeder hat nachmittags unzählige Aktivitäten, es gibt viel mehr verfügbare Medien und die Eltern denken immer nur, es läge am Lehrer und nicht an ihrem Herzblatt, wenn was nicht läuft. Dazu kommt der Zwang, ein gutes Abi zu schaffen.

Zu meiner Schulzeit war das noch anders: Da bekamen Hauptschulabsolventen noch Lehrstellen und die Eltern hatten meist die eigenen Kinder in Verdacht, wenn etwas nicht so lief.

Es gibt aber Lehrer, die zu Recht mal eine Beschwerde und
vielleicht sogar auch einen Rüffel vom Chef tatsächlich
verdient hätten. Die Leute verdienen Geld mit dem Job und wer
etwas aus wirtschaftlichen Gründen tut, der hat irgendwo auch
Kunden.

Wer aus wirtschaftlichen Gründen den Lehrerberuf wählt, hat
sie nicht mehr alle. Und die Lehrer, die tatsächlich Mist
bauen, hab ich doch gar nicht weggeredet. Ich sagte sogar
ausdrücklich, daß es diese gibt.
Doch das ist kein Grund, eine Diskussion darauf zu verengen
und auch noch den eher größeren Rest der Lehrerschaft mit den
gleichen Topf zu werfen…
Womit wir wieder bei der Verhältnismäßigkeit wären: Es wird
der Eindruck erweckt, jeder zweite oder dritte Lehrer wäre ein
charakterlicher, didaktischer oder fachlicher Totalversager,
der am besten achtkantig herausgeworfen werden müßte, wenn es
ein Schüler oder ein Elternteil so will.

Verrückte Zeiten! Das entspricht aber nicht meiner Auffassung. Als ich zur Schule ging, gab es vielleicht mal einen Lehrer in der ganzen Schule, der wirklich eine total Niete war, zwei oder drei hätten mal ein ernsthaftes Personalgespräch benötigt und er Rest hat seinen Job mehr oder weniger ordentlich erledigt. Ich glaube nicht, dass das heute anders ist.

Ein Sprüchlein, was sich so manche Mutter und so mancher Vater
merken müßte, lautet: Wenn „Beschwerden“ zum Sprößling aus der
Schule kommen, hat das eigene Kind IMMER eine Aktie daran. Mit
dem auch vorkommenden Drangsalieren oder Niedermachen hat das
nicht entfernt etwas zu tun. Dagegen muß man dann wirklich
etwas tun.

Da stimme ich Dir zu.

Doch es würde sich für die Lehrerschaft ein ganz anderes Klima
ergeben, wenn nicht jedes Elternpärchen sofort angerannt käme
mit dem berühmten selbtgefällig-dummen Spruch „Mein Kind -
neeeein - mein Kind macht sowas nicht!“…

Ich denke, das liegt am „Abi-Zwang“. Die haben einfach Angst, dass ihr Kind später keinen Job bekommt. Und für dieses Ziel wird dann eben ein wenig die Wahrheit verdreht.

Siehe weiter oben mit dem Problem der tollwütigen Elternschaft
und der verzogenen Bälger. Und was bitte ist das Problem an
einem „langweiligen Lehrer“? Wo steht geschrieben, daß jemand,
überspitzt gesagt, hyperaktiv herumhüpfen muß?

Herumhüpfen muss keiner! Aber Interesse wecken, gut erklären,
motivieren, Schülern auch ein Bäh-Fach schmackhaft machen.

Ach, und? Wo kann ich denn dieses Buch kaufen, wo all die
tollen Kochrezepte drinstehen, die mir sagen, wie ich
Interesse wecke, wie ich gut erkläre, wie ich motiviere, wie
ich ein trockenes Fach schmackhaft mache?

Man muss sich in die Schüler hineinversetzen. Warum finden sie den Stoff uninteressant? Kann man eine Beziehung zwischen dem Stoff und ihren Interessen erzeugen? Oder einfach mit Blamagen drohen. In meiner Zeit hat das mit den Vokabeln und der Physik dadurch geklappt, dass nach dem Zufallsprinzip häufig mal einer noch vorn kommen musste und Fragen zum Stoff der letzten Stunde beantworten musste. Da fingen alle an, zu lernen. Regelmäßig und nicht nur vor Klassenarbeiten.

Du stocherst hier im puren Nebel, denn eigentlich weißt Du
auch nicht, wie es, wenn Du an solche Situationen
zurückdenkst, tatsächlich „besser“ gehen könnte. Und was ist
überhaupt „gut erklären“?
Als Elektrotechniker frage ich mich spontan: Wo kann ich das
Meßgerät kaufen, das mir anzeigt „gut erklärt“ oder „nicht gut
erklärt“.

Das hängt wohl auch vom Talent ab. Man muss sich in denjenigen hineinversetzen. Ich hatte mal einen Freund, der konnte kurz vor der Abschlussprüfung zum Energieanlagenelektroniker immer noch keine Formeln umstellen - trotz Internat! Ich konnte ihm das innerhalb von zwei Nachmittagen vermitteln. Das hat ihm nie mal einer richtig erklärt und er hatte bis dahin alle Formeln in allen Varianten auswendig gelernt. Was für eine überflüssige Arbeit!

Etwas gut zu erklären heißt auch manchmal anders herum gehen, wenn der herkömmliche Weg nicht verstanden wird. Manche Lehrer wiederholen einfach immer nur ihre erste Erklärung, wenn etwas nicht verstanden wird. Aber wenn das einer so nicht kapiert, dann wird das beim zweiten Versuch nicht besser! Dann muss der Lehrer eben das Pferd von hinten aufzäumen und einen anderen Weg wählen. Das mag ihm absurd erscheinen, aber jeder Mensch ist eben anders.

Wie motiviere ich denn besser, wenn schon von der Elternseite
die krassesten Sprüche in den Kopf des Schülers regelrecht
implantiert werden, oder wenn der Schüler nicht den geringsten
Leistungswillen zeigt, sich offen gegenüber dem Fach zu
zeigen…

Man zeigt ihm, wofür es nutzt. Man stellt Beziehungen her zwischen dem Stoff und seiner Welt.

Wie will bspw. manch Mathelehrer Interesse wecken, wenn der
Nutzen des ganzen erst Jahre später ersichtlich wird?

Z.B. beim Prozentrechnen eine Verbindung ziehen zur Geldanlage -> Geld für Handy, Urlaub, Führerschein. Jede Mathematik hat irgendwo ihre Anwendung. Man sollte die direkt mit einbeziehen, damit jeder weiß, wo das eingesetzt wird und wofür man es gebrauchen kann.

Hier muß einfach die andere Seite, die Schülerschaft, gewisse
Energien investieren und hinnehmen in dem Wissen, das Puzzle
fügt sich später.
Es muß Reife vorhanden sein, daß man auch weniger
interessanten Dingen zumindest respektvoll gegenübertritt.
Ich erwarte nicht, daß zum Beispiel meine Eltklässler nun an
die Decke springen, wenn ich mit den halbleiterphysikalischen
Grundlagen ankomme und mich dort durch die Teilchenströme und
Raumladungszonen kämpfe.

Klingt doch ganz interessant!

Aber ich erwarte soviel Geist im Kopf, daß die
Nichtinteressierten verdammt nochmal ihre Klappe halten, ihr
nötigstes Zeug tun und ruhig sind, damit niemand anderes
gestört wird…

Das würde ich auch erwarten. Aber vielleicht kannst Du doch noch ihr Interesse wecken?

Und nicht wie meine Französischleherin früher das Buch stur von
vorn nach hinten in einem langweiligen Tonfall durchzukauen.
Ohne Zusatzmaterial, ohne Landeskunde - war die langweilig!!

Französischlehrerinnen sind sowieso so eine Spezies für
sich…
Dennoch hätte es Dir vielleicht mehr gebracht, wenn Du ihre
Langweiligkeit einach hingenommen hättest, anstatt Dich daran
zu stören.

Habe ich auch - ich habe ganz ruhig dagesessen und gehofft, dass sie mich nicht aufruft und nebenbei die Bilder im Buch ausgemalt. Aber schade war es doch. In der 7 hatten wir nämlich eine andere Lehrerin, eine Französin, und bei der hat mir das Fach Spaß gemacht.

Im Gegensatz dazu der Physiklehrer…
Er sprach ganz leise, brachte es aber fertig, dass ihn jeder
verstand. Er machte Experimente mit uns, wir lernten löten und
Schaltungen aufbauen und sein Unterricht war immer
interessant.

Super. Als ob das ein Kunststück wäre, im Physikunterricht für
Auflockerung zu sorgen. Das bringt doch schon das Fach an sich
mit.
Dagegen ist Französisch eine Sprache, die in der Regel vom
Anfänger sehr viel Engagement verlangt, damit die nötige Basis
geschaffen wird.

Hier prallen fast unvereinbare Welten aufeinander, wenn Du
Physik mit Französisch in einen Topf werfen willst.

Das waren damals aber meine Extrembeispiele. Der Physiklehrer war mein bester und die Franzlehrerin die schlechteste Lehrerin. Man kann auch einen Sprachunterricht gut auflockern. Und zu meiner Verwunderung gibt es auch viele Leute, die Physik-Unterricht öde finden.

Klar, dass ich nach der 8 Französisch zu Gunsten
von Physik abwählte (Realschule). Heute lerne ich freiwillig
Französisch - bei einer lustigen Französin im Institut
Francais. Da macht das auch Spaß! Es lag also nicht generell

Auch hier vergleichst Du Äpfel mit Birnen, denn zwischen einer
staatlichen Mittelstufe und einem Institut mit
Muttersprachlerin liegen Welten…

Ich wollte damit nur aufzeigen, dass das Fach Französisch mir nicht grundsätzlich unangenehm ist, sondern ein gewisses Interesse schon vorhanden war und ist.

Eine Lektion, die heute viele Schüler eigentlich von Grund auf
wieder lernen müßten, ist dieses sich hinsetzen und machen,
anstatt erst einmal großmäulig herumzunörgeln. Es fehlt an
jedweder Geduld und einfach an der Demut, daß es im Leben
nicht immer nach dem eigenen Willen geht. Das gehört
unanfechtbar zum Reifeprozeß hinzu; Dingen Chancen einräumen,
sich geschickt arrangieren, um auch aus unpassenden
Konstellationen das Optimum herauszuschlagen. Warum? Weil es
objektive Zwänge sind, denen man sich zu beugen hat [schon
Goethe erkannte das].
Lehrjahre sind keine Herrenjahre und bevor man führen darf,
muß man sich unterordnen lernen. Binsenweisheiten,
Binsenweisheiten - die aber nicht treffender sein könnten.

Wenn ihre Eltern ihnen das nicht vermitteln und sie von allen
Verwandschaftsmitgliedern nur verwöhnt werden, ist das kein
Wunder. Aber auf der anderen Seite wird Kindern heute auch
kaum noch Freiraum gelassen, ihnen nichts allein zugetraut.
Sie dürfen oft noch nicht mal allein zur Schule gehen und
werden überallhin gefahren. Wo bleibt da die Chance, auch mal
etwas eigenverantwortlich zu machen? Die Eltern heutzutage
sind viel zu zimperlich!

Vorsicht. Für sowas wirst Du in diesem Forum schnell von allen
möglichen Weichspülern attackiert :wink:

Aber mal im Ernst: Gegängelte Schüler erzeugen Gegendruck! Das ist ganz normal und war auch schon zu meiner Schulzeit so.

Wenn mein KFZ-Mechaniker sch… baut, fahre ich gegen den Baum
und bin tot!

Wollen wir einmal lieber die Kirche im Dorf lassen…

Da er seine Arbeit aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit
erledigt, kann er auch nicht in dem Maße kritisiert werden,
wie ein Lehrer, der ständig vor einer größeren Gruppe agiert.

Ein Lehrer lehrt und erzieht genauso unter Ausschluß der
Öffentlichkeit. Der Rahmen der beteiligten Personen ist nur
etwas größer.

Die Frage lautet viel mehr: Wieso erdreistet sich die
Elternschaft, bei jedem Schritt geltungssüchtig eingreifen zu
wollen/zu müssen, obwohl vielleicht sogar Dein Abschnitt von
weiter oben („zimperlich“) zutrifft?

Eltern heute haben nur noch wenige Kinder. Da muss aus jedem „etwas werden“. Nieten will doch keiner. Gleichzeitig sind die Mindestanforderungen für die einfachsten Jobs enorm gestiegen. So wird dann um jeden Punkt gekämpft. Bei uns war das doch noch ziemlich egal, ob man nun mit einer 2 oder 3 oder 4 nach Hause kam.

Das beste Beispiel ist mir unmittelbar nach meinem
Quereinstieg in die Lehre passiert. Ein paar Auswendiglerner
bekamen in einer Klausur (die mehr Grips verlangte, als ein
bloßes Auswendiglernen) eine ‚5‘ und sofort standen die Eltern
auf der Matte — Warum denn ihr ach so tolles Kind eine ‚5‘
bekommen hat. Es habe doch sonst immer sooo gute Noten und
diese ‚5‘ sei inakzeptabel. Sie müßtee sofort geändert werden
und weiß der Teufel was.
Ich hab gedacht, ich wäre im falschen Film. Der Junior hat
einfach Scheiße gebaut und den Eltern fällt nichts Besseres
ein, als erstmal der zuständigen „person in charge“ und dem
ganzen Apparat Fehler und Schuld zu unterstellen. Zu dem
Problem hab ich dann sogar hier bei WWW einige Meinungen
eingeholt, weil ich gar nicht so dumm denken konnte, wie sich
diese Eltern benommen haben.

Ja, ich erinnere mich. Vermutlich haben die Schüler den Stoff nicht grundsätzlich verstanden und haben diesen Mangel durch Auswendiglernen kaschiert. So wie mein Freund mit den Formeln. Da das aber niemand gemerkt hatte, fielen die Eltern aus allen Wolken. Die Schüler sind doch so fleißig gewesen :wink:.

Es klingt plakativ, doch es ist einfach so: Stell Dich selbst
vor eine Klasse und wir sprechen uns danach wieder. Dann
erörtern wir noch, wie Du diese Erfahrung an vielen, vielen,
vielen Tagen im Jahr fändest in vielen, vielen, vielen Jahren
im Leben.

Um Gottes Willen - dafür bin ich viel zu schüchtern! Ich hatte
schon mal eine Gruppe Eislaufkinder zu betreuen. Das war schon
eine Überwindung!

Ach. Wie war das nochmal mit dem „besser erklären“ *SCNR* …

Hinterher ging es aber doch ganz gut. Ich hatte ein „Belohnungssystem“ entwickelt. Jedes Kind, das eine neue Fähigkeit gelernt hatte, bekam einen kleinen Stern auf einen Button geklebt, der an die Kleidung geheftet war. Die Kinder waren mit Feuereifer dabei - auf der Jagd nach den Sternchen :wink:. Da ich aber die Fortschritte unauffällig beobachtet hatte, ohne dass das die ganze Gruppe mitbekam, gab es weniger Vorführeffekte und keiner scheiterte vor den anderen. Besonders für die Schüchternen war das ganz angenehm. Vermutlich war ich die erste „Lehrkraft“ die sie wirklich verstand :wink:. Lehrer und Trainer sind ja meist recht extrovertierte Persönlichkeiten, die sich gar nicht vorstellen können, wie sich das anfühlt.

Ma schauen, wie Du dann urteilen würdest.

Aber auch, wenn ich nicht schüchtern würde, würde ich solch
einen Job dankend ablehnen. Die Klassen sind mir viel zu groß

  • da kann man sich nicht ausreichend um den Einzelnen kümmern.

Ach. :smile:

Zumal das mit der Klassenstärke kein hartes Argument ist. Es
gibt durchaus Möglichkeiten, auch problemlos auf einzelne
Schüler einzugehen, wenn da noch 32 andere sitzen. Dafür muß
aber ein gewisses Klima in der Schule vorherrschen und der
Lehrer muß in seiner Position autoritär und im Hinblick auf
Eigenverantwortung erheblich gestärkt werden. Doch das nur
nebenbei.

Das dadurch verschenkte Potential würde mich aufregen. Gute
Lerngruppen sollten nicht größer als 10 Schüler sein. Das habe
ich in verschiedenen Sprachkursen kennengelernt.

Das kommt drauf an. Ab einem gewissen Niveau erreicht man mit
geringeren Stärken sicherlich erheblich mehr, als durch
didaktische Winkelzüge. Es ist aber weit weniger ein Muß, die
Klassenstärken zu reduzieren, als immer dargestellt wird. Wir
haben damals in der 1. Klasse 1989 mit über 30 Kindern
dagesessen und das hat der - Neudeutsch - „individuellen
Betreuung“ keinen Abbruch getan. Auch in Englisch nicht.

Wir saßen in der 5. Klasse 1975 mit 40 Kindern. Beim ersten Lehrersprechtag wußte meine Klassen- und Englischlehrerin gar nicht, wer Anne überhaupt war. Meine Mutter fand das schon etwas seltsam.

Vermutlich deshalb war sie hauptsächlich damit beschäftigt, die Klassenstärke auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Überlege mal, beim Abschluss der Klasse 10 waren wir noch 33. Davon bestand ca. die Hälfte aus Leuten, die irgendwann von außerhalb dazugekommen waren, entweder Sitzenbleiber oder Abgänger vom Gymnasium. Wir haben also den größten Teil der Eingangsklasse an die Hauptschule oder untere Klassen verloren. Es gab zwar auch mal Leute, die umgezogen sind, aber das werden nicht mehr als 2-3 gewesen sein.

Samstag haben wir Klassentreffen :wink:. 25 Jahre!

Aber ich denke mal, dass sich das heutige Eltern nicht mehr so leicht gefallen lassen, wenn ihre Kinder so einfach abserviert werden! Und das finde ich auch richtig so! Die meisten von ihnen waren nämlich gute Kinder, keine Dummköpfe oder Klassenclowns (von 1-2 Ausnahmen abgesehen)! Damals schickte man keine schwachen Schüler auf eine Realschule. In einer kleineren Klasse mit einer weniger sarkastischen Klassenlehrerin und etwas Förderung hätte es die Mehrheit locker schaffen können.

Viele Grüße

Anne